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Ausland, Nordamerika

Der verrückte Hund fletscht die Zähne

von  Ray McGovern – http://www.luftpost-kl.de

Der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern kritisiert die Uneinsichtigkeit und militärische Blindheit des neuen US-Verteidigungsministers James Mattis.

Als der gewählte Präsident Donald Trump seine Talentsucher in den Zwinger für Kampfhunde schickte, den der gigantische Rüstungskonzern General Dynamics unterhält, um dort James Mattis (s. http://thehill.com/homenews/administration/313196-mattis-to-divest-stock-resign-from-board-of-general-dynamics-under ), einen ehemaligen General der Marineinfanterie mit dem Beinamen „Mad Dog“ (verrückter Hund, s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/James_N._Mattis ) als seinen Verteidigungsminister rekrutieren zu lassen, wurde jede besorgte Kritik sofort von dem arroganten einen Prozent (an der Spitze der USA) im Keim erstickt.

Diejenigen, die zu wissen glauben, „was für unser Land am besten ist“, beharrten darauf dass kein „Grund zur Sorge“ bestehe, weil Mattis ein Universalgenie sei. Ja, er habe zwar schon einmal geprahlt, „dass es Spaß mache, Leute zu erschießen“. Aber nachdem er abends heiß geduscht habe, lese er griechische Heldenepen.

Syrien

Letzten Sonntag erklärte Mattis in einem Interview mit dem TV-Sender CBS, dass US-Soldaten bald wieder mehr Spaß haben könnten. In einer Zeit, in der die Anzahl der zivilen Opfer in Syrien extrem hoch ist, verkündete das Universalgenie in der Sendung „Face the Nation“ (s. https://www.youtube.com/watch?v=TCYKpMtfGn4 ):

„Wir sind bereits von der Zermürbungstaktik, die darin bestand, die Terroristen im Irak und in Syrien immer wieder zum Positionswechsel zu zwingen, zur Taktik der Einkesselung und Vernichtung übergegangen.“

Auf die Frage nach zivilen Opfern antwortete er:

„Zivile Opfer sind in solchen Situationen nun mal nicht zu vermeiden. Das US-Militär versucht das militärisch Notwendige aber so human wie möglich durchzuführen.“

Das erinnert an die Executive Order (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Executive_Order ), die Präsident George W. Bush am 7. Februar 2002 zur Genehmigung der Folter – eines anderen Kriegsverbrechens – erlassen hat. (Der komplette Text ist nachzulesen unter http://www.pegc.us/archive/White_House/bush_memo_20020207_ed.pdf .) Auch in diesem Dekret wurde versichert, die Gefangenen würden „im Rahmen der militärischen Notwendigkeit, so human wie möglich und unter Beachtung der Genfer Prinzipien behandelt“.

Afghanistan

Was Mattis für Afghanistan plant, ist noch viel schlimmer – wenn das überhaupt möglich ist. Wie mehrfach berichtet wurde, überlegt er gerade – man glaubt es kaum – wie viele von der Armut in die Army getriebene Soldaten er erneut nach A f g h a n i s t a n schicken wird.

Anstatt Homer zu lesen und über den Trojanischen Krieg (s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/Trojanischer_Krieg ) vor 33 Jahrhunderten zu sinnieren, sollte sich Mattis möglichst schnell und gründlich über die „jüngere Geschichte“ Afghanistans informieren. Er sollte zum Beispiel darüber nachdenken, dass vor 27 Jahrhunderten schon Alexander der Große scheiterte, als er versuchte, auch noch Afghanistan zu erobern. Dabei ist „Scheitern“ das Schlüsselwort. Schon damals leisteten die Afghanen erbitterten Widerstand, weil sie aus (bis heute) verständlichen Gründen nicht von der damaligen „einzigen Supermacht der Welt“ unterworfen und besetzt werden wollten.

Alexander war klug genug, zu begreifen, dass er sich an Afghanistan die Zähne ausbeißen würde. Weil er klaren Sinnes war, zog er sich mit seiner Armee zurück, bevor sie völlig aufgerieben wurde. Schon dafür verdient er den Beinamen „der Große“. Anders als alle anderen, die in den darauffolgenden 22 Jahrhunderten Afghanistan erobern wollten, sah er ein, dass der Einsatz bei diesen Spiel zu hoch war.

Alexander wird das folgende Sprichwort zugeschrieben: „Für den, der etwas wirklich will, ist nichts unmöglich.“ Damit schließt er natürlich nicht aus, dass es auch Vorhaben gibt, die n a h e z u unmöglich und außerdem nicht wichtig genug sind, um jeden Einsatz zu rechtfertigen.

Nur Narren marschieren ins Verderben

In den nachfolgenden Jahrhunderten haben viele mächtige „Staatsmänner“, die aber nicht „groß“ genug waren, um die Finger von „Unmöglichem“ zu lassen, immer wieder versucht, die unüberwindlichen afghanischen Stämme zu unterwerfen. Auf der langen Liste dieser Narren finden sich Araber, Mongolen, Perser, Inder, Briten, Russen – und nun auch US-Amerikaner (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Afghanistans ).

Hoffentlich wendet sich das Universalgenie Mattis von Homer und dem Trojanischen Krieg ab und der „neueren Geschichte Afghanistans“ zu. Ein guter Start wäre die Lektüre des Klassikers „The March of Folly: From Troy to Vietnam“ (Die Torheit der Regierenden: Von Troja bis Vietnam, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Torheit_der_Regierenden ) von Barbara Tuchmann.

Die Bombenexplosion in Kabul, bei der gestern Abend mehr als 80 Personen getötet und weitere 300 zum Teil schwer verletzt wurden, könnte Mattis und seinen unter Wahnvorstellungen leidenden Chef als Vorwand dienen, wieder verstärkt militärisch zuzuschlagen und den aussichtslosen Krieg in Afghanistan mit einer zweiten „Surge“ (Welle, s. dazu auch http://www.telegraph.co.uk/news/2017/05/09/donald-trump-weighing-troop-surge-afghanis-tan-amid-split-white/ ) von US-Soldaten erneut anzuheizen. Zu einer ersten „Surge“ hat ein Mattis-Vorgänger schon den damals militärisch noch völlig unbedarften Präsidenten Barack Obama überredet; der hatte schon im Wahlkampf zwischen dem „guten Krieg“ in Afghanistan und dem „schlechten Krieg“ im Irak unterschieden.

Bereits im März 2009 habe ich Barack Obama, der damals „noch nicht ganz trocken hinter den Ohren“ war, mit meinem Artikel „Herzlich willkommen in Vietnam, Herr Präsident!“ zu warnen versucht. In Anbetracht der vielen Opfer, die der US-Krieg in Afghanistan bis heute fordert, habe ich meine Warnung auch danach immer wieder vorgebracht. Nur ein geringer Teil der unzähligen Toten findet überhaupt Beachtung – die „gefallenen Helden“ der USA, die gerade wieder gefeiert wurden. Dabei sind sie keineswegs „gefallen“, sie mussten sich in den Tod schicken lassen, weil die Armut den meisten keine andere Wahl ließ.

Die übergroße Mehrheit der Toten und Verletzten stammen auch nicht aus den USA, und die meisten sind zivile Opfer, die nach „Mad Dog“ Mattis Meinung „aus militärischer Notwendigkeit in Kauf genommen werden müssen“.

Vielleicht kann ihm jemand ein Geschichtsbuch über Alexander den Großen in die Hand drücken und ihm dadurch zu der Einsicht verhelfen, dass ein vollständiger Rückzug aus Afghanistan keine schlechte Idee wäre und ihn vielleicht sogar als „Mad Dog den Großen“ in die Geschichte eingehen ließe. Er sollte unbedingt lernen, dass sich die Menschen im armen Afghanistan und ihre Unterstützer im Nachbarland Pakistan von keiner Macht der Welt knechten lassen. Man müsste das Universalgenie Mattis dazu bringen, dem Beispiel Alexanders zu folgen und nichts Unmögliches zu versuchen – nicht nur, weil das zu viele Menschenleben und zu viel Geld kostet, sondern vor allem, weil es weder militärisch, noch strategisch irgendeinen Sinn macht.

Es wäre auch gut, wenn einer seiner Mitarbeiter das Homer-Epos unter seinem Kopfkissen durch einen oder zwei Artikel wie diesen ersetzen würde, um ihm begreiflich zu machen, dass es nicht „spaßig“, sondern total bescheuert ist, Menschen zu killen. Und das gilt besonders für Afghanistan.

Raymond McGovern war von 1963 bis 1990 CIA-Analyst und ist heute politischer Aktivist. In den 1980er Jahren hat er bei gemeinsamen Einschätzungen der US-Geheimdienste den Vorsitz geführt und das tägliche Briefing für den US-Präsidenten vorbereitet. Seine Website ist aufzurufen unter http://raymcgovern.com/ .

(Wir haben seine Ratschläge für den neuen US-Verteidigungsminister James Mattis komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. )

http://www.informationclearinghouse.info/47167.htm

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP09817_160617.pdf

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der verrückte Hund fletscht die Zähne

  1. dem Mann muß doch einer ins Gehirn geschissen haben, was?

    Gefällt mir

    Verfasst von reiner tiroch | 18. Juni 2017, 11:53

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