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Natalia Sedowa Trotzkis Bruch mit der 4. Internationale

von Natalja Trotzki – Norbert Nelte

Der folgende Text ist ein Brief, den Natalja Trotzki 1951 an die Führung der Vierten Internationale und die Führung der Socialist Workers Party (SWP)[1] schrieb, in dem sie jede politische Verbin­dung mit diesen Organisationen abbrach. Der Brief wurde zuerst in der amerikanischen Presse veröffentlicht.

Anschließend ein Artikel von Norbert Nelte zum Thema :
Trotzki: 1936 war die Bürokratie nur eine Schicht, aber 1940 doch eine herrschende Klasse, zu spät?

An das Exekutivkomitee der Vierten Internationale
An das Politische Komitee der SWP (USA)

Genossen,

ihr wißt genau, daß ich mit Euch in den letzten fünf oder sechs Jahren seit dem Ende des Krieges und schon vorher nicht überein­gestimmt habe. Die Haltung, die Ihr zu den wichtigen Fragen der jüngsten Zeit eingenommen habt, zeigt mir, daß Ihr auf Euren poli­tischen Irrtümern besteht und sie vertieft, anstatt sie zu korrigieren. Auf Eurem Weg habt Ihr den Punkt erreicht, wo ich nicht länger schweigen oder mich auf private Proteste beschränken kann. Ich muß meine Auffassung öffentlich darlegen.

Der Bruch, zu dem ich mich genötigt sehe, ist für mich schwer­wiegend und schwierig, und ich kann ihn nur ernstlich bedauern. Aber es gibt keinen anderen Weg. Nach langen Überlegungen und Zögern über eine Frage, die mir außerordentliche Sorgen bereitet, muß ich Euch sagen, daß ich keinen anderen Weg sehe als den, öf­fentlich zu erklären, daß unsere Meinungsverschiedenheiten es mir unmöglich machen, noch länger in Euren Reihen zu bleiben.

Die Gründe für diesen meinen letzten Schritt sind den meisten von Euch bekannt. Ich wiederhole sie hier kurz nur für diejenigen, denen sie nicht vertraut sind und berühre nur die Differenzen von grundlegender Bedeutung und nicht die Differenzen um Fragen der Tagespolitik, die sich auf diese grundlegenden Differenzen bezie­hen oder aus ihnen folgen.

Von alten und überlebten Formeln besessen fahrt Ihr fort, den stalinistischen Staat als einen Arbeiterstaat zu bezeichnen. Ich kann und werde Euch darin nicht folgen.

Im Grunde genommen hat L.D.Trotzki in jedem Jahr seines Kampfes gegen die usurpartorische stalinistische Bürokratie wie­derholt, daß dieses Regime sich unter den Bedingungen einer ver­zögerten Weltrevolution und der Eroberung aller politische Posi­tion durch die Bürokratie nach Rechts entwickelt. Wieder und wie­der hat er darauf hingewiesen, wie die Festigung des Stalinismus in Rußland zur Verschlechterung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage der Arbeiterklasse und zum Triumph einer tyranni­schen und privilegierten Bürokratie führte. Wenn diese Entwick­lung anhält, sagte er, wird es mit der Revolution zu Ende und die Restauration des Kapitalismus erreicht sein.

Dies ist es, was sich unglücklicherweise ereignet hat, wenn auch in neuen und unerwarteten Formen. Es gibt kaum ein Land in der Welt, wo die ursprünglichen Ideen des Sozialismus und ihre Ver­treter so barbarisch gehetzt werden. Es sollte jedermann klar sein, daß die Revolution durch den Stalinismus vollständig zerschlagen wurde. Ihr jedoch fahrt fort zu behaupten, daß Rußland unter die­sem unaussprechlichen Regime immer noch ein Arbeiterstaat ist. Ich sehe darin einen Angriff auf den Sozialismus. Stalinismus und der stalinistische Staat haben nicht das Geringste gemeinsam mit einem Arbeiterstaat oder mit Sozialismus. Sie sind die schlimmsten und die gefährlichsten Feinde des Sozialismus und der Arbeiter­klasse.

Ihr haltet daran fest, daß die Staaten Osteuropas, über die der Stalinismus während und nach dem Krieg seine Vorherrschaft er­richtet hat, ebenfalls Arbeiterstaaten sind. Das ist das Gleiche wie zu sagen, der Stalinismus hat eine revolutionäre sozialistische Auf­gabe durchgeführt. Ich kann und will Euch darin nicht folgen.

Nach dem Krieg, ja bevor er endete, entwickelte sich in diesen osteuropäischen Ländern eine revolutionäre Massenbewegung. Aber es waren nicht die Massen, die die Macht gewannen, und es waren keine Arbeiterstaaten, die durch ihren Kampf errichtet wur­den. Die stalinistische Konterrevolution gewann die Macht und in­dem sie die arbeitenden Massen, ihre revolutionären Kämpfe und ihre revolutionären Ziele strangulierte, machte sie diese Länder zu Vasallen des Kremls.

Indem Ihr der Meinung seid, die stalinistische Bürokratie habe in diesen Ländern Arbeiterstaaten errichtet, schreibt Ihr der stalinisti­schen Bürokratie eine fortschrittliche und sogar revolutionäre Rolle zu. Indem Ihr diese monströse Lüge gegenüber der Vorhut der Ar­beiter propagiert, leugnet Ihr alle entscheidenden Gründe für das Bestehen der Vierten Internationale als einer Weltpartei der sozia­listischen Revolution. In der Vergangenheit waren wir immer der Ansicht, daß der Stalinismus eine konterrevolutionäre Kraft ist, im vollen Sinn dieses Begriffes. Ihr sagt das nicht mehr. Aber ich werde weiterhin darauf bestehen.

1932 und 1933 erklärten die Stalinisten, um ihre schamlose Ka­pitulation vor Hitler zu rechtfertigen, daß es nicht viel ausmachen würde, wenn die Faschisten an die Macht kämen, weil der Sozia­lismus nach und durch die Herrschaft des Faschismus kommen würde. Nur unmenschliche Scheusale ohne die Spur sozialistischen Denkens oder Geistes haben auf diese Weise argumentieren kön­nen. Nun, ungeachtet der revolutionären Ziele, die Euch bewegen, haltet Ihr daran fest, daß die despotische stalinistische Reaktion, die in Europa triumphiert hat, einer der Wege ist, mit denen man viel­leicht zum Sozialismus kommt. Diese Sicht bezeichnet einen un­heilbaren Bruch mit den tiefsten Überzeugungen, an denen unsere Bewegung immer festgehalten hat und die ich weiter teilen werde.

Ich sehe mich außerstande, Euch in der Frage des Titoistischen Regimes in Jugoslawien zu folgen.[2] Die ganze Sympathie, die ganze Unterstützung von Revolutionären und selbst aller Demo­kraten sollte dem jugoslawischen Volk zu Gute kommen, das ent­schieden den Anstrengungen Moskaus Widerstand leistet, es und sein Land in ein Lehen zu verwandeln. Die Zugeständnisse, die das jugoslawische Regime jetzt gezwungen ist, dem Volk zu machen, müssen voll ausgenützt werden. Doch Eure ganze Presse widmet sich einer unentschuldbaren Idealisierung der Titoististischen Bü­rokratie, für die es keinen Grund in der Tradition und den Prinzi­pien unserer Bewegung gibt.

Diese Bürokratie ist nur eine Kopie der alten stalinistischen Bü­rokratie in neuer Form. Sie wurde erzogen in den Ideen, der Politik und der Moral der GPU (Stalins Geheimpolizei). Ihre Herrschaft unterscheidet sich von Stalins Herrschaft in keinem grundlegenden Gesichtspunkt. Es ist absurd zu glauben oder zu lehren, daß sich aus dieser Bürokratie heraus eine revolutionäre Führung des ju­goslawischen Volkes entwickeln wird, oder daß sie in einer ande­ren Weise entstehen kann als im Kampf gegen diese Bürokratie.

Am allerwenigsten zu unterstützen ist Eure Haltung zum Krieg. Der Dritte Weltkrieg, der die Menschheit bedroht, stellt die revolu­tionäre Bewegung vor die schwierigsten Probleme, die verwi­ckeltsten Situationen, die schwerwiegendsten Entscheidungen. Un­sere Position kann nur nach der ernsthaftesten und freiesten Dis­kussion bezogen werden. Aber angesichts aller Ereignisse der jüngst vergangenen Jahre macht Ihr Euch weiter zum Anwalt der Verteidigung des stalinistischen Staates und verpfändet die ganze Bewegung. Selbst heute noch unterstützt Ihr die Armeen des Stali­nismus in dem Krieg, den das gequälte koreanische Volk erdul­det.[3] Ich kann und will Euch darin nicht folgen.

Vor langer Zeit, 1927, erklärte Trotzki als Antwort auf eine ver­räterische Frage Stalins im Politbüro seine Ansichten wie folgt: »Für das sozialistische Vaterland, ja! Für das stalinistische Re­gime, nein!« Das war 1927. Heute, 23 Jahre später, hat Stalin vom sozialistischen Vaterland nichts übrig gelassen. Es ist ersetzt wor­den durch die Versklavung und Erniedrigung des Volkes durch die stalinistische Selbstherrschaft. Das ist der Staat, den Ihr empfehlt, im Krieg zu verteidigen, den Ihr schon in Korea verteidigt.

Ich weiß sehr gut, wie oft Ihr wiederholt, daß ihr den Stalinismus kritisiert und ihn bekämpft. Aber die Tatsache ist, daß Eure Kritik und Euer Kampf ihren Wert verlieren und zu keinem Ergebnis kommen können, weil sie von Eurer Position der Verteidigung  des stalinistischen Staates bestimmt werden und ihr untergeordnet sind.

Wer immer dieses Regime barbarischer Unterdrückung verteidigt, egal mit welchen Motiven, gibt die Prinzipien des Sozialismus und Internationalismus preis.

In der Nachricht, die mir von der jüngsten Tagung der SWP ge­schickt wurde, schreibt Ihr, daß Trotzkis Ideen Euer Wegweiser bleiben. Ich muß Euch sagen, ich lese diese Worte mit großer Bit­terkeit. Wie Ihr aus dem oben Geschriebenen sehen könnt, sehe ich nicht seine Ideen in Eurer Politik. Ich habe Vertrauen in seine Ideen. Ich bleibe überzeugt, daß der einzige Weg aus der gegen­wärtigen Lage die soziale Revolution ist, die Selbstbefreiung des Weltproletariats.

Natalja Sedowa Trotzki,                                                      Mexiko, D.F., 9. 51

[1]Die Socialist Workers Party ist die Sektion der Vierten Internationale in den USA

[2] 1948 kam es zum Bruch zwischen Stalin und Tito. Tito war nicht länger bereit, die Entwicklung der jugoslawischen Wirtschaft den Bedürfnissen der russischen Wirtschaft unterzuordnen. Tito und die jugoslawische KP wurden deshalb wegen „antisowjetischer“ und „nationalistischer“ Haltung aus der Kominform ausgeschlossen.

[3] Mit Beendigung des 2. Weltkriegs entstanden in Korea zwei Staaten, die von Marionettenregimes der USA im Süden und der UdSSR im Norden beherrscht wurden. 1950 kam es zum offenen Krieg in Korea. Die nordkoreanischen Truppen scheinen als erste in den Süden einmarschiert zu sein, allerdings nach einer Reihe scharfer Provokationen des Südens. Die USA versuchte ganz Korea zu erobern. Ihr Ziel war die vollständige Kontrolle über die Küsten des Pazifischen Ozeans, den sie seit dem 2. Weltkrieg kontrollierte. Besonders dringend erschien diese Absicherung nach dem Sieg der chinesischen Revolution. Das Ziel der UdSSR war ebenfalls eine Kontrolle Koreas, um die Hegemonie der USA über Japan zu verhindern und die östliche Flanke der UdSSR abzusichern. Die UdSSR griff selbst nicht militärisch in den Konflikt ein – sie schickte die Chinesen für sich auf das koreanische Schlachtfeld. Daß dieser Krieg nur ein Krieg zwischen den beiden Großmächten war, auf dem Boden Koreas und unter unendlichem Leid der koreanischen Bevölkerung, zeigt der Friedensschluß 1953. Sofort nachdem sich die USA und die UdSSR geeinigt hatten, war der Krieg beendet.

 

Trotzki: 1936 war die Bürokratie nur eine Schicht, aber 1940 doch eine herrschende Klasse, zu spät?

1936 schrieb Trotzki in der „Verratenen Revolution“ über das Gesellschaftssystem in der Sowjetunion, dass sehr wohl noch die sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution geblieben sein, nicht aber die politischen, die revolutionäre Partei. Es hätte also eine politische Konterrevolution gegeben, nicht aber eine soziale. Es wird von den Anhängern dieser These noch als „Arbeiterstaat bezeichnet, aber nur als einen „degenerierten Arbeiterstaat“.

Die Partei wurde zwar durch die vielen Rauschmisse und Verhaftungen der Revolutionäre verbürgerlicht, aber Trotzki schätze die Mitglieder 1935 noch nicht als herrschende Klasse ein, sonder nur als eine Schicht. Klar, wenn es in seinen Augen 1936 schon eine konterrevolutionäre herrschende Klasse gewesen wäre, dann hätte sie natürlich auch die sozialen Errungenschaften des Oktobers abgeschafft.

1940 dann sah er schon; dass die Bürokratie zu mindestens mit dem Kleinbürgertum um die Rolle als herrschende Klasse kämpft.

Meine persönlichen Erfahrungen in der DDR waren ganz andere.

Ich selber bin 1945 in der DDR geboren. Schon als 6jähriger habe Ich mich angeekelt gefühlt, als ich einen Film über den Krieg sah, in dem sich die UdSSR im Krieg nur heroisierte und keinerlei kritische Substanz zum Krieg entwickelte. Eine Verrohung der Menschen, besonders der Kinder war das.

Mit 7 wurde ich 1972 eingeschult und war der einzige von der Klasse, der nicht in die Jungen Pioniere ging. Bei Schulende stand ich an der Tür, und als die Pioniere raus liefen, rief ich „Junge Pioniere scheißen vor die Türe“. In dem Moment kam der Schuldirektor um die Ecke und als ich nach Hause kam, war schon der Stasi da.

Wir sind dann 1953 und jeder einzeln nach West Berlin. Ich bin mit meiner Tante mit der S-Bahn gefahren. Am Ausgang am Bahnhof Friedrichstraße stand ein Vopo und fragte meine Tante, „ist das Nelte’s Sohn?“. Geistesgegenwärtig ging meine Tante einfach weiter und wir waren im Westen. Die hätten mich in ein Kinderheim für schwer Erziehbare gegeben. Das machten sie immer bei Flüchtlingskindern.

Ich hätte nie schon nach den wenigen Erfahrungen als junger Mensch die DDR als etwas vorangeschrittenes oder irgendetwas fortschrittliches, wie das die Bürokratie Verteidiger ausdrücken, sehen können. Im Alter dann aber verstehe ich mich zwar als glühender Trotzkist, aber nicht in dieser Frage des „degenerierten Arbeiterstaates“. Für mich war es immer wichtig, dass alle Menschen in der Welt, alle, den gleichen Lohn und die gleichen Rechte haben und die Kommunisten nicht in eine Position geraten, in der sie sich den Moskau Anhängern (ob Diktaturen oder Reformisten) anpassen.

Ich dachte, mit der Staatskapitalismus-Theorie der Internationalen Sozialisten wäre das schon genug gewährleiste. Pustekuchen, Marx21 passt sich immer mehr der PDS an, den Stalinschen Reformisten. Die Führerin dort, Christine Buchholz, machte gleich zu Anfang klar, dass sie von der Staatskapitalismus Theorie nichts mehr hören will.

Ich sehe aber bei der PTS, der argentinischen Partei der Trotzkistischen Fraktion der IV. Internationalen, leider eine Anhängerin der „degenerierten Arbeiterstaats“-theorie, dass sie eine klare Grenze zu den Moskau Stalinisten zieht. Die Abgrenzung verläuft einfach bei der ArbeiterInnenklasse

Die Arbeiterklasse ist die einzige Klasse, deren objektives Interesse internationalistisch ist. Das ist die einzige Form, womit eine Weltwirtschaft heute wieder funktionieren könnte, wenn jeder weltweit das gleiche verdient und kein Profit mehr existiert. Genau das sind die Forderungen der selbstverwalteten Betriebe, auf die sich die PTS stützt.

Nur deshalb funktioniert auch heute nach der vollständigen Entwicklung der Produktivkräfte wirtschaftlich eine Arbeiterrätepolitik, in der die Arbeiterklasse das Zentrum bildet. Karl Marx, der ja die basisdemokratische Commune in den Mittelpunkt seiner Agitation gerückt hat sagte deshalb „Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter selber sein“.

Die DKP und auch die KPD/ML sagen heute ganz offen, dass die Arbeiterklasse sich selber nicht organisieren kann und deshalb das Kleinbürgertum die Macht übernehmen sollte. Das hatte mir ein Druckereibesitzer von der DKP und ein Apotheker von der KPD/ML gesagt, beide aus der Führung. Ihren Mitgliedern aber erzählen sie etwas von der Führung der Arbeiterklasse, wie in der DDR und China, das war auch eine Diktatur von Kleinbürgern über die Arbeiterklasse und die Bauern, den Massen aber erzählen sie was von Selbstbefreiung.

Ebenso in Argentinien. In dem Film- über die besetzten Betriebe sagt der Rechtsanwalt Luis Alberto Caro über diese Kooperativen: „Diese Organisationsformen sind schlecht angesehen bei den Vertretern des Liberalismus oder des Neoliberalismus, aber auch bei denen, die die kommunistische Idee verteidigen,[Er meint die stalinistische Partei Argentiniens] sie alle meinen, die Arbeiter seien nicht in der Lage, sich selbst zu organisieren“

Das sagen die Stalinisten in einem Land, in dem schon 387 selbstverwaltete Betriebe existieren. Ich denke, zu dieser Organisation muss es eine klare inhaltliche Abgrenzung geben, auch oder gerade, wenn man gemeinsam mal demonstriert.

Gut, bei Trotzki kann ich verstehen, dass er diesen Bruch nicht schon 1924 vollzog, als Stalin die Theorie aller Marxisten des „Internationalen Sozialismus“ bzw. der „Permanenten Revolution“ umkehren ließ in „Revolution in einem Lande“ oder 1928 vollzog, als Stalin die Arbeiterräte auflöste. Es war schließlich Trorzkis eigenes Kind, das nur aus der Art geriet. 1936, mit den Massenhinrichtungen der 1917er Revolutionäre wurde es schon eng.

Aber schon 1936, als Trotzki in der „verratenen Revolution” die Ana­lyse des „degenerierten Arbeiterstaates” entwickelte, weist er darauf hin, dass der Prozess der Degenerierung noch nicht abgeschlossen sei, folglich seine Formel des „degenerierten Arbeiterstaates” keine endgültige und ewige Gültigkeit hätte.

»Die wissenschaftliche wie die politische Aufgabe besteht nicht darin, einen unvollendeten Prozess mit einer vollendeten Defini­tion zu versehen, sondern darin, ihn in seinen Etappen zu verfol­gen … und in dieser Voraussicht eine Stütze für das Handeln zu finden«[1]

Die Neugründung der Internationalen war dann schon ein mutiger Schritt.

„Im  September  1938  erklärte  sich  eine  Versammlung  von  21  Delegierten  von  11 Organisationen  zur  Gründungskonferenz  der  Vierten  Internationale,  Weltpartei  der Sozialistischen Revolution.[2]

»Ein totalitäres Regime, ob stalinistischen oder faschistischen Typs, kann seinem Wesen nach  nur  ein  vorübergehendes,  ein  Übergangsregime  sein.« [Trotzki: „Die UdSSR im Krieg“]

Er  betrachtete  die herrschende Bürokratie nicht als eine Klasse, sondern als eine bonapartistische Gruppe, die »gerufen wurde, um im Gegensatz zwischen Proletariat und Bauernschaft zu vermitteln.«[3] Hamburg, 1988.

1938 hat er im Übergangsprogramm zumindest die Kommunistischen Weltparteien und ihre Zentrale schon als bür­gerliche Kräfte und Konterevolutionäre bezeichnet:

»Der endgültige Übergang der Komintern auf die Seite der bür­gerlichen Ordnung, ihre zynisch konterrevolutionäre Rolle in der ganzen Welt, insbesondere in Spanien, Frankreich, den Verei­nigten Staaten und den anderen „demokratischen“ Ländern – hat für das Weltproletariat außerordentliche zusätzliche Schwierig­keiten geschaffen. Unter dem Banner der Oktoberrevolution ver­urteilt die versöhnlerische ,Volksfront‘-Politik die Arbeiterklasse zur Ohnmacht und bahnt dem Faschismus den Weg.«[4]

In seinem Buch Stalin 1940 aber dann sah er sie schon als herr­schende Klasse mit eigenen Interessen, die sich nur deshalb als Arbeiterfreunde verkleiden, um die Arbeiter als Bündnispartner gegen das Kleinbürgertum zu gewin­nen. Und er sieht hier ganz deutlich auch die soziale Konterrevolu­tion. Er negiert hier indirekt seine Formel für den degenerierten Arbeiterstaat:

»Die Substanz des Thermidor war sozialen Charakters und konnte nur sozialen Charakters sein. Sie war die Kristallisierung einer neuen privilegierten Schicht, die Schöpfung eines neuen Unterbaus für die ökonomisch herrschende Klasse. Zwei Anwär­ter auf diese Rolle waren vorhanden: das Kleinbürgertum und die Bürokratie selbst. Sie kämpften Schulter an Schulter (in der Schlacht um die Brechung) des Widerstandes der proletarischen Avantgarde. Als diese Aufgabe erfüllt war, brach ein wütender Kampf unter ihnen los. Die Bürokratie in ihrer Isolierung und Trennung vom Proletariat bekam Angst. Allein war sie nicht im­stande, weder den Kulaken niederzuhalten noch das Kleinbür­gertum, das auf der Basis der NEP gewachsen war und weiter wuchs. Sie brauchte die Hilfe des Proletariats. Daher ihre plan­mäßigen Anstrengungen, den Kampf des Proletariats gegen die kapitalistischen Restaurierungsversuche darzustellen.«[5]

Die Bürokratie suchte im Kampf gegen das Kleinbürgertum um die Macht für die Unterdrückung des Proletariats die Hilfe des Proletariats. Also, das Schlachtvieh half den Schlächtern, um es ungehinderter schlachten zu können. Hier ging Trotzki schon eine Menge weiter als 1936.

So war das auch mit den „sozialen Errungenschaften“ in der DDR. Immer wieder hört man das von Ex-PDSlern und orthodoxen Trotzkisten. In der DDR gab es mehr Gleichberechtigung für die Frauen, mehr Kindergärten und frühere Abtreibung. Die DDR aber brauchte die Frauen als zusätzliche Arbeitskräfte aus Mangel am Kapital. Um die Arbeiterklasse mehr ausbeuten zu können für mehr Rüstung, deshalb gab es nicht den ganzen Firlefanz mit der Frauenunterdrückung auch noch.

In der UdSSR gab es ab 1938 keine sozialen Errungenschaften von 1917 mehr. Nur ein Beispiel:

 

1913 1927/28 1932 1937 1940 1950
Konsmgüter 55,7 67,2  46,7 42,2   39,0 31,2
Produktionsmittel l44,3 32,8 53,3 57,8 61,0 68,8

„In der Tat betrug das Verhältnis der Produktionsmittel zu den Konsumgütern 1927/28 noch 32,8 zu 67,2, also 1 Teil für die Investitionen und 2 Teile für den Konsum der Massen. Nach der Industrialisierung und der Aufrüstung wurde dieses Verhältnis 1950 genau umgekehrt:68,8% für die Produktion und 31,2% für die Konsumtionsmittel, 2 Teile für die Investitionen und nur noch 1 Teil für den Massenkonsum.“[6]

Der Streik war unter Stalin verboten.

„So streikten 1922 192.000 Arbeiter in staatseigenen Unternehmen, 1923 waren es 165.000, 1924 43.000, 1925 34.000, 1926 32.900, 1927 20.000, in der ersten Hälfte von 1928 8.900. 1922 waren 3,5 Millionen Arbeiter in Arbeitskonflikte verwickelt, im Jahr 1923 1.592 800.[7] Unter Stalin taten die Gewerkschaften, soweit sie den Namen Gewerkschaften überhaupt noch verdienten, nichts zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter.“[8]

Am deutlichsten wurde der Konsumrückgang bei den Wohnungen pro Kopf in qm

 

1923 6,2
1927-8 6,1
1932 4,66
1937 4,5
1939 4,0

Aber auch bei vielen Konsummitteln drückt sich der Mangel bei Stalin aus.

1913 1928/29 1932 1937 1945 1949 1950
Baumwollart. (Mrd. m.)                 2,9 2,74 2,7 3,4 1,7 3,7 3,8
Wollartikel
(Million.m.)            95            96,6            91,3            108,3          56,9            153,9          167
95 96,6 91,3 108,3 56,9 153,9 167

Alle statistischen Zahlen nach Cliff. Cliff bringt in seinem Buch noch unendlich viele Beispiele. Er hatte extra russisch studiert, um die vielen Quellen durchzuarbeiten. Man kann nach dem Studium seines Buches überhaupt nicht verstehen, woher einer nach Abschaffung der Sowjets und Streikverbot es feststellen kann, dass die sozialen Errungenschaften des Oktobers noch existieren.

Trotzki selber ist über die „Verratene Revolution“ bis zur Quas-Distanzierung 1940 im Stalin Buch ganz gewaltige intellektuelle Schritte gelaufen, aber dass 70 Jahre danach und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks seine Epigonen immer noch die sozialen Errungenschaften wiederkäuen, zeigt auch die Schwäche der Führung heute.

In einer GmbH wurde 1983 eine Arbeiterin gefragt, was sie zu den Änderungen gegenüber früher in der Kolchose sagen würde. Sie antwortete, dass sie das gar nicht wusste, dass es da eine Änderung gab, nichts hart sie gemerkt.

In der DDR hatten die Bürokraten nichts Eiligeres zu tun gehabt, als das Industrievermögen trotz Aufforderung von Trotzkisten, das doch bitte an die Arbeiterklasse zu geben, den westdeutschen Großkonzernen in den unersättlichen Rachen zu schmeißen. Die Verwandtschaft zwischen den Staatskapitalisten und den Privatkapitalisten war doch noch höher als zu den Arbeitern

Die Frau von Trotzki, Natalia Sedowa, die ihn ja ganz intim kennen musste, schrieb 1951 ihren Austrittsbrief án die amerikanische SWP und die IV. Internationale (Auszug):

„Im Grunde genommen hat L.D.Trotzki in jedem Jahr seines Kampfes gegen die usurpartorische stalinistische Bürokratie wie­derholt, dass dieses Regime sich unter den Bedingungen einer ver­zögerten Weltrevolution und der Eroberung aller politische Posi­tion durch die Bürokratie nach Rechts entwickelt. Wieder und wie­der hat er darauf hingewiesen, wie die Festigung des Stalinismus in Russland zur Verschlechterung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage der Arbeiterklasse und zum Triumph einer tyranni­schen und privilegierten Bürokratie führte. Wenn diese Entwick­lung anhält, sagte er, wird es mit der Revolution zu Ende und die Restauration des Kapitalismus erreicht sein.

Dies ist es, was sich unglücklicherweise ereignet hat, wenn auch in neuen und unerwarteten Formen. Es gibt kaum ein Land in der Welt, wo die ursprünglichen Ideen des Sozialismus und ihre Ver­treter so barbarisch gehetzt werden. Es sollte jedermann klar sein, dass die Revolution durch den Stalinismus vollständig zerschlagen wurde. Ihr jedoch fahrt fort zu behaupten, dass Russland unter die­sem unaussprechlichen Regime immer noch ein Arbeiterstaat ist. Ich sehe darin einen Angriff auf den Sozialismus. Stalinismus und der stalinistische Staat haben nicht das Geringste gemeinsam mit einem Arbeiterstaat oder mit Sozialismus. Sie sind die schlimmsten und die gefährlichsten Feinde des Sozialismus und der Arbeiter­klasse

Ihr haltet daran fest, dass die Staaten Osteuropas, über die der Stalinismus während und nach dem Krieg seine Vorherrschaft er­richtet hat, ebenfalls Arbeiterstaaten sind. Das ist das Gleiche wie zu sagen, der Stalinismus hat eine revolutionäre sozialistische Auf­gabe durchgeführt. Ich kann und will Euch darin nicht folgen…“

Nun gut, es bleibt zwar eine wichtige Frage, um die sich die Theoretiker des zukünftigen Arbeiterstaates streiten werden, aber sie ist heute nachrangig gegenüber der Arbeiterfrage der besetzten Fabriken. Es wird nur noch wenige Jahre dauern, dann werden die ersten Schritte in das Reich der Vernunft führen.

Kundgebung der FIT in Buenos Aires (Bündnis von 3 trotzkistische Gruppen)

 

[1] Leo Trotzki: Verratene Revolution, Trotzki-Schriften, Hamburg 1988, Band 1.2, Seite 958

[2] Die  zwei  polnischen  Delegierten  waren  gegen  den  Beschluß.  Die  Frage  der  Anzahl  der  Anwesenden  ist umstritten. Eine andere Quelle (Max Shachtman) gibt die Zahl mit 30 an.

[3]  Trotzki:  „The  Workers‘  State,  Thermidor  and  Bonapartism.  Deutsch:  Arbeiterstaat,  Thermidor  und  Bonapartismus. In: Trotzki Schriften: Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur. S. 581ff, Hamburg, 1988.

  • [4] Trotzki, Leo, Das Übergangsprogramm: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale (1938), in: Alles, Wolfgang (Hg.), Die kommunistische Alternative, a.a.O., S. 64

Wenn die 4. Internationale diesen Satz ernst genommen hätte, dann hätte sie nicht im Rahmen des Ostblocks von Arbeiterstaaten reden dürfen, da deren Führung ja „auf die Seite der bürgerlichen Ordnung“ übergegangen ist und sie „ihre zynisch konterrevolutionäre Rolle in der ganzen Welt“ spielt. Aber spätestens dann müsste auch ins Auge fallen, dass die neuen Staaten ein genaues Abbild von Moskau sind, nämlich eine Einparteiendiktatur. Also ist Russland selbst zur „bürgerlichen  Ordnung“ übergegangen.

[5] Leo Trotzki: „Stalin – Eine Biographie“ – 1940, Köln-Berlin 1952, S.519.

[6] Nach Cliff, S. 33

[7] Lohnarbeit in Russland, Russisch, Moskau 1924, S.160; ebenso: Gewerkschaften in Russland, 1926-1928, Russisch, Moskau 1928, S.358.

[8]Cliff, S. 12

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Diskussionen

17 Gedanken zu “Natalia Sedowa Trotzkis Bruch mit der 4. Internationale

  1. Mir scheint dass die Tragik Trotzkis – und somit für die Zeit nach seinen Aprilthesen auch Lenins – darin lag, dass seitdem ihre Theorien Revolutionstheorien waren, Revolutionen aber im Gegensatz zu Revolten in der Menschheitsgeschichte überaus selten sind. Die Oktoberrevolution war eine solche Revolution, wenngleich mehr in dem Sinne, dass sie eine revolutionäre Avantgarde hatte, die den Krieg und die generelle Rückständigkeit Russlands zu nutzen wusste (und auch unter der Gefahr ihre physischen Untergangs nutzen musste), aber ihre soziale Basis war für den Aufbau eines „sozialistischen Staates“, der die reale Herrschaft er Arbeiterklasse zur ersten Voraussetzung hat (Marx: „Die Befreiung der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiter selbst sein“), zu schmal. Im Bürgerkrieg konnten die Bolschewiki siegen, weil das Heer der Bauern (die auch die Mehrheit der kriegsmüden zaristischen Armee gebildet hatten) sie gegen die zaristischen Kräfte unterstützte, das aber kaum wegen ihrer revolutionär-sozialistischen Perspektive, sondern einfach wegen „Brot und Frieden“. Russland war für den „Sozialismus“ im Marx’schen Sinn zu unterentwickelt. Die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki wussten das und setzten (durchaus nicht vollkommen unbegründet) auf proletarische Revolutionen im höher entwickelten Westen, durch die der weltweit vom Kapitalismus eingekreiste russische „Arbeiterstaat“ entsetzt werde sollte. Da das nicht stattfand, erstickte der – noch zu Lebzeiten Lenins nach dessen eigenen Aussagen nur noch theoretisch existierende – „Arbeiterstaat“ gewissermaßen in seinem eigenen Saft. Stalin & Co machten dann aus der Not eine Tugend, indem sie vom „Sozialismus in einem Land“ sprachen (was ebenso ein Unding ist wie Kapitalismus in einem Land). Das ganze Wirken Trotzkis seit seinem Zusammengehen mit Lenin im April 1917 war auf die Reaktivierung des proletarische Revolutionarismus gerichtet. Da das internationale Proletariat aber im Wesentlichen nicht wollte und wenn, dann von den „Stalinisten“ (oder anders ausgedrückt der „Sowjetbürokratie“), die an eine solche Möglichkeit nicht glaubte/n, im staatlichen Interesse der SU behindert wurde, verkam die „trotzkistische“ (ebenso wie andere „linkskommunistische“ Strömungen) im Wesentlichen zu einer Ansammlung von Sektierern und/oder rechtsopportunistischen „Kräften“ – die Anführungszeichen weisen daraufhin, dass sie eben keine Kraft hatten und haben. Wohlbemerkt bedeutet das nicht, dass ihre Kritik am Stalinismus oder überhaupt ihre theoretischen Anschauungen deshalb schon grundlegend falsch waren; sie konnten lediglich keine nennenswerte soziale Kraft entfalten.Der Zusammenbruch des „irrealen Sozialismus“/“Stalinismus“ 1989/90 hat sie dann völlig entgegen ihrer und seinerzeit auch meiner!) Erwartung auch mit in den Abgrund gezogen, weil die internationale Arbeiterklasse den realen Sozialismus“ gemocht oder auch nicht gemocht haben mochte, ihn aber auf jeden Fall als die Verkörperung“des“ Sozialismus verstanden hatte und leider bis heute hat. In den auf der Basis des Siegs der „Roten Armee“ nach dem 2. Weltkrieg gegründeten „Volksdemokratien“ oder Ländern des „realen Sozialismus“ , die alle eben ohne das revolutionäre Tun der „Arbeiter selbst“ entstanden waren, fanden sich auch viele ehrliche fortschrittliche Menschen ein, die sich des grundlegenden Zusammenhangs von Kapitalismus und Faschismus bewusst waren – aber diese „guten Menschen“(nicht „Gutmenschen“!) waren nicht die wirklichen Herrscher – und wären sie es gewesen,hätten sie vermutlich wenig Grundlegendes ändern können – waren doch auch die „Volksdemokratien“ von Bulgarien bis zu VRChina und sogar der DDR in ökonomisch und damit sozial relativ unterentwickelten Weltregionen konzentriert.

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    Verfasst von Anton Holberg | 24. Juni 2017, 10:55
    • @ Anton Holberg -sehr gute Zusammenfassung., so isses…, Sie haben sehr viel Ahnung…-dieser „frühsozialismus “ war viel zu früh, der Kapitalismus hatte noch lange nicht die materielle Basis einer neuen Gesell. geschaffen.. auch Marx erwartete ja wohl den 1. soz. in entwickelten kap. Staaten , wie England..folgend seiner Theorie , dass immer dort zuerst eine Neue Gesellschaftsordnung entsteht, wo die Produktivkräfte am weitesten entwickelt sich ..-daraus ergeben sich übrigens auch interessante Folgerungen für die Prozesse der Gegenwart…, 2. auch bestand eben das problem mit der zu geringen Arbeitsproduktivität.., die ja in der neuen Gesell. immer höher sein sollte (nach der Theorie)–, was aber in der SU nicht so war . PS: frage ; für den Soz. als ausbeutungsfreie Gesell., – soll denn da überhaupt die Regel der höheren Arb.-produktivität zutreffen? (dabei im Vergl. zum Kap.,mit seinem system aus Anreiz und Angst )

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      Verfasst von andre | 24. Juni 2017, 11:36
    • @Anton Holberg–zu ihrem letzten abschnitt: mag teilweise auch an den Regionen liegen, wo die Länder sind-aber ich glaube, hier zeigt sich das basis-problem mit der Arbeitsproduktivität, was nicht gelöst werden konnte ..auch verstand es der Kap. viel besser, die Produktion effizient zu organisieren , was dann am ende zu dem weit überlegenen produkt.-ausstoss führte..Fzit wohl: das ganze Ökon. system des „Soz. “ dieser epoche , (soz. Planwirschaft )das konzept, war nicht ausgereift.., -bzw, /oder, hatte eben einfach noch nicht die Technik, für diese art der ökon. Planung , was erst i zkunft mit Robotern, vollautomatisierter Prod., comp., +internet möglich werden kann

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      Verfasst von andre | 24. Juni 2017, 11:46
  2. @Andre,

    ich habe mich schon oft gefragt, was aus dem Sozialismus unter Trotzki geworden wäre. Meine Antwort, es hätte ihn nicht gegeben. Ich habe mir zu dem Thema auch mal eine Originalquelle besorgt: Trotzki, „Das Übergangsprogramm“
    Beim Lesen wurde mir klar, das es darin nur um Machtkungelei ging, ähnlich wie heute die Sozialdemokraten oder Teile der Linken. Das Trotzki die Revolution in der Sowjetunion schon immer bekämpft hat, bewies er mit seiner Weigerung den Friedensvertrag von Brest in der 1. Verhandlung zu unterschreiben. Anschließend rückten die Deutschen noch hunderte Kilometer vor.
    Aber gut, ich mußte die Originalquelle lesen, um zu begreifen was für Ziele Trotzki hatte.
    Wenn man immer nur den Mainstream liest, würde man ja auch glauben, dass Putin die MH17 abgeschossen hat, oder?
    Muss aber jeder selbst wissen, was er liest und was nicht.

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    Verfasst von Tussi | 19. Juni 2017, 11:38
  3. Naja, Herr Nelte wird bei Wikipedia irgendwie „links“ verortet, also meilenweit vom Marxismus entfernt. Das paßt doch super zu seiner Trozkilobhudelei.
    weiter bei Wikipedia:
    „Der Schwerpunkt seines theoretischen Werkes liegt auf den ökonomischen Analysen.“
    Es wäre sinnvoll für Ihn, die DDR Ökonomie mal durch eine materielistische Herangehensweise zu untersuchen. Hinweise sind in den vorhergehenden Kommentaren gebug vorhanden.

    Meiner Meinung nach haben wir es hier mit einem staatlich alimentierten Systemschreiber zu tun.

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    Verfasst von Tussi | 17. Juni 2017, 9:04
    • @tussi… den letzten Satz glaube ich nicht,aber mit der ökon. genaueren Betrachtung da haben Sie recht, da gibt es auch an anderer Stelle Fehler, aus denen dann z.. Teil Fehl-Einschätzungen folgen —Bei allem Negativen des DDR -Sozialismus —es gab objektiv sehr viele soziale Aspekte für die „einfachen“ menschen , die der Kapitalismus nicht hinkriegt, vor allem nicht in seiner jetzigen neoliberalen Form….u. allein von den erfahrungen als Kind auszugehen — ist oberflächlich u. falsch….2.auch sollte man sich mal generell damit beschäftigen , warum denn im 20.JH diese anfänglichen „Arbeiterstaaten“ -alle nach wenien Jahren degeneriert sind.., war es wirklich nur die „neue Bürokratie “ ?..-oder lag s daran , dass die Arbeiter (und Bauern ) einfach nich fähig waren, sich einen eigenen Staat mit Basis-Demokratie (die Kommunen , nach Marx, bzw Räte ) zu organisieren.??, ausser Enteignung des Kapitals, danach das falsche Konzept hatten , oder garkeins, u. deshalb dann , wie bei Lenin, mit „try and error „herumexperimentiert haben

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      Verfasst von andre | 17. Juni 2017, 11:25
    • ausserdem gabs auch grosse unterschiede (bezüglich unterdrückung) zwischen dem strengen stalinismus bis zum Tod Stalins , 1953 ,(wo sie sogar noch die West-TV-Antennen vom Dach geholt haben ) und dem DDR-sozialismus der 70er +80er Jahre, das hat er garnicht betrachtet…auch die BRD von Adenauer war anders als die BRD nach 1968

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      Verfasst von andre | 17. Juni 2017, 11:43
      • @Andre

        ok, der letzte Satz ist eher kontextmäßig zu verstehen, solange solche Artikel dabei rauskommen, kann der „Linke“ unbehelligt schreiben und wird nicht enden wie Gustl Mollath.

        Ich vermute, das du noch kein Buch von Stalin oder Lenin gelesen hast?

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        Verfasst von Tussi | 18. Juni 2017, 7:53
      • Lenin gabs in Schule und Studium , die wichtigsten Schriften kann man heute auch im Netz lesen ., Stalin nich, kein Interesse

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        Verfasst von andre | 18. Juni 2017, 9:54
      • Hier gibts ja ne gute Beschreibung der Probleme des Wirschaftsaufbaus in der sowjetunion in dieser zeit , exremer ausbau der schwerindustrie bei Venachlässigung der Konsumgüter https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1936/verrev/kap01.htm#s2

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        Verfasst von andre | 18. Juni 2017, 10:03
      • Hallo Andre,

        bei Lenin geht es mir ähnlich, in der Schule und im Studium oft erwähnt, aber wirklich bewußt gelesen habe ich nichts von ihm. Aber ich habe mir vor kurzem die Broschüre „Was tun“ bestellt.
        Zu Stalin: Er war ja in der DDR nicht so anerkannt in meiner Zeit, so dass ich mir oft die Frage stellte, was wäre aus der Sowjetunion geworden, wenn sie Lenin nicht erschossen hätten? Oder was wäre aus der DDR geworden, wenn die Nazis Thälmann nicht umgebracht hätten.
        Vor etwa zwei Jahren habe ich auf Empfehlung eines Freundes das Buch „Kind 44“ gelesen. Es begann mit der „Hungersnot“ in der Ukraine….und war sehr spannend geschrieben. (Heute habe ich das Buch nicht mehr, da es nur Hetze beinhaltet)
        Ich habe mich dann mit dem Thema beschäftigt, auch mit dieser Wortschöpfung „Holosomor“ die sehr an eine andere Wortschöpfung erinnert.
        Und irgendwann, ich weiß nicht warum, habe ich gedacht, warum liest du Trottel eigentlich nicht die Originalquelle, du kannst doch lesen, oder?
        Stalin-Werke Band 11, gab es bei …..für 30 Cent, also habe ich es riskiert. 🙂
        Und es hat alles! verändert. Die Sicht auf die ganzen Probleme war auf einmal so klar.

        Ich habe mal kurz in deine Trotzki-Empfehlung reingelesen:
        „Die dynamischen Kennziffern der Sowjetindustrie stehen beispiellos da. Doch weder heute noch morgen ist mit ihnen die Frage schon gelöst. Die Sowjetunion steigt von einem erschreckend niedrigen Niveau empor,…“

        Also Trotzki, der die Sowjetunion seit Jahren ideologisch bekämpft und selber keinen Finger rührt um das Land aufzubauen, muss anerkennen, dass die dynamischen Kennziffern der Sowjetunion beispiellos sind. Warum sind sie denn Beispiellos? (Nicht das jetzt einer Stalin die Schuld daran gibt). Und dann kommt da Gemecker und Gejammer, wie gesagt von einem Nichtstuer.
        „Sie steigt von einem erschreckend niedrigen Niveau empor,…“
        Warum? Wegen Stalin? Oder weil das zaristische Rußland extrem rückständig war? Weil sie 7 Jahre ausländische Inteverntionen abwehren mußten, die sich mit den einheimischen adligen und anderen revanchistischen Kräften verbündet hatten? Weil sie Jahre brauchten, um eigene Universitäten und damit Ingeniere auszubilden?
        Sie haben es geschafft. Die Wirtschaft war in den Jahren unter Stalin so weit erstarkt, das sie sogar den Faschismus besiegen konnten. Das wäre nicht gelungen, wenn sie sich, wie es sich Trotzki wünschte, auf die Konsumgüterproduktion konzentriert hätten.

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        Verfasst von Tussi | 19. Juni 2017, 8:59
      • einerseits stimmt das (mit dem gigantischen wirtschaftsaufbau , aber um welchen Preis..) andrerseits: mit nem „arbeiterstaat “ hatte das system nichts zu tun, letzte sowjets (basisdemokratie ) wurden 1928 abgeschafft-Stalinund sein Anhang waren allesamt Verbrecher +konterrevolution ,1936/37 haben sie alle Revolutionäre von 1917 incl aller genossen +mitstreiter von Lenin umgebracht, stalisns-geheimpolizie mordete sie auch im Azsland, 1940 der auftragsmord an trotzki..- frag dich mal leieber m, was aus dem sozialismus geworden wäre, wenn die Trotzki-srömung gewonnen hätte .!…, unabhängig davon: der Sozialismus war historisch einfach zu früh dran (rückblickend ein Früh-soz., wie es ja auch den Früh.-Kapitalismus gab.., – der richtige Sozialismus kommt erst , wenn die Produktivkräfte weit genug entwickelt sind.., das kann auch erst im 22.JH sein—der Kapitalismus muss erstmal die basis dafür schaffen..- oder er kommt nach dem 3. Weltkrieg , nach 3-4 Milliarden Toten, wer weis

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        Verfasst von andre | 19. Juni 2017, 9:59
  4. wenn ich heute in münchen anoncieren würde, man braucht nur ca. 10 % seines lohns und weniger als warmmiete zu zahlen.. wie in der DDR -da würde mir die Bude eingerannt, z.B. Ehepaar in DDR- einkommen zusammen : 1500-1700 Mark , Miete 3-raum-wohnung Plattenbau 90 E warm.!!.-das is soziale errungenschaft!!

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    Verfasst von andre | 16. Juni 2017, 22:50
  5. Naja Herr Nelte , ganz so stimmt das nicht, im Bezug auf DDR z.B., – es gab für jeden das recht auf eine wohnung, obwohl die knapp waren, trotz grossem staatl. wohnungsbau-programm- wohnen war billig, ca. 10 % vom Lohn als Warm !-miete , billige grundnahr.-mittel.. (z.b. Brötchen 5 Pfennig , kucken sie mal heut zum Bäcker,! das is ne Geldanlage .., – gesundheit kostenlos und Studium kostenlos + 190 bzw 290 Mark staats-stipendium für jeden , bei nur 10 Mark !! wohnheim-miete …Kindergarten kostenlos…man vergleiche mit der BRD heute u. erkennt soziale errungenschaften., die der BRD-kapitalismus nich schafft.., Arbeitslosigkeit gab es nicht..(negativ war die pflicht zur arbeit )..aber die gibts heute faktisch über die harz-schikane genauso

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    Verfasst von andre | 16. Juni 2017, 22:45

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  1. Pingback: Trotzki: 1936 war die Bürokratie nur eine Schicht, aber 1940 doch eine herrschende Klasse, zu spät? | Linke Zeitung - 24. Juni 2017

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