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Ausland, Naher Osten

Paukenschlag im Nahen Osten

von Rüdiger Rauls – https://ruedigerraulsblog.wordpress.com

Das schlug ein wie eine Bombe. Mehrere Staaten in der islamischen Welt brechen ihre Beziehungen zu Qatar ab. Kaum hat Trump den Nahen Osten verlassen, wo er die Führer der muslimischen Staaten zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror und vor allem aber gegen den Iran aufgerufen hat, zeigt sich, wie weit dieses Bündnis schon Wirklichkeit geworden und handlungsfähig ist. Die Begeisterung, mit der Trump auf diese Ereignisse reagierte, macht deutlich, dass er dieses Vorgehen der Golfstaaten gegenüber Qatar nicht nur unterstützt. Er wertet es als Ergebnis seines Besuchs in Riad und ist deshalb ganz in seinem Interesse. „Es sei so gut zu sehen, dass sein Besuch in Saudi-Arabien sich bereits auszahlt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7.6.2017: Trump feiert Isolation Qatars als seinen Erfolg).

Eines wird immer deutlicher: Schienen die Amerikaner noch zu Beginn des Jahres nach dem Fall von Ost-Aleppo geschlagen in ihrer Absicht, Assad zu stürzen, so haben sie sich nicht nur sehr schnell von dieser Niederlage erholt. Sie scheinen auch die Kräfte neu organisieren und dem Handeln des Westens, der Nato und den befreundeten Staaten im Nahen Osten eine neue Stoßrichtung geben zu wollen. Trump hat in Riad und Israel die eindeutige Parole ausgegeben: Iran und der islamistische Extremismus sind der gemeinsame Feind. Gegen diese haben sich die gemäßigten islamischen Staaten unter der Führung der USA und eventuell im Bunde mit Israel zusammenzuschließen. Religiöse Ausrichtung spielt dabei keine Rolle mehr. Entscheidend ist die Frontstellung gegen Iran und die Aufstandsbewegungen.

Hierin dürfte auch der Hintergrund für die Maßnahmen gegen Qatar zu sehen sein. Bereits während Trumps Nah-Ost-Reise hat der qatarische Außenminister Al Tani zu verstehen gegeben, dass eine Konfrontation mit Iran nicht im Interesse seines Landes ist und auch nicht im Interesse der gesamten Region sein kann (siehe dazu: Trump setzt neue Maßstäbe). Saudi-Arabien, die Vereinigen Arabischen Emirate und Bahrein, die sich auf die Linie Trumps haben einschwören lassen, haben offensichtlich seit der Abreise Trumps vergeblich versucht, Qatar im Rahmen des Golf-Kooperationsrates umzustimmen und in die Front gegen Iran einzugliedern. „Der unmittelbare Anlass der Krise dürfte gleichwohl in einer Auseinandersetzung innerhalb der … Golfmonarchien über das Verhältnis zu Iran zu suchen sein.“ (FAZ vom 6.6.2017: Mehrere arabische Staaten brechen Beziehungen zu Qatar ab).

Dass die politischen Beziehungen im Minutentakt abgebrochen wurden, zeigt, dass die Gegner Qatars gut vorbereitet sind und dass ein politisches Zeichen gesetzt werden soll, das sicherlich nicht nur dem abtrünnigen Emirat gilt. Vielleicht soll es auch gerade in erster Linie dem Iran die eigene Geschlossenheit demonstrieren und die Bereitschaft, gemeinsam und entschlossen zu handeln. Denn die der Öffentlichkeit vorgelegte Erklärung für den Abbruch der Beziehungen ist nicht sehr glaubwürdig. Förderung des Terrorismus ist ein Vorwurf, der in der Region gegen jedes Land erhoben werden kann. Dabei hat Doha doch sogar mit den anderen Ländern des GCC zusammen die Rebellen im Jemen bekämpft, die gemeinhin als die Schützlinge des Iran gelten. Aus dieser von Saudi-Arabien geführten Allianz ist Qatar jetzt ausgeschlossen worden.

Ohnehin ist Qatar durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen weitgehend isoliert, nicht nur politisch sondern nach der Schließung aller Verkehrswege auch geographisch. Der einzige offene Zugang besteht jetzt nur noch über den Iran, womit Qatar noch mehr in dessen Arme getrieben wird, ohne es vielleicht selbst zu wollen. Wenn auch das Emirat kein politisches oder militärisches Schwergewicht ist, was allein schon darin zum Ausdruck kommt, dass man auf seinen militärischen Einsatz im Jemen verzichtet, so kann man im GCC und auch in Washington nicht daran interessiert sein, dass sich Doha noch mehr dem Iran zuwendet.

Aus all den Vorwürfen und Drohungen gegen das Emirat einerseits und aus dem Wunsch andererseits, den Iran zu isolieren und ihm nicht noch zusätzlich zur Unterstützung durch Qatar zu verhelfen, lässt sich eigentlich nur der Schluss ziehen, dass massiver Druck auf Qatar ausgeübt werden soll, um seine Einstellung zu Iran zu ändern und sich in das Bündnis gegen Iran einzugliedern. Das Vorgehen der Golfmonarchen und ihrer Verbündeten vermittelt die Botschaft auch an andere arabische Staaten, dass es im Kampf gegen den Iran und auch gegen die Aufstandsbewegungen keine Sonderinteressen mehr gibt. Alle haben sich dem gemeinsamen Ziel unterzuordnen, den Iran zu isolieren und in welcher Form auch immer zu bekämpfen.

Zudem haben mit Trump die USA wieder die Führungsrolle in der Region übernommen, die auch viele besonders im Golf-Kooperationsrat schmerzlich vermisst hatten. Denn die USA sind die einzige Macht, die in der Lage ist, die widerstrebenden Kräfte im Nahen Osten zu einer Allianz zusammen zu schmieden. Sie verfügen über die Macht, die Einzelinteressen der einzelnen Staaten nieder zu halten und zu richten auf das gemeinsame Ziel, die Bekämpfung des Iran und der Aufstandsbewegungen, die Trump als den islamistische Extremismus bezeichnet.

Wie weit dieser Kampf gegen den Iran gehen wird, ist jetzt noch nicht zu erkennen. Eine kriegerische Auseinandersetzung scheint bei den Vorbereitungen, die getroffen werden, und dem Druck, der aus Washington kommt, nicht ausgeschlossen. Aber für Spekulationen ist es zu früh. Es gibt noch keine konkreten Anzeichen für einen solchen Verlauf des Konflikts. Vieles wird davon abhängen, wie sich die Situation in Syrien weiter entwickelt und damit die Kräfteverhältnisse in der Region allgemein. Denn nicht alleine Iran ist der Feind, auch das Syrien Assads. Hatte es zum Jahreswechsel Stimmen aus Washington und Europa gegeben, die nach dem Fall Ost-Aleppos dazu aufriefen, die veränderten Kräfteverhältnisse anzuerkennen und sich mit Assad zu arrangieren, so scheint die neue Administration in den USA mit höherem Einsatz das Ziel zu verfolgen, Assad zu stürzen.

In dieses Bild passt neben der Bildung der Allianz der gemäßigten arabischen Staaten gegen den Iran und die Aufstandsbewegungen eine zweite Entwicklung, die Abkehr von der Türkei als Verbündeten und die Hinwendung zu Jordanien. „… Jordanien ist im Gegensatz zum türkischen Präsidenten ein zuverlässiger und berechenbarer Partner des Westen“ (FAZ vom 7.6.2017: Verlässlich, aber fragil). Denn die Türkei hat die kurdischen Truppen, die für den Westen kämpften, mehr behindert als den IS und die Truppen Assads. Sie hat damit in den Augen des Westens die Kampfkraft des Bündnisses geschwächt, ohne selbst einen entsprechenden Beitrag zum Erfolg der westlichen Bestrebungen zu leisten.

Mit Jordanien ist der Westen nun in der Lage, eine zweite Front gegen Assad aufzubauen, während im Norden die kurdischen Verbände mit westlicher Unterstützung immer mehr an Boden gewinnen. Es stellt sich die Frage, wie sich die Kurden im Konflikt zwischen Assad und dem Westen verhalten werden, sollte der IS geschlagen werden. Bisher sind sich Assad und die Kurden nicht ins Gehege gekommen, und Assad hat sie gewähren lassen, solange sie sich mit dem gemeinsamen Feind beschäftigten.

Mit der Verlegung deutscher Soldaten nach Jordanien bekommt auch der Streit mit der Türkei um das Besuchsrecht deutscher Parlamentarier auf dem Stützpunkt Incirlik eine ganz neue Bedeutung. Sollte der Streit wohl möglich einzig dazu dienen, der deutschen Öffentlichkeit einen plausiblen Grund anzubieten für die Verlegung der Soldaten nach Jordanien? Denn es muss wohl mehr im Spiel gewesen sein, als der deutschen Öffentlichkeit weisgemacht werden soll, wenn die Türken das Besuchsrecht in Incirlik verweigerten, es aber auf dem zweiten Stützpunkt mit deutscher Beteiligung, Konya, nicht in Frage stellten. Ging es wirklich nur um Besuchsrechte oder stellte man besondere Forderungen an die Türken bezüglich der Einsätze von Incirlik aus, dass es zu diesem Machtkampf kam? Denn „die Bundeswehr hatte schon vor dem Scheitern einer Einigung… andere aus militärischer Sicht sinnvolle Standorte ausgemacht“ (FAZ vom 7.6.2017: Kein neues Mandat nach Incirlik-Abzug erforderlich).

Vieles deutet darauf hin, dass der Kampf gegen Assad nun wieder intensiviert werden soll mit anderen Akteuren und einer anderen Strategie. Denn es ist offensichtlich, dass Assad den Krieg gewinnt, wenn die sogenannte Westliche Wertgemeinschaft die Entwicklung so weiter laufen lässt. Der Widerstand der Rebellen wird nach dem Fall von Ost-Aleppo und der Einrichtung der Deeskalationszonen immer schwächer. Das ermöglicht es den syrischen Verbänden, nun auch nach Süden in Richtung Jordanien vorzudringen, wo es nun immer häufiger zu Kämpfen kommt zwischen regulären syrischen Truppen und der von den USA geführten Militärallianz. Diese unterhält in Jordanien an der Grenze zu Syrien Stützpunkte zur Ausbildung syrischer Milizen. Es scheint, dass nun mit Jordanien ein Ersatz für die Türkei gefunden ist und dass der Krieg des Westen gegen Assad nun von dort aus weiter geführt wird.

Seit dem Besuch Trumps im Nahen Osten scheint der Konflikt in der Region eine neue Dimension zu bekommen. Die scheinbare Zurückhaltung Obamas wird ersetzt durch das offensive Auftreten Trumps. Dabei weiß er die Ängste der Bevölkerung in den USA vor dem Einsatz eigener Bodentruppen zu nutzen, indem er die Vorbehalte früherer US-Regierungen über die Lieferung von Waffen in die Region über Bord wirft. Er beliefert Staaten und Milizen, die er für zuverlässige Vertreter der amerikanischen Interessen hält und rüstet damit die Bodentruppen anderer Staaten aus, weil die USA die eigenen Soldaten nicht ins Gefecht führen wollen. Dadurch und durch die Bildung neuer Bündnisse entwickelt sich der Krieg, der bisher als ein rein syrischer Bürgerkrieg angesehen werden konnte, zu einem regionalen Konflikt, in dem sich zunehmend Staaten mit ihren Armeen gegenüber stehen.

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Paukenschlag im Nahen Osten

  1. 1. „Förderung des Terrorismus ist ein Vorwurf, der in der Region gegen jedes Land erhoben werden kann.“
    Wo und wie genau haben z.B. Syrien, Irak, Iran oder Libanon Terrorismus gefördert ?
    Insbesondere Syrien und Iran sind Opfer des Terrorismus, der vom US-Imperialismus und seinem Kettenhund Saudiarabien in jeder Weise gefördert wird. Trumps und die seines Hundes aktuelle Behauptung, Iran sei der Hauptförderer des Terrorismus ist nur dann richtig, wenn man unter Terrorismus den Widerstand gegen den imperialistischen Krieg mittels Al Qaida, ISIS und Co. versteht.
    2. „Gegen diese haben sich die gemäßigten islamischen Staaten unter der Führung der USA und eventuell im Bunde mit Israel zusammenzuschließen.“
    „In dieses Bild passt neben der Bildung der Allianz der gemäßigten arabischen Staaten gegen den Iran und die Aufstandsbewegungen eine zweite Entwicklung, die Abkehr von der Türkei als Verbündeten und die Hinwendung zu Jordanien.“
    Saudi-Arabien zu den gemäßigten arabischen Staaten zu rechnen, ist wohl die Folge des übermäßigen Lesens der FAZ, inhaltlich jedenfalls eine Äußerung, die den Tatsachen Hohn lacht. Saudi-Arabien ist – gemeinsam mit dem Islamischen „Staat“ – das am wenigsten gemäßigte arabische Land und hauptverantwortlich für die massive finanzielle und personelle Unterstützung der Terroristen in Syrien.
    3. Die Analyse des Artikels ist im allgemeinen jedoch richtig. Trump verbindet sich nicht, wie von manchem Beobachter erhofft, mit Syrien und Russland im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, sondern vielmehr mit den saudischen Reaktionären und Israel gegen Iran und Syrien, also die Achse des Widerstands. Im Gegensatz zu Obama hält man einen Regime Change in Syrien per Unterstützung von Terroristen nicht mehr für zielführend. Statt dessen will Trump offenbar mit regulären Truppen seiner Kettenhunde nicht nur Syrien, sondern die gesamte Achse des Widerstands bezwingen. ISIS wird so zum Abschuß freigegeben und die Rojavakurden an der Seite der Saudis und Zionisten in den Krieg gegen die Achse gezwungen. Die Türkei hat man immer mehr abgeschrieben, da sie sich Russland und der SCO öffnet und einem Waffenstillstand ihrer Terroristen in Syrien zugestimmt hat.
    Die offene Frage dabei ist, ob man bereit ist einen offenen Krieg seiner Kettenhunde mit Russland zu riskieren.

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    Verfasst von egester | 9. Juni 2017, 13:30
    • Die erste Frage sollte die nach einer Definition des Begriffs „Terrorismus“ sein. Man könnte (aber muss natürlich nicht) z.B. die Ermordung von Politikern der „Demokratischen Partei Kurdistans- Iran“ durch das Mollah-Regime in Teheran in Berlin vor vielen Jahren, als“terroristisch“ bezeichnen. Und die unbestreitbare Tatsache, dass Syrien und der Iran Opfer des Terrorismus sind, ist natürlich weder logisch noch empirisch ein ausreichendes Argument , um die Behauptung zurückzuweisen, dass beide auch terroristische Taten begangen und/oder beauftragt haben.

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      Verfasst von Anton Holberg | 10. Juni 2017, 10:14
    • Zu 1: Ob ein Land den Terrorismus WIRKLICH fördert, ist doch eine ganz andere Sache, als ob man es ihm vorwirft, und so war diese Aussage gemeint. Das Verständnis dieses Satzes ist – wie alles im Leben und in der politischen Auseinandersetzung – auch und nicht zuletzt eine Frage der Sichtweise. Zudem soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass der Vorwurf des Terrorismus heute eine Art Bannbrief ist, wie in den Jahren vor dem Mauerfall der Vorwurf, Kommunist zu sein, während der Nazizeit der Vorwurf, Jude zu sein, im Mittelalter der Vorwurf, Hexe zu sein, usw. Es gab also immer Titulierungen, mit denen man andere Mitglieder der Gesellschaft zum Feind erklären oder gar zum Lynchen freigeben konnte. Das will damit gesagt sein oder besser, so sollte es verstanden werden. Und so kann man es auch bei GUTEM WILLEN oder etwas mehr Gelassenheit und weniger Orthodoxie auch sehen.
      Es scheint mir, dass der Kommentator, der im Schlussabsatz meine Analyse „im allgemeinen“ als richtig bezeichnet, ein Haar in der Suppe sucht, wie es unter denen, die sich Linke nennen leider sehr häufig vorkommt. Man sucht und betont das Trennende und macht daraus eine handfeste Bruchlinie, anstatt einen Beitrag unter der Haltung zu lesen und zu beurteilen: Was kann ich aus der Sicht des anderen lernen. Welche neuen Einblicke in die Welt und Erkenntnisse über das Problem verschafft mir die Meinung des anderen.
      Denn es handelt sich hier bei allen Beiträgen um MEINUNGEN, nicht um absolute Wahrheiten.
      Die Wahrheit ergibt sich erst als Näherung, als eine immer wahrer werdende Wahrscheinlichkeit aus all den Sichtweisen, die zu einem Thema geäußert werden und sich dann auch immer mehr mit der feststellbaren WIRKLICHKEIT decken. Ein Beispiel, wie das gemeint ist: Man kann behaupten, dass auch Guatemala terroristische Gruppen in Syrien unterstützt. Das ist erst einmal nur eine Behauptung. Man kann das damit begründen, weil man irgendwo gelesen hat, dass ein Politiker Guatemalas in der Türkei zu Besuch war und dort einen Syrer getroffen hat, der unter dem Verdacht steht für den IS zu arbeiten (eine sehr häufige Begründungslinie unserer Medien zur Identifizierung von angeblichen Terroristen und Gefährdern). Dass der Gualtemateke den Syrer getroffen hat, ist vielleicht sogar Wirklichkeit. Aber deshalb ist es doch noch lange nicht Wahrheit, dass Guatemala den IS unterstützt. Das würde sich von der Wahrscheinlichkeit immer mehr zur Wahrheit entwickeln, wenn es tatsächlich immer mehr BEWEISE für diese Behauptung gäbe.

      Zu 2: Es ist letztlich egal, ob man seine Informationen aus der FAZ oder aus irgendwelchen anderen, mehr oder weniger verbreiteten oder zugänglichen Quellen bezieht, wenn man sie richtig einzuordnen weiß. Die FAZ hat den Vorteil, dass man dem Benutzer der Quellen nicht den Vorwurf des Verschwörertums machen kann. Sie hat unter vielen, besonders unter den NICHT-Linken das Ansehen eines seriösen Mediums und vor allem bemüht sie sich dort auch um seriösen Stil und Wortwahl, was hier in diesem Forum leider nicht immer gegeben ist. Manche scheinen zu glauben, dass ihre Ansichten umso revolutionärer sind, je wortradikaler sie auftreten. Das ist ein großer und besonders unter Linken und solchen, die sich dafür halten, weit verbreiteter Irrtum. Begriffe wie „Kettenhunde“ stehen zwar in der unleidigen Tradition linksreadikalen Auftretens, sind aber für das Verstehen der Vorgänge eher hinderlich statt förderlich. Da wird versucht, mit markigen Ausdrücken Defizite in der Plausibilität der eigenen Ansichten zu verdecken. Wie schrieb einmal Rosa Luxemburg: Revolutionär ist es, die Dinge zu benennen, wie sie SIND.
      Auch im Punkt 2 scheint der Kommentator seine Ansicht nicht als EINE Meinung unter vielen zu sehen sondern als die absolute Wahrheit. Natürlich kann man Saudi-Arabien als weniger gemäßigt betrachten, Trump aber siehr das anders. Und hier in diesem Beitrag ging es um die Ansichten Trumps zu Saudi-Arabien und seiner Politik der Bündnisbildung unter den nach seiner Ansicht „gemäßigten“ Staaten im Nahen Osten. Es ging nicht um Bild, das egester über Saudi-Arabien hat. Denn es ist vollkommen unwichtig, ob Saudi-Arabien von egester als nicht-gemäßigt angesehen wird (wobei man auch das genauer darstellen müsste, aber egal, das war ja nicht das Thema). Viel wichtiger für das Verständnis der Vorgänge in Nah-Ost und das Fortschreiten der Entwicklung in dieser Region sind die Ansichten von Trump und den maßgeblichen Kräften.
      Aber vor allem sollten Leute wie egester nicht gleich aus jeder anderen Ansicht, die hier geäußert wird, so etwas wie einen heiligen Krieg um die allein gültige Sichtweise machen. Wer hier schreibt, ist kein Feind, zumal wenn er sich mit seinen Realnamen zu erkennen gibt. Wer hier schreibt, legt nahe, dass er sich immer noch einem Weltbild zugehörig fühlt, das sich für eine menschenwürdige Welt einsetzt und das, denke ich, ist aus jedem meiner Beiträge zu erkennen, wenn man die Beiträge als Ganzes betrachtet. Dabei einzelne Passagen heraus zu picken, die, zum Teil missverstanden, zu einer großen Bruchlinie aufgebauscht werden, an der sich Gut und Böse, Richtig und Falsch, Revolutionär und Reaktionär zu trennen scheinen, und damit anscheinend nichts Geringers auf dem Spiel steht als der Untergang des Abendlandes, ist nicht hilfreich. Es geht um MEINUNGEN, um ANSICHTEN, nichts anderes. Und wir hier auf diesem Forum sind nicht in der Position, dass UNSERE Ansichten und Einschätzungen der Lage über Wohl und Wehe des Planeten entscheiden. Wir sind ein kleines Häuflein von Übriggebliebenen, die nach dem Untergang des Sozialismus erneut nach ihrem Platz in der Geschichte suchen. Wir sind verdammt unbedeutend. Und mit solch einem Auftreten, das hier gelegentlich praktiziert wird, gewinnen wir weder an Ansehen noch an Einfluss.

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      Verfasst von Rüdiger Rauls | 11. Juni 2017, 8:42
      • Ich möchte dem Tenor dieser Argumentation beipflichten.Mir scheint es ein Zeichen mangelnder (politischer) Reife zu sein, stets nur das Eindeutige oder gar Eindimensionale zu suchen, was nicht heißen soll, dass es das nicht auch gibt. Die Realität jedoch ist meisten sehr vielfältig. Wäre dem nicht so,wäre es der Masse halbwegs des logischen Denkens Fähigen dies- und jenseits der Hauptklassenlinien sehr viel einfacher zu einem adäquaten Bild der Gesellschaft und ihrer Positio in dieser vorzudringen. Eine der – auch – in „linken“ Kreisen beliebten Eindeutigkeiten ist die Vorstellung, es gebe Staaten wie etwa Saudi Arabien, deren Politik primär oder gar alleine aus US-imperialistischen Interessen zu erklären sei. Auch nur etwas vertiefte Beschäftigung mit der Geschichte solcher Staaten führt jedoch zu einem ganz anderen Bild.

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        Verfasst von Anton Holberg | 12. Juni 2017, 9:55
      • FAZ = seriös und nicht verschwörerisch ???
        … was für ein Schenkelklopfer

        oh mann, da ist jemand von ganz weit gestern
        FAZ ist das CIA Sprachrohr in Deutschland (siehe Udo Ulfkotte ‚Gekaufte Journalisten‘), es ist das beste Beispiel, wie die Medien in Dt. versagen und wie es um unsere Demokratie oder das ‚westl. Wertesystem‘ wirklich bestellt ist.
        ,, und das Sie einen so unsinnigen Kommentar verfassen, was übrigens nichts mit freier Meinung zu tun hat, da sämtliche Lügen der FAZ somit weggewischt werden, lässt nur eines vermuten SpinDoktor oder Unwissenheit

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        Verfasst von Georg Dieling | 12. Juni 2017, 9:57
      • Ich möchte dem Tenor dieser Argumentation beipflichten.Mir scheint es ein Zeichen mangelnder (politischer) Reife zu sein, stets nur das Eindeutige oder gar Eindimensionale zu suchen, was nicht heißen soll, dass es das nicht auch gibt. Die Realität jedoch ist meisten sehr vielfältig. Wäre dem nicht so,wäre es der Masse halbwegs des logischen Denkens Fähigen dies- und jenseits der Hauptklassenlinien sehr viel einfacher zu einem adäquaten Bild der Gesellschaft und ihrer Positio in dieser vorzudringen. Eine der – auch – in „linken“ Kreisen beliebten Eindeutigkeiten ist die Vorstellung, es gebe Staaten wie etwa Saudi Arabien, deren Politik primär oder gar alleine aus US-imperialistischen Interessen zu erklären sei. Auch nur etwas vertiefte Beschäftigung mit der Geschichte solcher Staaten führt jedoch zu einem ganz anderen Bild. Hinzufügen möchte ich noch etwas Grundsätzliches. Der französische Philosoph der Aufklärung, Montaigne, schrieb: „Dem dient kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt“. Ich verstehe das so, dass (politisches) Handeln, insbesondere auch revolutionäres, in gleiche Maße des seelischen Antriebs (Wind) wie des rational erklärbaren Zieles bedarf. Die Freunde es sektiererischen Eindeutigkeit bringen die emotionale Dynamik mit, es fehlt ihnen aber an kühler Ratio.

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        Verfasst von Anton Holberg | 12. Juni 2017, 10:01
  2. Stark irreführender Artikel, da er die zwei wichtigsten Fakten verdreht (daher Bitte um Recherche und Überarbeitung)
    Erstens, es war nie ein ‚ rein syrischer Bürgerkrieg ‚ (das sagt auch jeder Syrer ) , man erinnert sich vielleicht an die ganzen ausländischen Pässe, die bei den Toten 2012/13 gefunden wurden.
    Zweitens, Jordanien war von Anfang an Hauptumschlagplatz für Waffen und Ausbildungsarea der Amis für die Terroristen, egal welcher Gruppierung. Schon 2012 wies Hillary Clinton freudig daraufhin, nur sind diese Aufzeichnungen aus dem ganzen Netz gelöscht wurden.
    Aber auch Altmeier und Steinmeier könnten darüber Auskunft geben, denn das Kanzleramt gehört zu den Chefplanern des Regime Changes, doch gibt es eben keinen der eine Anfrage im Bundestag stellt, hätte die Partei ‚Die Linke‘ nur ein kleines bißchen Mumm in den Knochen und nicht so pseudolinke, transatlantische Bartsches & Co als Führungskader. Jeder der ‚Linken‘ weis genaustens über Syrien und die Berlinstrategen Bescheid, ALLE lügen schweigen sie, ALLE lügen sie (außer SW & ???). Die ‚Linke‘ ist nur mehr der kleine Abwasch der SPD ,
    VERLOGEN, BILLIG & DRECKIG IN MORAL & GEIST

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    Verfasst von Georg 'Fog' Dieling | 9. Juni 2017, 12:57
    • @GEORG ‚FOG‘ DIELING. Fog ist Nebel, nicht wahr? Wissen Sie, Herr Nebel, ich will mich ja nicht selbst beweihräuchern. Aber wenn Sie meine Beiträge lesen und Ihre Kommentare, merken Sie dann nicht, dass da Welten zwischen liegen, was Argumentation angeht, Darstellungskraft und politische Erfahrung? Merken Sie das nicht oder wollen Sie das nicht wahr haben? Man muss doch trotz allen „revolutionären“ Selbstüberzeugtseins auch sehen, dass andere Sichtweisen einfach mehr Kraft und inneren Gehalt haben als die eigenen, d.h. man muss selbstkritisch sein können.
      Hier geht es um Erkenntnis. Erkenntnis ist das Zauberwort und Schlüsselwort. Einzig Erkenntnis führt zu Überzeugungskraft. Glauben SIE allen Ernstes, dass Sie mit dem, was Sie hier von sich geben, überzeugen können? Auch wenn es noch so „revolutionär“ und entschlossen und linientreu klassenbewusst klingt. Haben Sie den Eindruck, dass Sie damit irgend jemanden erreichen? Wollen Sie überhaupt überzeugen? Wie wollen SIE die Welt verändern, wenn Sie nicht überzeugen können? Wollen Sie Ansichten verordnen? Wollen Sie Bewusstsein vorschreiben?
      Ich weiß, das ist persönlich, und vielleicht wird es auch der Moderator dieser Seite als emotional ansehen und deshalb vielleicht nicht abdrucken. Aber auch die Emotionalität gehört zum Menschen. Und manchmal bringt die Emotionalität dort weiter, wo der Verstand keinen Zugang findet. Aber trotz alledem sind das doch Fragen, die man sich selbst und auch anderen stellen muss. Um was geht es eigentlich? Geht es um Selbstdarstellung, die Bedienung der eigenen Eitelkeiten oder das Überdecken der eigenen Defizite? Warum schreibt man? Warum liest man? Warum kommentiert man, was andere sich die Mühe gemacht haben, auszuarbeiten und verständlich zu machen? Um es zu vernichten? Um es zu zertrampeln? Um darin all das mit der eigenen Missgunst kleinlich zu zersetzen, was Horizonte öffnen könnte?
      SIE haben so ziemlich alles bei Ihrer Reaktion auf meinen Beitrag außer Acht gelassen, was menschlich ist: Zuhören, Verstehen wollen, das wohlwollende Zugeneigtsein, alles was als Aspekte des menschlichen Mitgefühls angesehen werden kann, als das zutiefst Menschliche. Sie geben sich als Linker hier. Linker sein, was immer das heute sein mag, ist nicht harte Linientreue entlang einer für revolutionär und klassenbewusst angesehenen Unbeirrbarkeit. Bloch hat einmal von dem kalten und warmen Zug des Marxismus gesprochen, dem kalten als der klaren unemotionalen Analyse der Vorgänge und dem warmen Zug als dem Ausblick, den der Marxismus geben möchte in eine freundliche Zukunft für die Menschheit. Aber bei Leuten wie Ihnen sehe ich weder das eine noch das andere, weder die klare Analyse, die die Verhältnisse offenlegt wie die sternklare Polarnacht, noch die Herzenswärme, die den Menschen ausmacht, wenn es ihm erlaubt ist, unter gesellschaftlichen Bedingungen zu leben, die die Brüderlichkeit gedeihen lassen. ich muss Ihnen sagen, vor Leuten wie Ihnen, graust mir.

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      Verfasst von Rüdiger Rauls | 13. Juni 2017, 21:26

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