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Geschichte, Kultur

Der BRUTALE Frieden

von  Einar Schlereth – https://einarschlereth.blogspot.de

BBC 1945 The Savage Peace – YouTube

Der BRUTALE Frieden


BBC 1945 The Savage Peace – YouTube

Einar Schlereth kommentiert:

Habe diesen Film angesehen. Natürlich ist er erschütternd, zumal, weil er mich persönlich angeht. Ich stamme aus Ostpreußen, d. h. geboren bin ich in der Regierungshauptstadt von Westpreußen namens Marienwerder. Aber Hitler hat sie später an Ostpreußen angeschlossen. Und ich bin mit der Familie am ersten Januar 1945 geflohen, über das dünne Eis der gefrorenen Weichsel, das jedoch
durch Stroh verstärkt worden war. Auf Hitlers Befehl sind die Brücken gesprengt worden, weil die Leute ihre Heimat verteidigen sollten. Wie sollte unsere Familie das tun? Vater mit einem Bein, Mutter hochschwanger, meine Schwester 6 Jahre und ich gerade 8 Jahre alt geworden plus Großmutter mütterlicherseits. Für die Flucht hatte mein Vater als ‚Reichsschrifttumsleiter‘, ins Deutsche übersetzt heißt das Chefredakteur oder auch Chefeinpeitscher, gute Gründe – und er hatte ein Auto, das er als Invalide behalten durfte. Von diesen speziellen Umständen wusste ich damals natürlich nichts, sondern nur, dass wir vor den bösen Russen fliehen mussten.

Die Flucht dauerte in jenem Jahrhundertwinter mit – 45 ° C auf den verstopften Straßen knapp 10 Monate. Es war meinem Vater gelungen, sich samt Familie nach Bayern, pardon Franken, durchzuschlagen. Großvater väterlicherseits hatte in Bad Neustadt a. d. Saale eine Notunterkunft gefunden, als er in Schweinfurt ausgebombt wurde. Das wurde dann meine neue Heimat für 10 Jahre bis zum Abitur. Danach suchte ich das Weite und begann in Hamburg zu studieren. Dem Vater verdanke ich nolens volens, dass ich seit 23 Jahren eine dritte Heimat im südlichen Schweden gefunden habe. Denn durch einen seiner Studienfreunde, ein Schwede mit einem Sohn in meinem Alter, gab es einen Austausch und ich verliebte mich in das Land, weil es meiner Heimat so ähnlich war.
Als Flüchtlinge waren wir natürlich privilegiert und hatten nicht entfernt derlei Strapazen durchmachen müssen wie die Masse der Flüchtlinge. Zweitens hatte diese erste Flüchtlingswelle hauptsächlich nur unter amerikanischen Bomben- Angriffen zu leiden. Essen konnte man sich immer noch irgendwie organisieren, wenn es nur ein Pferdesteak war, dass sich die Leute aus toten und gefrorenen Tieren heraushackten. Will damit also sagen, dass es einer großen Menge von Flüchtlingen relativ ‚gut‘ erging. Und zweitens, dass diese Menschen freiwillig geflohen sind und ihre Heimat aufgaben, viele aus ähnlichen Gründen wie mein Vater – nämlich dem schlechten Gewissen. Sie kann man nicht zu den mit Gewalt vertriebenen Menschen zählen.

Und nun zu dem Film. Erstens wird euch wohl auch auffallen, dass er nahtlos in das Russia bashing, die Russen-Verteufelung passt. Der Russe hat die Deutschen vertrieben und die Frauen vergewaltigt und schreckliche Verbrechen begangen. Keine Silbe darüber, dass die Amerikaner, die Franzosen und die Engländer eifrig mit vergewaltigt haben, dass der Engländer bewusst Dresden platt machte ohne Grund, General Eisenhower 1 Million deutsche Kriegsgefangene verhungern und verdursten ließ (die Rheinwiesen!).

Allerdings wird meiner Meinung nach deutlich in dem Film, dass vor allem die Polen und in noch größerem Maße die Tschechen entsetzliche Verbrechen an den Deutschen begingen, obwohl ihr Land vom Krieg weitgehend verschont worden ist. Ich bin auch überzeugt, dass es wohl vor allem jene waren, die allzu deutlich ihre Sympathien für Hitler gezeigt hatten, die sich bei den Gemetzeln besonders hervortaten.

Nun ein paar grundsätzliche Fragen. Erstens sind die Verluste der Deutschen im Vergleich zu denen des russischen Volkes als geringfügig anzusehen. 4 Millionen Soldaten und 23 Millionen Zivilisten. Und noch viel mehr Menschen als die 20 Millionen Deutschen hatten ihr Dach über dem Kopf verloren. Die Verwüstungen der Deutschen in Russland waren einfach unfassbar.

Zweitens haben die Deutschen und ihre weißen Brüder genau dasselbe an vielen Orten der Welt begangen: Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Plünderung und Diebstahl. Im heutigen Tansania, vormals Tanganjika sind bei der endgültigen Unterwerfung nur ein Drittel der Bevölkerung übrig geblieben. D. h. wenn wir das auf Deutschland umrechnen, dann hätten 40 Millionen Deutsche ihr Leben verlieren müssen. Ich frage mich, wieviel Tränen damals geflossen sind. Oh, ich kann es euch sagen – nicht eine einzige.

Drittens wären Anklagen und Empörung über ungesühnte Verbrechen wirklich nur dann berechtigt, wenn sie das getan hätten, was meiner Meinung die einzig richtige Antwort darauf gewesen wäre: alles zu tun, dass so etwas nie wieder geschieht. Wieviele solcher Menschen gab es? Man kann sie an den fünf Fingern aufzählen.

Was passiert stattdessen? Die Bundesrepublik macht weiter wie zuvor – ist einer der größten Waffen-Produzenten der Welt und ist jetzt Kriegshetzerin Nummer eins – gegen wen? Gegen Russland. Alle, die weiterhin an Kriegen beteiligt sind und an ihnen sogar massiv verdienen, haben ihr Recht verwirkt, sich über andere zu beklagen. Das gilt für Deutschland, für Israel, Frankreich und natürlich auch die USA.

Damit rechtfertige ich keineswegs das, was wir in diesem Film sehen. Das kann man in keiner Weise – nicht durch Rechenspiele, Aufrechnungen, Ideologien oder Theorien. Lasst uns aber eins dabei nicht vergessen: diese maßlosen Gemetzel und Schändlichkeiten sind zu 99.9 % von Männern begangen worden. Allerdings ist auch von Millionen Frauen Beifall geklatscht worden.

https://einarschlereth.blogspot.de/2017/05/der-brutale-frieden.html#more

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