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Ausland, Welt

Unmöglichkeit der Aufteilung

von A. Tamanskij – http://vineyardsaker.de

Der erste Artikel in einer Serie von drei von Alexander Tamanskij, übersetzt von Artur (Quelle).

Über die Unmöglichkeit der Aufteilung der Welt auf Technologiezonen

Die Aufteilung der Welt auf Währungs- oder währungstechnologische Zonen („Cluster“), nachdem die Erscheinung der „einen, globalen Ökonomie“ eintrat, wäre eine Rückkehr in das 19. oder in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts (in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg), als es noch mehrere solcher Zentrumzonen gab: die USA (beide Amerikas; die „Monroe-Doktrin“ [AdÜ.: „Unabhängigkeit von der Alten Welt“, „Amerika den (US-)Amerikanern“]), Großbritannien (mit Kolonien), Frankreich (mit Kolonien), Deutschland (mit Europa), Russland / die UdSSR als energetisch selbstständiges und autarkes Territorium (allerdings mit schwachem Zar, später aber mit starkem Führer), Japan (als Agent Englands und später der USA, aber mit eigener Industrie und eigenen Kolonien im Fernen Osten).

Eine Rückkehr zu diesem System, oder einer gefestigteren Variante desselben, ist unmöglich.

Ich muss zugeben, dass ich vor relativ nicht allzu langer Zeit, unter anderem unter Einfluss von Michael Chasin, einem sehr von mir geschätzten Ökonomen, einen Artikel verfasste: „Die neue Konferenz von Jalta, oder: Trump schlägt vor, die Welt auf drei aufzuteilen?“ (20. August 2016). In diesem versuchte ich, die neue Ordnung des Weltaufbaus zu ergründen, welche eine maximale Anzahl von Seiten zufriedenstellen würde und eine Variante des Auswegs aus der Krise wäre. Heute, eigentlich seit Beginn dieses Jahres, kann man schon nach allen Anzeichen urteilen und Schlussfolgerungen ziehen, dass es eine Aufteilung auf währungstechnologische (autarke) Zonen nicht geben wird, weder jetzt, noch in der nächsten historischen Perspektive, wenn man das so sagen kann.

Der sehr von mir respektierte Autor von „Aftershock“, „mamomot“ (er ist ein Anhänger der Aufteilung der Welt auf Technologiezonen, und hat eine große Arbeit in Bezug zu diesem Thema geleistet), mit welchem ich anfang dieses Jahres eine Diskussion führte (sein Artikel, meine Kommentare), gab vor kurzem (02.04.2017) zu:

„Im vergangenen März haben alle vier der vermuteten „Kristallisationszentren“ [AdÜ.: USA, EU, Russland, China] keine Hochaktivität im Ausbau ihrer ‘technologischer Zonen’ gezeigt. Es scheint, als erwarten die ‘herrlichen Vier’ irgendein Ereignis oder Ereignisse, welche als ‘Startschuss’ im ‘geopolitischen Marathon’ dienen würden, mit der Aufschrift an der Ziellinie: ‘Ende der globalen Welt!’“

Meiner Meinung nach, selbst wenn es eine abwartende Position (was für Politik vollkommen normal ist) in der Erwartung irgendeines „Ereignisses“ gibt, so ist diese in diesem Fall auf keinen Fall mit einem Übergang der Globalisierung zu einer fragmentierten Welt verbunden. Ein rückwärts gerichteter Übergang würde die Menschheit viel mehr Kosten, als die Korrektur der existierenden, ökonomischen Kettenglieder. Der Westen, also die USA und Europa, hat fast die Hälfte seiner freien Ressourcen in die Weltproduktionsstätte namens „China“ gesetzt (das Industriepotential Chinas übetrifft bereits alle Produktionskapazitäten der westlichen Länder zusammengenommen). Alle exportorientierten, chinesischen Fabriken – das sind sowohl als Minimum westliche Anlagen, als auch direkte westliche Investitionen (Aktien plus Technologien und Lizenzen) in diese Produktionen. Der ganze Export Chinas in den Westen wird mithilfe westlicher Produktionsanlagen getätigt (darauf achten die westlichen Partner strengstens). Wie kann da von einer SELBSTSTÄNDIGEN Technologiezone Chinas die Rede sein? Na überhaupt nicht. Höchstens von einer unter Aufsicht der Roten Garde mit Zitatbüchern Mao Zedongs in den Händen; China würde sofort zurückfallen. Es ist mehr als zufrieden mit dem heutigen Modell der Globalisierung, wenn die ganze Welt auf chinesische Konsumgüter, von Kleidung bis zu Computern und Telefonen, angewiesen ist.

Die USA haben auch keine große Wahl. Sie können die russische Variante gehen – energetische Autarkie plus technologische Unabhängigkeit in Schlüsseldisziplinen minus energetisch subventionierte Republiken, Soz-Lager und einem Absinken der politischen Gewichtsklasse, wie es bei der UdSSR geschah… – würden die Eliten der USA sich darauf einlassen? Höchstens als letzte Variante, aus Auswegslosigkeit.

Wir können die Frage auch anders stellen: haben die USA denn alternative Varianten zum Verlassen der Krise; die Variante der UdSSR, aber ohne Perestroika? Die Antwort ist – nein. Es liegt daran, dass die USA immer nur militärische Lösungen zum Überwinden von Krisen auf ihrem Territorium hatten: der Amerikanische Bürgerkrieg, der Erste Weltkrieg, der Zweite; der einigermaßen friedliche Zerfall der UdSSR (der Kalte Krieg), welcher die Existenz der USA in ihrer heutigen Form um ein paar Jahrzehnte verlängerte.

Da nun aber für alle komplett klar geworden ist, dass es einen heißen Dritten Weltkrieg, dazu noch solch einen, welcher die Vereinigten Staaten nicht berühren würde, das Schießen also nur in Eurasien stattfindet, nicht geben wird, bleiben nur noch zwei Varianten übrig: eine Perestroika vom Typ „UdSSR – Russische Föderation“ mit dem Verlust des Einflusses der USA bis auf ein regionales Niveau, oder die Umformatierung der globalen Welt, auch mit Einflussverlust und dem Absinken vom heutigen Status des Hegemons eine Stufe niedriger, so dass die westlichen „Verbündeten“ mehr Stimmgewicht im Vorstand erhalten.

Höchstwahrscheinlich wird es sowohl die Perestroika, als auch eine Umformatierung in einem einzigen Glas geben:

„Ich will nicht der Präsident der Welt sein, ich will nur der Präsident der USA sein. Viel zu viele Länder lebten früher auf Kosten Amerikas, das wird es nicht mehr geben… Wir werden anfangen, unsere Arbeitsplätze nach Amerika zurückzubringen.“ – Donald Trump, 04.04.2016

Das muss man so verstehen: US-Amerika kann nicht mehr die Bürde der Organisation und der Verantwortung für alle tragen, sowie für Loyalität zu sich mit der Zerstörung der eigenen Industrie und Infrastruktur bezahlen. Wenn die Eliten der westlichen Länder den gemeinsamen Markt retten wollen (China muss hier nicht überzeugt werden), so müssen sie (einen Teil ihrer) Arbeitsplätze mit US-Amerika teilen (sie also in die USA verlagern). Im schlimmsten Fall wird es allen schlecht ergehen.

Die globale Welt hat ihren Höhepunkt erreicht und benötigt ihre Korrektur. Man muss überschüssige Arbeitsplätze außerhalb der USA auf friedlichem Wege vernichten. Für die Produktion von Automobilen werden nicht so viele Fabriken benötigt; wenn man die Hälfte von ihnen schließen würde (die ältesten), so könnten die übrigbleibenden Kapazitäten mit voller Auslastung arbeiten, dabei die Kosten verringern und den Gewinn der Investoren erhöhen. Man muss sich nur absprechen, Wo und bei Wem diese überschüssigen Kapazitäten sind [AdÜ: hört sich aber nicht sehr nach „freiem Markt“ an; eher nach, oh Schreck, pöser Planwirtschaft].

Das ist, womit sich Trump und sein Team eigentlich auch beschäftigen werden; natürlich auch im Interesse der Globalisten, denen er auch selbst angehört. Und Sie dachten, er wäre ein Isolationist und Nationalist?

http://vineyardsaker.de/2017/05/09/a-tamanskij-unmoeglichkeit-der-aufteilung/#more-386

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