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Ausland, Naher Osten

Wie die Kriege in Syrien und im Irak zum Ende kommen können

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Mit der Einrichtung der vier von Russland, der Türkei und Iran in Astana vereinbarten Deeskalationszonen in Westsyrien lässt es sich erkennen, wie der Terrorismus in Syrien und Irak besiegt und die Kriege damit in absehbarer Zeit zum Ende kommen könnten.

Und zwar soll es hier im nachfolgenden nicht um die politische Arbeit, Versöhnung und Friedensgespräche gehen, die im Hintergrund natürlich enorm wichtig sind, sondern um eine eher militärische Betrachtung. In die einigermaßen aktuelle und stimmige Wikipedia-Karte „Syrian, Iraqi, and Lebanese insurgencies“ haben wir für die Diskussion der verbleibenden militärischen Arbeit mögliche Operationen zur Eliminierung der Terrorgruppe ISIS sowie die vier Deeskalationszonen eingezeichnet.

Bezüglich der militärischen Beendigung des Krieges im Irak ist die Diskussion einfach. Wenn das Team aus irakischer Armee, Bundespolizei und Volksmobilisierungseinheiten die noch unter Kontrolle der Terrorgruppe ISIS verbliebenen Gebiete, einschließlich des Rests von Mossul, eingenommen hat, könnte der heiße Krieg im Irak erstmal vorbei sein. Denkbar ist dabei zwar auch, dass kurdische Peshmerga eine oder beide der ISIS-Taschen Hawija östlich der Straße Bagdad-Mossul und Tel Afar nordwestlich von Mossul einnehmen, aber für die Beendigung des Krieges im Irak macht das wenig Unterschied, solange es darüber nicht zu einer Fortsetzung des Krieges als heißer Krieg zwischen Bagdad und der kurdischen Regionalverwaltung in Erbil kommt. Damit, dass Erbils Peshmerga das noch von ISIS beherrschte irakische Gebiet an der Grenze nach Syrien einnehmen, ist nicht zu rechnen, weil sie keinen Zugang zu dem Gebiet haben.

Der auf der Karte verzeichnete Zugang durch die Sanjar-Berge von Norden her dürfte für Erbil praktisch für eine Offensive gen Süden nicht nutzbar sein, weil in den Sanjar-Bergen de facto starke PKK-nahe jesidische YBS-Kräfte den Ton angeben, die sich alles andere als gut mit Erbil verstehen und selbst keine Ambition auf die Einnahme arabisch geprägter Stammesgebiete haben. Auch eine Einnahme von im Irak liegendem Grenzgebiet durch Kräfte aus Syrien, etwa Kräften von SDF/YPG oder Maghawir-Kommandos, ist aufgrund der politischen Komplikationen, die so etwas in Bagdad auslösen würde, eher nicht zu rechnen, oder allenfalls sehr begrenzt, sofern es als Selbstbefreiung von ISIS vermarktet werden kann. Daraus folgt, dass für die Säuberung des grenznahen Gebietes von ISIS im Großen und Ganzen nur die irakische Armee in Frage kommt.

Auch in Syrien besteht das Gebiet des heißen Krieges außer den vier Deeskalationszonen im Großen und Ganzen nur noch aus dem ISIS-Gebiet. Die Kräfte von Euphrat-Schild, Maghawir und YPG führen im Moment weder Offensiven gegen die syrische Armee noch untereinander durch, so schwierig und brüchig der Waffenstillstand zwischen Euphrat-Schild-Kräfte und YPG auch sein mag. Sofern die Groß- und Regionalmächte auch weiterhin den Willen dazu aufbringen, dass das so bleibt, was zwar längst nicht sicher ist, aber auch nicht unwahrscheinlich, sollte es nun in Syrien militärisch darum gehen, wer welches Gebiet von der Terrorgruppe ISIS befreit.

Anzunehmen ist dabei, dass die US-gestützten YPG/SDF-Kräfte mit ihrer Raqqa-Operation weitermachen und die Stadt Raqqa und ihre Umgebung früher oder später dann in langer und mühevoller Arbeit auch einnehmen werden. Weiterhin ist anzunehmen, dass die ebenfalls US-gestützten Maghawir-Kommandos ihnen ideologisch und familiär nahestehende Städte und Ortschaften, die südlich von Deir Ezzor am Euphrat liegen, einnehmen. Ein von dieser Truppe vor einiger Zeit schon einmal unternommener Versuch diesbezüglich ging zwar in die Hose, aber da die Truppe inzwischen mehr Training vom US-Militär bekommen hat und die Terrorgruppe ISIS immer schwächer wird, dürfte das demnächst zumindest teilweise klappen. Wenig wahrscheinlich ist, dass sie die Stadt Deir Ezzor einnehmen oder eine Verbindung ihres Gebietes zu den YPG/SDF-Gebieten weiter nördlich herstellen, weil sie dabei syrischen Interessen und der syrischen Armee und ihren Partnern in die Quere kommen würden und sie sich damit in einen Krieg gegen die syrische Armee und ihre Partner manövrieren würden, der den sie kaum gewinnen können und der dem Wunsch des neuen US-Präsidenten Trumps nach einem Sieg gegen ISIS zuwider laufen würde. Sollte sich die Maghawir-Truppe nun als kampfstark erweisen, ist allerdings denkbar, dass sie den Euphrat überschreiten und entlang der Grenze eine Sicherheitszone gegen ISIS zu den dann von ihnen beherrschten Städten am Euphrat schaffen. Den Rest des noch von der Terrorgruppe ISIS beherrschten Gebietes in Syrien zu befreien, wäre dann Sache der syrischen Armee und ihrer Partner.

Die syrische Armee und ihre Partner hätten damit in verschiedenen Feldzügen noch ein ziemlich großes Gebiet von ISIS einzunehmen, von der irakischen Grenze nordöstlich der Stadt Deir Ezzor über die Stadt Deir Ezzor, das gesamte bergige Wüstenland zwischen Deir Ezzor, Palmyra, Salamiya und Ithria sowie die Maskanah-Eben bis hin zur Jarah-Airbase östlich von Deir Hafr in der Provinz Aleppo. Das von der syrischen Armee einzunehmende ISIS-Gebiet wäre von der Fläche her zwar sehr groß, umfasst aber, mit Ausnahme des noch von ISIS beherrschten Teils der Stadt Deir Ezzor, keine größeren Bevölkerungszentren, sodass die syrische Armee und ihre Partner das mit ihrer Überlegenheit an schweren Waffen recht zügig schaffen sollten. Die syrische Regierung würde durch die Einnahme des ISIS-Gebietes im geografischen Zentrum Syriens eine breite Verbindung zwischen den Regierungsgebieten im Westen, Osten, Süden und Norden Syriens schaffen und damit die zentrale Rolle der Regierung in Damaskus in Syrien sichern. Durch die Einnahme eines Stücks Grenzgebiet zum Irak nordöstlich der Stadt der Ezzor würde dabei das syrisch-irakische Ziel gewahrt, einen unter Kontrolle der Regierungen stehenden Korridor zu schaffen, durch den unter anderem eine bereits vereinbarte Pipeline vom Iran durch Irak und Syrien ans Mittelmeer gebaut und eine vollständig unter Kontrolle der Regierungen stehende Straßenverbindung geschaffen werden könnte.

Schaut man sich die hier angenommenen Aufgaben der unterschiedlichen Akteure im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS an, so dürften diese einschließlich der Entschleunigungen durch lokale Verhandlungen, Ablenkungen und Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten in einem oder vielleicht eineinhalb Jahren zu bewältigen sein, womit dann die Terrorgruppe ISIS Geschichte wäre. Sollte der ein oder andere Akteur mehr Schwierigkeiten mit seiner Aufgabe haben oder schneller als erwartet fertig werden, so wäre es im Sinne einer möglichst schnellen Beendigung des Krieges natürlich logisch, wenn dann ein Akteur im Kampf gegen ISIS Aufgaben macht, die hier einem anderen Akteur zugeordnet wurden, solange der Akteur damit nicht strategischen Zielen eines anderen Akteurs in die Quere kommt. Also, wenn etwa die Kräfte von SDF/YPG mit der Stadt Raqqa überraschend schnell fertig würden, so spräche nichts dagegen, dass sie anschließend auch noch die Maskanah-Ebene machen. Auf solche Details kommt es insofern nicht an. Wichtig ist, dass damit für die syrische Bevölkerung erreicht würde, dass der Krieg ein Ende hat. Weiterhin würde die Regierung in Damaskus damit die wichtigsten Bevölkerungszentren sowie die geografische Mitte des Landes beherrschen, womit die Macht von Damaskus auf lange Sicht gesichert wäre und außerdem hätte Damaskus damit einen Land-Korridor nach Teheran, der als geografische Basis für eine erfolgreiche Zukunft der Achse des Widerstandes ausreichen würde. Und sollte der Kampf gegen ISIS etwa so wie hier beschrieben und auch in dem zeitlichen Rahmen ablaufen, könnte US-Präsident Trump sich rechtzeitig zu den Wahlen zum Kongress im November 2018 als der Mann präsentieren, der ISIS besiegt hat, was ihm und seinen Getreuen innenpolitisch sicher sehr hilfreich wäre.

Obgleich offiziell keine bedeutende Kraft der Welt auf der Seite von ISIS gesehen werden will, so gibt es dennoch Kräfte, die eine Beendigung des Krieges wie hier skizziert unbedingt verhindern wollen, allen voran Saudi Arabien, Israel und ihre Lakaien in Syrien, arabischen Staaten und der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft. Da es für diese Kräfte schwierig sein dürfte, den erfolgreichen Kampf gegen ISIS direkt zu sabotieren, dürfte sich die zu erwartende Sabotage woanders abspielen, und zwar insbesondere in den vier Deeskalationszonen. Es ist natürlich ohnehin unrealistisch, zu erwarten, dass von den vier Deeskalationszonen keine Angriffe mehr ausgehen, aber wenn da weiter angeheizt würde, könnten mehr Kräfte, insbesondere Kräfte der syrischen Armee, gebunden werden, die für den Kampf gegen ISIS fehlen. Bei den zwei Deeskalationszonen, Rastan und Ost-Ghouta, dürfte das jedoch schwierig werden, weil sie von der syrischen Armee vollständig umzingelt sind. Und die von der Anzahl der sich darin aufhaltenden Terroristen her größte Deeskalationszone Idlib ist zwar sicher für noch jede Menge Gewalt gut, aber solange das türkisch-russische Einverständnis zu den Deeskalationszonen hält, ist auch diese Zone vollständig umzingelt.

Schwieriger ist die Situation in Südsyrien, wo die Deeskalationszone an Jordanien und dem israelisch besetzten Golan grenzt. Zwar scheint es so auszusehen, dass Jordanien trotz saudisch-israelischen Drucks die Deeskalationszonen zaghaft unterstützt, doch bleibt da immer noch die Möglichkeit, dass Israel versuchen wird, über den direkt an die Deeskalationszone angrenzenden israelisch besetzten Golan, mit Waffenlieferungen, Transitpassagen für Terroristen, Spezialkräften der IDF und mit seiner Luftwaffe da den Krieg weiter kräftig anzuheizen. Deshalb könnte die Deeskalationszone Südsyrien neben dem für diesen Krieg typischen False-Flag-Terror und zionistischer Propaganda das Hauptproblem werden, dem sich die Anti-ISIS-Kräfte in den nächsten Monaten gegenübersehen werden. Das erklärt auch, weshalb die syrische Regierung nicht kapitulationswilligen Terroristen in verschiedenen Gebieten Syriens zwar die Evakuierung nach Idlib anbietet, nicht jedoch die Evakuierung nach Daraa oder Quneitra. Um das zionistische Apartheidregime dazu zu bringen, zu akzeptieren, dass die Achse des Widerstandes den Krieg in Syrien übersteht, wird es noch erheblicher Anstrengungen bedürfen.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/05/06/wie-die-kriege-in-syrien-und-im-irak-zum-ende-kommen-koennen/

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