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Ausland, Naher Osten

Neue Runde von Syrien-Gesprächen in Astana

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

In der kasachischen Hauptstadt Astana beginnt zur Stunde eine neue Runde von den Garantiemächten Russland, Türkei und Iran gesponsorter Gespräche zur Befriedung von Syrien.

Neben Delegationen der Garantiemächte und der syrischen Regierung nehmen diesmal auch der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura, ein Vertreter Jordaniens, ein stellvertretender Außenminister der USA und, anders als bei den letzten Astana-Gesprächen Mitte März, wo sie sich von Gesprächen nicht bei geplanten Offensiven stören lassen wollten, Vertreter bewaffnete Regierungsgegner unter Führung von Mohammed Alloush an den Gesprächen teil. Geplant ist, dass es am heutigen Dienstag zunächst Gespräche unter Experten der Garantiemächte geben wird, bevor dann morgen und übermorgen die eigentlichen Gespräche zwischen den hochrangigen Teilnehmern stttfinden werden.

Als Gesprächsgrundlage auf dem Tisch liegt ein russischer Vorschlag, vier „Zonen der Spannungsreduktion“ in Syrien zu erschaffen, nämlich in Idlib, nördlich von Homs, in Ost-Ghouta und im Süden von Syrien. Gleichzeitig sieht der russische Vorschlag vor, die Terrorgruppen ISIS und Al Kaida mit der Hilfe bewaffneter Regierungsgegner herauszutreiben, Sicherheitslinien entlang der Ränder der Deeskalationszonen zur Verhinderung des Ausbruchs von zonenübergreifenden Konflikten und ein Zentrum zur Beobachtung des Waffenstillstandes einzurichten sowie Zivilisten und Hilfsgüter die Zonenränder durch Checkpoints passieren zu lassen. Die vier neuen Deeskalationszonen wären damit eine Ergänzung zu den lokalen Friedensabkommen, die mittlerweile 1477 Orte unter russischer Vermittlung mit der syrischen Armee abgeschlossen haben. Es ist nicht fernliegend, anzunehmen, dass die in den letzten Tagen ausbleibenden Nachrichten über ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee in die Tasche Nord-Hama-Idlib sowie die Zurückhaltung der syrischen Armee in Ost-Ghouta dazu gedacht ist, vor den Astana-Gesprächen über die Einrichtung der vier Deeskalationszonen ein inoffizielles Zeichen des guten Willens zu setzen.

Weiterhin interessant ist in dem Zusammenhang der vor einigen Tagen begonnene Angriff der vornehmlich von Saudi Arabien unterstützten Gruppe „Islam-Armee“ von Verhandlungsführer Mohammed Alloush auf Zentren von Al Kaidas Nusra Front und die mit ihnen verbündete Gruppe Rahman-Korps in Ost-Ghouta, bei dem Al Kaidas Haussender Al Jazeera zufolge mindestens 87 bewaffnete Männer auf beiden Seiten sowie acht Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Das kann man natürlich, wie das etwa Fars News unter Verweis auf Al Akhbar meldete, als Proxy-Krieg zwischen Saudi Arabien auf der einen und der Türkei und Katar auf der anderen Seite sehen, der der Einschätzung von Freunden des ziowahhabitischen Terrors zufolge dazu führen könnte, dass das gesamte Gebiet Ost-Ghouta bald an die Regierung fällt. Man könnte den Angriff der Gruppe Islam-Armee auf die Nusra Front und das Rahman-Korps aber auch so sehen, dass Mohammed Alloush erkannt hat, dass er mit seiner Islam-Armee nur eine Chance hat, seine weitere Existenz am Verhandlungstisch in Astana zu sichern anstatt wie sein Bruder Zahran eliminiert zu werden, wenn das von ihm reklamierte Gebiet Ost-Ghouta frei von Al Kaida ist. Da hat er dann allerdings noch viel vor, denn die dicht besiedelten Gebiete im Südwesten von Ost-Ghouta stehen allesamt unter der Kontrolle des Rahman-Korps.

Wie dem auch sei, für die syrische Armee ist das jedenfalls eine günstige Entwicklung. So ist es auch zu erklären, dass die syrische Armee, anstelle das Infighting unter den Terrorgruppen für einen Angriff auf die Islam-Armee auszunutzen, stattdessen synchron mit der Islam-Armee die Nusra-Front und das Rahman-Korps in Qaboun westlich von Ost-Ghouta eliminiert. Und dabei scheint die Armee schon recht weit vorangekommen zu sein.

Wenn die Armee Qaboun komplett eingenommen hat, dürfte es sehr schwer werden für sämtliche bewaffnete Regierungsgegner in Ost-Ghouta, wer auch immer das dann sein mag, weiter für einen Nachschub an Waffen und Munition zu sorgen. Alloush und seine Islam-Armee verlieren hingegen an Unterstützung, wobei die Islam-Armee es selbst natürlich selbst zuzuschrieben hat, dass sie gerade auf unbewaffnete Menschen geschossen hat, die gegen ihren Feldzug gegen das Rahman-Korps protestiert haben.

Für Mohammed Alloush ist das eine Situation, wo er nur verlieren kann. Geht er nicht gegen seine Ex-Verbündeten von Al Kaida vor, muss er damit rechnen, dass Russland, Iran und die Türkei die syrische Armee gemeinsam dabei unterstützen, ihn und seine Gruppe zusammen mit Al Kaida zu eliminieren. Geht er gegen Al Kaida vor, so schwächt er damit die bewaffneten Regierungsgener insgesamt durch Infighting, und das wohl soweit, dass sie keine Chance mehr hätten, in Ghouta einer Offensive der syrischen Armee lange standzuhalten. Er dürfte damit eine von der Türkei, Russland und Iran garantierte langfristige Waffenstillstandsvereinbarung mit der syrischen Armee brauchen, was natürlich ganz im Interesse der syrischen Armee wäre, denn natürlich sitzt die syrische Armee dabei dann am längeren Hebel.

Weitere positive Nebeneffekte der Entwicklung in Ghouta könnten sich für die syrische Armee in anderen Provinzen ergeben, etwa indem das Infighting unter den direkt mit Al Kaida liierten und den weniger direkt mit Al Kaida liierten bewaffneten Regieurngsgegnern auch auf andere Provinzen übergreift, etwa auf Idlib. Anzeichen dafür, dass das geschehen könnte, gibt es bereits, und die Einrichtung einer Deeskalationszone dort bei gleichzeitiger Eliminierung von Al Kaida dürfte fast so etwas wie eine Garantie sein, dass es mehr davon geben wird.

Wenn die Terroristen dann miteinander fertig sind, kann es gut sein, dass auch die Sieger dadurch so geschwächt wurden, dass sie einen dauerhaften Waffenstillstand mit der syrischen Armee brauchen, weil sie es mit der syrischen Armee nicht mehr aufnehmen können. Es zeigen sich also parallel zum stetig weiter fortschrienden Kampf gegen ISIS in Ostsyrien allmählich auch Perspektiven, wie der Krieg in Westsyrien endlich beendet werden könnte.

Nachtrag später Dienstag Abend: Praktisch zeitgleich zu den Syrien-Gesprächen in Astana gibt es einige zwischenstaatliche Kontakte auf allerhöchster Ebene. Bei Merkels Besuch bei Putin in Sochi ist zwar nicht erkennbar, dass da etwas greifbares herausgekommen wäre, aber anschließend haben auch noch Putin und Trump miteinander telefoniert. Und da scheint das Ergebnis sehr zum Missfallen der zionistischen Freunde des Terrors so auszusehen, dass Trump Putin bei der Einrichtung der oben diskutierten vier Deeskalationszonen beigepflichtet hat und Trump außerdem bekräftigt hat, den Karrierediplomaten und für Nahost zuständigen amtierenden stellvertretenden Außenminister Stuart E. Jones zu den Gesprächen nach Astana zu schicken. Der jordanische Außenminister war schon am Samstag beim russischen Außenminister Lawrow in Moskau und hat da den russischen Bemühungen um einen Waffenstillstand in Syrien zugestimmt.

Und morgen, wenn es mit den offiziellen Gesprächen in Astana richtig losgeht, ist Erdogan bei Putin zu Besuch in Russland, sodass da vermutlich Meinungsverschiedenheiten zwischen russischen udn türkischen Teilnehmern in Astana sehr zeitnah auf allerhöchster Ebene geklärt werden können.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/05/02/neue-runde-von-syrien-gespraechen-in-astana/

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