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Asien, Ausland

Korea: USA, ultimativer Rückzug

von A. Zyganow – http://vineyardsaker.de

Ein recht aktueller Artikel („Die USA – ein ultimativer Rückzug“) von Alexander Zyganow, einem russischen Schriftsteller und Publizisten sowie Kolumnisten von „tsargrad.tv“, übersetzt von Artur (Quelle).

In der Geschichte mit der Demokratischen Volkrepublik Korea hat US-Amerika einen verwirrenden Rückzug angetreten.

Der Kopf des russländischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, hat anscheinend umsonst seine Hoffnung ausgedrückt, dass die USA in Nordkorea nicht die selben Handlungen ausführen, wie in Syrien. Da Lawrow jedoch nie etwas umsonst tut, hat er eher, höchstwahrscheinlich, den USA geholfen, ihr Gesicht zu wahren. Schließlich müssen wir weiterhin mit ihnen leben.

Der Vize-Präsident der USA Mike Pence hat verlautbart, dass die Ära der „strategischen Geduld“ in Bezug auf Pjöngjang beendet ist. Genauer hat er gesagt, dass die neue Administration [AdÜ.: der USA] nicht gewillt ist, die Politik der „strategischen Geduld“ gegenüber der DVK weiter zu verfolgen, und entschlossen die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel sicherstellen will. Dabei werden „alle Handlungsvarianten“ betrachtet, die friedliche wird jedoch bevorzugt.

Sergej Lawrow merkte instruktiv als Antwort an: „Wenn man unter der Redewendung, welche der Vize-Präsident der USA verwendete, eine Androhung der Anwendung von Gewalt im unilateralen Rahmen versteht, so ist das ein sehr riskanter Weg. Wir werden keine nuklear-ballistischen, abenteuerlichen Handlungen Pjöngjangs unter Verletzung der zahlreichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates tolerieren, das heißt aber nicht, dass man auf die selbe Weise das Völkerrecht brechen kann, indem Gewalt unter Verletzung der Satzung der UNO angewandt wird. Ich hoffe sehr, dass es unilaterale Handlungen in der Art, wie wir sie vor kurzem in Syrien gesehen haben, nicht geben wird, und dass die USA der Linie folgen werden, welche Präsident Trump unmissverständlich in der Periode seines Wahlkampfes aussprach.“

Übrigens, es ist nicht ausgeschlossen, dass vonseiten des Autors der Phrase, welche einen neuen Buchstaben im russischen Alphabet gebar, dessen phonetischer Umriss die Buchstaben „D“ und „B“ in sich vereint [AdÜ.: „Debily, bljat…“ – „Schwachköpfe, verdammt…“; ein geflüsteter, trotzdem vom Mikrofon aufgezeichneter Ausruf von Lawrow bei einer Konferenz zur Syrien-Frage mit saudischen Korrespondenten], dies alles nur ein gewisser Humor war; noch kein schwarzer, aber auch kein freundschaftlicher mehr.

Es ist ausgeschlossen, dass Sergej Lawrow das nicht versteht: Die USA haben in der Korea-Frage bereits den Rückzug angetreten, und diesen Rückzug kann man nicht mehr stoppen, völlig gleichgültig, welche aggressiven Aussagen Mike Pence auch tut, die in der Realität keinen einzigen Penny wert sind.

Und hier warum [das so ist].

Rückzug im strategischen Maßstab

Als am Freitag Tsargrad seine Hoffnung äußerte, dass die beiden an der „Kreuzung der Möglichkeiten“ haltenden „Automobile“ – die USA und die DVK – weg von der Konfrontation abbiegen würden, ohne miteinander zu kollidieren, eigentlich schon alles geklärt war. Unsere Experten stimmten unmissverständlich dafür, dass die Amerikaner das Gewaltszenario auf jeden Fall nicht wählen würden, und die Nordkoreaner versuchen werden, sie nicht dazu zu provozieren. Ein Risiko blieb dennoch; sowohl Nordkorea, als auch US-Amerika sind für ihre Unverhältnismäßigkeit bekannt, und nun versprachen die einen (die Koreaner) Nukleartests durchzuführen, während die anderen (die Amerikaner) – sie dafür zu bestrafen. Zudem eilt zu den Küsten der koreanischen Halbinsel eine Flugzeugträger-Gruppe der USA, Donald Trump droht mit einer mächtigen Schiffsstaffel, der koreanische Führer schwört unter keinen Umständen nachzugeben – das Wochenende hätte ein sehr heißes sein können.

Doch dann stellte sich irgendwie heraus, dass die amerikanische Staffel sich überhaupt nicht beeilt; die Amerikaner verlautbarten, dass die Schiffsstaffel überhaupt nur einfach so herumschwimmt, weil der Pazifische Ozean, wer hätte das gedacht, für sie heimisch ist. Danach verlor Trump entweder seine Nerven, oder Ivankas Laune verbesserte sich; jedenfalls sagte der Präsident der USA, dass Washington nicht kämpfen, sondern weiterhin friedlichen Druck auf Pjöngjang ausüben werde. Das Ziel blieb das selbe – Pjöngjang dazu bringen, sich vollständig von seinen nuklearen und ballistischen Entwicklungen loszusagen.

Von seiner Seite hat auch Pjöngjang herausragend die Analyse eines unserer Experten bestätigt, in dem es eine lobenswerte Demut an den Tag legte und keine Tests mit seinem Nuklearapparat organisierte. Allerdings hat Nordkorea, als US-Amerika bereits den Rückzug antrat, den Start einer ballistischen Rakete durchgeführt; wenn man ehrlich ist, einen fehlgeschlagenen. Wenn da nicht die Kostspieligkeit solcher Raketen wäre, könnte man glatt meinen, dass dieser Fehlstart Absicht war. Er half, alles so erscheinen zu lassen, dass sowohl die Schafe heil geblieben sind, als auch die Wölfe satt: das koreanische Regime mit Kim Jong-un als Haupt hat es geschafft, demonstrativ seine Selbstständigkeit und Unnachgiebigkeit nachzuweisen; das amerikanische Regime hatte hingegen nichts, worauf es mit seinen „Tomahawks“ wirklich hätte zielen können, selbst nach der friedliebenden Aussage seines Präsidenten.

Beide „Automobile“ fuhren an der Kreuzung auseinander, ohne die Bahnen des jeweils anderen zu kreuzen. Für die USA wurde dies allerdings zu einem strategischen Rückzug. Selbst in Syrien haben sie letztendlich mit Raketen zugeschlagen, wenn auch unentschlossen und stümperhaft; bis zum heutigen Tag suchen viele Beobachter dahinter irgendeine List oder einen Haken. Bei Nordkorea konnten sie sich nicht dazu entscheiden. In Wahrheit gab es für einen Militärschlag auch nicht die geringste rechtliche Rechtfertigung; das hat die westlichen Barbaren früher allerdings auch nicht aufgehalten – nicht in Jugoslawien, nicht im Irak, nicht in Afghanistan.

Und genau dieses Empfinden eines strategischen Rückzugs zwang, höchstwahrscheinlich, Mike Pence eine weitere Drohung rauszurülpsen. Diese wurde zu einer Erschütterung in der Luft und zum Grund für die feine, humorvolle Bemerkung von Sergej Lawrow.

Sanktionen – sind alles, was den USA zur Verfügung steht

Nun fängt man in US-Amerika an, über Sanktionen gegen Pjöngjang zu sprechen. Unterstützung fand US-Amerika in Südkorea, mit welcher es sich absprach, dass sowohl die USA, als auch die Republik Korea in Bezug zur DVK im Falle von weiteren, von ihr ausgeführten „militärischen Provokationen“ zusätzliche Sanktionen einführen werden. Zu mehr sind die Vereinigten Staaten anscheinend nicht fähig.

Erstens sind das eben genannte Südkorea und Japan gegen direkte Militärhandlungen; und man kann sie auch verstehen. Zweitens hat sich nach einigen Überlegungen China hinter die DVK gestellt. China verfolgt selbst ohne besonderen Optimismus die Aufrüstungsschnörkel Pjöngjangs; allerdings kann ihr selbstverständlich auch nicht die Perspektive eines großen Krieges an den eigenen Grenzen gefallen, mit der realen Perspektive des Einsatzes von Nuklearwaffenarsenalen. China-Experten sagen, in Peking betrachtet man die Perspektive eines bewaffneten Konfliktes mit den USA sehr nüchtern – allerdings erst in der Perspektive der 20er und 30er Jahre [AdÜ.: dieses Jahrhunderts], wenn US-Amerika wegen eigener Gründe anstreben wird, die Handelswege Chinas an den Malakka- und Sunda-Meerengen zu blockieren. Dementsprechend gibt es Hoffnungen, solch eine Perspektive zu vermeiden. Ein Krieg jetzt, direkt an der Flanke, wäre ein unterdurchschnittliches Vergnügen.

In US-Amerika selbst werden Erinnerungen an vergangene Kriege wach. Letztendlich wird das Land von Raufbolden regiert, aber nicht von Idioten. Die Eliten wissen genau, dass die USA noch nie einen einzigen ernsthaften Krieg gewonnen haben. Sie schlossen sich entweder den realen Gewinnern an, wie in den beiden Weltkriegen, oder besiegten kleine und kraftlose Länder. Staaten vom Format Vietnams hingegen schlugen den Amerikanern schmerzhaft aufs Maul. Der Krieg mit Nordkorea läuft rein formell noch – hier gilt nur der Waffenstillstand von 1953. Das ist auch die dritte Variante: das andauernde, ruhmlose Rumlungern der USA in einem Zustand von „weder Frieden, noch Krieg“ nach ein paar anfänglichen Erfolgen. Der Irak und Afghanistan dienen dazu als Beispiel.

Wenn der Vize-Präsident der USA also die Demokratische Volksrepublik Korea warnt, dass diese sich vor der Entschlossenheit Donald Trumps und seiner Fähigkeit, militärische Maßnahmen zu treffen, in Acht nehmen soll, so klingt das nicht bedrohlich, sondern erbärmlich. Und wenn als Beweis zu solchen Fähigkeiten Pence an den Raketenschlag (mit ungewissem Schicksal) gegen die Luftwaffenbasis in Syrien, und an den unsinnigen Einsatz der größten, nicht-nuklearen Bombe aus dem Waffenarsenal der USA in Afghanistan erinnert, so klingen seine Worte überhaupt lächerlich. Ein Beschuss mit Vorwarnung und die Sprengung eines Berghangs können wohl kaum das nordkoreanische Regime zum Zittern bringen. Natürlich kann die DVK US-Amerika nicht besiegen; sie kann sich allerdings lange und gefährlich wehren. Und das würden die USA nicht überleben. Das alles wurde sowohl in Pjöngjang, als auch in Peking und, man kann davon ausgehen, auch in Moskau, schon lange durchgeplant.

Sanktionen und nur Sanktionen – das ist alles, was US-Amerika real zur Verfügung steht. Nicht umsonst erhofft sich Washington öffentlich, dass China und Russland für die Verschärfung der Sanktionen gegen die DVK stimmen, sollte sie „weitere Nukleartests durchführen“.

Deswegen wird der bedrohliche Flugzeugträger „Carl Vinscon“ die koreanische Halbinsel erst zum 25 April erreichen [AdÜ.: angeblich nach doch noch durchgeführten Manövern in Australien]; und selbst dann nur für gemeinsame Manöver mit Südkorea.

Solange kann man gerne sich selbst und der ganzen Welt versichern, wie es die stellvertretende Beraterin des US-Präsidenten zur nationalen Sicherheit, Kathleen McFarland, tut, dass der Druck, den Washington in der Nordkorea-Frage auf China ausübt, irgendeine Wirkung zur Folge haben wird…

http://vineyardsaker.de/2017/04/22/a-zyganow-usa-ultimativer-rueckzug/#more-371

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