//
du liest...
Allgemein

Die allmähliche Entstehung der multipolaren Welt abgebildet in den neuen IWF-Daten

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Der internationale Währungsfonds IWF hat anlässlich seiner alljährlichen Frühjahrstagung gerade neue Zahlen zur Entwicklung der Wirtschaft seiner zahlreichen Mitgliedsländer veröffentlicht.

Auch wenn die vom IWF veröffentlichten Zahlen natürlich mit Vorsicht zu genießen sind, bilden sie doch einige Entwicklungen recht deutlich ab. Bemerkenswert ist etwa, dass das in gegenwärtigen Dollar berechnete chinesische BIP zu Marktkursen im Jahr 2016 erstmals seit langer Zeit gefallen ist, während die USA 2016 bei dieser Kenngröße das Land mit dem größten absoluten Wirtschaftswachstum gemessen in Dollar waren. Bei oberflächlicher Betrachtung ergibt sich daraus auch bei Betrachtung einer längeren Zeitreihe eine Tendenz in die Richtung, dass die USA noch auf unabsehbare Zeit die gemessen am BIP zu Marktkursen größte Volkswirtschaft der Welt bleiben werden. Nachfolgende aus den aktuellen IWF-Zahlen erstellte Grafik zeigt etwa den jeweiligen Anteil der USA und Chinas an der Summe des gesamten Welt-BIP zu Marktkursen ab 2010 einschließlich der Plandaten für de nächsten fünf Jahre.

Es sticht geradezu ins Auge, dass es bei einer Fortschreibung der IWF-Plandaten noch mehrere Jahrzehnte dauert, bis China gemessen am BIP zu Marktkursen die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird. Es stellt sich die Frage, ob die Daten den Schluss nahelegen, dass die USA und das US-Empire noch auf lange Sicht die Weltwirtschaft dominieren werden und die baldige Entstehung einer multipolaren Welt eine trügerische Hoffnung war. Und vergleicht man etwa die aufsummierten neuen IWF-Daten zum BIP zu Marktkursen für die G7 mit denen der BRICS, sieht das auch danach aus.

Die Datenreihe legt die Vermutung nahe, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis sich die Linien kreuzen und die BRICS damit die G7 des US-Empires als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt ablösen, und dabei ist noch nicht einmal eingerechnet, dass Brasilien, das B der BRICS, inzwischen wieder in der Hand des US-Empires zu sein scheint. Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich beim Vergleich von NATO und der SCO, wobei die Datenreihe in nachfolgender Grafik den NATO-Beitrittskandidaten Mazedonien und die SCO-Beobachterstaaten, also unter anderem Indien, Iran und Pakistan, schon miteinschließen.

Auch bei dieser Datenreihe zum kumulierten Anteil am Welt-BIP zu Marktkursen sieht es so aus, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis die Linien sich kreuzen, wenn überhaupt. Auch wenn man davon absieht, dass die SCO anders als die NATO nicht den Anspruch hat, ein Militärbündnis zu sein, so legen die Zahlenreihen die Vermutung nahe, dass die NATO noch für eine sehr lange Zeit das Militärbündnis der Welt sind, dessen Mitgliedsstaaten die mit Abstand meiste Wirtschaftskraft auf die Waage bringen, und da ist noch nicht einmal eingerechnet, dass es noch gar nicht sicher ist, ob Indien, Pakistan und Iran tatsächlich mal Mitglieder der SCO werden. Wirtschaftskraft ist bei einer langfristigen Betrachtung des militärischen Potenzials natürlich ein ganz wesentlicher Faktor.

Doch wer nun tatsächlich glaubt, aus den Datenreihen zum nominellen BIP gehe tatsächlich hervor, dass die Ablösung der USA als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt durch China und die Entstehung auf unbestimmte Zeit verschoben ist, könnte einem groben Irrtum unterliegen. Betrachtet man nämlich die Datenreihen zum BIP nach Kaufkraftparität, oder Anteil am wirtschaftlichen Output der Welt, sieht die Lage nämlich ganz anders aus. Eine aus den neuen IWF-Daten erstellte Grafik zum Anteil am wirtschaftlichen Output der Welt sieht wie folgt aus:

Die Datenreihe zum BIP nach Kaufkraftparität zeigt, dass die Linien sich bereits gekreuzt haben, China längst vor den USA liegt und der Abstand kontinuierlich wächst. Etwas vereinfacht gesagt bedeutet das, dass China mehr Produkte und Dienstleistungen als die USA herstellt und der Abstand wächst. Dass die USA beim BIP zu Marktkursen vorn liegen, liegt einfach daran, dass die produzierten Güter und Dienstleistungen in den USA teurer sind, also in den USA beispielsweise die Kilowattstunde Strom einfach mehr kostet als in China. Eine ähnlich aussehende Datenreihe ergibt sich aus den neuen IWF-Zahlen, wenn man G7 und BRICS bezüglich des Anteils am Weltoutput vergleicht.

Auch hier haben die Linien zum Output sich längst gekreuzt und der Abstand zwischen G7 und BRICS wächst. Daran ändert sich im Grunde auch nichts, wenn man von den BRICS die rund 3% Anteil am Weltout abzieht, die das neuerdings wieder weitgehend auf Linie des US-Empires befindliche Brasilien leistet. Sehr schön demonstriert die Grafik, dass der einstmals die Weltwirtschaft dominierende Club der G7-Staaten heute nur noch die zweite Geige spielt, was etwa erklärt, warum es nicht mehr wie früher funktioniert, wenn die Führer der G7-Staaten sich etwa zu Sanktionen und anderen Strafmaßnahmen verabreden. Und bei einem Vergleich von NATO- und SCO-Staaten – einschließlich Beitrittsaspiranten und Beobachtern – sieht es bezüglich des Anteils am Weltoutput ähnlich aus.

Hier haben sich die Linien zwar noch nicht gekreuzt, aber die Differenz schmilzt, die Kreuzung der Linien ist für 2019 zu erwarten und von da an ist den Plandaten zum Output zufolge zu erwarten, dass die SCO und ihre Beitrittsaspiranten die NATO wirtschaftlich zunehmend in den Schatten stellen. Die noch vohandende wirtschaftliche Dominanz der NATO-Staaten beruht auf kaum noch mehr als Preisunterschieden, oder anders ausgedrückt, Wechselkurseffekten. Das erklärt etwa einen Teil dessen, warum einige NATO-Staaten, man denke etwa die Türkei, Ungarn und Bulgarien, sich politisch zunehmend vom US-Empire entfernen, sodass ein Zerbrechen der NATO wegen vergleichsweise geringer wirtschaftlicher Unterfütterung des NATO-Bündnises in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr ganz unwahrscheinlich ist. Bezogen auf den wirtschaftlichen Ausstoß läuft die multipolare Welt dem US-Empire gerade den Rang ab, und die Differenz wird immer größer.

Zum Wechselkurseffekt sei noch eine aus den neuen IWF-Daten erstellte Grafik zur Differenz des Preisniveaus der gemessen am BIP zu Marktpreisen zehn größten Volkswirtschaften zum mittleren Preisniveau der Welt angefügt.

Es ist nun wenig überraschend, dass das Preisniveau in Entwicklungsländern wie Indien und China unter dem über Welt-Output und Welt-BIP zu Marktkursen berechneten Weltdurchnitt liegt, während es in den Industriestaaten der G7 darüber liegt. Intressant ist aber die Position, in die die USA geraten sind: unter den gemessen am BIP zu Marktpreisen 2016 zehn größten Volkswirtschaften der Welt ist das Preisniveau in den USA am höchsten. Anders gesagt: der US-Dollar ist im Moment im Vergleich zu den Währungen anderer wirtschaftsstarker Staaten sehr teuer. Das ist ein veritables Problem für die USA, denn ein teurer Dollar macht es für die USA schwierig, das Handelsbilanzdefizit zu verringern und Wachstum und Jobs durch mehr Exporte zu generieren. Sollte der US-Dollar früher oder später herunterkommen, was von US-Präsident Trump zur Wachstumsankurbelung gewünscht sein dürfte, aber praktisch nicht ganz einfach zu bewerkstelligen und politisch auch nicht ganz unproblematisch ist, sinkt auch die Dominanz des US-Empires in den Charts zum Anteil der USA und des US-Empires am Welt-BIP zu Marktpreisen entsprechend und nähert sich den Charts zum Output an, die die allmähliche Entstehung der multipolaren Weltordnung abbilden.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/04/21/die-allmaehliche-entstehung-der-multipolaren-welt-abgebildet-in-den-neuen-iwf-daten/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archive

%d Bloggern gefällt das: