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Ausland, Welt

CM Mirakel und asiatisches Schach

von http://vineyardsaker.de

Nachdem nun ein paar Tage vergangen sind und beide Seiten wie auch zahllose Kommentatoren sich geäussert haben und wir also über vielerlei Daten, wenn auch unterschiedlicher Qualität verfügen, können wir uns dem verbrecherischen Überfall auf Syrien etwas konkreter zuwenden. Hierbei wird es notwendig sein, auch diverse Technikalia zu betrachten und mit einzubeziehen (ich bitte um Verständnis).
Abschließend werde ich noch einen kurzen Blick auf Nordkorea und das große Schachbrett werfen.

Eine der wohl am meisten gestellten Fragen ist die, warum justamente 36 Raketen „verschwunden“ sind. Und diese Frage, genauer, eine realistische Antwort darauf, ist in der Tat sehr interessant – und vermutlich für viele völlig unerwartet.

Wir müssen hierzu den Blick einmal von Syrien ab und den *zwei* beteiligten ami Kähnen zuwenden.
Es handelt sich um arli-börk Kähne (tschuldigung, mein us-amerikanisch ist sehr schlecht und ausserdem beschreibt „börk börk!“ diese ami Kähne lautmalerisch sehr gut), also um eben jene „tohtaaal unbesiegbaren“ ami Zerstörer, die im schwarzen Meer eine sehr deutliche Lektion in Sachen alter russischer Flieger mit nicht ganz so altem Khibini System gegen arli-börk Kahn bekamen, was zu hektischer Fluchttätigkeit der ami Besatzung führte sowie die arli-börk in großer Eile den nächsten Hafen erreicht hatte.

Die börk-börks sind alle mit aegis (dem ami „wir sind total high-tech und ultra überlegen !!1!“ System) einem mk41 VLS (Senkrechtstart System) für Raketen ausgestattet, wobei es davon unterschiedliche Versionen gibt. Alle diese Versionen kommen in einer 4*2 (2 Reihen à 4 Zellen) Grundkonfiguration, wobei die börk-börks immer vorne 4 und hinten 8 solche Grundeinheiten haben. Je nach dem genauen Typ sind davon jeweils unterschiedlich viele tatsächlich bestückbar. Im Fall der hier relevanten börk-börks („porter“ und „ross“) sind vorne 29 (32 – 3) und hinten 61 (64 – 3) bestückbar, so dass insgesamt 90 Raketen mitführbar sind.

Allerdings – und das zu berücksichtigen ist wichtig – sind da keineswegs nur die Sorte tomahawks drin, die bei dem hochkriminellen Überfall auf Syrien verwendet wurden (also eine bestimmte Variante gegen Landziele), sondern auch allerlei andere Raketen wie z.B. FlA oder AS (Anti Schiff) aber auch andere tomahawk Typen.

Die jeweilige Bestückung hängt natürlich vom jeweiligen Operationsgebiet bzw. Einsatzprofil ab, aber wir dürfen sicher davon ausgehen, dass im Mittelmeer reichlich Luftabwehr mitgeführt wird.
Desweiteren ist zu bedenken, dass die beiden börk-börks ziemlich sicher die Standardbestückung an Bord hatten, alleine schon, weil es gegnerischen Geheimdiensten kaum entgeht, wenn ein Schiff eine andere oder eine Extra-Bestückung bekommt.
Und dann ist noch zu bedenken, dass die börk-börks normalerweise (also zu Friedenszeiten) nicht für den „Kampfmodus“, also nur teilweise bestückt sind. Typisch wären z.B. vorne die vollen 29 und hinten nur 32.

Anders ausgedrückt: Es wurden nicht etwa 2 börk-börks eingesetzt, weil die im Paar hübscher aussehen oder weil es cooler wirkt, sondern schlicht, weil eine alleine nicht die nötige Menge der entsprechenden Anti-Land tomahawk Typen an Board hatte.

Womit wir bei der Frage der Menge wären. Warum gerade 59 und nicht z.B. 72 oder 41?

Weil die tomahawks eine typische Ankunfts/Trefferrate von nur etwa 1/3 haben. Man muss die 59 also verstehen als „die wollten 20 tomahawks, die im Ziel einschlagen“ und haben deshalb 60 (59) abgeschossen.

Und warum nur 59?

Erstens weil, siehe oben, die börk-börk VLS immer in 4er bzw 3er Gruppen bestückt werden. Zweitens weil die ami Kähne ja ständig irgendwo bei „Friedens“ Manövern mitmachen und da meist auch ein paar Raketen abgefeuert werden. Drittens, weil ein ami Kommandeur in „Gruppen/Salven“ (zu 3 oder 4) denkt und nicht gerne mit teilvollen Zellengruppen herumschippert.

Nun sind wir gerüstet, das Rätsel der 36 aufzulösen. 36 ist durch 4 teilbar. Das sind 4 volle Zellenblöcke à 8 plus eine 4-er Reihe. Das dürfte dem entsprechen, was eine börk-börk standardmäßig von diesem tomahawk Typ an Bord hat.
Die andere börk dagegen hatte nur 23 an Bord, also 2 8-er Blöcke und einen 7-er Block (Wir erinnern uns: die börk-börks haben 8-er (2 * 4) und 7-er (4+3) Blöcke).

Möglicherweise spielte auch folgende Betrachtung noch eine Rolle: Eine S-400 Batterie hat in der Regel 9 Abschussrampen mit jeweils 4 Raketen. Allerdings schießen die Russen diese Raketen bevorzugt als Pärchen ab, so dass also 18 tomahawks bekämpft werden könnten. Plus noch ein paar als Blendverstärker und Krepierer dazu und wir sind bei 23 tomahawks (und der ami Kommandant hat seine Zellenreihe sauber leer gemacht).

Das ist zwar völliger Unsinn, denn die Russen werden erstens nicht mit S-400 auf irgendwelche tomahawks schießen, die nicht gerade auf den Kreml zu fliegen und zweitens nie und nimmer mit leeren Silos dastehen, bis die Rampen neu bestückt sind und das wohlgemerkt mit S-400, die zum Schutz der *eigenen* Basis dienen. Aber wir haben es hier ja mit amis zu tun und da muss man durchaus auch akut idiotische „Überlegungen“ mit bedenken.

Zurück zu den Russen.

Die Russen, die ja jedenfalls vorgewarnt waren, sei es durch die amis oder sei es durch ihre eigenen Aufklärungssysteme, haben sich wohl entschlossen, die Salven des ersten börk-börk durchzulassen und die (größeren) Salven des zweiten börk-börk (mit 36 Raketen) Richtung Meeresgrund zur Tiefenerkundung zu schicken. Übrigens nahezu sicher nicht mit Raketen sondern mit z.B. Krasukha.

Warum haben die Russen einen Teil durchgelassen? Nun ja, dort ist Krieg und im Krieg kann man nicht immer nett sein. Zunächst mal müssen die Russen – auch im Interesse der Syrer! – ihre eigenen Basen schützen und also keine Raketen für wer weiss was verballern. Und dann durfte ja auch als bekannt gelten, wohin die tomahawks flogen, nämlich in eine nicht allzu wichtige syrische Basis, die zudem nahezu sicher vorgewarnt war.
Wer ethische Fragen stellen will, der könnte da auch mal fragen, warum dort Syrer umkamen. Denn es scheint ziemlich offensichtlich, dass die Syrer selbst ihrerseits keineswegs alle vor Ort gewarnt haben. Wie gesagt, Krieg ist schmutzig und ein paar Tote zu haben gibt einem deutlich mehr Gewicht am Verhandlungstisch und später vor Gericht. Zumal: Wer sagt uns denn, dass das syrische Soldaten waren? Merke: In einer syrischen Uniform steckt nicht notwendig eine syrische Leiche.

Nun noch eine sehr interessante und viel gestellte aber bisher kaum betrachtete Frage, die nämlich der geringen Schäden. Es mag ja sein, dass meine Augen zunehmend schlecht sind, aber ich sehe jedenfalls kaum Schäden, die von einer tomahawk kommen könnten. Einige wenige Schäden an einem oder zwei befestigten Hangars, aber das war’s auch im wesentlichen.

Müssen wir also annehmen, dass die amis ihre tomahawks zu 90% mit handelsüblichem Feuerwerkspulver und nur zu 10% mit militärischen Kampfmitteln bestückt haben? Das scheint mir doch sehr unwahrscheinlich, um nicht zu sagen ausgeschlossen.
Nur: Die Schadensbilder sind ja vorhanden; die zeigen objektive Realität und die wiederum weist nicht auf 23 oder auch nur auf 12 eingeschlagene tomahawks hin.

Wie könnte diese durchaus drastische Divergenz zu erklären sein?

Ich sagte es bereits gelegentlich: Eine tomahawk weiss nicht, wo sie ist. Sie weiss nur, was ihre Sensoren oder GPS ihr sagen.

Und, auch wichtig: Wenn ich der zuständige russische General bin, dann *will* ich die tomahawks *nicht* alle Richtung Meeresgrund schicken. Ich *will*, dass zumindest einige ihr Zielgebiet erreichen – ich bitte zu bemerken, dass ich „Zielgebiet“ sagte und nicht „Ziel“. Warum?

Weil ich Beweise will und auch ein paar Schäden, aber nicht zu schlimme; gerade genug, um meiner Regierung (und der syrischen) genug Material für reichlich Lärm und vielleicht auch für Gerichtsverfahren und Gründe für Reparationsforderungen zu geben.
Kurz: Ich will tomahawk-Schrott auf dem Flughafen Gelände und ein paar Schäden, aber nicht so schlimm, dass der Flughafen nicht ein, zwei Tage später wieder in Betrieb sein kann.

Da wäre es natürlich ausgesprochen praktisch, wenn ich Systeme „der neuartigen physikalischen Prinzipien“ zur Verfügung hätte, die tomahawks z.B. in einer Höhe von 100 oder 200 m davon überzeugen, eben jetzt ihren Detonationspunkt erreicht zu haben. Nicht alle, aber die meisten; ein paar echte Einschläge will ich schon, denn schließlich brauche ich ja auch hübsche Bilder mit Schäden.
Und das Glück wäre mir womöglich hold, insofern als die tomahawks mit Steuerungselektronik und Software fliegen, die zu erheblichen Teilen aus den 70er Jahren stammen und im übrigen bekanntermaßen Schwierigkeiten mit hügeligem Gelände haben …

Wäre das tatsächlich so – ich denke hier ja nur mal laut – dann würde es ziemlich genau so aussehen wie es tatsächlich auf dem Flughafen aussieht. Kaum ernste Schäden, lächerliche Trichter, die nicht durch Explosionen sondern durch die kinetische Einwirkung von aus einiger Höhe abstürzenden tomahawk Brocken entstanden aber – das will ich für meine Bilder! – reichlich irgendwelche ausgebrannten tomahawk Teile. Und am nächsten Tag benutzen meine syrischen Freunde ihre Basis wieder weitgehend normal.

Was für ein Zufall, dass es auch genau so aussieht und der Flughafen am nächsten Tag bereits wieder genutzt wurde!

Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Russen solche Technik haben? Ja.

Krasukha ist ja bekannt, funktioniert aber etwas anders, weil anderen Zwecken dienend. Ich persönlich gehe davon aus, dass Krasukha für die „ist unbekannt“ magisch „verschwundenen“ 36 tomahawks verantwortlich ist.
Und, ich erwähnte es dieser Tage andeutungsweise, es gibt auch noch einiges andere, z.B. „President“. Dieses System ist üblicherweise an/in Hubschraubern installiert und sorgt dafür, dass sich feindliche Raketen sehr seltsam verhalten.

Das aber bedeutet, dass man ein bisschen Platz braucht, sagen wir größenordnungsmäßig 2 * 2 * 3m und vielleicht hundert kW Strom. Und es ist ja kein Zufall, dass justamente diese Basis von 8 oder 9 ausgewählt wurde von den amis. Sagen wir, etwa die Hälfte käme prinzipiell als wahrscheinliches Ziel in Betracht, also 4. Vier der geheimnisvollen russischen Systeme fänden locker auf 2 LKWs Platz. Oder man könnte sie fest auf unauffälligen gängigen Lastwägen installieren und eine Plane drüber werfen.

Ich *weiss* nichts Genaues und ich nehme es niemandem übel, wenn er mich in diesem Punkt der Spekulation bezichtigt. Allerdings bitte ich zu bemerken, dass es objektive Fakten gibt, die mit Gewissheit ausschließen, dass auch nur 10 tomahawks funktionierend eingeschlagen sind. Das objektive Bild am Boden ist ganz klar eines, dass einige sehr wenige realistische tomahawk Einwirkungen zeigt und ansonsten weitgehend Einwirkungen, die denen von herabfallenden und bereits explodierten Trümmern entsprechen. Zynisch gesagt, schiene eher die Vermutung, dass dort einige Handgranaten geworfen wurden, realistisch als die von etwa 2 Dutzend tomahakws mit hoher kinetischer Energie plus jeweils hunderten kg Sprengstoff.

Abschließend wie angekündigt noch kurz zu Nord-Korea.

Da gilt wieder einmal, dass ich kein Hellseher bin und es einfach noch viel zu wenige greifbare Daten für eine brauchbare Analyse gibt. Andererseits weiss ich aber aufgrund einiger Erfahrung auch, dass viele Menschen in so einer Situation zumindest mal eine vage Ersteinschätzung wollen, ein ungefähres Bild. Also bitteschön.

Ich denke nicht, dass China seine nord-koreanischen Nachbarn einfach verkauft. Vor allem aber denke ich, dass man den großen Kontext sehen muss. Blickt man nur auf die aktuellen Ereignisse, dürfte man sich ziemlich sicher sehr vertun.

Zum einen muss China, ganz egal, wie es mit den amis weitergeht, Partner behalten und weitere um sich scharen. Das aber wird es nicht tun können, wenn es Nord-Korea einfach ausverkauft; dann würden zwar die amis (erst mal) zufrieden sein, aber jede Nation weit und breit um China herum würde es sich drei mal überlegen, ob es eine Partnerschaft mit China will, nur um bei Gelegenheit auch verraten zu werden.

Zum anderen sind gerade die Chinesen keine amis; die denken nicht kurzfristig und kurzsichtig. Und bitte, was ist denn schon geschehen? Die Chinesen haben die Kohlelieferungen aus Nord-Korea gestoppt und einige strenge Sätze gesagt? Hach. Das ist doch im Vergleich zum großen Ganzen so gut wie nichts. Das ist ein Symbol (für die amis), weiter nichts.

Meiner Meinung nach läuft da ein großer und langfristiger Plan (wobei man sich allerdings wohl in der Endphase befindet). Das Spielchen heisst, mal etwas simpel auf den Punkt gebracht, die amis in kleinen Schritten immer weiter anzuheizen, dann wieder ein bisschen abkühlen, dann wieder heizen, usw. Man kann den amis ja schlecht eine Postkarte schicken „Der für uns optimale Kriegsschauplatz wäre hier. Siehe Kreuzchen“; nein, gerade weil dieser Schauplatz der ungünstigste für die amis ist, muss man sie dazu bringen, dass sie selbst ihn wählen. Und man muss das so machen, dass die amis siegesgewiss und zugleich unter einigem Druck sind.

Wie?
So: Die Russen machen einen auf „Hach, wir haben schon mit Syrien, ukrostan und den oh so beängstigend vielen und gefährlichen nato Truppen im baltikum mehr als genug zu tun. In Fernost machen wir höchstens mal mit den Südkoreanern freundschaftlich Sport beim Auftanken“. Die Chinesen machen einen auf „Wir wären ja so gerne eine starke Großmacht, aber hach, was sollen wir schon tun, wenn die tohtaaal supermächtigen ami Helden mit ihren Superwaffen wie f-22 und einem FZT drohen?“. Und die Nordkoreaner geben den „wilden Hund“ (übrigens seit langem die Doktrin israels), also den unberechenbaren, dem alles zuzutrauen ist.
Zudem machen die Russen reichlich Lärm wegen, mit Verlaub, einer lächerlichen Anzahl von nato Hampeltruppen und wegen ami „super Systemen“ (die die Russen binnen Minuten verhackstücken können) und lassen sich auch in Syrien immer wieder vorführen; genauer, sie zeigen zwar Stärke, aber auch eine extreme hohe Toleranz gegenüber den „tohtaaal mächtigen und unbesiegbaren“ amis gegenüber.

Auch deshalb ärgern mich übrigens die gelegentlichen Vorwürfe gegenüber Russland, von wegen, wie können die nur so geduldig sein mit amis/nato? Ich sage euch die Antwort: Weil sie nicht die Menschheit von Irren in einem Atomkrieg ausgerottet sehen wollen und, sehr wichtig, weil sie ein Gehirn haben und die militärische Grundregel kennen, die besagt, dass unterm Strich nicht die einzelnen Schlachten entscheidend sind, sondern der Ausgang des Krieges.

Die Aufgabe heisst – wenn irgend möglich – *nicht* „amis weg ballern, allesamt, plus noch ein paar Atomraketen zur Sicherheit dazu“. Nein, die Aufgabe heisst, die amis *so* zu entmachten und zu erledigen, dass ein Atomkrieg möglichst ausgeschlossen ist und dass möglichst wenige Menschen umkommen, plus – sehr wichtig – dass dabei zugleich eine solide Basis für ein besseres Morgen entsteht. Beachtet man Letzteres nicht, dann gewinnt man zwar den einen Krieg, schafft zugleich aber auch die Basis für weitere.

Übrigens: Dass der Chef Nordkoreaner sich ideal eignet, um als Idiot gezeichnet zu werden, gehört mMn mit zum Plan.

Ein bisschen Geduld noch. Die Falle ist ja schon dabei zuzuschnappen. Und dann „bye, bye united states of assholes“.

http://vineyardsaker.de/2017/04/12/dies-und-das-cm-mirakel-und-asiatisches-schach/#more-355

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