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Ausland, Naher Osten

Syrien: US-Luftlandeoperation nahe Tabqa

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Seit dem Morgen gab es zahlreiche Gerüchte diesbezüglich und nun haben die USA es offiziell bestätigt: Hubschrauber des US-Militärs haben heute SDF- und US-Kräfte im bislang von ISIS beherrschten Gebiet südlich des Assad-Sees abgesetzt, deren Aufgabe es im Rahmen der Offensive auf Raqqa ist, ISIS die Kontrolle über den wichtigen Tabqa-Damm abzunehmen.

Den bislang verfügbaren Informationen zufolge wurden die US- und SDF-Kräfte auf der bislang von ISIS beherrschten Halbinsel Shurfa abgesetzt und haben sich von dort zur Hauptverkehrsstraße von Raqqa nach Aleppo vorgearbeitet. Al Masdar News berichtete, dass unter anderem die Dörfer Al-Mushayrifah, Abu Hurirah und Al-Karin unter Kontrolle der von den USA aus der Luft abgesetzten Kräfte seien. Auf einer Karte sieht die Lage vorläufig wie folgt aus:

Die weitere Versorgung der angelandeten Kräfte geschieht vermutlich per Boot über den Assad-See.

Die überraschende Operation der USA und der von ihnen unterstützte Kräfte hat eine Reihe von Folgen. Die unmittelbarste Folge ist erstmal, dass die Terrorgruppe ISIS nun südwestlich von Raqqa eine weitere Front halten muss. Die rapiden Fortschritte der per Luft abgesetzten Kräfte legen die Vermutung nahe, dass ISIS damit Probleme haben wird und die heutige US-Luftlandeoperation den Zerfall der Terrorgruppe ISIS deshalb weiter beschleunigen wird.

Weiterhin bedeutet die Einnahme eines Stücks der Hauptverkehrsstraße zwischen Raqqa und Aleppo durch die abgesetzten Kräfte, dass ISIS nun ein weiteres Problem hat, die ISIS-Kräfte, die östlich von Aleppo bei Deir Hafr und der Jirah Airbase den Fortschritt der syrischen Armee aufzuhalten versuchen, mit Nachschub zu versorgen. Zwar können das besetzte Stück Hauptstraße einstweilen wohl noch südlich durch die Wüste umgehen, doch eine Behinderung ist das allemal, zumal auch die Wüste südlich der Hauptstraße nicht unendlich ist, sondern recht bald in das von der syrischen Armee zur Sicherung der Straße von Damaskus nach Aleppo beherrschte Wüstengebiet übergeht, und es durchaus möglich ist, dass der verbliebene ISIS-Nachschubweg nach Deir Hafr durch die Wüste demnächst noch weiter zusammengedrückt wird.

Dass ISIS nun mehr Probleme hat, Nachschub für den Kampf gegen die syrische Armee östlich von Aleppo heranzuschaffen, ist natürlich erstmal günstig für die syrische Armee, die heute östlich von Deir Hafr ein weiteres bislang von ISIS beherrschtes Dorf eingenommen hat.

Andererseits bedeutet das Kappen der Hauptverkehrsstraße von Aleppo nach Raqqa durch US-gestützte SDF-Kräfte nahe Tabqa aber auch, dass die syrische Armee damit keine Chance mehr haben dürfte, nach einem vollständigen Sieg über ISIS in der Provinz Aleppo weiter nach Raqqa vorzurücken. Andersherum gesagt: mit der heutigen US-Luftlandeoperation ist es klar, dass der Tabqa-Damm und die Stadt Raqqa nicht von der syrischen Armee, sondern von US-gestützten SDF-Kräften von ISIS befreit werden. Ganz so schlecht ist das aber nicht für die syrische Armee, denn die ist mit ihren unterschiedlichen Fronten ohnehin schwer beschäftigt.

Nachtrag: Inzwischen sollen die Terroristen von Al Kaida und Co im Norden der Provinz Hama tatsächlich eine Reihe von Ortschaften eingenommen haben.

Die Terroristen jubeln schon. Dabei ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass die syrische Armee die Terroristen ein Stück vorrücken lässt, um sie dann besser eliminieren zu können, weil die Terroristen sich beim Vorrücken in unbewohntes Gelände und unbewohnte Ortschaften klar von der Zivilbevölkerung sperarieren. Genau mit dieser Taktik wurden die wesentlichen Terrorkräfte westlich von Aleppo in der Schlacht um Ramouseh entscheidend geschlagen.

Ausgesprochen befremdlich sind allerdings Berichte, denen zufolge dabei im Dorf Majbal angeblich 30 Zivilisten von Terroristen massakriert wurden, die das Dorf erobert hatten. Dass Al Kaida und Kumpane reihenweise Zivilisten massakrieren ist nicht ungewöhnlich. Unter anderem deswegen werden sie als Terroristen bekämpft. Falls die Behauptung vom Massaker stimmt, ist jedoch ausgesprochen befremdlich, dass die massakrierten Zivilisten nicht in Sicherheit gebracht wurden, bevor die Terroristen das Dorf eingenommen haben. Der Großangriff der Terroristen in der Gegend lief ja nun schon eine Weile und er ist auch alles andere als überraschend gekommen.

Hier sind noch zwei relevante Tweets von Ivan Sidorenko zur Situation im Norden der Provinz Hama:

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/03/22/us-luftlandeoperation-nahe-tabqa/

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