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Ausland, Nordamerika

Trump könnte beweisen, dass er nicht Putins Marionette ist, wenn er die Welt in einem atomaren Inferno verglühen ließe

von Norman Solomon – http://www.luftpost-kl.de

Der US-Journalist und Friedensaktivist Norman Solomon befürchtet, dass Trump, mit dem.Vorwurf, er lasse sich von Putin instrumentalisieren, in einen Atomkrieg mit Russland getrieben werden soll.

Vier Wochen nach der Amtseinführung Donald Trumps schrieb Paul Krugman, ein Kolumnist der New York Times, der neue Präsident habe bisher nichts getan, „was den US-Bürgern die Angst nehmen könnte, dass er in Wirklichkeit eine Marionette Putins ist“. [s. https://www.nytimes.com/2017/02/17/opinion/the-silence-of-the-hacks.html ] Der als liberal geltende Experte bezog damit die Position derjenigen, die mit unbewiesenen Behauptungen vor einer „Achse Trump-Putin“ warnen.

Solche mittlerweile zur Routine geworden Angriffe sollen die (unbegründete) Angst schüren, dass der Präsident der Vereinigten   Staaten   ein   Handlanger des Kreml ist. Der Verdacht zeigt bereits Wirkung, und wie es weitergehen wird, ist noch nicht abzusehen.

Er könnte sogar einen atomaren Holocaust auslösen.

Mit den nicht endenden Vorwürfen und Anschuldigungen, die den Eindruck erwecken   sollen,   Trump   sei   ein   Lakai des Kremls, wird der Präsident massiv unter Druck gesetzt und gezwungen, seine „Unschuld“ zu beweisen. Das könnte er am besten dadurch tun, dass er die versprochene Annäherung an Russland aufgibt und stattdessen den Konflikt mit Russland verschärft – nicht nur rhetorisch, sondern auch militärisch.

Viele US-Medien und das politische Establishment der USA sind sehr daran interessiert, Russland wieder zum Feind zu erklären. Dieses (irrationale) Verhalten könnte uns alle in den Abgrund der atomaren Zerstörung reißen.

Das scheint die Kriegstreiber aber nicht zu kümmern.

Für unzählige Kommentatoren in den US-Medien und die meisten Mitglieder der Demokratischen Partei, darunter auch viele, die sich progressiv geben, und die republikanischen Unterstützer [s. https://standuprepublic.com/about-us ] der kriegstreiberischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham ist es sehr verlockend, Trump als Werkzeug der Russen abzustempeln.

Folgendes   sei   klargestellt:   Ich   lehne   die   Trump-Regierung   aus   vielen   Gründen   ab.. Trumps   grobe   Missachtung   der   US-Verfassung   und   sein   innen-   und   außenpolitisches Fehlverhalten rechtfertigen meiner Meinung nach sogar ein Amtsenthebungsverfahren. Ich gehöre   selbst   zu   den   Initiatoren   einer   bundesweiten   Petition   [s.  https://impeachdonaldtrumpnow.org/ ], die bereits über 890.000 US-Bürger unterzeichnet haben, mit der wir den Kongress auffordern, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Wer Trump nicht als Präsident haben will, sollte seine Ablehnung aber nur mit nachweisbaren Fakten begründen.

Wir dürfen uns keinesfalls durch die pausenlos von demokratischen und republikanischen Falken,   verantwortungslosen   Journalisten   und   Geheimdienstlern   geschlagenen   Kriegstrommeln in Panik versetzen lassen. Dass James Clapper, der Direktor aller US-Geheimdienste, Anfang 2013 bei einer Anhörung einen Senatsausschuss dreist belogen hat, war kein Einzelfall. Als er von Senator Ron Wyden gefragt wurde: „Sammelt die NSA irgendwelche Daten über die Millionen US-Bürger?“, antwortete er mit einem schlichten „No, Sir“. Dass   er   gelogen   hatte,   kam  nur   wenige   Monate   später   heraus,   als   Edward   Snowden
Schlüsseldokumente über die umfassende Überwachungspraxis der NSA veröffentlichte [s. dazu auch https://www.techdirt.com/articles/20150508/18041530944/latest-explanation-james-clapper-lying-about-essential-nsa-spy-program-he-forgot-about-it.shtml    ].

Warum sollten wir also die Vermutungen „über russische Aktivitäten und Absichten“ für zutreffend halten,   die Clappers Büro   Anfang Januar   in   einem   nur   25-seitigen Bericht  [s. https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf  ]   veröffentlicht   hat.   Dieser   Bericht wurde von einem Experten nach dem anderen geradezu „in der Luft zerrissen“ [weitere Infos dazu unter   https://theintercept.com/2017/01/25/seymour-hersh-blasts-media-for-uncriti-cally-promoting-russian-hacking-story/  (und zusätzlich unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP17716_151216.pdf  )].

Der investigative Journalist Gareth Porter stellte dazu fest [Artikel s. unter  https://consortiumnews.com/2017/02/25/how-new-cold-warriors-cornered-trump/           ]: „Die US-Geheimdienste haben weder Beweise dafür, dass die von WikiLeaks veröffentlichten E-Mails des Democratic National Committee’s im Auftrag Russlands ‚gehackt‘ wurden, noch können sie nachweisen, dass die Russen damit den Wahlausgang zugunsten Trumps beeinflussen wollten. Clapper selbst hat Mitte November und noch einmal im Dezember 2016 vor dem Kongress ausgesagt, die US-Geheimdienste wüssten nicht, wer WikiLeaks die E-Mails zur Verfügung gestellt hat, und wann das geschehen ist.“

Im Gegensatz dazu gibt es aber wirklich stichhaltige Analysen über die Absichten, die mit dieser anti-russischen Kampagne verfolgt werden – zum Beispiel von Stephen F. Cohen [nachzulesen   unter https://www.thenation.com/article/why-we-must-oppose-the-kremlin-baiting-against-trump/ ],   Glenn   Greenwald   [s. https://theintercept.com/2017/02/23/the-increasingly-unhinged-russia-rhetoric-comes-from-a-long-standing-u-s-playbook/  ]   und   Robert   Parry   [s.         https://consortiumnews.com/2017/02/18/the-did-you-talk-to-russians-witch-hunt/ ].

Mit der Verleumdung Russlands und der Diffamierung aller Entspannungsbemühungen (als „Landesverrat“) soll jede öffentlich Diskussion über die bisherige US-Außenpolitik verhindert werden; deshalb werden alle, die bessere Beziehungen zwischen den USA und Russland   wollen,   Verdächtigungen   ausgesetzt,   die   Joe   McCarthy   (s.    https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_McCarthy ) stolz gemacht hätten. Deshalb muss Trumps wiederholt erklärte Absicht, die Beziehungen zu Russland verbessern zu wollen, die zu den wenigen konstruktiven Maßnahmen gehört, die er bereits im Wahlkampf angekündigt hat, als Beleg dafür herhalten, dass er schon länger mit Russland konspiriert und mit der russischen Regierung unter einer Decke steckt.

Leider beteiligen sich auch viele Organisationen, die sich progressiv geben, an dieser Verleumdungskampagne.   Eine   der größten,   MoveOn   (s.           https://de.wikipedia.org/wiki/MoveOn.org ), hat am 10. Februar per E-Mail eine Petition gestartet, die aus einem einzigen Satz besteht: Der Kongress soll eine Untersuchung mit dem Ziel starten, nachzuweisen, dass Trump „Verbindungen zur russischen Regierung“ unterhält. [Diese Petition ist aufzurufen unter      http://petitions.moveon.org/sign/investigate-trump-and-1 .]

Schauen wir uns an, was Präsident Trump auf seiner Pressekonferenz am 16. Februar dazu gesagt hat:

„Es wäre für mich doch viel leichter, hart gegenüber Russland aufzutreten, damit würde ich aber einen Deal mit Russland unmöglich machen. Ich weiß nicht, ob es überhaupt zu einem Deal kommt, das weiß ich wirklich nicht. Es könnte sein oder auch nicht. Es wäre aber so viel einfacher, mich mit Russland anzulegen, je heftiger, desto besser für mich. Das wissen Sie doch. Ich will aber das Richtige für die US-Bürger und auch für die ganze Welt tun.
Russland ist eine starke Atommacht, und wir sind das auch. Glauben Sie mir, wenn wir unsere Beziehungen zu Russland verbessern, wäre das gut und nicht schlecht. Es wäre wirklich großartig, wenn wir uns mit Russland verständigen könnten, das verstehen Sie doch. Morgen werden Sie aber wieder schreiben, Donald Trump will mit Russland verhandeln, und das ist schrecklich. Es wäre aber nicht schrecklich, es wäre gut.“

Für diese Absicht müsste Trump eigentlich Beifall und Unterstützung bekommen. Stattdessen wird man dem Präsidenten auch diese Äußerungen wieder im Mund herumdrehen, und ihn mit Krugmans Worten erneut als „Marionette Putins“ diffamieren.

Was müsste Präsident Trump tun, um sich von dem Angst einjagenden Vorwurf, er sei ein Lakai des Kremls, zu befreien? Wie könnte er den Beifall der Mainstream-Medien und der Meinungsmacher in den Redaktionen und im CIA-Hauptquartier gewinnen? Er müsste umfallen und den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum gefährlichen Feind erklären. Er müsste noch mehr US-Soldaten an die russische Grenze verlegen und Russland mit noch größeren Militärmanövern provozieren.

Das wäre aber äußerst riskant, weil sowohl die USA als auch Russland über mehr als 4.000 einsatzbereite Raketen mit Atomsprengköpfen verfügen, von denen sich immer einige „in höchster Alarmbereitschaft“ befinden. Nach Feststellungen der Union of Concerned Scientists (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Union_of_Concerned_Scientists ) werden diese Atomraketen von ihren Bedienungsmannschaften rund im die Uhr startbereit gehalten und können in zehn Minuten in der Luft sein [s.   http://www.ucsusa.org/nuclear-weapons/hair-t-rigger-alert      ].

Diejenigen, die Trump weiterhin als „Marionette der russischen Regierung“ denunzieren und herabwürdigen, machen damit gleichzeitig einen Atomkrieg wahrscheinlicher. Wenn die Spannungen mit dem Kreml weiter eskaliert werden, ist er unvermeidlich. Wollen wir wirklich zulassen, dass die US-Regierung in eine äußerst riskante, in eine Katastrophe führende Konfrontationspolitik mit der anderen atomaren Supermacht getrieben wird?

Norman Solomon ist der Koordinator der online agierenden Aktivistengruppe RootsAction.org (s.       http://www.rootsaction.org/about-rootsaction ) und der verantwortliche Direktor des Institute for Public Accuracy (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Institute_for_Public_Accuracy ) Er hat ein Dutzend-Bücher geschrieben, darunter auch das Buch “War Made Easy:

How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death”, das 2016 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „WAR MADE EASY (Krieg leicht gemacht) – Wie uns Präsidenten und Experten zu Tode lügen“ im Jim Humble Verlag erschienen ist.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Unter

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP09416_190716.pdf
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP10116_290716.pdf
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP12916_250916.pdf
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP00117_020117.pdf

sind weitere Artikel Norman Solomons und Infos über eine Petition zur Schließung der Air Base Ramstein nachzulesen, an deren Zustandekommen er maßgeblich beteiligt war.)

http://www.truthdig.com/report/item/trump_can_prove_hes_not_a_putin_puppet_by_blo-ing_up_the_world_20170227

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP04017_130317.pdf

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