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Ausland, Europa

Weißrussland – drei Textauszüge

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von http://vineyardsaker.de

Im Folgenden drei Textauszüge zum Thema plus ein ergänzender, die von T. Roth übersetzt wurden.

1.) Die Unterstützung der „brüderlichen Ukraine“ durch Lukaschenko – das ist „Beihilfe für den Feind“ (Quelle)

Die Erklärung Alexander Lukaschenkos, dass die „brüderliche Ukraine“ heute um die Unabhängigkeit kämpft, haben Unverständnis und Empörung in Russland und auf dem Donbass herbeigerufen. Nach Meinung der von den EADaily-Experten Befragten, ist das Ziel des nicht freundlichen Ausfalls zur Seite Russlands, die Erpressung und die Manipulation Moskaus.
„Die Worte Lukaschenkos befremden und rufen Empörung hervor. Vor allem sollte man erkennen, mit wem brüderlich verbunden die Ukraine kämpft? Besonders für ihre Unabhängigkeit? Offenbar sollen alle Toten auf dem Territorium der LVR und DVR, die Kinder, die Alten und die Frauen die Hauptfeinde der ukrainischen Unabhängigkeit sein. Indem er eine solche Erklärung abgiebt, solidarisiert sich Lukaschenko damit offenbar mit denen, die gegen den Donbass kämpfen, die die Frauen, die Alten und die Kinder töten.

Damit solidarisiert sich Lukaschenko mit der Position der ukrainischen Führung, dann soll er es doch auch gleich wie sie machen, nämlich anerkennen, dass Russland ein Aggressor ist. In diesem Fall wird die logische Frage entstehen, was macht Weißrussland im Bestande der mit Russland verbündeten Staaten, im Bestande von OVKS und EAWU? Und dem entsprechend, mit welcher Begründung bekommt er jene Ermäßigungen, Präferenzen und die Wirtschaftshilfe seitens Russlands, die sie während der letzten 22 Jahre genutzt haben?“ – erklärte der stellvertretende Direktor des Zentrums für Ukrainistik und Belorussistik an der Staatlichen Lomonossow-Universität Moskau, das Mitglied des Rates für internationale Beziehungen beim Präsidenten Russlands, Bogdan Bespalko.

Der Experte meint, dass diese und ähnliche Erklärungen eine Provokation sind, mit deren Hilfe die weißrussische Führung versucht, sich die Aufmerksamkeit des Westens zu sichern.
„Ich denke, dass derartige Erklärungen darauf gerichtet sind, dass im Westen Lukaschenko immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das Problem besteht allerdings darin, dass Osteuropa an der Peripherie sowohl Europas, als auch der amerikanischen Politik liegt. Auf der Haupttagesordnung dort stehen heute China, der Nahe Osten, der Kampf mit dem Terrorismus und die russisch-amerikanischen Beziehungen. Deshalb lässt Lukaschenko jetzt, um sich hervorzutun, verschiedene Provokationen zu“, – hat Bespalko gesagt.
Der Politikwissenschaftler Pawel Swjatenkow hat die Erklärung reichlich feindselig in Bezug auf Russland genannt. Das Problem besteht allerdings darin, dass Russland den Krieg um die weißrussische öffentliche Meinung erneut vollständig verliert, weil es den gewöhnlichen Weißrussen so scheint, als würde Russland sie unterdrücken, als würde es sich an ihrer Souveränität und Unabhängigkeit während all der Jahre der Regierung Lukaschenkos vergreifen. Was Lukaschenko tut befindet sich komplett außerhalb des Blickfelds der öffentlichen Meinung. In Wirklichkeit füttert Russland das moderne Weißrussland und finanziert es, es bekommt aber vom Imagestandpunkt her trotzdem ununterbrochen Minuspunkte. Mir scheint, dass als Antwort auf diese oder ähnliche Erklärungen Lukaschenkos die russische Regierung nicht schweigen sollte, sondern sollte die weißrussische öffentliche Meinung in der Richtung korrigieren, dass Russland sehr vieles macht, um das jetzige Weißrussland zu finanzieren. Wobei es das nicht das erste Jahr macht, sondern im Unterschied zur „brüderlichen Ukraine“, die, sofern es mir bekannt ist, noch niemals Weißrussland finanzierte“, – hat er gesagt.

Im Donbass reagierte man auf die Erklärungen des weißrussischen Präsidenten mit Empörung. „An die Adresse des jetzigen Belorusslands. Ich bewerte das Kompliment Alexander Lukaschenkos an die Ukraine als außerordentlich negativ,“ – hat der Landwehrmann und Freiwillige, Alexander Schutschkowski, erklärt. „Für Russland und die Russen ist die Ukraine heute ein unbedingter Gegner, deshalb ist die Unterstützung für die brüderliche Ukraine, die um ihre Unabhängigkeit kämpft, wie Mithilfe für einen Feind zu betrachten.“
Er hat daran erinnert, dass es bei weitem nicht die erste Erklärung Lukaschenkos und der weißrussischen Behörden zur Unterstützung des ukrainischen Regimes war. „Schon im Mai 2014, als die USK schon aus der Artillerie die Städte des Donbass beschossen, hatte Lukaschenko erklärt:„Ich war schon immer für die Einheit und die Ganzheit der Ukraine. Die Ukraine sollte einheitlich sein. Wir, die Weißrussen, sind dafür, und die Kämpfer, die gegen die Ukrainer kämpfen, muß man zerstören. Wie sollen wir, die Kämpfer (die Landwehrmänner, die gegen die ukrainische Okkupation kämpfen), den weißrussischen Präsidenten wahrnehmen, der zu unserer Vernichtung aufruft?“ – hat sich Schutschkowski die Frage gestellt.

Er hat auch das beachtet, was nicht nur Erklärungen sind. „Wir haben nicht nur mit den Wörtern, sondern auch mit den Handlungen zu tun. Mit dem Anfang der Ereignisse in der Ukraine wurde in Weißrussland die Politik der Belorussiierung aktiviert, es begann die Verfolgung der auf dem Donbass kämpfenden Freiwilligen und die Verhaftungen prorussischer Journalisten. Gleichzeitig sind die Beziehungen zum Westen wärmer geworden und es haben sich die Ausfälle zur Seite Russlands gehäuft,“ – stellte der Landwehrmann fest.
Dabei, wie Alexander Schutschkowski bemerkte, bleiben anlässlich des Präsidenten Lukaschenko und seiner weißrussischen Politik in der russischen Gesellschaft ernste Illusionen – besonders in der älteren Generation – bis jetzt erhalten. „Es ist höchste Zeit, die Illusionen aufzulösen und sich einzugestehen, dass Weißrussland nicht mehr im Begriff ist, im Bereich der Russischen Welt zu verbleiben.
Damit muss man eilig etwas machen, und es wäre mit friedlichen, politisch-diplomatischen Mitteln wünschenswert.
Abschließend muß man noch bemerken, dass Weißrussland die Strafoperation Kiews gegen den Donbass auch mit realen Dingen unterstützt. Insbesondere ist Minsk der zuverlässige Hauptlieferant von Dieselkraftstoff und die weißrussischen Fachkräfte nehmen an der Reparatur der beschädigten Militärtechnik teil. In der Ukraine, in der Zone der „ATO“, werden weißrussische Lastkraftwagen für die Beförderung des Personalbestandes genutzt.

2.) Dem Vater reicht`s… Lukaschenko bereitet sich darauf vor, aus EAWU und OVKS auszutreten (Quelle)

Moskau wird nicht widersprechen.
In Moskau hat man Verständnis für den Wunsch des Führers der Republik, ein unabhängiger Staat in Analogie zu „brüderlichen Ukraine“ zu sein. In diesem Zusammenhang, wie die Quelle der Nachrichtenagentur Regnum bemerkt hat, werden in Moskau keine lauten Erklärungen bezüglich der Vorbereitung von Minsk auf den Austritt aus dem Euroasiatischen Wirtschaftsbündnis (EAWU) und aus der Organisation des Vertrages der Kollektiven Sicherheit (OVKS) gemacht.
Zugleich müssen alle verantwortlichen Personen in Minsk verstehen, dass die Unabhängigkeit nicht nur in Worten bestehen kann. Die Unabhängigkeit ist ein ganzer Komplex der Lebenstätigkeit des Staates, mit der Politik und der Ideologie beginnend und mit den Finanzen und der Wirtschaft endend. Wenn sich die Führung Weißrusslands entschieden hat, auf diese Weise, mittels des Austritts, auf den Pfad „des Wirtschaftskrieges“ zu gehen, so wird die vorliegende Entwicklungsstrategie des weißrussischen Staates keine Fragen aufrufen.
Die Frage wird nur in einem bestehen – inwiefern wird die vorliegende politische Linie der weißrussischen Führung den national-staatlichen Interessen des weißrussischen Volkes gerecht werden. Wie die Quelle der Nachrichtenagentur Regnum bemerkt hat, wird bei einer beliebigen Entwicklung der Ereignisse das weißrussische Volk immer als Brudervolk gewertet, unabhängig von der Politik der zentralen Führung.

3.) Warum sind die Weißrussen zur Souveränität berechtigt und beanspruchen die Gleichberechtigung wie die Russen (Michail Malasch, Quelle)

Den Weißrussen zum alten Neuen Jahr gratulierend, redete der Präsident wieder über die Souveränität und die Unabhängigkeit. Die Weißrussen nehmen es wie selbstverständlich wahr und viele Russen ärgert schon die Erwähnung des Terminus „die weißrussische Souveränität“ auf das äußerste. Sie meinen, dass die Weißrussen den Staat nicht haben dürften und sollten sich gefälligst der Russischen Föderation unterwerfen. Die Debatten zu diesem Thema beruhigen sich in den Weiten des Internets nicht. In diesem Zusammenhang muss man das Folgende sagen:
Die Republik Weißrussland – ist ein Territorium mit hohem historischem Status, deshalb hält sie es für begründet, den politischen Status auf der Höhe eines souveränen Staates zu haben.
Die Weißrussen wurden ein Volk auf dem vorliegenden Territorium erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit. Später ist während der Revolution und dem Bürgerkrieg auf dem Territorium die politische Organisation entstanden, die nachher in Form der Weißrussischen Sowjetischen Sozialistischen Republik im Bestande der UdSSR gefestigt wurde. Weißrussland hat seine stabilen Grenzen nach dem Abschluss des Grossen Vaterländischen Kriegs bekommen.
Auf dem Territorium Weißrussland sind drei blutige Weltkriege geführt worden. Dreimal erwies sich unser Land als Zone des aktiven Kampfes, des lebendigen Schildes für das Russische Reich und der Sowjetunion. Das heißt, man kann tapfer behaupten, dass unsere Vorfahren, mit dem Blut von uns, den Nachkommen, das Recht auf einen höheren politischen Status, als die Bewohner des Urals oder Sibiriens erworben haben. Gerade deshalb begehen wir den Tag der Unabhängigkeit am 3. Juli, am Tag der Befreiung von Minsk von den faschistischen Eroberern. Wenn wir, die jetzige Generation, aufhören würden, würdig unserer Vorfahren zu sein, so würden wir dieses Recht verlieren, wie es zur Zeit mit den Ukrainern geschieht.
Das heißt, Weißrussland ist eine historische Region und das nicht nur geographisch, wie der Ferne Osten, das Wolgagebiet oder der Russische Norden. Unsere Erde ist vom Blut unserer Vorfahren reichlich getränkt.
Unser Land beansprucht die Gleichberechtigung mit der Russischen Föderation als verbündeter Staat. Obwohl die Russische Föderation ein wesentlich größerer und einflussreicherer Staat ist, als die Republik Weißrussland, sind unsere Ansprüche an die Gleichberechtigung unserer Bewohner mit den Russen vorhanden.
Die weißrussischen und die malorussischen Erden sind die unsprünglichen russischen Erden.
Bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach dem Zerfall der UdSSR hat unser Volk den Politiker an die Macht gebracht, der versprochen hatte, die verbündeten Beziehungen mit anderen ehemaligen Republiken wieder herzustellen.

ZUSATZINFORMATIONEN FÜR DAS BESSERE VERSTÄNDNIS:

Der Experte: Wenn es Lukaschenko nicht gäbe, wäre kein Krieg auf dem Donbass (Andrej Susdalzew. Quelle)

Russland könnte auch weiter Weißrussland eine umfangreiche Wirtschaftsunterstützung leisten, aber zwischen Moskau und Minsk gibt es heute kein Vertrauen mehr. Das hat am 17. Februar im Verlauf eines wissenschaftlichen Seminars an der Höchsten Schule der Wirtschaft zum Thema „die Weißrussische Wirtschaft – gestern, heute, morgen“ Andreij Susdalzew, Stellvertreter des Dekans, dem Korrespondenten der EADaily berichtet.
„Ganz ehrlich: ohne Unterstützung durch Weißrussland, ohne Lieferungen in die Zone„ ATO „, wäre der Dieselbrennstoff dort schon lange alle und es gäbe keinen Krieg mehr. Es ist Lukaschenko, der hat den Krieg mit den Lieferungen des Brennstoffes dorthin organisiert. Er hat das auf seinem Gewissen“, – hat Susdalzew gesagt.

Seinen Worten nach ruft die Position von Minsk zur Krim ebenfalls Unwillen hervor. „Da sitzt in der Sendung „Klub der Redakteure“ im weißrussischen Fernsehen der Minister für Information, Lilija Ananitsch, im Studio. Die Rede ist von einem weißrussischen Dichter, der in Jalta begraben ist. Und Ananitsch sagt, dass „unser Dichter auf einem Stückchen ukrainischer Erde begraben ist“. Also ehrlich, was soll man zu solchen Verbündeten sagen?“, – hat sich der Experte gefragt.
„In Syrien führen wir einen schweren lokalen Krieg. Und ich öffne die Zeitung „Sowjetisches Weißrussland“ (die offizielle Ausgabe der Präsidialadministration Weißrusslands) und lese dort einen Artikel, in dem es heißt, dass früher oder später Russland selbst zerschlagen wird entweder von den USA oder vom IS und auch dann werden die Lieferungen der weißrussischen Technik, der LKW und der Traktoren, dorthin erfolgen. Das heißt, den russischen Müttern und den Frauen – die Särge, und Weißrussland – das Geld“, – hat sich Susdalzew empört.
Er hat daran erinnert, dass die weißrussischen Behörden sofort nach dem Umsturz in der Ukraine die Regierung Turtschinow anerkannt haben, und außerdem übergaben sie der Ukraine die Karte der Unterbringung aller russischen Militärobjekte auf dem weißrussischen Territorium. „Weißrussland lieferte lange Zeit der Ukraine keine Waffen. Sie lieferte die Lastkraftwagen und die Fahrgestelle MAS. Es gibt unbestätigte Nachrichten darüber, dass die weißrussischen Unternehmen 2015 an der Reparatur beschädigter ukrainischer technischer Kampfmittel teilnahmen. Aber die Hauptsache besteht darin, dass die USK Brennstoff weißrussischer Herkunft verwenden“, – hat der Politikwissenschaftler betont.
„Weißrussland verdient an diesem Krieg wirklich. Die ukrainische Krise war für Minsk wahnsinnig vorteilhaft. Für Lukaschenko gibt es eine Hauptfrage – das ist die Frage des Geldes. Insbesondere geht es um die weißrussische Produktion, die auf den ukrainischen Markt geliefert wird, sowohl in die DVR, als auch in die LVR, wo es jede Menge weißrussischer Lebensmittel gibt. Wie auch auf der Krim. Lukaschenko verdient so sein Geld. Und wofür er Geld bekommt ist ihm absolut egal“

http://vineyardsaker.de/2017/02/20/weissrussland-drei-textauszuege/#more-255

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