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Debatte, Internationales

Überlegungen zu einem neuen Internationalismus [I]

internationalismus

von http://lowerclassmag.com

Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft globaler Gegenmacht

[Anm. der Red: Im folgenden veröffentlichen wir einen Text aus einem Arbeitskreis des Internationalistischen Zentrums Dresden. Die Gruppe organisiert mit uns und vielen anderen im April 2017 in Berlin den Kongress „Selber machen – Perspektiven auf Basisorganisierung, Gegenmacht und Autonomie“ . Im Vorfeld des Kongresses werden auf unseren Seiten gelegentlich Diskussionsbeiträge zur Vorbereitung des Kongresses erscheinen.]

„Wir brauchen Historie, aber wir brauchen sie anders, als sie der verwöhnte Müßiggänger im Garten des Wissens braucht.“ (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben)

„Nur dem Geschichtsschreiber wohnt die Gabe bei, im Vergangenen den Funken der Hoffnung anzufachen, der davon durchdrungen ist: auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein.“ (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte)

Die folgende Textreihe hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist nicht unser Ziel alle historischen Details darzulegen – das können und wollen wir auch nicht. Vielmehr geht es uns darum, schlaglichtartig die Geschichte des Internationalismus zu beleuchten und ein Basiswissen über diese zu verbreiten und anwendbar zu machen. Nach jedem Teil der Textreihe, werden wir ein Resümee ziehen und damit, so unser Anliegen und Wunsch, einen Debattenbeitrag zu dem Thema liefern. Außerdem wollen wir durch die Arbeit an der Textreihe, unsere eigenen Vorstellungen von einem neuen Internationalismus schärfen und theoretische Grundlagen für eine mögliche Praxis entwicklen. Denn in der Vergangenheit liegt die Möglichkeit die Jetztzeit, wie Walter Benjamin es nannte, aus dem Kontinuum der Geschichte herauszusprengen und Befreiungsperspektiven zu öffnen. [1]

Zur Notwendigkeit der Rekonfiguration des Internationalismus

Ein gutes Jahr ist es her, seit wir uns entschlossen haben, das Internationalistische Zentrum Dresden zu gründen. In unserem Selbstverständis steht: „Wir werden in Dresden einen Ort schaffen, der den ‚glokalen‘ (global und lokal) Austausch fördern kann. Es soll ein Raum für emanzipatorische Ideen und radikale Kritik entstehen: Eine Einladung, Perspektiven zu wechseln und so zu ermöglichen, Mechanismen verschiedener Herrschaftsformen zu verstehen und konkrete Gegenstrategien in Theorie und Praxis zu entwickeln.“ [2] Dieser Idee folgend ist es notwendig, sich auch theoretisch mit dem Paradigma des Internationalismus kritisch-historisch auseinanderzusetzen und darauf aufbauend Beiträge innerhalb einer linken Debatte über eine Neubestimmung des Internationalismus zu leisten. Ob es unsere Arbeit innerhalb der europaweiten antiautoritären Plattform Beyond Europe [3], unsere (Delegations-)Reisen nach Griechenland [4] oder die Debatten innerhalb von „…ums Ganze!“ [5] betrifft: Überall taucht die Frage danach auf, wie eine gemeinsame, globale und antagonistische Bewegung aussehen könnte, die der Barbarei des Ist-Zustands etwas entgegensetzt. Eine Bewegung, die in der Lage ist, die Logik des Kapitals herauszufordern und letztlich zu überwinden. Zunehmend setzt sich dabei (wieder) die Erkenntnis durch, dass es einen globalen Informationsaustausch, gemeinsame Strategien und Kämpfe braucht, um emanzipatorische Perspektiven überhaupt erst denken zu können.

Risse, soziale Beziehungen und affektive Netzwerke – den Aufstand global möglich machen!

Die Fassade einer Welt, die so ist wie sie ist, weil es angeblich keine Alternative gäbe, hat enorme Risse bekommen. Sogenannte multiple Krisen der kapitalistischen Gesellschaften, zu denen (asymetrische) Kriege, enorme Fluchtbewegungen, der Klimawandel und Umweltkatastrophen gehören, sind Ursachen dieser Risse. John Holloway sprach 2015 auf einem Kongress unserer kurdischen Freund*innen in Hamburg davon, dass es “ […] viele, viele Bilder des Horrors der kapitalistischen Aggression (gibt): Guantánamo, das Ertrinken von 300 MigrantInnen im Mittelmeer vor wenigen Wochen, ISIS und der scheinbar nicht endende Horror des Krieges im Nahen Osten, die durch die Austeritätspolitik in ganz Europa und insbesondere in Griechenland verursachten Schäden, die beständigen Angriffe auf kritisches Denken an den Universitäten auf der ganzen Welt. Und so weiter, und so weiter.“ [6]

Diese Risse können dazu führen, dass Menschen Zweifel an der Richtigkeit der aktuellen Zurichtung unserer Welt haben. Zweifel können wir in diesem Zusammenhang auch als „Möglichkeitssinn“ definieren. In seinen Romanfragmenten ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ beschreibt Robert Musil diesen Sinn wie folgt: „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, […] dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. Man sieht, daß die Folgen solcher schöpferischen Anlage bemerkenswert sein können, und bedauerlicherweise lassen sie nicht selten das, was die Menschen bewundern, falsch erscheinen und das, was sie verbieten, als erlaubt oder wohl auch beides als gleichgültig.“ [7] Das Wiederentdecken eines solchen Möglichkeitssinns kann ein erster Schritt sein, um das ‚TINA-Prinzip‘ [8] zu überwinden, um einen Riss im Herrschaftsgeflecht des Kapitals zu bilden. Im Sinne Holloways [9] sind es die Menschen selbst, die solche Risse produzieren können – Menschen, die sich weigern der totalisierenden Logik des Kapitals zu folgen, nach sinnvollen Tätigkeiten jenseits kapitalistischer Arbeit streben und dafür auf alternative Formen der Organisierung zurückgreifen, allem voran auf die Kommune. Die sozialen Beziehungen, also das Affektive, müssen wir hier als eigene Organisationsform begreifen. Raul Zibechi meint mit Bezug auf den Aufstand in Aymara in El Alto in Bolivien 2003, dass: „Aktionen von einem derartigen Ausmaß […] ohne die Existenz eines dichten Beziehungsgeflechts zwischen den betroffenen Menschen nicht zustande gebracht werden (können). Beziehungen, die gleichzeitig Organisationsformen sind. Das Problem ist, dass wir nicht bereit sind, die im Alltag verankerten nachbarschaftlichen, freundschaftlichen, kollegialen und verwandschaftlichen Beziehungen als Organisationsformen anzusehen und ihnen den gleichen Stellenwert zu geben wie der Gewerkschaft, der Partei oder gar dem Staat. […] Die auf Übereinkünften beruhenden und über formale Abkommen kodierten Beziehungen sind in der westlichen Welt wichtiger als auf affektiven Bindungen basierende Verbindlichkeiten. […]“ Genau in diesen affektiven, horizontalen Beziehungen und ihrer Politisierung verortet Zibechi aber ein großes Emanzipationspotential: „Der Aufstand wird von denselben Organen getragen, die mit der Verwaltung des Alltagslebens beauftragt sind (die Vollversammlung in den Nachbarschaftsvereinigungen in El Alto). Die Rotation und die Verpflichtung die den kommunitären Alltag sicherstellen, gewährleisten gleichzeitig die Blockade von Landstraßen und Straßen.“ [10] Die Kommune darf bei all dem nicht isoliert bleiben: „Das Paradox der Kommune besteht also darin, dass sie einerseits einer heterogenen, territorialen Realität Konsistenz verleihen muss, die von der ‚globalen Ordnung‘ abweicht und andererseits zwischen den lokalen Konsistenzen Verbindungen suchen und herstellen muss, sich also aus der lokalen Verankerung wieder lösen muss, die ihr Substanz gibt.“ [11] Anderenfalls wird sie isoliert bzw. isoliert sich selbst und ist zum Sterben verurteilt. Dies macht die Suche nach neuen Wegen des Internationalismus unabdingbar.

Letztlich sind wir es „[…] die wir versuchen eine andere Welt zu weben gegen-und-jenseits von dieser Welt der Zerstörung und des Todes und nicht wissen, wie wir es tun können und dies ist der Grund dafür, warum wir gehen, fragend, fragend gehen wir, lernend gehen wir, umarmend gehen wir.“ [12] Die Wiederaneignung der Geschichte und die Reformulierung des Internationalismus ist für uns einer dieser fragenden Schritte. Gehen wir also zunächst in der Geschichte zurück, um im Sinne Moishe Postones festzuhalten, dass: „However difficult the task of grasping and confronting global capital might be, it is crucially important that a global internationalism be recovered and reformulated.Retaining the reified dualistic political imaginary of the Cold War runs the risk of constituting a form of politics that, from the standpoint of human emancipation, would be questionable, at the very best, however many people it may rouse.“ [13] Seine Worte führen uns zu den Wurzeln des Versuchs globale Gegenmacht zu organisieren:

Der proletarische Internationalismus

Um einen anderen Internationalismus zu formulieren, halten wir es, wie eingangs erwähnt, für notwendig zunächst einen kritischen Blick auf die Geschichte und die verschiedenen Internationalismen zu werfen. Dies soll uns helfen, Fehlentwicklungen zu verstehen, die Aktualität gewisser Konzepte zu überprüfen und ggf. Bewährtes zu übernehmen bzw. zeitgemäß zu adaptieren. Für eine bessere Übersicht wollen wir uns auf vier Schwerpunkte fokussieren. [14] Im Folgenden werden wir uns dem ersten Komplex, dem proletarischem Internationalismus widmen.

In seinem ‚Kommunistischen Manifest‘ formulierte Karl Marx unter der Losung: „[…]Proletarier aller Länder vereinigt euch“ den theoretischen Prototypen des proletarischen Internationalismus. Er war es auch, der 1864 mit seiner Initiative zur Gründung der ersten Internationalen, diesem Konzept erstmals eine praktische Form verlieh. Der Weltmarkt führe zur Entstehung ähnlicher Arbeitsformen (Lohnarbeit) und so zu einer geteilten Basis für die Bildung der Interessen des Proletariats. Den kommunistischen Partein komme dann u.a. die Aufgabe zu, das gemeinsame Schicksal der Arbeiter*innen in den verschiedenen Nationen aufzuzeigen. [15] Auf der Grundlage dieser These war der Aufbau der ersten Internationale Arbeiterassoziation (IAA) folgerichtig. Die IAA war die erste internationale Organisierung der Arbeitergesellschaften bzw. deren Vernetzung. Sie hatte ein klares Ziel: „den Schutz, den Fortschritt und die vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse“ [16] und dieses konnte nur gegen den Nationalismus und jeweilige nationale Interessen durchgesetzt werden. [17]

Dieses gemeinsame Ziel bewahrte die IAA jedoch nicht vor Grundsatzkonflikten, die sie seit ihrer Entstehung durchzogen und schließlich in der Aufspaltung in einen anarchistischen und einen kommunistischen Flügel endeten, nicht bewahren. Auf der einen Seite stand das autoritär-zentralistische Konzept von Karl Marx, der vorschlug in allen Ländern kommunistische Parteien aufzubauen, die dann zentralistisch durch die Internationale gesteuert werden sollten. Auf der anderen Seite lehnte der Flügel um Michael Bakunin dies als Adaption staatlicher Auorität ab und schlug dem gegenüber die freie Assoziation aus der Pluralität der Arbeiter*innen vor. Bakunin meinte: „Da die Organisation der Internationale nicht das Ziel hat, neue Staaten oder Despotismen zuschaffen, sondern alle Herrschaftsformen radikal zu beseitigen, muss sie sich von der Organisation der Staaten grundlegend unterscheiden.“ [18] Hier können wir das Prinzip eines asymetrischen Organisationsansatzes gegenüber der Staatsmacht erkennen, das einen grundlegenden Unterschied zum Organisationsmodell der klassischen Kommunist*innen darstellt, welche die Staatsmacht lediglich kopieren und durch eine neue, proletarische Version ersetzen wollten. Doch nicht die Staats-Macht zu kopieren, sondern eine gänzlich andere Form von Gegen-Macht zu entwickeln ist das Ziel Bakunins. [19] Er fährt fort: „Die Internationale Arbeiter-Assoziation hätte also keinen Sinn, würde sie nicht unbeirrbar die Abschaffung des Staates anstreben. […] Und wie organisiert sie die Massen? Nicht von oben nach unten, indem sie die soziale Vielfalt, die sich aus den vielfältigen Arbeiten der Masse ergibt, oder das natürliche Leben der Massen in eine künstliche Einheit und Ordnung zwingt, wie es die Staaten tun; sondern von unten nach oben, indem sie die gesellschaftliche Existenz der Massen, ihre wirklichen Bestrebungen zum Ausgangspunkt nimmt und sie dazu bewegt, sich dieser natürlichen Vielfalt der Beschäftigungen und Stellungen gemäß zu verständigen und zu arrangieren.“ [20] Hier wurde Bakunins Grundkonzept der Internationale noch einmal deutlich: Die Organisierung in einzelne Sektionen und ein antiautoritäres, antietatistisches und föderales Paradigma, dass der Basis der Organisierung die meiste Macht geben sollte. [21]

Doch sowohl die anarchistischen, als auch die kommunistischen Abspaltungen lösten sich bis Anfang der 1880er Jahre auf. Auch wenn die ‚erste Internationale‘ auf die praktische Politik der Staaten und auf die Praxis des jeweiligen ’nationalen‘ Proletariats kaum Einfluss hatte, [22] gelang ihr erstmals eine internationale Zusammenführung der Arbeiter*innenorganisationen. Sie hat sich um, und das wurde auch von ihren Gegner*innen so gesehen, eine zumindest theoretische Stärkung des internationalen Geistes der Arbeiter*innenklasse verdient gemacht. Weiterhin besaß die IAA etwas, dass als frühes Bewusstsein gegenüber weiteren, gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen beschrieben werden könnte. So hieß es in den Erwägungen der Statuten der IAA: „Sie (die Mitglieder, Anm. d. Ver.) erklären, daß diese Internationale Assoziation und alle Gesellschaften und Individuen, die sich ihr anschließen, Wahrheit, Gerechtigkeit und Sittlichkeit anerkennen als die Regel ihres Verhaltens zueinander und zu allen Menschen, ohne Rücksicht auf Farbe, Glauben oder Nationalität.“ [23]

Folgerichtig wurde sich dann rund einen Monat später, in einem Brief an Abraham Lincoln, dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, mit dem Kampf gegen die Sklaverei solidarisiert. [24] Ein bemerkenswerter Punkt innerhalb der internationalistischen Organisierung, wenn bedacht wird, dass es sich um eine Hochzeit des Kolonialismus handelte und rassistische Stereotype und die koloniale ‚Bildungsmisson‘ für breite gesellschaftliche Schichten als normal, oder ‚Gott gegeben‘, schienen.

Die sozialistische Bewegung und das Bedürfnis nach einer Erneuerung, grenzüberschreitender Zusammenarbeit wuchs auch nach ihrer Auflösung. So wurde 1889 der ‚Internationale Arbeiterkongress‘ in Paris einberufen, aus dem schließlich die ‚zweite Internationale‘ (auch: ’sozialistische Internationale‘) hervorging. Auf diesem Kongress kämpften Emma Ihrer [25] und Clara Zetkin erfolgreich gegen eine Antrag auf Ablehnung der Frauenarbeit und erwirkten die Gleichstellung der Arbeiterinnen in den Gewerkschaften [26].

In den folgenden Jahren sollte es dann noch zwei weitere ‚Internationale‘ geben. 1922 die bis heute bestehende und sich als anarchosyndikalistisch verstehende ‚Internationale Arbeiter-Assoziation‘ (IAA). Die IAA sieht sich bis heute im Geist der ‚ersten Internationale‘. Ein anderer Versuch der internationalen Organisierung war die von 1919 – 1943 bestehende und in Moskau gegründete ‚kommunistische Internationale‘, die sog. Komintern, über die wir im zweiten Teil unserer Reihe noch einmal sprechen werden.

# In Teil II werden wir über die Arbeiter*innenklasse in Deutschland und das Scheitern des Konzeptes der internationalen Solidarität im Angesicht des ersten Weltkrieges, die Komintern, den spanischen Bürgerkrieg und die internationalen Brigaden, sowie zum sog. Lenin-Luxemburg Disput über das Selbstbestimmungsrecht der Nationen schreiben.

#Anmerkungen

[1] http://www.mxks.de/files/phil/Benjamin.GeschichtsThesen.html,Stand 24.12.2016

[2] http://iz-dresden.org/de/ueber-uns/

[3] Eine europaweite, antiautoritäre Plattform gegen Kapitalismus https://beyondeurope.net/

[4] Die Delegationreise fand unter der Überschrift „Flucht, Migration und Selbstorganisierung in Griechenland“ statt. Mehr Informationen findet ihr hier: http://iz-dresden.org/de/?cat=49&lang=de

[5] https://umsganze.org/

[6] John Holloway, http://networkaq.net/2015/speeches/pdf/5.09%20DEUTSCH%20-%20John%20Holloway.pdf, Stand: 19.12.2016

[7] http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-mann-ohne-eigenschaften-erstes-buch-7588/5

[8] Mit dem politischen Schlagwort TINA-Prinzip (auch TINA-Argument oder TINA-Syndrom) wird meist in polemischer Absicht ein Standpunkt bezeichnet, der geltend macht, dass es zu einer auf den Markt, insbesondere auf die Wettbewerbsfähigkeit, ausgerichtete Politik keine Alternative gebe. TINA ist ein Akronym und steht für englisch there is no alternative („Es gibt keine Alternative“). https://de.wikipedia.org/wiki/TINA-Prinzip

[9] vgl. dazu: John Holloway (2010): Kapitalismus aufbrechen. Verlag: Westfälisches Dampfboot

[10] vgl. Raul Zibechi (2010): Dispersing Power: Social Movements as Anti-State Forces. Verlag: AK Press

[11] Unsichtbares Komitee (2015). An unsere Freunde. S.158 – 159, Verlag: Nautilus

[12] John Holloway, http://networkaq.net/2015/speeches/pdf/5.09%20DEUTSCH%20-%20John%20Holloway.pdf, Stand: 19.12.2016
Der Begriff des „gegen-und-jenseits“ muss bei Holloway in engem Zusammenhang mit der Kategorie des Tuns verstanden werden. Dieses ist als nicht-instrumentelles Handeln zu verstehen, dem eine Hoffnung auf Befreiung dort innewohnt, wo es über den Widerstand „gegen“ den Kapitalismus auf „jenseits“ des Kapitals zu konstruierende gesellschaftliche Verhältnisse hinausgeht.

[13] Moishe Postone: History Helplessness http://platypus1917.org/wp-content/uploads/readings/postonemoishe_historyhelplessness.pdf, Stand: 19.12.2016

[14] Wir orientieren uns hierbei an dem Buch von Josef (moe) Hierlmeier (2006): Internationalismus. Eine Einführung in seine Ideengeschichte – von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verlag: Schmetterlingverlag Demnach teilt sich die Geschichte des Internationalismus in 3 Bereiche. 1. Der proletarische Internationalismus, 2. Die nationalen Befreiungsbewegungen 3. Die globalisierungskritische Bewegung. In einem vierten Punkt wollen wir unsere Ideen für eine mögliche Neuausrichtung des Internationalismus darlegen.

[15] „Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.“ Dies beschreibt einige Effekte der kapitalistischen Globalisierung. wie z.B. auch die Durchsetzung der Lohnarbeit als zentrales Moment des Lebens der Arbeiter*innen. Jedoch bedeutet dies nicht, wie viele Marxist*innen meinen, die Unabdingbarkeit der Revolution oder ein notwendig internationalistisches Bewusstsein ableiten. Erst die bewusste Organisierung würde dieses revolutionäre Potential entwickeln. „Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten. Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ Es geht um die Organisierung der Arbeiter*innen als Klasse und nicht um Geschichtsteleologie der Marxist*innen. Marx/Engels (1848): Manifest der Kommunistischen Partei. Abgerufen von http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_II

[16] Provisorische Statuten der Internationalen Arbeiter-Assoziation. In: Marx-Engels-Werke. Band 16, S. 15. Verlag: Dietz Verlag GmbH

vgl. auch: Provisorische Statuten der Internationalen Arbeiter Assoziation hier: http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_014.htm Stand 23.12.2016

und vgl. dazu auch: komplette und unveränderte Statuten übernommen vom Genfer Kongress 1866 in: Wilhelm Eichhoff (1964): Die Internationale Arbeiterassociation. Ihre Gründung, Organisation, politisch-soziale Thätigkeit und Ausbreitung. Verlag: Dietz Verlag GmbH (Ersterscheinung 1868, Verlag: Verlag von Albert Eichhoff)

[17] vgl. die Prinzipien der Internationale, besonders Punkt 5 in: Michael Bakunin (2015). Verlag: Unrast: Die Politik der Internationalen. Die Organisation der Internationalen. S. 78 – 79:

„1 Die Emanzipation der Arbeiter, muss das Werk der Arbeiter selbst sein;“
„2 Der Kampf der Arbeiter für ihre Emanzipation darf nicht darauf abzielen, neue Vorrechte zu begründen, sondern gleiche Rechte und Pflichten für alle (auf Erden lebenden Menschen) herzustellen und jede Klassenherrschaft zu beseitigen;“
„3 Die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den Aneigner der Rohstoffe und Arbeitsmittel ist Quelle der Knechtschaft in allen ihren Formen: gesellschaftlichem Elend, geistiger Verkümmerung und politischer Abhängigkeit“
„4 Die ökonomische Emanziption der Arbeiterklasse ist daher der größte Endzweck, dem jede politische Bewegung, als Mittel, unterzuordnen ist;
„5 Die Emanzipation der Arbeiterklasse ist weder eine lokale noch eine nationale Angelegenheit, sondern eine, die alle zivilisierten Nationen betrifft und deren Lösung vom praktischen und theoretischen Zusammenwirken dieser Länder abhängt;“
„6 Die Internationale Assoziation und alle ihre Mitglieder bekennen sich zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Sittlichkeit als Regel ihres Verhaltens zueinander und zu allen Menschen, ohne Rücksicht auf Farbe, Glaube oder Nationalität;“
„7 Schließlich erachten sie es als Pflicht, die Menschen- und Bürgerrechte nicht bloß für sich selbst, sondern für jedermann, der seine Pflicht tut, zu fordern – ‚Keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten ohne Rechte.’“

und vgl. ebd. Politik der Internationale. Kapitel III, S. 65 – 67

[18] Michael Bakunin (2015): Die Politik der Internationalen. Die Organisation der Internationalen. S. 73, Verlag: Unrast

[19] ebd. S. 72 -78

[20] ebd. S. 77

[21] vgl. ebd. gesammtes Werk

[22] Gemeint ist hier: Einfluss im Sinne eines globalen Umsturzes der bestehenden Verhältnisse, aus der Perspektive menschlicher Emanzipation und der ökonomischen Befreiung des Proletariats.

[23] Karl Marx (1864): Provisorische Statuten der Internationalen Arbeiter-Assoziation. MEW. Verlag: (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 16, 6. Auflage 1975, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 14-16. http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_014.htm, Stand 23.12.2016

[24] Karl Marx (1864): An Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. MEW. Verlag: (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 16, 6. Auflage 1975, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 18-20. http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_018.htm, Stand 23.12.2016
Angemerkt werden muss, dass die verwendete Sprache explizit männlich ist und diskriminierende Wörter verwendet werden. Aus heutiger, emanzipatorischer Sichtweise ist diese Sprache abzulehnen. Außerdem wird auf die partielle Autonomie ’sklavischer Befreiungskämpfe‘ kein Bezug genommen. Der Text muss jedoch in seinem historischen Kontext betrachtet werden. Wir wollen hier trotzdem auf die Schwierigkeiten mit dem Umgang solcher Texte hinweisen und benutzen deshalb explizit die Bezeichnung „frühes Bewusstsein“, da z.B. auch die Frage nach Geschlechtergleicheit in diesen frühen Schriften des Internationalismus noch nicht auftaucht. Vgl. dazu Quelle [23] und [24].

[25] Emma Ihrer (1893): Die Organisation der Arbeiterinnen in Deutschland. Verlag: Selbstverlag, Berlin http://library.fes.de/pdf-files/netzquelle/01724.pdf, Stand 23.12.2016
und Emma Ihrer (1898): Die Arbeiterinnen im Klassenkampf. Anfänge der Arbeiterinnen-Bewegung, ihr Gegensatz zur bürgerlichen Frauenbewegung und ihre nächsten Aufgaben. Verlag: Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, Hamburg http://library.fes.de/pdf-files/netzquelle/01719.pdf, Stand 23.12.2016

[26] Rede Clara Zetkins vor der zweiten Internationale: http://marxists.catbull.com/deutsch/archiv//zetkin/1889/07/frauenbef.htm, Stand 23.12.2016

http://lowerclassmag.com/2017/02/ueberlegungen-zu-einem-neuen-internationalismus-i/#more-4317

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