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Ausland, Nordamerika

Hat Trumps Kriegserklärung tödliche Folgen?

kennedytrump

von Paul Craig Roberts – http://www.barth-engelbart.de

Für den US-Publizisten Dr. Paul Craig Roberts ist die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump eine riskante offene Kampfansage an das US-Establishment.

Viel versprechen, wenig halten, die Jungen machens wie die Alten, die Frisur ist geblieben – nur etwas mehr Falten – Trotz Friedensschwüren Kriege führen, so wie das Kapital sie braucht – wer so nicht richtig funktioniert, ist wie gehabt auch auszuschalten. (HaBE)

Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans (“Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.

Seine Kritik an der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die seiner Auffassung nach zur Finanzkrise 2008 führte, legte er vor allem in seinem Werk The Failure of Laissez-Faire Capitalism and the Economic Erosion of the West (2012) dar.

Nach der Jahrhundertwende publizierte Roberts häufig in Counterpunch, wobei er sich mit den Regierungen Bushs und Barack Obamas hinsichtlich des War on Terror befasste, der seiner Meinung nach die Bürgerrechte der Verfassung der Vereinigten Staaten einschränkte. Im Unterschied zu früheren Parteifreunden unter den Republikanern lehnte er später den War on Drugs ebenso wie den War on Terror ab und kritisierte auch die Politik Israels im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Trumps Kriegserklärung

von Paul Craig Roberts

Institute for Political Economy, 20.01.17

( http://www.paulcraigroberts.org/2017/01/20/trumps-declaration-war/ )

Die kurze Rede des Präsidenten Trump zu seinem Amtsantritt war eine Kriegserklärung  an das gesamte herrschende US-Establishment. (Unter https://www.nytimes.com/interactive/2017/01/20/us/politics/donald-trump-inauguration-speech-transcript.html hat die New York Times die Trump-Rede mit einem relativ fairen Kommentar veröffentlicht, den Englisch sprechende Leser unbedingt mitlesen sollten. Eine deutsche Übersetzung der Rede ist nachzulesen unter http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/trump-rede-im-wortlaut-dieses-massaker-amerikas-endet-hier-und-jetzt-14709309-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3 .)

Trump machte unmissverständlich klar, dass die größten Feinde der US-Bevölkerung in den USA selbst zu finden sind: Damit meinte er die Anhänger der Globalisierung, die neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler, die Neokonservativen und andere Protagonisten der US-Weltherrschaft, welche die USA in endlose, teure Kriege treiben, die Politiker, die dem herrschenden Establishment und nicht den US-Bürgern dienen – eben die ganze Sippschaft die nur ihre privaten Interessen verfolgt und die USA heruntergewirtschaftet haben, um sich selbst zu bereichern.

Der Krieg, den Präsident Trump dem US-Establishment erklärt hat, ist für ihn selbst viel gefährlicher, als das ein Krieg gegen Russland oder China wäre.

Die Interessengruppen, die Trump als Feinde der US-Bevölkerung gebrandmarkt hat, sind gut vernetzt und ziehen aus dem Hintergrund immer noch die Strippen. Ihre mächtigen Netzwerke sind intakt geblieben. Die Republikaner haben zwar deutliche Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat, aber die meisten ihrer Abgeordneten und Senatoren sind von den herrschenden Interessengruppen abhängig; weil die ihre Wahlkampagnen finanzieren; deshalb werden sie kaum ihrem Präsidenten folgen und sich plötzlich um die Belange der US-Bürger kümmern. Auch der militärisch-sicherheitstechnische Komplex, die Konzerne, die industrielle Arbeitsplätze ins Ausland verlagert haben, die Wall Street und die Großbanken werden nicht zu Trump überlaufen. Und die sich  prostituierenden  konzerneigenen Medien werden Trump weiterhin mit allen Mitteln bekämpfen.

Trump hat erklärt, dass er alle US-Bürger gleich behandeln will, unabhängig davon ob sie schwarz, braun oder weiß sind. Seine (angeblich) linken Gegner werden diese Erklärung natürlich ignorieren und ihn weiterhin einen Rassisten schimpfen – wie  die  Gegendemonstranten bei seiner Amtseinführung, die teilweise 50 Dollar für ihre Teilnahme an den Protesten bekommen haben sollen.

Die Anführer der schwarzen US-Amerikaner haben deren Benachteiligung so verinnerlicht, dass sie sich eine positive Veränderung kaum vorstellen können. Sie können ihre Anhänger nur zusammenhalten, wenn sie ihnen weiterhin erzählen, dass alle Weißen Rassisten und alle Schwarzen Opfer sind.

Wird das gelingen? (Der iranische Sender) Press TV (s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/Press_TV ) hatte mich eingeladen, Trumps Antrittsrede zu analysieren. Der zweite Kommentator war ein schwarzer US-Bürgerrechtler aus Washington DC. Trumps Rede hat ihn nicht sonderlich beeindruckt, und der Moderator interessierte sich nur für die angeheuerten Demonstranten, weil er damit die USA diskreditieren konnte. Weil viele Weiße glauben andersfarbige Immigranten hätten ihnen ihre Jobs weggenommen, sind auch sie an Gleichbehandlung eher wenig interessiert.

Deshalb wird Trump außer der CIA, den Konzernen, die im Ausland produzieren lassen, der Rüstungsindustrie, dem NATO-Establishment in Europa und den ausländischen Politikern, die für die Unterstützung der interventionistischen US-Außenpolitik bezahlt wurden, auch noch die Anführer der benachteiligten Afro- und Hispanoamerikaner, der Frauenverbände, der illegalen Immigranten, der Homosexuellen und der Transgender-Aktivistinnen gegen sich haben. In diese lange Liste gehören natürlich auch die weißen Liberalen, die davon überzeugt sind, dass die abgehängte Mitte der USA, die 84 % ihres Territoriums ausmacht, nur von weißen Rassisten, Frauenfeinden, Homophoben und Waffenfetischisten bevölkert wird, die sie am liebsten unter Quarantäne stellen oder wegsperren würden.

Wird es dem neuen Präsidenten gelingen, seine Gegner, die 16 % des US-Territoriums in Küstennähe bevölkern, mit seinen Anhängern zu versöhnen, die sich auf 84 % des US-Territoriums im Landesinnern verteilen [s. http://brilliantmaps.com/2016-county-election-map/ ]?

Werfen wir einen Blick auf die Phalanx seiner Gegner:

Die Anführer der Afro- und Hispanoamerikaner brauchen die Diskriminierung, weil sie ihren Einfluss und ihr Einkommen sichert. Sie werden Misstrauen gegen die von Trump versprochene Gleichbehandlung säen, weil die zwar gut für ihre Anhänger, aber nicht für sie selbst wäre.

Die Manager und Aktionäre global agierender Konzerne werden sich weiterhin durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billigere Ausland bereichern wollen und zu verhindern versuchen, dass Trump die Jobs in die USA zurückholt. Wenn das nämlich geschähe, wäre das zwar gut für die US-Bevölkerung, sie selbst verlören aber ihre Leistungsboni und ihre Zusatzprofite.

Der militärisch-sicherheitstechnische Komplex verdankt allein der behaupteten “russischen Bedrohung” jährliche Rüstungsaufträge im Wert von 1.000 Milliarden (1 Billion) Dollar, die verloren gingen, wenn Trump, wie angekündigt, die Beziehungen zu Russland normalisieren würde. Die Ermordung Trumps kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Viele Europäer verdanken ihr Ansehen, ihre Macht und ihr Einkommen der NATO, die Trump in Frage gestellt hat.

Der US-Finanzsektor schöpft seine Profite vor allem aus der zunehmenden Verschuldung des US-Mittelstandes und der Ausplünderung der privaten und staatlichen Rentenversicherung. Unter Führung des Federal Reserve System’s (des US-Zentralbankensytems, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System ) könnte er Trump durch die Inszenierung einer neuen Wirtschaftskrise zu Fall bringen. Die Federal Reserve Bank in New York kann jeden Finanzmarkt in Schwierigkeiten bringen oder stützen, weil sie neue US-Dollars in beliebiger Menge in Umlauf bringen kann.

Der kompletten Politikerkaste der USA waren die Forderungen, Wünsche und Bedürfnisse der US-Bevölkerung bisher völlig egal. Jetzt hat Trump angekündigt, dass sie sich künftig vor ihren Wählern verantworten müssen. Damit wären natürlich ihre Wiederwahl, ihr gesichertes Einkommen und ihr Reichtum bedroht.

Trump wird auch von einer großen Anzahl diverser Gruppierungen abgelehnt, deren Finanzierung unklar ist. So hat zum Beispiel RootsAction (s. http://rootsaction.org/ ) gerade begonnen, Geld zur Finanzierung einer Aktion zu sammeln, mit der die Amtsenthebung Trumps durchgesetzt werden soll; auch damit wird versucht, den Frontalangriff Trumps auf das bisher regierende Establishment abzuwehren.

Die Gruppierung Human Rights First (s. http://www.humanrightsfirst.org/about ) greift Trump an, weil er die Grenzen der USA besser sichern will und wirft ihm vor, “den vor Verfolgung Fliehenden damit einen Hort der Hoffnung zu nehmen”. Die liberale, antirassistische, progressive Linke beklagt, dass die US-Gesellschaft rassistisch sei und wirft Trump vor, ein Rassist zu sein. Warum fliehen dann Menschen ausgerechnet in die USA, obwohl sie damit rechnen müssen, auch hier wegen ihre Hautfarbe benachteiligt zu werden? Die illegalen Einwanderer schreckt das nicht ab, weil sie hier Arbeit finden – bei Firmen für Gebäudereinigung, in Schlachthäusern und bei Dienstleistern in Urlaubsregionen.

Die Liste derjenigen, denen Trump den Krieg erklärt hat, ist natürlich noch länger, kann  hier aber nicht vollständig abgearbeitet werden.

Wir sollten uns fragen, warum sich ein siebzigjähriger Milliardär, dessen Geschäfte blühen   und der eine schöne Frau und intelligente Kinder hat, in der letzten Phase seines Lebens  noch die außergewöhnliche Belastung des US-Präsidentenamtes aufgeladen hat und die US-Regierung wieder auf das Wohl der US-Bevölkerung verpflichten will? Damit hat er sich zweifellos der Gefahr eines Mordanschlages ausgesetzt. Die CIA wird Trump nicht gewähren lassen. Warum will ein Mensch, der seinen Lebensabend in Ruhe und Zufriedenheit verbringen könnte, die USA völlig umkrempeln?

Welche Gründe Trump auch haben mag, wir sollten seine erklärten Absichten dankbar zur Kenntnis nehmen und ihn bei deren Umsetzung unterstützen. Wenn er ermordet werden sollte, müssen wir selbst zu den Waffen greifen, Langley (das Hauptquartier der CIA) ausräuchern und seine Mörder hinrichten.

Wenn Trump Erfolg haben sollte, verdient er, als großer Präsident anerkannt zu werden.

Russland, China, der Iran, Venezuela, Ecuador, Bolivien und alle anderen Staaten auf der Abschussliste der CIA, sollten sich nach Trumps Wahlsieg nicht in Sicherheit wiegen. Die CIA agiert weltweit und ihre gewinnbringenden (kriminellen) Geschäfte garantieren ihr sichere Einnahmen auch außerhalb des US-Haushaltes. Das  Netzwerk  der  CIA  funktioniert auch völlig unabhängig vom Präsidenten und sogar vom CIA-Direktor.

Die CIA konnte ihre unbegrenzte Macht 70 Jahre lang ausbauen, und die ist ungebrochen.

(Wir haben den Roberts-Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. Den Link in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Wir befürchten, dass Roberts den Willen Trumps, seine erklärten “guten Absichten” auch wirklich zu realisieren, und die Chancen, damit durchzukommen, gewaltig überschätzt. Der neue Präsident könnte sich auch von den Hardlinern in seinem Kabinett und der stabilen neokonservativen Mehrheit im US-Kongress “umstimmen lassen” und auf die Umsetzung seiner Vorhaben “verzichten”; dann müsste er auch nicht “ausgeschaltet” werden. Die deutsche Friedensbewegung sollte wachsam bleiben und sich nicht von der wachsenden Kriegsgefahr und den keineswegs abgebrochenen Kriegsvorbereitungen ablenken und in den inszenierten Anti-Trump-Aktionismus hineinziehen lassen. )

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP01417_250117.pdf

http://www.barth-engelbart.de/?p=176585

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Hat Trumps Kriegserklärung tödliche Folgen?

  1. Meine Hochachtung vor Trump wächst von Tag zu Tag!!!
    Wenn er bei solch einer irren Horde von Feinden auch nur ein Zehntel seiner Ziele verwirklicht, hat er den Respekt der Menschheit verdient. Er wird als strahlender Held in die Geschichtsbücher eingehen!

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    Verfasst von Deutsche Beobachtungsstelle | 27. Januar 2017, 18:38

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