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Ausland, Naher Osten

Wegen Meinungsverschiedenheiten über Syrien stellt die Türkei die US-Präsenz in Incirlik in Frage

incirlic

von John Vandiver

Die Türkei droht damit, den USA und der NATO die Nutzung des strategisch wichtigen Flugplatzes Incirlik zu untersagen.

Ein türkischer Spitzenpolitiker deutete am Mittwoch an, der Zugang der USA und ihrer Verbündeten zum strategisch wichtigen Flugplatz Incirlik könnte wegen der Wut der türkischen Bevölkerung über die mangelhafte US-Unterstützung für eine türkische Offensive im vom Krieg verwüsteten Syrien gefährdet sein.

„Wir hoffen, dass die gesamte von den USA geführte Koalition, vor allem aber die USA selbst, die türkischen Streitkräfte bei ihrer Operation Schutzschild Euphrat (s. https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Milit%C3%A4roffensive_in_Nordsyrien) aus der Luft, aber auch auf andere Art unterstützen und dass diese notwendige Unterstützung bald erfolgt,“ erklärte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik (s. dazu auch https://de.wikipe-dia.org/wiki/Fikri_I%C5%9F%C4%B1k ) vor Reportern in Ankara.

Diese öffentliche Rüge ist der jüngste Beweis für die wegen des Krieges in Syrien ständig wachsenden Spannungen zwischen den USA und der Türkei, die kürzlich eine Offensive gegen   den   Islamischen   Staat   in   der   grenznahen   Stadt   Al-Bab   gestartet   hat   (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Bab).

Die USA würden heftig kritisiert, weil sie die türkische Regierung (bei dem versuchten Staatsstreich) nicht unterstützt hätten. In der türkischen Bevölkerung kursiere sogar die Verschwörungstheorie, die USA seien an dem fehlgeschlagenen Staatsstreich im Sommer beteiligt gewesen. Diese Behauptung hat die US-Regierung aber zurückgewiesen.

Wegen der zögerlichen US-Unterstützung für die türkische Offensive hätten die Spannungen erneut zugenommen.

„Darüber ist die türkische Öffentlichkeit sehr enttäuscht,“ wurde Isik von The Associated Press zitiert. „Wir müssen unseren (NATO-)Verbündeten sagen, dass dadurch Fragen zur weiteren Nutzung des Flugplatzes Incirlik aufgeworfen wurden.“

Das Pentagon teilte am Dienstag mit, die von den USA geführte Koalition habe zur Unterstützung der türkischen Streitkräfte zwar Flugzeuge nach Al-Bab entsandt, die hätten aber keine Bomben abgeworfen.

Von Incirlik aus starten die meisten der US-Luftangriffe gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak. Die US-Präsenz auf diesem Flugplatz geht auf den Kalten Krieg zurück, und nach Aussage von Militäranalysten hat Ankara schon wiederholt versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen.

Die türkische Regierung werde Isiks Drohung in nächster Zeit aber sicher nicht umsetzen,.sondern zunächst den Amtsantritt des neugewählten US-Präsidenten Donald J. Trump abwarten; das hat der Analyst Doruk Ergun (s. http://www.edam.org.tr/en/AnaKategori/research-team) vom Centre for Economics and Foreing Policy Studies in   Istanbul   (s. http://www.edam.org.tr/en/ ) STARS AND STRIPES in einer E-Mail mitgeteilt.

„Die türkische Regierung setzt große Erwartungen in die Trump-Regierung,“ schrieb Ergun. „Deshalb ist es wahrscheinlich, dass man abwartet, wie sich die Syrien-Politik der neuen US-Regierung und besonderes ihre Beziehungen zur kurdischen PYD (Partei der Demokratischen Union, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Partiya_Yekit%C3%AEya_Demokrat ) entwickeln werden, bevor über die weitere Nutzung des Flugplatzes Incirlik befunden wird.

Für die Türkei ist die PYD, eine von den USA unterstützte kurdische Gruppierung in Syrien, mit der Kurdischen Arbeiterpartei verbündet, die Ankara als Bedrohung ansieht.

Die  Türkei   hat   die   PYD   aufgefordert,   die   Grenzstadt   Manbidsch   (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Manbidsch zu räumen; wenn es den USA nicht gelingt, die PYD-Kämpfer zum Abzug zu bewegen, muss nach Meinung Erguns mit einem Angriff der türkischen Armee gerechnet werden.

Weil die USA keine eigenen Bodentruppen in Syrien haben, sehen sie in den Kurden ihre wirksamste Truppe im Kampf gegen den Islamischen Staat. Die Unterstützung für die Kurden ist aber eine starke Belastung für das seit 60 Jahren bestehende Bündnis der USA zu ihrem NATO-Partner Türkei.

Weil die Beziehungen zwischen Washington und Ankara getrübt sind, versucht die Türkei ihre Operationen in Syrien zunehmend mit Russland zu koordinieren, obwohl sich seit dessen Eingreifen die (von der Türkei bekämpfte) Regierung Bashar al-Assads wieder stabilisiert hat.

Während sich der Bürgerkrieg in Syrien immer weiter ausbreitete, hielten sich die USA weitgehend zurück (dass diese Behauptung nicht zutrifft, ist nachzulesen unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP08513_010713.pdf ) und konzentrierten sich vor allem auf die Bekämpfung des Islamischen Staates im Irak. Den Konflikt in Syrien wollten sie lieber durch Verhandlungen lösen (dass auch das nicht zutrifft, ist unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP09811_240611.pdf nachzulesen).

Schon lange vor dem russischen Eingreifen in Syrien hat es das Weiße Haus abgelehnt, den Rebellen in Syrien schwere Waffen zu liefern. Die US-Regierung forderte zwar, „Assad muss gehen!“, war sich aber nie sicher, ob es sich überhaupt lohnt, die zerstrittene syrische Opposition zu bewaffnen.

Extremistische Kräfte wie der Islamische Staat und die Al-Nusra-Front gewannen schließlich die Oberhand und drohten Assad zu stürzen.

Dann kam Russland im September 2015 Assad zur Hilfe und griff seine Gegner aus der Luft an. Bei der unbarmherzigen Bombardierung der Stadt Aleppo sollen nach westlichen Schätzungen Hunderte von Zivilisten getötet worden sein. Moskau hingegen behauptet, nur Extremisten ins Visier genommen zu haben.

(Wir haben den Artikel, dessen Autor vor der schwierigen Aufgabe stand, das Scheitern des US-Stellvertreterkrieges in Syrien und die wachsenden Probleme mit der Türkei zu beschönigen, komplett übersetzt und mit einigen Links versehen, unter denen eine ganz.andere, durch Fakten belegte Sachlage nachzulesen ist.

Englisch sprechenden Lesern empfehlen wir zusätzlich einen unter http://www.nytimes.com/2017/01/08/us/politics/russia-turkey-syria-airstrikes-isis.html aufzurufenden Artikel, aus dem hervorgeht, dass die türkische Offensive mittlerweile von russischen Kampfjets unterstützt wird.

http://www.stripes.com/news/middle-east/turkey-questions-us-presence-at-incirlik-in-dispute-over-syria-1.447268
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP01217_200117.pdf

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