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Ausland, Welt

A. Wasserman – 2017, Kriegsjahr um die Köpfe

wasserman

von A. Wasserman – http://vineyardsaker.de

Übersetzung eines Gesprächs mit Anatolij Wasserman (Quelle)

2017 wird ein Jahr des Krieges um die Köpfe: Wasserman über Syrien, die Ukraine, den Donbass und die USA

Das Jahr 2016 geht zur Neige und es ist die Zeit gekommen, über die Zukunft nachzudenken. Der syrische Krieg, die russisch-amerikanischen Beziehungen, die Situation in der Ukraine und im Donbass – all das sind brennend aktuelle Themen.
Anatolij Wasserman, der bekannte Intellektuelle und politische Konsultant, hat der Bundesnachrichtenagentur seine Einschätzung der Ergebnisse des Jahres 2016 und die Perspektiven für das Jahr 2017 genannt. Das Interview führte Iwan Werichow.

Der syrische Krieg und der Krieg um die Köpfe

I.W. – Die russische Militäroperation in Syrien dauert schon länger als ein Jahr. In dieser Zeit wurden wir die Zeugen der Befreiung und des zweiten Fallens von Palmira, der Befreiung Aleppos und anderer Orte…

A.W. – Meiner Meinung nach hätte man die syrische Kampagne nur dann anders aufbauen können, wenn die Russische Föderation das Kommando über die syrischen Truppen vollständig übernommen hätte. Und auch dann bin ich nicht davon überzeugt, dass es geholfen hätte. Selbst wenn wir im Generalstab des Ministeriums für Verteidigung Syriens einige Dutzend Berater gepflanzt hätten, so müssten wir dennoch damit leben, dass der ganze Bestand der syrischen Armee – sowohl die Offiziere, als auch die Mannschaften – in ganz anderem Stil ausgebildet sind. Und auch trotz der Tatsache, dass es in der militärischen Führung vieler arabischer Länder diese Offiziere gibt, die die Schule in unseren Bildungseinrichtungen verschiedenen Niveaus durchliefen, überwiegt dennoch der Stil der arabischen Kriegsführung und der ist unserem nicht ähnlich. Er ist mit anderer Lebensweise, mit anderem Denken, und sogar mit anderem Klima verbunden. Selbst wenn wir nicht nur die Zehn geschickt hätten, sondern einige Hundert Militärberater, dann würden sie dennoch als syrische Armee weder mit ihren Handlungen, noch in der Genauigkeit unserer Militärdoktrin und unseren Traditionen entsprechen.

Deshalb meine ich, dass in Syrien das Beste gemacht wurde, was man unter diesen ausgeprägten Bedingungen machen konnte. Irgendeine Zahl unserer Militärberater ist dort, aber sie zeigen den Syrern nur die beste – nach unseren Vorstellungen – Richtung des Kampfes. Das Plus dort sind natürlich die modernen sowjetisch-russischen Kampfflugzeuge, die nach ihren Eigenschaften die sowjetischen Flugzeuge wesentlich übertreffen, die in der Ausrüstung der Luftwaffe Syriens stehen. Aber darüber muss man nichts sagen. Ich will nur bemerken, dass unsere Flugzeuge mit der Navigationsausrüstung für den Kampf in der Nacht ausgestattet sind und die Flieger sind für solche Handlungen ausgebildet. Das gibt es leider in der syrischen Luftflotte nicht. Jetzt verwenden wir die Möglichkeiten der Syrer in der maximalen Stufe. Die syrische Armee macht das Beste daraus, was sie machen kann.

Betreffs des Verlustes von Palmira kann man nicht viel mehr sagen, als das er natürlich sehr kränkend ist. Aber es ist auch klar, dass man nach einem der Gebote der Kriegskunst – nicht überall gleich stark sein kann. Denn dann muß man mit dem Risiko ähnlicher Verluste rechnen. Aber soweit ich das beurteilen kann, aus rein militärischer Sicht und unter den jetzigen Umständen, hilft der Verlust Palmiras den IS-Kämpfern nicht und uns gleichzeitig nicht. Es ist für das Prestige unangenehm, aber beeinflusst sehr wenig den Verlauf des Kampfes. Bei für uns günstigen Umständen kann sich Palmira in eine Falle für die Kämpfer verwandeln, worauf ich sehr hoffe.

Meiner Meinung nach, wenn wir mal Palmira ausklammern, so ist das ganze übrige, was jetzt in Syrien geschieht, in höchstem Maß für uns günstig. Dabei ist im Gegenteil äußerst unangenehm für uns, dass die westliche öffentliche Meinung die Fälschungen bis jetzt gekauft hat, die mit einem Klick bei Google hätten aufgedeckt werden können. Es bedeutet, dass uns die schwerste Schlacht noch bevorsteht. Die Schlacht um die Köpfe in der ganzen Welt. 2016 hat vorgeführt, wie schwer dieser Kampf sein wird.

Und das hat hier nicht nur mit Palmira zu tun. Zum Beispiel, der berühmte Vortrag Mclarens (er ist den Dopingverstößen im russischen Sport gewidmet – Anm. der BAN), wo der Bezug zur Fälschung in der Unterstellung sitzt, wird in letzter Instanz wie der Wahrheit letzter Schluß wahrgenommen. Und Fakt ist, dass Mclaren auch im zweiten Teil seines Vortrags – genauso wie auch im ersten – keinen einzigen Beweis für unsere Schuld vorgebracht hat. Er hat nur erklärt, dass er die Beweise hat. Nichtsdestoweniger reichte sogar das für reale Handlungen: für den Ausschluß einiger unserer Sportler von den Wettbewerben bis zum Abschluss der Untersuchung und der Wegnahme der Russischen Föderation einiger großer sportlicher Weltereignisse. Das alles führt vor, dass es sogar im virtuellen Krieg reale katastrophale Folgen gibt. Ich meine, dass wir im folgenden Jahr diese Lehre berücksichtigen müssen und in die Gegenoffensive übergehen sollten.

Zum Beispiel, soweit mir bekannt ist, soll in Großbritannien bei der Verhandlung über eine Verleumdung der Verleumder die Behauptungen beweisen und nicht im Gegenteil der Verleumdete beweisen, dass die Verleumdung falsch ist. Die gerichtlichen Instanzen, wo man die Behauptungen beweisen muss, gibt es. Entsprechend müssen wir die Klagen gerade dorthin einreichen. Schließlich, wir sollten den Mclarens der Welt einen einfachen Gedanken näher bringen: es ist notwendig, entweder den Markt zu filtern, oder für den Markt zu reagieren. Bis wir die Kriege auf der Erde gewinnen, oder im Himmel und auf dem Meer, muss man jetzt wohl lernen, die Schlachten in den Köpfen zu gewinnen.

I.W. – Was sagen Sie über die Abfahrt des russischen Bataillons der Militärpolizei nach Aleppo?

A.W. – Militärpolizisten sind in erster Linie Polizisten und erst später – Militärs. Sie nehmen auf keine Weise am Kampf teil. Sie unterscheiden sich von gewöhnlichen Militärs nur dadurch, dass sie ausgebildet sind, die Menschen mit Waffen aufzuhalten. Aber sie werden auf niemanden schießen und nur Kämpfer einfangen. Und wenn an irgendeiner Stelle die Konzentration dieser Kämpfer wachsen wird, so werden sich mit ihnen schon nicht mehr die Polizisten beschäftigen. So dass die Abfahrt des Kontingentes der Militärpolizei nach Aleppo ganz und gar nicht bedeutet, dass wir uns in Syrien jetzt mit Landstreitkräften am Bodenkampf beteiligen.

Russland muss Trump nacheifern

I.W. – Was bedeutet der Sieg bei den Wahlen in den USA von Donald Trump für diesen Krieg um die Köpfe und für Russland?

A.W. – Ich denke, dass man Trump ein bemerkenswertes Zeugnis ausstellen muß, das ihm bescheinigt, dass er die Schlacht um die Köpfe gewinnen kann und muss. Dank der Bemühungen Trumps wurde das vollkommen offensichtlich. Doch „fuhren“ die amerikanischen Massenmedien gegen ihn mit einer solchen furchtbaren Kraft auf, mit der sie sogar den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, wohl nicht jeden Tag angreifen. Trump hat es nichtsdestoweniger geschafft, bei den Wahlen, in diesem so schweren psychologischen Krieg, sehr überzeugend zu gewinnen. Jetzt müssen wir seine Erfahrungen studieren und aufklären, wie ihm dieser Sieg gelungen ist.

Es ist klar, dass Trump kein Freund Russlands ist. Es ist jetzt einfach für ihn genauso wie für uns von Vorteil, zusammenzuarbeiten. Aber welchen Weg wir zusammen gehen werden, kann ich bis jetzt nicht genau voraussagen. Jene Aufgaben, die Trump in der Wahlkampagne vorstellte, reichen für ihn über die ganze erste Frist seiner Präsidentschaft, ja wahrscheinlich auch noch über die zweite – wenn er sie denn wirklich angehen will. Ich denke, dass wir wenigstens in den nächsten Jahren, mit ihm absolut wirksam und gewissenhaft (übrigens von beiden Seiten aus) zusammenarbeiten werden. Was danach kommt, werden wir sehen. Aber, wenn Trump alles das gelingen sollte, was er im Wahlkampf versprach, dann wird es in der Zukunft zwischen der Russischen Föderation und den USA weniger Gründe für Konflikte geben. Und es gibt die Hoffnung, dass diese Zusammenarbeit andauern wird.

Die Ukraine und der Donbass

I.W. – In den letzten Monaten konnten wir beobachten, dass die Leidenschaften in der Ukraine anwachsen. Es sind zum Beispiel immer mehr Gespräche über vorgezogene Wahlen zu hören, solche Politiker wie Saakaschwili und Sawtschenko bringen sich in Position und demonstrieren offen, dass sie Gegner der jetzigen Kiewer Behörden sind. Was denken Sie, was erwartet die Ukraine im Jahr 2017?

A.W. – Leider ist es schwierig, etwas substantielles über die Zukunft der Ukraine zu sagen, weil sie – wenigstens von meinem Standpunkt aus – nicht das Subjekt sondern das Objekt der internationalen Politik ist. Leider versucht heute die Mehrzahl der Leute, die in der Ukraine Politiker genannt werden, den Amerikanern ähnlich zu sein und sich den USA nicht nur unterzuordnen, sondern sich mehr als vollständig unterzuordnen. Warum mehr als vollständig? Sie erfüllen nicht nur exakt alle amerikanischen Forderungen, sondern sie versuchen auch, alle diese Forderungen vorauszuahnen und sie beizeiten zu erfüllen.

Ja, diese ukrainischen Politiker werden ständig und sehr aktiv aneinander nagen. Und das zwingt sie dazu offen zu legen, wer von ihnen mehr Kräfte hat und wer weniger und wer mehr Chancen hat, den Gegner zu besiegen. Aber man darf dabei nie vergessen, dass sich die Amerikaner zu jeder Zeit in das Spiel einmischen und dann festlegen können, dass sie den Sieg dem oder dem verleihen. Wir können uns alle noch an Kolomojski erinnern, der wirklich eine sehr gute Chance hatte, Poroschenko zu überwältigen. Aber die Amerikaner gaben ein Kommando und Kolomojski hat dem sofort zugestimmt, trat vom Posten des Gouverneurs von Dnjepropetrowsk zurück und fuhr ab ins Ausland. Das heißt, er ist tatsächlich aus dem innerukrainischen Kampf ausgetreten, da der Charakter dieses Kampfes die ständige Anwesenheit fordert – anders werden sie dich leicht auffressen.

I.W. – Was kann das alles für den Donbass bedeuten?

A.W. – Um Mitternacht am 24.12. trat das nächste – mittlerweile schon zehnte – Abkommen über die Feuereinstellung in Kraft. Schon einen halben Tag später waren mehr als 300 Schüsse aus den Kanonen der USK gezählt. Das sind doch echt beeindruckende Zahlen. Nicht jedes Abkommen über einen Waffenstillstand wird mit solch auffallender Geschwindigkeit verletzt.

Ich denke, dass jetzt die Wiedereingliederung des Donbass in die Ukraine sowohl für Moskau, als auch für Kiew gleich unvorteilhaft wäre. Moskau wird nicht zulassen, dass Kiew in seiner jetzigen Art den Donbass unter seine Kontrolle nimmt, da das zu Massentotschlägen und einer allgemeinen politischen Verrohung in Richtung eines echten faschistischen Regimes führen würde. Die Ukraine kann den Bedingungen auch nicht zustimmen, den Donbass laut Minsker Abkommen wieder einzugliedern, da das tatsächlich die Vernichtung des ukrainischen Faschismus bedeuten würde. Darüber hinaus hat die Ukraine auch ganz gewiß nicht die Kräfte und Möglichkeiten, den Donbass militärisch zu besetzen. Dazu wird wahrscheinlich ihre ganze militärische Macht einfach nicht ausreichen.

So dass ich denke, dieser Konflikt wird seinen schleichenden Verlauf weiter in der eingefrorenen Form beibehalten, bis sich das Verhältnis der Kräfte in kardinaler Weise ändern wird. Man muss darauf warten, dass Kiew so schwach wird, dass der Sturz der Macht der Terroristen in der Hauptstadt der Ukraine mit den Kräften der Mehrheit der Bürger der Ukraine möglich wird.

„Nach einem halben Jahr wird Kiew die Unterstützung Washingtons und Brüssels verlieren.“

I.W. – Ob man erwarten kann, dass etwas Ähnliches schon im folgenden Jahr geschehen wird?

A.W. – Es ist schwierig, das im voraus zu sagen. Nach allem was wir heute wissen, wird die ausländische Unterstützung der Kiewer Terroristen schon in der Mitte 2017 versickern. Denn beide staatlichen Staatsstreiche in der Ukraine – sowohl 2004 als auch 2014 – wurden durch die USA durchgeführt, um sich die EU wirtschaftlich unterzuordnen. Im Jahr 2004 trieben sie das Projekt der Transatlantischen Freihandelszone voran. Im Jahr 2014 – es war noch zerstörerischer für die europäische Wirtschaft – war es das Projekt der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft.
Außerdem erinnern wir uns auch noch daran, wie die Amerikaner – nachdem die EU darauf verzichtet hatte, der Transatlantischen Freihandelszone beizutreten – die Unterstützung der Marionetten in Kiew unmittelbar heftig verringerten. Dank dessen gelang es im Jahr 2010 auf friedlichem Wege mit den Folgen des staatlichen Staatsstreichs von 2004 endgültig Schluß zu machen.

Diese Erfahrung berücksichtigend, haben die Amerikaner beim zweiten Mal auf ideologische Terroristen gesetzt, die man auf friedlichem Weg tatsächlich unmöglich entfernen kann. Aber die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft ist für die europäische Wirtschaft in so offensichtlicher Weise tödlich, dass sogar Hollande – ein in der höchsten Stufe proamerikanischer Politiker – erklärt hat, dass sein Frankreich nicht unterschreiben wird. Dazu kommt, dass in den USA bald ein Mensch an die Macht kommen wird, der mehrmals erklärt hat, dass er beabsichtigt, alle Abkommen über den freien Handel sofort zu annullieren und den Abschluss eines Neuen nicht zuzulassen. Damit braucht Trump Kiew nicht mehr als Druckmittel gegen die EU. Und in der EU, so denke ich, werden bald in der Mehrheit der Schlüsselländer die Kräfte an die Macht kommen, die nicht an die Notwendigkeit der Existenz der Terroristengruppe „Ukraine“ interessiert sind. Deshalb wird, meiner Meinung nach, schon zur Mitte des Jahres 2017 die Unterstützung Kiews von Washington und Brüssel tatsächlich aufhören. Und danach Kiew niederzudrücken ist schon nur noch eine Sache der Technik.

Auf eine Sache muß ich noch einmal hinweisen: Das Jahr 2016 hat wieder einmal bewiesen, was schon seit dem XVI. Jahrhundert bekannt war. Die Trennung der Ukraine vom übrigen Russland – ist in erster Linie für die Ukraine gefährlich. Aber die Versuche, diese Trennung herbeizuführen, werden offenbar nicht aufhören, bis man die Ukraine offiziell für einen separaten Staat mit einem separaten Volk hält. Es ist höchste Zeit, diesen historischen Fehler zu beenden.

http://vineyardsaker.de/2017/01/05/a-wasserman-2017-kriegsjahr-um-die-koepfe/#more-172

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