//
du liest...
Asien, Ausland

Japan strebt „mehr Eigenständigkeit“ an

abetrump

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe hat am Mittwoch in einer Neujahrsansprache Hinweise auf ein japanisches Anstreben von mehr Eigenständigkeit gegeben und dazu erklärt, „unsere Zukunft ist nicht etwas, das uns von anderen Leuten gegeben wird.“ „Wir, das japanische Volk, werden sie mit unseren eigenen Händen erschaffen, und jetzt ist die Zeit, wenn die Entschlossenheit dazu gebraucht wird.“

Sollte das ernst gemeint sein, und davon darf man wohl ausgehen, dann schließt sich auch die japanische Regierung dem gegenwärtigen globalen Zeitgeist an, wo zumeist hochentwickelte Staaten eine Art Dekoloniasation von der Herrschaft Washingtons oder Brüssels anstreben. Dieser Trend hatte während der zweiten Amtszeit von US-Präsident Obama global bereits viel Schwung gewonnen und sich dann beispielsweise im überraschenden Votum für den Brexit in Britannien ausgedrückt. Unter diesem Blickwinkel lassen sich auch der vom NATO-Mitgliedsstaat Türkei vorangetriebene „Kampf um Unabhängigkeit“ sehen, in dessen Verlauf der türkische Verteidigungsminister gestern die Nutzung des Militärstützpunktes Incirlik durch die USA in Frage stellte, und auch das Streben nach der Befreiung der Philippinen von der US-Dominanz durch den dortigen Präsidenten Rodrigo Duterte ist durchaus als Kampf um Unabhängigkeit zu verstehen. Weiterhin kann man auch das Erstarken des Front National in Frankreich, der 5-Sterne-Bewegung in Italien und zahlreicher weiterer ähnlicher Strömungen in Europa unter dem Gesichtspunkt des einem globalen Zeitgeist entsprechenden globalen Strebens nach mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit sehen.

Dass sich in Japan nun ausgerechnet Shinzo Abe an die Spitze der Bewegung für mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit setzt, mag angesichts dessen, dass er während des US-Wahlkampfes ähnlich wie die deutsche Kanzlerin demütig die vom US-Establishment favorisierte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr Programm einer Konsolidierung des US-Empires unterstützte, überraschen. Andererseits war Shinzo Abe dann aber nach der Wahl der erste ausländische Staatsmann, der persönlich beim frischgewählten US-Präsidenten Donald Trump, dessen Programm „Amerika Zuerst“ im Grunde auch in den globalen Zeitgeist des Strebens nach mehr Unabhängigkeit passt, vorgesprochen hat. Und es ist nicht gänzlich undenkbar, dass Trump Abe dabei ähnlich wie Putin schon zuvor deutlich gemacht hat, dass er von der japanischen Abhängigkeit gegenüber den USA, wo die USA Beschützer sind und Japan unterwürfig eine Rolle als beschützt einnimmt, nichts hält, und Abe doch bitteschön die historische Chance für Japan ergreifen möge, wieder ein eigenständiges Land zu werden. Wenn es so war, dann hat das, wie es aussieht, gewirkt.

Interessant könnte es werden, zu sehen was passiert, wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Donald Trump demnächst treffen wird. Angela Merkel darf nach dem angekündigten Kurswechsel von Shinzo Abe für sich in Anspruch nehmen, das treueste US-Chefzäpfchen auf der Welt zu sein. Es könnte sie ratlos machen, wenn Trump ihr erklärt, dass er auf Zäpfchen keinen Wert legt, und sie sich dann umschaut, und feststellt, dass die Weltmächte USA, China und Russland sich da wohl im Grunde weitgehend einig sind, weil sie nun alle eine multipolare Weltordnung anstreben.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2017/01/05/japan-strebt-mehr-eigenstaendigkeit-an/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archive

%d Bloggern gefällt das: