//
du liest...
Asien, Ausland

Was ist eigentlich in Südkorea los?

demos16

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Aus Südkorea wurde in den letzten Wochen und Monaten berichtet, dass es da riesige Demonstrationen gegen die mutmaßliche Korruption der Präsidentin Park Geun-hye gibt, ein Amtsenthebungsverfahren dazu und sie trotzdem partout nicht vom Präsidententitel ablassen will.

In den Massenmedien hüben wie drüben wird das meistens alles mehr oder weniger so dargestellt, als dass es in Südkorea Massenproteste gegen die mutmaßliche Korruption der Präsidentin gibt, und vielleicht noch dazu gesagt, dass es deshalb zu einem Regierungswechsel in Südkorea kommen könnte, und das war’s. Da lachen ja die Hühner. Um ein paar Dutzend Millionen Dollar Schmiergeld macht sich doch kein Spitzenpolitiker in der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ ernsthaft Sorgen, und schon gar nicht gibt es deswegen solche Massendemonstrationen.

Wenn es solche Massenproteste gibt und obendrein auch noch Dutzende von Abgeordneten die Regierungspartei verlassen, kann man getrost davon ausgehen, dass es um mehr geht als einen Bestechungsskandal, etwa die Identität und die geopolitische Ausrichtung des Landes. Der ausgesprochen stark vom Export lebende Staat Südkorea ist vom Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen her etwa das elfgrößte Land der Welt, und während happige 30% der südkoreanischen Exporte nach China gehen sind in Südkorea gleichzeitig Zigtausende US-Soldaten in Fortsetzung des kalten Krieges gegen Nordkorea und China stationiert. Südkorea ist also militärisch engstens in das US-Empire eingebunden, während es wirtschaftlich längst zur chinesischen Welt gehört. Die rechtskonservative Präsidentin Park Geun-hye ist dabei als Tochter des früheren US-Marionettendiktators Park Chung-hee so etwas wie die Statthalterin des US-Empires in Südkorea. Und als jene US-Statthalterin hat sie in den letzten Monaten den neu belebten kalten Krieg der USA gegen Nordkorea und China vorangetrieben, etwa durch das Vorantreiben des Aufbaus vom gegen Nordkorea und China gerichteten US-Raketensystem THAAD und durch das Schließen eines gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industrieparks.

Im November brachte RT ein Interview mit Brian Becker von der Answer Coalition und Hyun Lee vom Solidaritätskomitee für Demokratie und Frieden in Korea, wo ebenfalls die Meinung geäußert wurde, dass es bei den Protesten um mehr geht als um Korruption bei der Präsidentin. Brian Becker erklärte, dass Park Geun-hye als ein Anhängsel der USA in Korea betrachtet wird, dass die Koreaner das Raketensystem THAAD nicht wollen und dass die Proteste in Südkorea den ganzen US-Schwenk nach Asien in Trümern legen dürften. Hyun Lee erklärte dazu weiter, dass Präsidentin Park das Land auf einen neo-atoritäeren Kurs gebacht habe, dass sie die Opposition unter dem Vorwand, sie bestünde aus nordkoreanischen Agenten, aufgelöst habe, dass liberale Aktivisten und Oppositionsführer ins Gefängnis geworfen wurden, und dass der Bevölkerung von Südkorea auch der ganze sich gegen China, Russland und Nordkorea richtetende Kurs des Landes unter Präsidentin Park, der sich etwa im Raketensystem THAAD manifestiert, nicht passt.

Die US-Zeitung USA Today, die sicherlich Sympathien für China, Russland und Nordkorea unverdächtig ist, bestätigte die Ansicht, dass es bei den Protesten in Südkorea um mehr als Korruption geht, in einer Analyse Anfang Dezember im Grunde. Die politische Krise in Südkorea könne die US-Prioritäten in der Region aus der Spur bringen, heißt es da schon im Titel. Weiterhin wird ausgeführt, dass die liberale Opposition nach einem Sturz der Präsidentin den gemeinsamen Industriepark mit Nordkorea vermutlich umgehend wiedereröffnen würde, und die liberale Oppositionspartei, die bessere Beziehungen zu China wolle, auch zu den schärfsten Kritikern der Stationierung des US-Raketensystems THAAD in Südkorea gehöre. Wenn nun Donald Trump als US-Präsident von seinen Verbündeten in Südkorea verlange, für den Schutz durch die USA zu zahlen, könnte es passieren, dass eine liberale Regierung in Südkorea ihn mit der Forderung einfach auflaufen lässt und, anstatt zu zahlen, Trump einfach auffordert, die Stationierung des US-Raketensystems THAAD zu stornieren.

Damit würde dann wohl, wenn die Proteste in Südkorea erfolgreich sind, nicht nur eine korrupte und autoritäre Präsidentin entmachtet, sondern auch eine Neuauflage der Sonnenscheinpolitik gegenüber Nordkorea wahrscheinlich und im Grunde obendrein noch die gesamte US-Militärpräsenz in Südkorea fraglich. Nach der überraschenden Wende hin zu China und Russland unter dem rechten Präsidenten Rodrigo Duterte auf den Philippinen könnte es in Südkorea nun also eine ähnliche Hinwendung zu China und Russland über die linke Spur geben. Das US-Empire bröckelt in Ost-Asien ganz gewaltig.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2016/12/29/was-ist-eigentlich-in-suedkorea-los/

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archive

%d Bloggern gefällt das: