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Steuerleute aus Washington

palmyraisis

von Jewgenij Satanowski –  http://vineyardsaker.de

Der Angriff auf Palmira setzt professionelle Stabsarbeit voraus, zu der die IS-Kämpfer nicht in der Lage sind.

Am 11. Dezember haben die Kämpfer des IS die Truppen Assads aus Tadmor, dem historischen Palmira, verdrängt und zum zweiten Mal diese Provinzstadt von weltweiter historischer Bedeutung besetzt. Das wäre strategisch nicht so wichtig, wenn sich nicht unweit eine Wegekreuzung befinden würde, die unter anderem zu dem vom IS seit einigen Jahren belagerten Deir ez-Zor – einschließlich der erdölverarbeitenden Industrie und der Basis der Luftwaffe – führt.
Charakteristisch ist, dass dem Angriff von 4000 bis 5000 IS-Kämpfern mit Panzern, mit SPW/SPz und der reaktiven Artillerie ein Anmarsch durch die Wüste von einer Strecke von mehreren Hundert Kilometern voraus ging, der weder von der Aufklärung Assads noch mit russischen Mitteln korrekt gewürdigt wurde. Das zwingt die Experten, von der Möglichkeit eines Verrats auf höchster Führungsebene im Kommando der syrischen Armee oder ihrer Muchabarat (ziviler Geheimdienst) zu reden.

Verrat oder Fahrlässigkeit?

Ein eigenes Thema ist, woher diese tausenden von IS-Kämpfern gekommen sind. Wahrscheinlich kommen sie hauptsächlich aus Mossul, in dem die Kämpfe von den USA und ihren Verbündeten unterbrochen wurden – der irakische Ministerpräsident kündigte Aufstockung der Truppe an. Den Kämpfern aus Mossul scheinen sich Kollegen aus Rakka und Deir ez-Zor angeschlossen zu haben, wo die Kämpfe ebenfalls ruhen. Hier haben die USA erklärt, dass der Angriff um mindestens zwei Monate verschoben wird. Nach den Einschätzungen der „antiterroristischen Koalition“ waren an der Einnahme von Palmira ungefähr drei-fünf Tausend Kämpfer beteiligt.

„Verhandlungen mit den Amerikanern über Syrien machen so lange keinen Sinn, wie die verbleibenden terroristischen Gruppen noch nicht kapituliert haben und aus dem Krieg ausgetreten sind.“

Außerdem ist es vollkommen unverständlich, wie die IS-Kämpfer durch die Gefechtsordnungen der Mossul belagernden Truppen hindurch sickern konnten und sich dann mit all ihrer Willkür auf das Schicksal der syrischen Hauptstadt werfen konnten. Und das, zum Beispiel, vor den Augen der kurdischen und türkischen Truppenteile, die um das Recht wetteifern, sich vor Rakka im Bündnis mit den Amerikanern mit dem IS schlagen zu dürfen. Und die sollen die Islamisten nicht bemerkt haben? Ungeachtet ihrer ganzen schweren Technik wurde Niemand bemerkt? Und es gab keinen einzigen Schuss seitens der Luftwaffe der amerikanischen Koalition?
Dann endlich ist die Luftflotte Assads angekommen und – wir haben es bemerkt – auch die Luftflotte der Russischen Föderation. Der korrekten Berichterstattung wegen muß man auf das für Fliegerkräfte sehr ungünstige Wetter verweisen. Die Fluggruppen kämpften dann doch mit dem IS, der trotzdem nach schweren Kämpfen Palmira eingenommen hat. Es war ganz deutlich zu sehen, dass die Planung einer solchen Operation eine professionelle Stabsarbeit war, zu der die Kämpfer einfach nicht in der Lage sind.

Die erste Welle der Angreifer wurde von den Fliegern Russlands noch halb zerstört, was aber den Ausgang der Schlacht insgesamt nicht beeinflusst hat: sie war verloren.
Vertrieben wurden die Kämpfer aus Palmira beim ersten Mal nach einer komplizierten und sorgfältig vorbereiteten Operation, die geplant und unter der unmittelbaren Führung von russischen Militärberatern durchgeführt wurde.
Sowohl beim ersten Mal wie auch beim zweiten Mal wurde die Stadt von den Syrern ganz schnell aufgegeben, obwohl sie jetzt immerhin versuchten, die Einwohner zu evakuieren. Letzten Endes haben sie dann den überlegenen Kräften des Gegners die Stadt überlassen.

Assads Verlust von Palmira hat viel zu genau mit der Vollendung der Operation im östlichen Aleppo übereingestimmt, um zufällig geschehen zu sein. Sehr wahrscheinlich ist, dass die USA in diesem Fall den IS erstmals wie ein Instrument eingesetzt haben, um militärisch unmittelbar Druck auf Damaskus auszuüben. Bisher haben sie nur ein Auge zugedrückt wenn ihre Verbündeten innerhalb der „antiterroristischen Koalition“ – sicher Katar, möglicherweise auch Saudi-Arabien und die Türkei – die Kämpfer für ihre Interessen nutzten. Wahrscheinlich haben Doha, Er-Riad und Ankara seinerzeit die Handlungen in Syrien – falls notwendig – koordiniert. Welche der Versionen der Wirklichkeit entsprechen, bleibt bisher noch die Zusatzfrage. Bisher ist nur eins klar: Washington und seine Verbündeten haben nichts gegen den IS unternommen – und aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie auch im Folgenden keine Handlungen gegen den IS unternehmen, vorausgesetzt, dass diese terroristische Struktur mit Assad und den russischen Militärs kämpfen will.
Das zeigt aber auch, dass Verhandlungen mit ihnen über Syrien bis zum Erringen des endgültigen Sieges, dass heißt bis zur Vernichtung der terroristischen Gruppen keinen Sinn machen. Und bis zum Sieg meint, dass sie nach der endgültigen Kapitulation unter den Garantien der Gesprächspartner von der Basis „Hmeimim“ aus dem Krieg austreten. Das wiederum widerspricht nicht nur der westlichen Logik, sondern auch der Logik der einheimischen Diplomaten, die den Sinn ihrer Tätigkeit in der Beschränkung und dem Versuch, sich die Tätigkeit der Russischen Armee unterzuordnen sehen, die anstatt selbst den militärischen Erfolgen zu folgen und diese politisch zu festigen, lieber die führende Rolle beanspruchen. Dass die Unterbrechung des Einsatzes der Fluggruppe der Russischen Föderation gegen die Terroristen, die freiwillig von Russland übernommenen Beschränkungen der Handlungen der Fluggruppe in der städtischen Bebauung und bei humanitären Pausen, auf denen die UNO und die USA bestanden, die Ergebnisse der Kriegsoperationen entwerten und den Krieg unendlich machen, ist einer jeden Fachkraft klar. Die Frage, wann man den Armeen gestatten wird, ihre Arbeit zu machen, und zwar so, wie es für die Errungenschaft eines Endergebnisses notwendig ist, kann man heute noch nicht beantworten.

Die aktuelle Situation in Palmira – ist die Antwort der USA und ihrer Verbündeten auf die glänzenden Ergebnisse, die Russland und die von ihm unterstützten Kräfte in Aleppo erreicht haben. Diese Stadt wird keine Hauptstadt für die syrischen Dschihadisten, wie es seinerzeit Benghazi in Libyen wurde. Aber die erneute Einnahme von Palmira führt vor, dass der syrische Krieg von seiner Vollendung noch fern ist.
Das erfordert die Analyse der Situation in Palmira und auch in Mossul und Aleppo. Im Folgenden wird die Reinigung Idlibs, die Befreiung Palmiras von den IS-Kämpfern und die Deblockierung von Deir ez-Zor erfolgen – selbst die Vernichtung des IS im Irak ist nicht ausgeschlossen, auch wenn die USA in Wirklichkeit nichts gegen diese Organisation unternehmen, ihr alle Chancen gewähren. Wir betrachten im Folgenden eine Reihe der Aspekte des Krieges mit den Dschihadisten in Syrien und dem Irak. Dabei stützen wir uns auf die Artikel von J. B.Schtscheglowins, die für das Institut Naher Osten vorbereitet wurden.

Die Lehren von Mossul

Wir werden mit der Analyse der Situation um Mossul beginnen.
Am 03. Dezember ist das Kontingent der türkischen Truppen auf dem Territorium des Lagers der bewaffneten Miliz Al-Schikchan eingetroffen, um der irakischen Armee bei der Einnahme von Mossul Hilfe zu erweisen. Die türkische Verstärkung besteht aus drei Bataillonen mit schwerer Ausrüstung. Sie sollen der sunnitischen Miliz, die die Bezeichnung trägt „Die Nationalen Kräfte zur Befreiung Ninives“ bei der Befreiung der Provinz Ninive helfen. Das Lager Al-Schikchan ist an der Grenze von Dachuka und Ninive gelegen. In ihm durchlaufen unter Leitung von türkischen Ausbildern ungefähr 3500 Kämpfer der sunnitischen Miliz ein Ausbildungsprogramm. Sie sollen in allernächster Zeit in Richtung Mossul verlegt werden.

Nach der Schätzung der Experten ist es bisher noch zu früh, um über einen realen groß angelegten Angriff der türkischen Truppen und ihre Teilnahme am Sturm auf die irakische Hauptstadt des IS zu sprechen. Über die Rotation des türkischen Kontingentes kann man schon eher sprechen. Es ist noch die negative Reaktion des Ministerpräsidenten des Iraks, al-Abadi, auf die Teilnahme der Türkei im Bürgerkrieg in seinem Land in Erinnerung. Das wird Ankara berücksichtigen, ungeachtet der harten Sprüche der höchsten türkischen Führung. Die Türken sorgen sich eher um die Erhaltung ihrer Anwesenheit im Irakischen Kurdistan, als um die Teilnahme an irgendwelchen Straßenkämpfen in Mossul oder die Befreiung des „sunnitischen Dreieckes“. In der Kurdischen Autonomie nimmt der Einfluss des Iran zu, weil er seine Kontakte mit dem Klan Talabani und zur Arbeitspartei Kurdistans geschickt einsetzt. Dort gibt es Ausbilder der Islamischen Revolutionsgarden und es sind sogar reaktive Systeme für Salvenfeuer aus dem Iran aufgestellt.
Dabei wird die neue Etappe im Sturm auf Mossul, so scheint es, gerade geplant. Die irakischen Sondertruppen beteiligen sich zusammen mit der Polizei und den Landwehrmännern an den Straßenkämpfen. Laut Angaben von amerikanischen Militärs wird der Sieg in Mossul nicht so bald zu erwarten sein. Der Angriff dauert jetzt schon zwei Monate und die Amerikaner waren schon zweimal gezwungen, die ursprünglichen Pläne zu korrigieren. Nach allem, werden sie es noch ein drittes Mal machen müssen. Der Angriffsversuch der irakischen Sondertruppen ist auf Befehl von Ministerpräsident, al-Abadi, unternommen worden. Die Militärs versuchten, aus Osten anzugreifen, was dem IS ermöglichte, zu manövrieren und die Kräfte an den Prioritätsfrontabschnitten zu konzentrieren. Bei der Führung der Koalition und dem irakischen Kommando gaben die Nerven nach. Die letzten Flugschläge auf die zivilen Ziele zeugten davon, dass die irakischen Militärs und die Amerikaner zum gewaltsamen Auspressen der Bevölkerung aus Mossul übergegangen sind. Zu dieser Taktik passt auch die Vernichtung der Wasserstationen, was ungefähr 650000 Menschen das Trinkwasser entzogen hat.

Schon im Oktober hat Teheran auf den irakischen Ministerpräsidenten Druck ausgeübt, doch zum aktiven Kampf den Iranern loyal gegenüberstehende schiitische Kräfte aus der Volksmobilisierung heranzuziehen. Das wollte aber das Kommando der irakischen Armee nicht. Dabei ist die Artillerie der Regierungskräfte in der Stadt unergiebig. Die Kämpfer des IS haben auch bei Mossul ein System von unterirdischen Tunneln geschaffen, die es ermöglichen, plötzlich im Hinterland der irakischen Militärs aufzutauchen. Der IS verwendet Minenfallen und auch verminte Autos. Die engen Straßen gestatten es dann Todeskandidaten, die irakischen Angreifer anzugreifen. Das Kommando des IS nutzt sehr erfolgreich die Winterbedingungen für Streifzüge von mobilen Gruppen mit schwerer Ausrüstung im Hinterland der irakischen Truppenteile. Dabei ruft die Armee die Bevölkerung auf in der Stadt zu bleiben und der Premierminister al-Abadi, die Stadt zu verlassen.
Die Sondertruppen Bagdads, die es schafften, sich an den östlichen Stadträndern Mossuls einzugraben, vermissten die ausreichende Unterstützung durch die 9. Division. Ihre Panzer versuchten, in die Stadt einzudringen, aber als sie auf Hinterhalte stießen, zogen sie sich wieder zurück. Die Verluste der irakischen Truppen betrugen im November ungefähr 2000 Menschen. Zur Unterstützung der 9. Division wurden die 15. und 16. hinzugezogen, was eine Konzentration fast aller angreifenden Verbände in der östlichen Richtung bedeutet. Truppenteile der 15. Division kontrollieren darüber hinaus den engen Frontabschnitt im Südwesten zwischen dem Weg nach Mossul und dem bis nach Tell-Afara. Das ist bisher die ganze Vorbereitung auf den Angriff, obwohl sogar die amerikanischen Militärs schon begonnen haben, am Kampf in den Straßen Mossuls teilzunehmen.

Die radikale Spaltung

Die Vollendung der Zerschlagung der Islamisten im östlichen Aleppo hat zu scharfen Differenzen in deren Reihen geführt. Ein Teil der Kämpfer hat die Waffen gestreckt. Andere haben zugestimmt, die Stadt zu verlassen und sind durch den dafür vorgesehenen Korridor in die Provinz Idlib gegangen, die unter der Kontrolle der Gegner Assads bleibt. Gegen die Kapitulation sind die Führer von „Dschebchat Fatch asch-Scham“
(ex – „an-Nusra“) und „Kataib Abu Ammar“ aufgetreten. Die Radikalen griffen die Stäbe der Brigaden „Dschejsch der al-Islam“ und „Feilak den al-Islam“ und die Lagerhäuser für Waffen an. Sie hatten sie verdächtigt, sich ergeben zu wollen. Die Feldkommandeure, geführt von Abu Abdo vom asch-Scheich, die Unterhandlungen mit den Regierungskräften anknüpften und führten, wurden verhaftet.
Dabei sind die Versuche, mit den Titeln der Gruppen zu manövrieren und „Dschebchat an-Nusra“ in „Dschebchat Fatch asch-Scham“ zu tauschen, nicht gelungen. Man wollte in dem Bündnis neun Gruppierungen mit kompromittierten Strukturen auflösen. Dabei sind auch die Versuche einer öffentlichen Erklärung gescheitert, eine Trennung von Al-Qaeda zu behaupten. Formell haben das nach langem Zureden seitens der türkischen Aufklärung die Verwaltungen der allgemeinen Aufklärung Saudi-Arabiens erklärt. Aber es war so schlecht gemacht, dass sogar Washington erklären musste: es glaube nicht an die Trennung von der Al-Qaeda. Was aber die USA nicht störte, sämtliche Flugschläge auf die Positionen von „Dschebchat Fatch asch-Scham konsequent einzustellen. Er-Riad mochte nicht auf die Ideologie der „Al Qaeda“ verzichten, da genau diese Ideologie, neben dem Geld, der Faktor dafür ist, dass viele neue Freiwillige erwartet werden dürfen. Darunter sind, genau wie die Kämpfer der „Dschebchat Fatch asch-Scham“, viele überzeugte Islamisten.
Vor dem Hintergrund der Niederlage der bewaffneten Opposition in Aleppo haben die türkische Aufklärung und der katarische Staatssicherheitsdienst versucht, die zerfallende Allianz der neun Oppositionsgruppen neu zu formen. Wie man in Ankara und Doha annahm, wird in Aleppo das Zentrum des Widerstandes vermutet und es macht Sinn, es zukünftig zum Bollwerk der zukünftigen Expansion der Anti-Assad-Kräfte zu machen. Es wurde in diesem Zusammenhang die Aufgabe entwickelt, den zentralisierten sunnitischen Widerstand in Idlib zu schaffen, wohin die „versöhnten“ Kämpfer aus Aleppo und der Umgebung von Damaskus gehen. Das ermöglicht es, die Zeit anzuhalten, die endgültige Zerschlagung zu vermeiden und das Kampfpotential wieder herzustellen. Und vor allem sind das alles protürkische Gruppen. Ankara und Doha bemühen sich, die zentralen Partner und die Sponsoren der neu strukturierten aufständischen Bewegung Syriens zu werden, das Königreich SA und Jordanien schieben sie dabei beiseite.
Die Koalition „Dschejsch al-Fatch“ ist nicht nur in Gruppen zerfallen, die zwei größten von ihnen erleben auch noch eine innere Spaltung. «Dschebchat Fatch asch-Scham“ wurde in Anhänger von Al Qaeda und deren Gegner geteilt. Als der Hauptopponent der prosaudischen Elemente tritt der Jordanier Abu Chadidscha al-Urduni auf, der mit der Verwaltung der allgemeinen Aufklärung Jordaniens eng verbunden ist. «Achrar asch-Scham“ wurde in die Anhänger der Salafiten und die der Moslembrüderschaft gespaltet. Diese Gruppierung wurde von Er-Riad und Ankara finanziert. Zwischen ihren Kreaturen ist der Konflikt entstanden. Katar und die Türkei unternehmen alle Anstrengungen, um den zentralisierten sunnitischen Widerstand in Syrien zu bewahren und die Ideologie der Moslem-Brüder politisch im Westen legitimieren zu lassen und dann diese Position zur politischen Hauptkraft zu machen, die in die zukünftige staatliche Architektur Syriens eingebaut werden soll.

Diese Pläne und die Perspektiven ihrer Realisierung werden in den analytischen Vorträgen der Sonderdienste Saudiarabiens und der Emirate skeptisch bewertet. Das zeugt davon, dass ihrer Meinung nach der Versuch die Spaltung zu überwinden, eine Zeitverschwendung ist. In den Dokumenten wird auf die produktive Arbeit der syrischen Sicherheitsorgane hingewiesen, in deren Ergebnis der Prozess der Massenfahnenflucht bei einem bedeutenden Teil der Feldkommandeure der Partisanen angefangen hat. Er-Riad befindet sich am Kreuzweg der Wahl der weiteren Taktik, was sich auch am Umfang der materiell-technischen Hilfe für die Kämpfern negativ widerspiegelt. Es gibt Zweifel an der Fähigkeit, das ganze Konglomerat der Anti-Assad-Gruppierungen zentralisiert zu verwalten. Das Ergebnis der Kämpfe in Aleppo hat solche Möglichkeiten auch noch einmal ernsthaft verringert.

Aleppo als Symbol der Mehrpolarität

Die Fragen zum Verhalten des militärischen Kontingentes der USA und der von ihnen geleiteten Koalition zwingen im Verlaufe des IS-Angriffs auf Palmira auch die amerikanischen Initiativen in Bezug auf Aleppo zu analysieren. Die Widersprüchlichkeit Washingtons, dass erst durch Staatssekretär John Kerry Absichten formuliert wurden, die dann im zweiten Schritt widerrufen wurden, sowie der massive Angriff der EU mit dem Einschluß der UNO (Generalsekretär Ban Ki-Moon geht von seinem Posten weg und kann alles Mögliche tun, infolgedessen kann man auch neugierig fragen, welchen neuen Arbeitsplatz er erhält und ob das mit seinem Verhalten zu tun hat) und der Einleitung neuer Sanktionen gegen die „Freunde Assads“ zeugen davon, was wegen der Aufgabe Aleppos und der Fragmentation des sunnitischen Widerstands in Syrien der Westen in Panik verfallen ist.
Die Vorschläge Kerrys sind nur noch dazu da, zu retten was noch zu retten ist und Moskau die Initiative aus den Händen zu schlagen. Im Statedepartment meinte man, dass mit Hilfe des nächsten humanitären Waffenstillstands, die Kräfte der Gegner des Regimes Assad neu geordnet werden können und auch in irgendeinem Teil des östlichen Aleppos untergebracht werden. Dann wurde offenbar, dass die Kämpfer aus der Stadt weggehen und von einer Einheitsfront zu reden ist müßig. Danach haben die USA die ursprüngliche Initiative zurückgerufen und versuchten dabei zu verstehen, was gerade geschieht, welche Dynamik und welche Varianten unter diesen Umständen realisierbar sind. Das war auch der Grund für das Absagen der Hauptrunde der Amerikanisch-Russischen Konsultationen vom 9. Dezember. Washington weiß einfach nicht, was es machen soll.

Die Europäer verstehen es auch nicht, aber sie sind sich bewußt: die Initiative auf der syrischen Erde gehört Russland. Die Teilnahme Brüssels an den Programmen der Hilfssendung „Das leidende Aleppo“ ist minimalisiert. Zu sagen: “Wir können die Hilfssendungen den Sunniten in Aleppo nicht über Moskau und Damaskus leisten, weil das zu einem Zeugnis ihres Dominierens würde“ – ist politisch unkorrekt und seitens der öffentlichen Meinung für die europäischen Führer riskant, denn wenn bekannt würde, dass ihre persönlichen politischen Ambitionen für sie wichtiger als das Leben der hungernden Syrer ist, …
Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, antwortete auf dem regulären Briefing auf die Fragen der Journalisten. Er konnte nicht berichten, wie Washington beabsichtigt, Moskau zu zwingen, seine Politik in Syrien zu verändern. Er hat die Sanktionen erwähnt, anerkannt, dass sie bei weitem nicht immer wirken. Dann haben sie ihn daran erinnert, dass früher in Bezug auf den Iran und Syrien schon Sanktionen eingeführt waren, die auf der Basis von Resolutionen des Sicherheitsrats der UNO eingeführt wurden. Ernest hat dazu aufgerufen, den Schutz der amerikanischen Interessen und die Kriegsoperationen gegen den IS nicht zu vermischen. „Die Situation in Aleppo bindet viel Aufmerksamkeit, aber man darf nicht zulassen, dass die Tragödie in Aleppo die Wichtigkeit von dem überdeckt, was die Militärs der USA und die der 67 Mitglieder der Koalition gemacht haben“, – hat er gesagt, was nach der Untätigkeit der Koalition in Bezug auf den IS im Verlauf der Einnahme von Palmira sehr zynisch klingt. Außerdem hat das US-Militär das Spital in Mossul zerbombt, in dem sich, nach ihren Daten, ein Stab des IS befand. Und das ist eine mehr als zweifelhafte Rechtfertigung des Geschehenen.
Washington meint nach wie vor, dass Russland nicht auf den Kampf mit der Gruppierung „Dschebchat an-Nusra“ aus ist, sondern sich ausschließlich auf die Unterstützung Baschar al-Assads konzentriert. Mit so einer Erklärung ist der stellvertretende Leiter des Presseamtes des Statedepartments der USA, Mark Toner, auf dem regelmäßig stattfindenden Briefing der Journalisten aufgetreten. „Russland und die USA sind beide der Meinung, dass „an-Nusra“eine terroristische Organisation ist und zerstört werden sollte, genau wie auch der IS. Aber wir sahen bis jetzt nicht, dass Russland seine Aufmerksamkeit auf „an-Nusra“ konzentriert hätte. Es ist auf die Hilfeleistung dem Regime im Kampf mit der gemäßigten Opposition in Aleppo konzentriert. Wir meinen, dass genau das dort geschieht,“ – behauptete Toner.

Dabei ist wohlbekannt, dass in Aleppo vor allem „Dschebchat an-Nusra“ und Schwesterorganisationen mit ihren Gruppierungen waren, die offiziell erklärt hatten, dass sie dazugehören. Niemand hielt die USA davon ab, die Positionen von „Dschebchat an-Nusra“ in Idlib zu bombardieren (aber gemacht wurde es nicht). Klar ist, dass sich die Position der amtlichen Personen in Washington und Brüssel damit erklärt, dass Syrien und die Handlungen Russlands einen Bruch der unipolaren Welt herbeiführen. Und das gefällt Washington und Brüssel überhaupt nicht. Aber darüber offen zu reden bedeutet, Reputationsrisiken werden eingegangen. In diesem Zusammenhang ist die Taktik angenommen worden, allen großen Kräften in Syrien zu helfen, wenn sie nur Assad feindselig gegenüber stehen. Dabei liegt nicht unbedingt Logik dieser Entscheidung zu Grunde. Damit begründet sich dann auch ganz klar der Verlust Washingtons und Brüssels im informativen Krieg.
Es scheint, dass sich in dieser Situation die Hauptaufgabe für Damaskus und Moskau im syrischen Konflikt nicht geändert hat. Es ist die endgültige Reinigung Aleppos mit dem gleichzeitigen Start des Mechanismus von Hilfssendungen. Es wäre zweckmäßig, in Aleppo eine Rundfahrt für ausländische Journalisten zu organisieren, wie es auch in Hmeimim gemacht wurde. Es ist überhaupt wichtig, dem Westen nicht zu gestatten, die Initiative für informative und politische Handlungen im syrischen Konflikt zu übernehmen. Wir werden die Position Pekings beachten, das begonnen hat, die Unterstützung der Handlungen Moskaus in der UNO zu betonen. Das hat den Westen außerordentlich erschrocken. Über die Stufe des Schreckens gibt die Neutralität (wenn nicht sogar die Unterstützung) gegenüber dem IS im Verlauf der Einnahme von Palmira durch die USA Auskunft. Schließlich nahm die Aufgabe, den Sturz Assads herbeizuführen, die seinerzeit von Er-Riad und von Doha gestellt wurde, bisher niemand Ankara und Washington ab.

Übersetzung eines Textes (Quelle) von Jewgenij Satanowskij.

http://vineyardsaker.de/2016/12/15/steuerleute-aus-washington/#more-107

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