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Ausland, Naher Osten

Situation in Aleppo ähnelt zunehmend einem kriminellen Problem

aleppo-09-12-16

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Den Kampf mit den Terroristen in Aleppo haben die syrische Armee und ihre Partner in militärischer Hinsicht gelöst, denn die Terroristen wurden soweit geschwächt, dass nun ein einziger Befehl genügt, um von den Terroristen in Aleppo binnen Stunden nichts als Schutt und Asche übrig bleiben zu lassen. Das ist im Großen und Ganzen auch unstrittig und wird von den Terroristen und ihren Sponsoren genauso gesehen wie von der syrischen Regierung und ihren Partnern.

Die Situation in Aleppo ähnelt deshalb anstelle einer militärischen Auseinandersetzung zunemend einem kriminellen Problem, wo rund 2.000 bis 3.000 schwerbewaffnete Kriminelle auf einer Fläche von rund vier mal vier Kilometern Größe bis zu 10.000 Geiseln in ihrer Gewalt haben und die Sicherheitskräfte vor der polizeilichen Aufgabe stehen, das Recht durchzusetzen und eine mit einem Bankraub mit Geiselnahme vergleichbare Situation mit möglichst wenig Opfern und Schäden zu bereinigen. Freilich ist die Situation in Aleppo immer noch deutlich größer als ein üblicher Bankraub mit Geiselnahme und andere Unterschiede zu einem gewöhnlichen Bankraub mit Geiselnahme gibt es auch. So sind etwa viele der Geiselnehmer in Aleppo nicht auf Geld aus, sondern von Ideologie getriebene Extremisten, die Gebiet halten wollen um zu herrschen. Weiterhin fühlen sich in Aleppo einige Geiseln, etwa als Angehörige, den Geiselnehmern eng verbinden. Und natürlich sind die Geiselnehmer in Aleppo mit Kriegswaffen ausgerüstet, weshalb auf Seiten der Sicherheitskräfte ein Einsatz von mit Kriegswaffen vertrauten Sicherheitskräften natürlich gerechtfertigt ist. Trotzdem ähneln aufgrund der völligen Überlegenheit der Sicherheitskräfte in Aleppo und dem damit erreichten Ziel des militärischen Sieges anzuwendende Taktiken und in Betracht zu ziehende Kalküle zunehmend nicht mehr militärischer, sondern polizeilicher Arbeit, wo nun nicht mehr der ohnehin gegebene militärische Sieg über den Feind, sondern die Befreiung von Geiseln im Vordergrund steht.

Dieser Zielwechsel hat in den letzten Stunden für einige Verwirrung gesorgt. Als der russische Außenminister Lawrow erklärt hat, die Kräfte des syrischen Staates hätten am Donnerstag ihre aktiven Operationen in Aleppo unterbrochen, um 8000 Zivilisten die Flucht aus den Terroristengebieten zu erleichtern, bedeutete das nicht, dass die syrische Regierung einen verbindlichen Waffenstillstand mit den Terroristen in Aleppo und ihren internationalen Unterstützern abgeschlossen hat. Vielmehr dürfte das so zu lesen sein, dass die syrische Regierung der Meinung sei, weniger aktive Maßnahmen gegen die Terroristen seien gegenwärtig eher hilfreich, mehr Geiseln in Aleppo die Flucht aus den Händen ihrer Geiselnehmer zu ermöglichen, und solange diese Einschätzung der syrischen Regierung so bleibe, werde die syrische Regierung erstmal keine aktiveren Maßnahmen gegen die noch in Aleppo verbliebenen Terroristen ergreifen. So würde jede vernünftige Polizei sich im Falle eines Bankraubes mit Geiselnahme auch verhalten: solange die Geiselnehmer Geiseln unbehelligt ziehen lassen und auch sonst keinen weiteren Schaden anrichten, würde die Polizei aktivere Maßnahmen gegen die Geiselnehmer aussetzen, um das Leben der Geiseln nicht unnötig zu gefährden.

Am Freitag hat sich die Einschätzung der syrischen Regierung dann aber offenbar partiell geändert. Es gab Nachrichten, dass Terroristen in Aleppo den fehlenden Druck der syrischen Sicherheitskräfte dazu genutzt haben, Geiseln an der Flucht aus den Terroristengebieten zu hindern und auf flüchtende Geiseln zu schießen. Außerdem haben Terroristen in Aleppo am Freitag zwölf unbeteiligte Menschen durch wilden Beschuss ermordet und über Hundert weitere verletzt. In so einer Situation ist natürlich das Eingreifen der Sicherheitskräfte geboten, und zwar gerade zum Schutz von Zivilisten. Das wäre bei jedem gewöhnlichen Bankraub mit Geiselnahme nicht anders. Schießen Geiselnehmer auf Geiseln, Unbeteiligte oder Sicherheiskräfte, dann würde jede vernünftige Polizei versuchen, die Geiselnehmer daran mit Gewalt, und auch tödlicher Gewalt, zu hindern.

So ist es leicht nachzuvollziehen, dass die syrischen Sicherheitskräfte am Freitag in einigen Gegenden wie dem Bezirk Saad al-Ansari wieder sehr entschieden gegen Terroristen in Aleppo vorgegangen sind.

Wenn die Terroristen das Zurückhalten des Feuers durch die syrische Armee dazu nutzen, dass weniger Zivilisten fliehen können, als wenn die syrische Armee die Terroristen unter Feuer nimmt, dann ist eine Zurückhaltung des Feuers natürlich nich zielführend. Und ebenso betraf das die Aleppiner Bezirke Bustan Al Qasr, Saif al Dula und Sheikh Saeed.

Es gibt nun Stimmen, die etwa unter Verweis auf die zwölf Toten und mehr als Hundert Verletzte heute in Westaleppo meinen, die syrische Armee sollte das Feuer gegen die Terroristengebiete in Aleppo überhaupt nicht mehr zurückhalten, zumal sich da praktisch ausschließlich Terroristen und ihnen nahestehende Personen aufhalten. Die syrische Regierung verweist hingegen darauf, dass auch am Freitag wieder Hunderten Zivilisten die Flucht aus den Terroristengebieten gelungen ist.

Das ist sicherlich schmerzhaft für all diejenigen in Westaleppo, die dadurch unter dem Terrorismus noch länger leiden müssen, aber wohl trotzdem ein hilfreicher Schritt in Richtung einer politischen Konfliktlösung.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2016/12/10/situation-in-aleppo-aehnelt-zunehmend-einem-kriminellen-problem/

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