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Ausland, Russland

Kein Trump-Jubel in Moskau

trumpputin

von Stefan Lindgren – https://einarschlereth.blogspot.de

Donald Trumps Wahlsieg wurde in Moskau mit Optimismus aufgenommen. Niemand bezweifelt, dass Donald Trump der friedlichere der beiden Kandidaten ist. Erst gestern sagte Donald Trump in „60 Minuten“:

„Wir haben 6 Tausend Milliarden Dollar im Nahen Osten verschleudert. Sechs Billionen. Mit dem Geld hätten wir unser Land zweimal aufbauen können. Und schaut euch unsere Straßen und Brücken und unsere Tunnel und unsere Flugplätze an – die sind alle überaltert.“

Solche Worte sind Musik in den Ohren vieler Russen. Wer am weitesten geht mit seinen Huldigungen für den neu gewählten Präsidenten, seinen Mut, seine Klugheit und Geschicktheit, ist der Putin-Ratgeber Sergej Glasijew, der meint, dass die Welt durch die Wahl von Trump einem dritten Weltkrieg entgangen ist. Glasijew sagt voraus, dass Trump die Sanktionen gegen Russland aufheben wird.

Seine zugrundeliegende Annahme ist, dass Obama-Clintons-Politik in Syrien und der Ukraine direkt zu einer Militär- Konfrontation zwischen den USA und Russland geführt hätte, der man jetzt ausweichen kann.

Andere politische Kommentatoren wie Wjatscheslaw Nikonow, Enkel des sowjetischen Außenminister in den Kriegsjahren Molotow, unterstreichen, dass die Wahl in den USA nur in geringem Grad durch außenpolitische Fragen entschieden wurde. Selbst wenn eine Reihe von Trumps Erklärungen – wie die Krim als russisches Territorium anzuerkennen und sein Plan, den Islamischen Staat zu zerschlagen in Zusammenarbeit mit Russland – vielversprechend sind, so bleibt abzuwarten, was daraus in der Praxis wird.

Professor Stephen Cohen hebt in einem Interview hervor, dass Trumps Versprechen, mit Russland in Syrien zusammenzuarbeiten, anfangs auch Obamas Linie war, die aber vom Pentagon zerstört und ersetzt wurde mit einer Kriegslinie. Gleichzeitig, so unterstreicht Cohen, ist die Entspannung mit Russland nicht etwas, was von den Republikanern im Kongress gestützt werden wird.

Die besiegten Demokraten tun nun alles, um Trump effektiv daran zu hindern, eine Regierung zu bilden, die eine Entspannungspolitik verwirklichen kann. Man kann davon ausgehen, dass sie das gesamte Register anwenden, von Gewalt auf den Straßen bis zur Obstruktion im Kongress und Angebote für „psychische Hilfe“ für Kinder in den Schulen der USA, damit sie das Wahlresultat verdauen – als wäre Trumps Sieg eine Katastrophe wie 9/11.

„Was die USA desperat braucht, da die Situation schlecht ist“, erklärt Cohen, „ist nicht ein Freund im Kreml, sondern ein Partner. Das ist eine ganz andere Sache. Jetzt bringt Trump natürlich in sein Präsidenten-Amt seine Art als Geschäftsmann zu denken mit. Und Geschäftsleute suchen keine Freunde, sondern Parner, Menschen mit gleichen Interessen. Meiner Meinung nach gibt es in den USA nichts anders als Interesse am Kalten Krieg, was verhindert, dass Trump und Putin nationale Sicherheitspartner werden können.“

Aber um zu erreichen, die Kalte-Kriegs-Manie zu umgehen und den Widerstand vom Kongress von beiden Parteien, die „bis zum Ende kämpfen“ werden, muss Trump „extrem smart sein“, sagt Cohen.

Das russophobische Gift ist bereits im amerikanischen Blutkreislauf und es wird extrem schwer werden für Trump, Unterstützung für Entspannung zu mobilisieren.

Was die NATO angeht, verweist Cohen darauf, dass selbst Obama verlangte, dass die anderen NATO-Länder mehr für die gemeinsame Verteidigung bezahlen sollten. Das einzig Neue mit Trump ist, dass er jenen droht, die nicht bezahlen. Aber dass die USA die NATO in irgendeiner Weise runtergradieren werden, ist sehr unwahrscheinlich, sagt Cohen.

Fjodor Lukjanow, außenpolitischer Beobachter, sagt in einer spasshaft betitelten “Instruktion für den 45. Präsidenten der USA“ aus Moskau:
„Jetzt, wo das Ziel erreicht ist und du gewonnen hast, müssen wir zusammen verstehen, was die Schlüsselfrage ist. Die Welt verändert sich schnell und irreversibel. Und es ist naiv zu glauben, dass sie von Moskau oder Washington gesteuert werden kann …

Man darf daher keine Illusionen hegen, dass wir enge Partner werden und noch weniger Alliierte werden. Es gibt keinen Grund, so zu tun, dass wir viele gemeinsame Interessen haben … Du darfst nicht erwarten, dass Russland dich gegen China oder den Iran unterstützen wird, die du so wütend in deiner Kampagne angegriffen hast.

Unsere beiden Länder haben ein gemeinsames Ziel: zu überleben und sich in einer extrem gefährlichen und unsicheren Welt zu entwickeln.“

Als eine seiner ersten Maßnahmen als Präsident hat Trump versprochen, Wladimir Putin in Moskau zu besuchen.

rt.com vom 11/11; rossijskaja gazeta 9/11

Quelle – källa – source

Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

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