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Ausland, Nordamerika

Warum hat Donald Trump gewonnen und Hillary Clinton verloren?

whywon

von Robert Parry – http://www.luftpost-kl.de

Die vernichtende Niederlage Hillary Clintons ist das Ergebnis einer groben Fehleinschätzung der Demokratischen Partei, die das Ausmaß der Wut der US-Bürger über die sich selbst bedienenden, die einfachen Leute verachtenden Eliten völlig verkannt hat, schreibt Robert Parry.

Im Lauf des Wahlkampfes wurde Hillary Clinton zum Gesicht eines korrupten, arroganten und abgehobenen Establishments, während sich Donald Trump völlig ungerechtfertigt zum Anwalt der Wut machen konnte, die unter der Oberfläche schon lange in der US-Bevölkerung schwelt.

Ein Präsident Trump, der sich auch noch auf einen Kongress stützen kann, in dem beide Häuser von den Republikanern dominiert werden, ist wirklich zum Fürchten. Trump streitet wie viele Republikaner den Klimawandel ab, will die Steuern für die Reichen senken und die Wall Street und die mächtigen Konzerne noch weniger zügeln – also genau die Politik fortsetzen, die das Chaos angerichtet hat, das gegenwärtig in den USA und in der Welt herrscht.

Außerdem ist Trump, gelinde gesagt, eine problematische Persönlichkeit. Ihm fehlen sowohl die Kenntnisse als auch die Selbstbeherrschung, die man sich nicht nur bei einem Präsidenten, sondern auch schon bei einem Offiziellen mit viel geringerer Verantwortung wünscht. Er ist bisher nur als weißer Macho aufgetreten und durch rassistische, frauen- und fremdenfeindliche Äußerungen und Vorurteile gegenüber Muslimen aufgefallen. Er hält Foltern für erlaubt und will an der Grenze zu Mexiko eine unüberwindliche Mauer bauen.

Die US-Wähler scheinen ihn aber vor allem deshalb gewählt zu haben, weil sie von ihm erwarten, das er das Establishment aufmischt, das die USA in den letzten Jahrzehnten heruntergewirtschaftet hat. Diese Herrschaften haben den größten Teil des Reichtums, der von allen US-Bürgern erschaffen wurde, in die eigenen Taschen gestopft und das US-Militär immer wieder in von ihnen angezettelte Kriege geschickt, weil ihnen das Leben von Soldaten aus der Arbeiterklasse nichts wert ist.

In der Außenpolitik hat das Establishment die Entscheidungen den Neokonservativen und ihren Kumpanen unter den liberalen Interventionisten, also einer Horde arroganter Schnösel überlassen, die, um politischer oder finanzieller Vorteile willen, die Interessen der USA häufig den Interessen Israels oder Saudi-Arabiens untergeordnet haben.

Obwohl die von neokonservativen und neoliberalen Kriegsfalken vom Zaun gebrochenen Kriege – vom Irak über Afghanistan, Libyen und Syrien bis in die Ukraine – katastrophale Folgen haben, musste sich diese Clique von Besserwissern bisher nicht dafür verantworten. Die Schreibtischtäter und ihre Komplizen, die Sesselkrieger in den Medien und die „Experten“ in den Thinktanks, sind von einem Desaster ins andere getaumelt, wurden aber für das, was sie angerichtet haben, nie zur Rechenschaft gezogen. Ihre jüngsten „Geniestreiche“ sind die Provokationen, mit denen sie einen neuen kostspieligen und sehr gefährlichen Kalten Krieg mit Russland losgetreten haben.

Trotz all seiner Defizite gehört Trump zu den wenigen bekannten Personen, die es gewagt haben, der Politik Washingtons in den gegenwärtigen Krisenherden Syrien und Ukraine öffentlich zu widersprechen. Als Reaktion darauf haben ihn Hillary Clinton und viele bekannte Demokraten wie zu Zeiten McCarthys (s. dazu auch >https://de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-% C3%84ra in den letzten Wochen vor der Wahl als „Marionette“ Wladimir Putins diffamiert.

Es ist schon bemerkenswert, dass diese Taktik nicht aufging; obwohl Trump angekündigt hat, dass er keine Konfrontation, sondern Kooperation mit Russland will, hat er trotzdem gewonnen. Sein Sieg könnte auch bedeuten, dass er den neuen Kalten Krieg mit Russland nicht weiter eskalieren, sondern die Spannungen abbauen wird.

Auch die neokonservativen Kriegstreiber haben verloren

Der Sieg Trumps könnte auch das Ende der neokonservativen und neoliberalen Kriegstreiberei bedeuten, weil der neue Kalte Krieg größtenteils von den neokonservativen und neoliberalen Thinktanks propagiert, von Gleichgesinnten im US-Außenministerium in Gang gesetzt und durch die Propaganda in den Mainstream-Medien genährt wurde.

Der Westen, nicht Russland hat die Konfrontation in der Ukraine provoziert, indem er ein äußerst antirussisches Regime an der Grenze Russlands installierte. Ich weiß, dass die westlichen Mainstream-Medien diesen Vorgang als „russische Aggression“ verkaufen, das war aber von Anfang an eine grobe Verzerrung.

Der interne Streit in der Ukraine hätte auch friedlich und ohne Verletzung demokratischer Prinzipien gelöst werden können, aber US-Neokonservative wie die Staatssekretärin Victoria Nuland und der superreiche neoliberale Spekulant George Soros (s. >https://de.wikipedia. org/wiki/George_Soros <>), wollten den gewählten Präsidenten Wiktor Janukowytsch im Februar 2014 durch einen Putsch stürzen.

Die Antwort Putins – die Annahme des in einem Referendum auf der Krim mit großer Mehrheit beschlossenen Antrags zur Rückkehr nach Russland und seine Unterstützung für die ethnischen Russen, die in der Ostukraine gegen das Putschisten-Regime in Kiew rebellieren – war eine Reaktion auf die destabilisierenden und gewaltsamen Aktionen des Westens. Putin war also nicht der Anstifter des bis heute andauernden Ukraine-Konflikts.

Ähnliches gilt auch für Syrien. Die Forderung nach einem „Regimewechsel“ in Syrien wurde bereits Mitte der 1990er Jahre von westlichen Neokonservativen erhoben, und es war von Anfang an geplant, beim Sturz der weltlich geprägten Regierung Baschar al-Assads mit Al-Qaida und anderen islamistischen Dschihadisten zu kollaborieren. Auch hier versuchen das offizielle Washington und die Mainstream-Medien Assad die Alleinschuld für den Konflikt anzulasten, das gezeichnete Bild entspricht aber keinesfalls der Wahrheit.

Seit Beginn des Syrien-Konflikts im Jahr 2011 haben die US-Verbündeten Saudi-Arabien, Katar, die Türkei und Israel den Aufruhr geschürt, und vor allem die Türkei und die Golf – staaten haben die beiden Al-Qaida-Ableger – die Al-Nusra-Front und den Islamischen Staat – nicht nur mit Geld, sondern auch mit Waffen unterstützt.

Obwohl Präsident Barack Obama dem Wusch seiner Außenministerin Hillary Clinton nach einem direkten militärischen Eingreifen in Syrien nicht folgte, beugte er sich dem von ihr und anderen Neokonservativen ausgeübten politischen Druck und ließ angeblich „gemäßigte Rebellen“ mit Waffen beliefern; die schlossen sich mit den gelieferten Waffen aber sehr bald den Dschihadisten von Al-Qaida und Ahrar al-Sham an (s. https://de.wikipedia. org/wiki/Ahrar_al-Scham ).

Trump hat sich noch nicht klar zu der Politik geäußert, die er in Syrien verfolgen will, er hat nur gesagt, dass er mit den Russen bei der Zerschlagung des Islamischen Staates zusammenarbeiten möchte. Er scheint also noch nicht verstanden zu haben, welche Rolle Al-Qaida in Ost-Aleppo und in anderen syrischen Territorien spielt.

Unerforschtes Gelände

Die US-Wähler haben die USA und die Welt mit der Wahl Trumps in unerforschtes Gelände verwandelt, weil sie einen Mann zum Präsidenten gekürt haben, der von viel zu vielem viel zu wenig weiß. Deshalb wird ganz wichtig sein, von wem sich Trump beraten lässt.

Wird er auf die traditionellen Republikaner setzen, die sehr viel zum Niedergang der USA und dem derzeit in der Welt herrschenden Chaos beigetragen haben, oder wird er einige klar denkende Realisten finden, die ihm zu einer Politik raten, die wieder mehr an den Interessen und überkommenen Werten der USA orientiert ist?

Die von Unsicherheit geprägte gefährliche Situation, in die wir geraten sind, hat das Establishment der Demokratischen Partei zu einem großen Teil mitverschuldet. Obwohl eigentlich alle wussten, dass sich besser ein/e nicht dem Establishment angehörende/r Kandidat/ in zur Wahl gestellt hätte – wie die Senatorin Elizabeth Warren (s. https://de.wikipedia. org/wiki/Elizabeth_Warren ) oder Senator Bernie Sanders – hat sich die Führung der Demokraten für „Hillary“ entschieden.

Alternativen wie Frau Warren wurden verprellt, damit man eine „Clinton“ zur Präsidentschaftskandidatin machen konnte. So blieb der 74-jährige Sozialdemokrat Sanders aus Vermont das einzige Hindernis für Hillary Clinton; er schlug sich zwar ganz wacker, wurde aber vom Establishment der Demokraten, und zwar vor allem von den nicht durch Wahl bestimmten „Superdelegierten“ (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Superdelegierter ), ausgebremst; sie verhalfen Hillary Clinton zu einer frühen uneinholbaren Führung.

Mit Scheuklappen vor den Augen ließen sich die Demokraten widerstandslos vor den (vor allem von der Rüstungsindustrie) vergoldeten Karren der Frau Clinton spannen und versuchten vergeblich, sie damit ins Weiße Haus zu ziehen. Dabei ignorierten sie die Tatsache, dass Hillary Clinton für sehr viele US-Bürger die Verkörperung all dessen ist, was im korrupten offiziellen Washington falsch läuft. Vor allem deshalb wurde Trump zum Präsidenten gewählt.

Der investigative Journalist Robert Parry hat in den 1980er Jahren für The Associated Press und Newsweek viele Artikel über die Iran-Contra-Affäre (s. dazu auch https://de.wikipedia. org/wiki/Iran-Contra-Affäre geschrieben. Sein letztes Buch „America’s Stolen Narrative“ ist über amazon zu beziehen.

(Wir haben den klarsichtigen, vor voreiligen Hoffnungen warnenden Artikel komplett über – setzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. )

Why Trump Won; Why Clinton Lost

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP15416_131116.pdf

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