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Ausland, Europa

Griechenlands Wirtschaft ist eine riesige Blase

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von http://www.griechenland-blog.gr

Die Wirtschaft in Griechenland ähnelt einer luftgetriebenen Blase, da Schulden einfach nur noch von dem einen auf die Schultern der anderen abgewälzt werden.

Der Griechische Handels- und Unternehmensverband (ESEE) weist auf die Gefahr hin, die unkontrollierte Aufblähung der Schulden von Unternehmen und Haushalten könne die griechische Wirtschaft mitreißen, und betont dabei, Griechenlands Wirtschaft ähnele einer riesigen „Blase“, die mittlerweile nur noch durch Luft angetrieben wird, da einer die Schulden auf die Schultern des anderen verlagert.

Wie der ESEE betont, schafft die unkontrollierte Anhäufung von Schulden eine große Ungewissheit über die Zukunft, da der kontinuierliche und beharrliche Anstieg der Schulden der Unternehmen und Haushalte diese in einem Grad aufblähte, dass die Analysten befürchten, eines Moments werden sie die gesamte griechische Wirtschaft mit sich reißen.

Griechenlands Unternehmen werden zur Schließung oder Abwanderung getrieben

Die fälligen Verbindlichkeiten an das Finanzamt, die Versicherungskassen, die Banken und die öffentlichen Unternehmen (DEKO) übersteigen bereits 130% des BIP des Landes, da sie inzwischen über 230 Mrd. Euro betragen, während das BIP sich bei 176 Mrd. Euro befindet. Die Dynamik der fälligen Verbindlichkeiten des privaten Sektors ist sogar dermaßen, dass sie sehr schnell selbst auch die Höhe der öffentlichen Verschuldung erreichen könnte, die derzeit auf 328 Mrd. Euro veranschlagt wird.

Wenn inmitten all dessen auch die nicht bedienten Schulden der Privatleute an Privatleute veranschlagt werden könnten, ähnelt die griechische Wirtschaft einer riesigen ‚Blase‘, die mittlerweile nur noch von Luft angetrieben wird, da bei stattfindenden Geschäftsvorgängen jeder Form  einfach der eine die Verbindlichkeiten auf die Schultern der anderen verlagert, mit ungedeckten Schecks, deren Höhe in den ersten drei Quartalen 600 Mio. Euro erreichten, mit offenen Rechnungen an Lieferanten und geschuldeten Miet- und Lohnzahlungen.

Die übrigen Teile, die das düstere Puzzle der griechischen Realität vervollständigen, sind der Rückgang der Exporte und der Importe, die Einschränkung des privaten Konsums wegen der steuerlichen Belastungen. Resultat ist, dass die Unternehmen stranguliert werden und entweder schließen oder in geeignetere steuerliche Umfelder benachbarter Länder „emigrieren“, um zu überleben.

Wie charakteristisch im Bericht der Rechnungsstelle des Parlaments angemerkt wird, zeigt in diesem rezessiven Umfeld der weitere Anstieg bei den neuen (sprich ab Anfang 2016 neu aufgelaufenen) Gesamtschulden an den Fiskus in den neuen Monaten Januar – September 2016 die Ausschöpfung der Besteuerungsfähigkeit der Bürger auf und schafft gleichzeitig einleuchtende Zweifel bezüglich der Effektivität der neuen Maßnahmen.

Anstieg neuer fälliger Verbindlichkeiten um über 1 Mrd. € pro Monat …

Konkret erreichten im September 2016 die sogenannten neuen fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus kumulativ 10,34 Mrd. Euro, gegenüber 8,986 Mrd. Euro im August 2016 und 7,618 Mrd. Euro im Juli 2016. Zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 beliefen sie sich auf 6,807 Mrd. Euro, während sie in den neun Monaten Januar – September 2016 im Durchschnitt jeden Monat um 1,15 Mrd. Euro zunahmen. Die Beitreibungsquote gegenüber diesen Verbindlichkeiten wurde schrittweise von 13,1% Ende Juni auf 15,4% Ende September gesteigert.

… plus „Altschulden“ in Höhe von über 82 Mrd. €!

Zusätzlich beliefen sich im September 2016 die sogenannten alten (sprich bis Ende 2015 aufgelaufen) fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus kumulativ auf 82,418 Mrd. Euro, während die Einnahmen aus diesen Schulden Ende September 2016 auf 2 Mrd. Euro gesteigert wurden, von 1,48 Mrd. Euro zu Ende des ersten Halbjahrs 2016. Folglich ist wahrscheinlich, dass die private Verschuldung (an Banken, Finanzamt, Versicherungskassen, DEKO usw.) destabilisierend wirkt, wenn ihr nicht rechtzeitig und effektiv begegnet wird.

Auf Basis der Angaben des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDE) haben Ende September 2016 insgesamt 4.374.475 Steuerpflichtige fällige Schulden an den Fiskus. Diese Anzahl ist im Verhältnis zu August 2016 um 343.565 und im Verhältnis zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 um 371.103 gestiegen. Gegen 788.947 Steuerpflichtige werden sogar bereits Zwangsbeitreibungsmaßnahmen betrieben, also gegen 14.626 mehr als im August 2016 und 33.141 mehr als zu Ende des ersten Halbjahrs 2016.

Aus der Aufschlüsselung ergibt sich, dass in Griechenland jeder Zweite Schulden an das Finanzamt hat und jedem Fünften zu jeder Zeit und in jedem Moment Pfändungen und allgemein Zwangsbeitreibungsmaßnahmen drohen, während ungefähr jeder Zehnte bereits Maßnahmen zur Zwangsbeitreibung erlitten hat.

Die Fakten des Instituts des ESEE über den Markt in Griechenland

Zu dieser Analyse kommen auch noch die Angaben des Instituts des ESEE über den griechischen Markt hinzu, die zeigen:

  • Die Unternehmensschließungen hauptsächlich in Regionen mit niedrigen Einkommen nehmen zu, während in den übrigen Handelsgebieten eine Stagnation bei 28% verzeichnet wird.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft sinkt Jahr um Jahr. Griechenland rangiert unter 138 Ländern mittlerweile auf Platz 86 und hat in der Rangliste sogar einen Abstieg um 5 Positionen verzeichnet. Die für die Unternehmen problematischsten Faktoren sind laut der Untersuchung die Unbeständigkeit der umgesetzten Politiken, die Steuersätze und der Zugang zu Finanzierungen.
  • Die heutige Situation der Versicherungskassen schafft Nachdenklichkeit bezüglich ihrer Tragfähigkeit. Allein bei dem gesetzlichen Versicherungsträger für Selbständige (OAEE) beläuft die Summer alter und neuer fälliger Verbindlichkeiten sich mittlerweile auf 12 Mrd. Euro.
  • Der griechische Fiskus schuldet dem privaten Sektor den offiziellen Angaben zufolge 9,5 Mrd. Euro.
  • Der Vorentwurf des Haushaltsplans 2017 sieht eine marginale Senkung der Ausgaben um 78,8 Mio. Euro und eine umfangreiche Erhöhung der Einnahmen oder neuer Steuern um 2,513 Mrd. Euro vor.

„Rote“ Kredite der Banken Griechenlands bei 110 Mrd. €

Detaillierter tangieren die sogenannten „roten“ Kredite bei den griechischen Banken inzwischen 110 Mrd. Euro. Die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus erreichten 93 Mrd. Euro. Die unbezahlten Beiträge an die Versicherungskassen übersteigen insgesamt 25 Mrd. Euro. Der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) schulden die Verbraucher 3 Mrd. Euro, wobei bisher mehr als 510.000 Kunden des Unternehmens ihre Schulden in Höhe von 1,335 Mrd. Euro der insgesamt 3 Mrd. Euro „reguliert“ (sprich Ratenzahlungsvereinbarungen für fällige Stromschulden getroffen) haben und die Frist für die Aufnahme unter die einschlägige Regelung bis zum 30 Dezember 2016 verlängert wurde. Zu einer entsprechenden Verlängerung schritten auch die Wasserwerke Athen (EYDAP), die anstreben, einen Teil der 320 Mio. Euro aus unbezahlten Rechnungen einzunehmen.

Alle vorstehenden Angaben zeigen, dass laut den Analysten der Rechnungsstelle des Parlaments die Dimensionen des Problems solche sind, dass die private Verschuldung in Griechenland 70% der Höhe der öffentlichen Verschuldung überstiegen hat. Die auf 558 Mrd. Euro veranschlagte Gesamthöhe der privaten und öffentlichen Verschuldung schafft auch für 2017 keinerlei Erwartung auf eine Rückkehr zum Wachstum – im Gegensatz zu den Einschätzungen der Regierung, aber auch der Europäischen Kommission, die von einem Wachstum von 2,7% im nächsten Jahr sprechen. Die Analysten internationaler Investitionsbanken rechnen jedoch für 2016 mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 0,3% und für 2017 mit einem anämischen Wachstum zwischen 0,5% und 0,7%.

Im griechischen Handel verschlimmert sich das Klima, wobei die Umsätze kontinuierlich sinken und der Rücklagen-Index sich gefährlich rückläufig bei -34% bewegt, was alle Hoffnungen auf eine Stabilisierung des Markts in Griechenland in die Ferne rücken lässt.

(Quelle: iefimerida.gr)

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