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Ausland, Naher Osten

Große epische Terroroffensive gegen Aleppo verliert an Schwung

aleppo-30-10-16

von https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Die gestern mit massiven Attacken gegen die Zivilbevölkerung und bescheidenen Geländegewinnen begonnene „große epische Offensive“ der von Al Kaida geführten Rebellen und Terroristen aus der Idlib-Hama-Tasche auf Aleppo hat am heutigen Samstag deutlich an Schwung verloren.

Auf einer von Al Akhbar heute veröffentlichten Karte sehen die Geländegewinne der Terroristen bei ihrer großen epischen Offensive – wie sie es nennen – gegen Aleppo bislang wie oben gezeigt aus, in blau.

Die Terroristen haben demnach gestern trotz ihrem massiven Aufwand nichts weiter erobert als die vorgelagerte und weitgehend freie Fläche des Industriegebietes Minyan mit der Kartonfabrik in der Mitte, einen Teil des eher spärlich bebauten vorgelagerten Armeewohnbezirks Al Assad sowie, wieder mal, ein paar Häuserblöcke im Bezirk 1070, über die in den letzten Wochen schon öfter mal die Kontrolle gewechselt hat. Es stellt sich die Frage, was die Terroristen mit diesen Vorstößen erreichen wollen. Offiziell lassen sie oft verlautbaren, ihre große epische Offensive solle dazu dienen, den Ring der Armee um die von Terroristen beherrschten Bezirke in der Stadt Aleppo zu brechen.

Doch bei der Stoßrichtung der gestrigen Offensive müssten sie dazu quer durch das von der Regierung gehaltene und rund eineinhalb Millionen Einwohner zählende West-Aleppo. Das Gelingen dieses Unterfangens ist so unwahrscheinlich, dass inoffiziell bereits aus Terroristenkreisen zu hören ist, sie würden mit der Offensive eigentlich nur einige Hunderttausend Einwohner von West-Aleppo von der „Diktatur des Assad-Regimes“ befreien wollen. Dabei blenden die Terroristen total verblendet oder zynisch aus, dass die Einwohner von West-Aleppo die Perspektive in ihrer ganz großen Mehrheit als grauenhaften Alptraum betrachten, in die Gewalt der takfiristischen Halsabschneiderbanden zu fallen. Viele erinnern sich beispielsweise, was in Adra passiert ist, wo Terroristen, die die Stadt überfallen hatten, Einwohner in einem Industrieofen geröstet und abgeschnittene Köpfe als Tannenbaumschmuck verwendet hatten. Was die von Al Kaida geführten Terroristen mit der Stoßrichtung ihrer Offensive auf die Aleppiner Vorstädte Minyan und Al Assad jedenfalls klarmachen, ist, dass ihre große epische Offensive nicht auf das Durchbrechen des Ringes um die Terroristengebiete, sondern gegen die Zivilbevölkerung von West-Aleppo gerichtet ist.

Bezüglich der Reaktion der syrischen Armee auf diesen großen Terrorangriff aufschlussreich ist ein vor drei Tagen veröffentlichtes Foto von syrischen Armeekommandeuren vor einer Karte von Aleppo, aus der hervorzugehen scheint, dass die harten Verteidigungslinien der syrischen Armee im Westen von Aleppo sich erst östlich der Bezirke Minyan und Al Assad befinden (Danke für den Hinweis, Stephan).

Dass die syrische Armee sich im Falle eines von Westen ausgeführten Großangriffs aus den Bezirken Minyan und Al Assad auf ihre besser zu verteidgende Linie östlich davon zurückziehen würde, war also zu erwarten und sagt mitnichten aus, dass die Terroristen da ganz tolle und überraschende Erfolge erzielt haben. Dasselbe gilt im Grunde auch für die westlich vor dem Bezirk Zahraa weiter im Norden vorgelagerten Armeeposten, die von der Armee im Fall einer massiven Terroroffensive recht problemlos geräumt werden könnten, wie eine gestern von Colonel Cassed veröffentlichte Karte es schon vorweggenommen hat, obwohl die Terroristen an der Front gestern trotz einiger Bemühungen nicht vorangekommen sind.

Der wesentliche Vorteil eines Ruckzuges der Armee aus schlechter zu verteidigenden vorgelagerten menschenleeren Gebieten dürfte darin bestehen, dass die Terroristen diese Gebiete anschließend auch schlecht verteidigen können und die syrische Armee und ihre Partner die Terroristen dann in den von ihnen eroberten Gebieten gut getrennt von jeglicher Zivilbevölkerung unter Einsatz aller schweren Waffen vergleichsweise problemlos eliminieren kann. Anders ausgedrückt haben sich die Terroristen durch die Eroberung der Bezirke Minyan und Al Assad gestern erneut in einen Fleischwolf wie vor zwei Monaten in Ramouseh begeben, in dem sie nichts als anhaltend hohe Verluste zu erwarten haben. Das erklärt auch den gelassenen, ja geradezu einladenden Umgang der syrischen und russischen Armee- und Staatsführung mit der Terroroffensive im Westen von Aleppo, der darin gipfelte, dass der Sprecher des russischen Präsidenten Putin nach einem Treffen der Außenminister Syriens, Irans und Russlands in Moskau erklärte, Putin habe entschieden, der Einsatz der russischen Luftwaffe in Aleppo sei gegenwärtig nicht zielführend und werde deshalb weiterhin nicht genehmigt.

Am Boden sieht der heutige zweite Tag der großen epischen Terroroffensive auf Aleppo militärisch so aus, dass die Terroristen unter Einsatz mehrerer Selbstmordattentäter erneut versucht haben, die westlich dem Bezirk Zahraa im Nordwesten Aleppos vorgelagerten Armeepositionen zu stürmen, die Terroristen damit aber außer weiteren Verlusten in den eigenen Reihen bislang wieder nichts erreicht zu haben scheinen. Außerdem setzten die Terroristen ihre große epische Terroroffensive auf Aleppo heute mit weiteren Artillerieangriffen auf die Zivilbevölkerung von West-Aleppo fort, wobei weitere zivile Opfer zu beklagen waren.

Die syrische Armee ihrerseits hat den Fleischwolf in den Bezirken Minyan und Al Assad sowie auf den Nachschublinien der Terroristen angeworfen und war heute intensiv damit beschäftigt, den Terroristen hohe Verluste zu bereiten, wo die Terroristen sich mit ihren Kameraden nicht gleich selbst in die Luft sprengten. Bis zum Mittag hatten die Terroristen deshalb zwar keinerlei Fortschritte, aber immer höhere Verluste an Mensch und Material am zweiten Tag ihrer großen epischen Terroroffensive auf Aleppo zu verzeichnen. Al Mayadeen gab heute eine Schätzung wieder, der zufolge sich die Verluste der Terroristen bei ihrer großen epischen Terroroffensive auf Aleppo in den letzten zwei Tagen bereits auf 500 Tote und 1000 Verletzte summiert haben.

Nachtrag 18:30h: In der schon häufig umkämpften Position Family House Amusement Park westlich von Zahraa haben die Terroristen von Al Kaidas „Turkestan Islamic Party“ heute eine Überraschung erlebt. Als die zentralasiatischen „syrischen Rebellen“ da mit einem Selbstmordattentäter und lautem Allah-u-Akbar-Gebrüll angegriffen haben, sah es so aus, dass die in dieser kleinen, vorgelagerten Stellung stationierten syrischen Soldaten Angst bekommen haben und hastig weggelaufen sind. Stolz über ihren großartigen Sieg haben sich die Terroristen zu Dutzenden in ihrer neu und locker von der syrischen Armee eroberten Stellung eingerichtet.

Und dann hat die syrische Armee die Zündung ausgelöst. Die ganze Stellung hatte die syrische Armee vor ihrem Rückzug überall mit versteckten Bomben gespickt. Von den Terroristen ist da wohl nicht viel übrig geblieben. Anschließend ist die syrische Armee ohne viel weiteren Aufwand wieder in die Stellung Family House Amusement Park eingerückt.

Nachtrag 19:15h: Nördlich von Aleppo hat ISIS sich heute übrigens aus den im Streifen zwischen den kurdisch geprägten SDF/YPG-Kräften und der syrischen Armee liegenden Dörfern Wahshiyah, Kafr Karis, Tel Susin und Maaratat al-Musalmiyah zurückgezogen, woraufhin die SDF/YPG-Kräfte dorthin eingerückt sind. Interessant dürfte es dann demnächst zu sehen werden, was aus der Infanterieschule bei Babinnis wird, die das nächste strategisch bedeutsame Objekt auf der Achse sein dürfte. Bislang hat es nicht den Anschein, dass die syrische Armee den SDF/YPG da irgendwas an Gelände streitig machen will. Im Gegenteil, es sieht eher so aus, dass die syrische Armee die Kontrolle der NDF über das kurdisch geprägte Dorf Kafr Saghir direkt nördlich des Industriegebietes Sheikh Najjar von sich an die SDF/YPG abgeben will, und damit weiterhin guten Willen in eine Partnerschaft mit den SDF/YPG investieren will.

Nachtrag 20:50h: Durch den sinnlosen terroristischen Beschuss ziviler Wohngebiete in West-Aleppo mit Artillerie kamen RT zufolge heute drei Menschen ums Leben und 40 weitere wurden verletzt.

Nachtrag Sonntag 00:10h: The Inside Source meldet, dass die syrische Armee die Infanterieschule, Tel Shair, Safin, Kafr Qaris und Tel Sussin nördlich von Aleppo eingenommen hat.

Sollte das so stimmen, bedeutet das, dass die heute von ISIS-Terroristen aufgrund ihrer exponierten Lage aufgegebenen Gebiete nördlich von Aleppo größtenteils von der syrischen Armee, und nicht, wie zuvor gemeldet, von kurdisch geprägten SDF/YPG-Kräften eingenommen wurden. Allerdings ist es trotzdem möglich, dass die syrische Armee als Freundschaftsgeste einige, wenn nicht alle, dieser Gebiete, sofern sie jurdisch geprägt sind und die lokale Bevölkerung das möchte, an die SDF/YPG übergibt, oder sogar schon übergeben hat.

Nachtrag Sonntag 00:20h: Al-Kaida-Führer Muhesny nennt Namen von denen, die ihm 100 auf die Zivilbevölkerung von Aleppo abgeschossene Raketen finanziert haben: sie kommen unter anderem aus Saudi Arabien, Katar und Kuweit.

Nachtrag Sonntag 00:30h: Front-Bilder West-Aleppo am Samstag vom Militärmedienzentrum

Nachtrag Sonntag 03:00h: Es gibt gegenwärtig eine große Terroroffensive gegen den Bezirk Neu-Aleppo.

Bezüglich der Vertreibung von ISIS aus den Gebieten direkt nördlich von Aleppo hat Ivan Sidorenko einige interessante Dinge berichtet. Demzufolge wurde soeben eine kurdisch geprägte Kafr-Saghir-Märtyrer-Brigade gegründet und direkt in die Syrische Republikanische Garde eingegliedert. Diese neue Brigade, bestehend aus lokalen, kurdischen, iranischen und Hisbollah-Kräften, soll für die heutige Vertreibung von ISIS aus dem Raum direkt nördlich von Aleppo verantwortlich sein und verspricht, das ganze nördliche Umland von Aleppo vom Terrorismus zu säubern.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2016/10/29/grosse-epische-terroroffensive-gegen-aleppo-verliert-an-schwung/

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