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Asien, Ausland

Umweltvergiftung auf der größten US-Luftwaffenbasis Asiens: Kadena, Okinawa

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von Jon Mitchell – http://www.globalresearch.ca – Übersetzung: Sabine Brand

Der Luftwaffenstützpunkt Kadena im Zentrum der Insel Okinawa ist die größte Einrichtung der Luftwaffe der Vereinigten Staaten in Asien. Mit ihren beiden 3,7 Kilometer langen Rollbahnen und Tausenden von Hangars, Häusern und Werkstätten breiten sich die Basis und das angrenzende Waffenlager Chibana auf Okinawas Hauptinsel über 46 Quadratkilometer aus. Ungefähr 20.000 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte, Vertragspartner und ihre Familien leben oder arbeiten hier zusammen mit 3.000 japanischen Beschäftigten. Das Land, auf dem die Anlagen stehen, ist Eigentum von mehr als 16.000 Okinawern. 1

Die Airbase Kadena ist Standort des größten Einsatzgeschwaders in der US-Luftwaffe – des 18. Geschwaders – und in den letzten sieben Jahrzehnten diente die Einrichtung als wichtige Startrampe für die Kriege in Korea, in Vietnam und im Irak. Angesichts der langen Geschichte der Air Base Kadena und ihres Umfangs von der Größe einer Stadt ist es leicht verständlich, warum die US Air Force (USAF) sie den „Grundpfeiler des Pazifiks“ nennt.

Aber bis jetzt hat niemand den Schaden bemerkt, den die Basis der Umwelt und denen, die in ihrer Nachbarschaft leben, zufügt. Dokumente, die nach dem US-Gesetz über die Auskunftspflicht öffentlicher Einrichtungen (Freedom of Information Act) erlangt wurden, decken auf, wie über viele Jahre Unglücke und Versäumnisse das Land und das Wasser vor Ort mit gefährlichen Chemikalien einschließlich Arsen, Blei, polychlorierten Biphenylen (PCB), Asbest und Dioxin verschmutzt haben. Die Militärbehörden haben diese Vergiftung oft verschwiegen und damit die Gesundheit der Angehörigen der US-Streitkräfte, der okinawischen Angestellten auf dem Stützpunkt und der 184.000 okinawischen Zivilisten in den benachbarten Gemeinden aufs Spiel gesetzt.

Das japanisch-US-amerikanische Stationierungsabkommen (Status of Forces Agreement – SOFA) und die Umwelt

Japan hat 130 US-Militärstützpunkte – 32 davon liegen auf Okinawa –, aber die Amerikaner, die dort ihren Dienst leisten, und die örtlichen Anwohner wissen nichts von den Gefahren, die diese Anlagen für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt bergen. 2

Die Wurzel des Problems ist das Status of Forces Agreement (SOFA) zwischen Japan und den USA, das japanischen Beamten nicht erlaubt, Umweltbelastungskontrollen innerhalb von US-Stützpunkten durchzuführen. Das Abkommen verpflichtet das Militär auch nicht zur Säuberung von Land, das zum zivilen Gebrauch zurückgegeben wird.

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Bäuerliche Äcker in der Umgebung der Kadena Air Base

2015 trafen Washington und Tokio eine Zusatzvereinbarung zum SOFA, die lokalen Behörden das Recht gibt, nach einem Störfall eine Inspektion des Stützpunktes zu verlangen. Bislang hat das Pentagon jedoch für kein derartiges Begehren grünes Licht gegeben. 3

Da das SOFA die USA von jeder finanziellen Verantwortung, kontaminiertes Land zu sanieren, entbindet, werden die Kosten vom japanischen Steuerzahler getragen. Die finanzielle Last der militärischen Umweltvergiftung liegt besonders schwer auf Okinawa, Japans ärmster Präfektur, wo die USA etwa 20 Prozent von Okinawas Hauptinsel einnehmen, aber nur 5 Prozent zur Wirtschaft der Präfektur beitragen. 4

In Chatan Town zum Beispiel beliefen sich im Jahr 2002 die Kosten für die Entsorgung von 187 von den USA abgeladenen Fässern mit unbekannten Chemikalien auf annähernd 20 Millionen Yen. 5 An anderer Stelle hat sich die Wiedernutzbarmachung von Land, das von Camp Kuwae zurückgegeben worden war, wegen Verseuchung mit Arsen, Blei und Öl um mehr als zwölf Jahre verzögert. 6

Da das SOFA und das neue Abkommen beim Schutz der Umwelt Japans versagen, sind die japanischen Umweltnormen ausschlaggebend. Die Richtlinien legen fest, wann die US-Streitkräfte der japanischen Regierung Leckagen melden müssen, zum Beispiel wenn diese ein bestimmtes Volumen überschreiten oder eine Substanz enthalten, die als gefährlich eingestuft ist. Jedoch sind für Stützpunkte, die gegen Umweltrichtlinien verstoßen, keine Strafen festgesetzt und das Militär wird nicht in die Pflicht genommen, Kontaminierungen innerhalb oder außerhalb seiner Stützpunkte zu beseitigen. 7

Diese Kombination von unzureichenden Regelungen und mangelnder Transparenz schafft Hindernisse für Forscher, die die Belastungen innerhalb der US-Militärbasen einwandfrei feststellen möchten. Wissenschaftler können nur das Land untersuchen, das bereits für die zivile Nutzung zurückgegeben wurde, – zu diesem Zeitpunkt ist es zu spät, Kontaminierungen zu verhindern – oder an wild lebenden Tieren, die nahe bei aktiven Militärbasen gefangen wurden, Tests durchführen, um festzustellen, ob ihr Gewebe Spuren von Giften enthält. Unter diesen Einschränkungen ist der Freedom of Information Act (FOIA) vielleicht der effektivste Weg, den Schleier von dem, was hinter den Zäunen der US-Stützpunkte in Japan geschieht, zu lüften.

8725 Seiten nach dem FOIA offen gelegt

Im Januar veröffentlichte die US Air Force 8725 Seiten Unfallberichte, Umweltuntersuchungen und E-Mails bezüglich Schadstoffbelastungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Kadena. Diese Dokumente mit Datum von Mitte der 1990er bis August 2015 werden als die ersten angesehen, die Informationen aus jüngerer Zeit mit Details über die Umweltverschmutzung auf einer aktiv betriebenen US-Basis in Japan bekannt machen.

Die Schriftstücke katalogisieren annähernd 415 Umweltvorfälle zwischen 1998 und 2015; 245 davon ereigneten sich seit 2010. Die Vorfälle reichen von kleinen Lecks, die innerhalb der Basis verblieben, bis zu großen Störfällen, bei denen Zehntausende Liter Treibstoff und unbehandelte Abwässer in die Flüsse der Umgebung freigesetzt wurden.

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Die Lecks von Flugzeugtreibstoff – wie dieses kleine in 2008 – summieren sich seit 1998 auf mehr als 40.000 Liter

Im Zeitraum von 1998 bis 2015 beliefen sich die Leckagen auf fast 40.000 Liter Flugzeugtreibstoff, 13.000 Liter Diesel und 480.000 Liter Abwässer. Von den 206 zwischen 2010 und 2014 erfassten Zwischenfällen wurden 51 auf Unfälle oder menschliches Versagen zurückgeführt; nur 23 wurden den japanischen Behörden angezeigt.

Das Jahr 2014 zeigt die höchste Zahl von Unfällen: 59 – nur zwei davon wurden Tokio gemeldet.

Da ein großer Teil der Schriftstücke unkenntlich gemacht wurde und es keine Berichte über die Zeit von 2004 bis 2007 gibt, liegen die wahren Zahlen wahrscheinlich viel höher.

Die Auswirkungen auf das Wasser vor Ort

Wegen ihrer Platzierung im dicht bevölkerten Süden von Okinawa spielt die Kadena Air Base eine wichtige Rolle für die Trinkwasserversorgung der Insel. Innerhalb der Anlage gibt es 23 Brunnen, von denen einige zum Trinkwasser innerhalb und außerhalb des Stützpunkts beitragen. Über 300.000 Meter Abwasserleitungen bringen das Regenwasser der Anlage in die Flüsse vor Ort – dazu gehört der Hija-Fluss, der sechs Kommunen und Naha, die Hauptstadt Okinawas, mit Trinkwasser versorgt.

Die US-Dokumente weisen darauf hin, dass Fehlverhalten und Nachlässigkeit auf der Basis wiederholt diese Wasserversorgung gefährdet haben.

Zum Beispiel liefen im August 2011 760 Liter Diesel in den Hija-Fluss, als ein Bediener einen Generatortank vor der Ankunft eines Taifuns verließ. Im Dezember 2011 traten 1.400 Liter Diesel von den Unterkünften der US Air Force in Camp McTureous aus, weil Beamte ein Warnlicht nicht beachtet hatten. Der Treibstoff verseuchte den Tengan-Fluss.

Andere Berichte weisen darauf hin, dass Kommunikationspannen die Störfälle verschlimmerten. Im Juni 2012 brauchte ein Ingenieur eine Stunde und zwanzig Minuten, um auf einen 190-Liter-Treibstoffaustritt zu reagieren, weil er im Gastronomiebereich war und sein Telefon nicht klingeln hören konnte. In jüngerer Zeit, im Februar 2015, versäumten die Umweltteams, auf zwei Störfälle zu reagieren – bei dem einen ging es um 170 Liter Treibstoff, bei dem anderen um 23 Liter Hydraulikflüssigkeit –, obwohl sie durch Notfallbesatzungen alarmiert wurden.

So wie Treibstoffleckagen setzte die Basis zwischen 2001 und 2015 irrtümlich wenigstens 23.000 Liter Feuerlöschschaum frei. Im August 2012 löste ein japanischer Feuerwehrmann in einem Unfall eine Feuerlöschanlage aus, aus der 1.140 Liter austraten. Im Mai 2015 setzte dann ein betrunkener Marinesoldat durch Vandalismus 1.510 Liter frei. 8

Solcher Schaum kann Karzinogene, Chemikalien, die bekanntlich neurologische und Fortpflanzungsstörungen verursachen, und Perfluoroctansulfonat (PFOS) enthalten. PFOS wird von der EPA (Environmental Protection Agency, US Umweltbehörde) als neuartiger Schadstoff kategorisiert und ist in letzter Zeit zum zentralen Anliegen auf Okinawa und in den USA geworden.

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Im August 2011 verursachte das Versäumnis, vor der Ankunft eines Taifuns einen Generator zu entleeren, das Auslaufen von 760 Liter Diesel in einen Fluss vor Ort

Im Januar gab die Präfektur Okinawa bekannt, dass die Fließgewässer um Kadena Air Base derzeit mit PFOS belastet seien; in 2008 lagen die Werte in einem Brunnen innerhalb der Basis bei 1870 ng/L. 9 Der vorläufige Grenzwert der Gesundheitsberatung der EPA für Trinkwasser beträgt 200 ng/L. Im März versprach die USAF, Tests für die PFOS-Belastung in 664 Basen innerhalb der USA vorzunehmen. 10

Ikeda Komichi, Beraterin am Environmental Research Institute Inc., Tokio, hob die besonderen Gefahren von PFOS hervor. „Die gegenwärtige Forschung weist darauf hin, dass es Krebs, Fortpflanzungsstörungen und Schäden für die nächste Generation hervorrufen kann. Schwangere Frauen und kleine Kinder sollten besonders sorgfältig bei der Vermeidung des Konsums von PFOS-belastetem Wasser sein.“

Seit 2008 sind in Kadena Air Base auch wenigstens 1.670 Liter hydraulische Flüssigkeit – eine bekannte Quelle von PFOS – ausgelaufen; mittlerweile führen Abflussrohre vom Brandübungsgelände, wo routinemäßig Schaum gesprüht wird, in die örtlichen Fließgewässer.

Eine andere Gefahr für Okinawas Trinkwasser stammt aus Lecks von ungeklärtem Abwasser, die von der Basis offensichtlich erst ab 2010 gemeldet wurden. Im November 2010 verseuchte das Auslaufen von 57.000 Litern den Shirahi-Fluss und das Meer mit Abwässern, in denen 36.000 fäkale koliforme Kolonien/100ml gemessen wurden – das 90fache des maximalen EPA-Grenzwertes für Badegewässer.

In jüngerer Zeit, im Juni 2013, liefen aus einem überfließenden Gully 208.000 Liter Abwasser in den Hija-Fluss. Die Basis brauchte 27 Stunden, um die lokalen Behörden zu informieren, aber ihre folgende Presseerklärung gab an: „Die Gesundheit und Sicherheit der Mitglieder unserer Streitkräfte und unserer Freunde in der örtlichen Gemeinde sind unsere höchste Priorität.“ Anschließende E-Mails zwischen USAF-Beamten enthalten den Kommentar: „Wir hatten ein geringes Echo in den Medien. Das sind gute Nachrichten.“

Indessen kippten Angehörige der Streitkräfte im November 2009 trotz der Herstelleranleitung, die Substanz nicht ins Abwassersystem abzugeben, 17 Liter flüssige Nebellösung in die Regenwasserkanäle. Ebenso entsorgten Angehörige der Streitkräfte im Juli 2014 Hunderte Liter medizinischen Abfall – beschrieben als „injizierbare Flüssigkeiten mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum“ – in die Kanalisation auf der Basis. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass etwas gesehen oder berichtet wird, aber wenn die milchige Lösung den Hija-Fluss erreicht, wird die Öffentlichkeit sehr aufgebracht sein,“ erläuterte der Bericht. Weder der Zwischenfall von 2009 noch der von 2014 wurden den japanischen Behörden gemeldet.

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Auf einem undatierten Foto läuft eine unbekannte Substanz, bei der es sich um Meeres-Färbemittel handeln soll, aus einem Behälter auf Kadena Air Base. Über diese Leckage gibt es keine Berichte, was nahelegt, dass sie nicht einmal innerhalb des Militärs gemeldet wurde.

Ferner betonen die Schriftstücke die Risiken, einen ausgelasteten Flughafen mitten im zivilen Gemeinwesen zu betreiben. Viele Notfälle in der Luft (In-flight emergencies, IFE) veranlassen Piloten, ihre Missionen aufzugeben – zwei ereigneten sich innerhalb einer Woche im Januar 2015. Ferner war im August 2011 ein IFE die Ursache dafür, dass eine F-15 aus geringer Höhe 150 Liter Treibstoff abließ. Der Kurzbericht schloss: „Es gab keine Auswirkung auf die örtliche Gemeinde.“

Blei und Asbest

Die unter dem Freedom of Information Act (FOIA) herausgegebenen Dokumente weisen auf den Umgang von US-amerikanischen und japanischen Staatsangehörigen am Boden mit gefährlichen Konzentrationen von Blei und Asbest hin.

Jahrzehnte lang verbrannte eine Ofenanlage in der Einrichtung Munition und „andere exotische Pyrotechnik“ ohne Emissionskontrollen. 1993 fanden Ermittler heraus, dass durch diese Verbrennung nahe gelegenes Land mit 13.813 mg/kg Blei und weiter entfernter Urwald mit 6.000mg/kg belastet war. In der Gegend gab es „kleine Bauernhöfe und Anbauflächen für Gemüse“ und die Anlage stand dicht bei einem Fließgewässer.

Eine andere Brenngrube, die in einem Bericht vom April 1994 genannt wird, wurde für Bleikonzentrationen im Boden verantwortlich gemacht, die bei Feldern, offensichtlich wieder in der näheren Umgebung, 500mg/kg überstiegen.

Der Sanierungsrichtwert der japanischen Regierung für Bleibelastungen des Bodens beträgt 150mg/kg. Japan hat keine Norm für landwirtschaftlich genutztes Land, aber in Deutschland beträgt der maximal zulässige Messwert 100 mg/kg.

komichi„Menschen, die in der Gegend arbeiten, müssen sich um geistige Behinderungen und Schädigungen ihres Nervensystems Gedanken machen . Auch können dieses Blei und andere Substanzen, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingeatmet werden, Störungen im Fortpflanzungssystem verursacht und Organe wie Blut und Nieren geschädigt haben. Weil die Werte so hoch sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Land heute belastet bleibt,“ sagte Ikeda. 11

Sie kritisierte die Berichte auch für ihren Mangel an Daten über andere Schwermetalle, die wahrscheinlich bei der Verbrennung von Munition freigesetzt wurden, mitsamt abgereichertem Uran, das die USAF in den 1990ern weit verbreitet nutzte.

Überdies deckten Untersuchungen von 2000 bis 2001 in vielen Gebäuden wie den Schlafräumen, Kantinen und Heizräumen erhebliche Belastungen mit Asbest auf. Kontrolleure fanden große Brocken verfallender Asbest-Materialien, die über die Wiesen in der Nähe verstreut waren.

Eine der Örtlichkeiten war ein verlassenes Krankenhaus, das vor 2006 für „Bereitschaftstraining“ genutzt wurde. Die Kontrolleure vermerkten, wie Militärangehörige Äxte und Kettensägen gebraucht hatten, um mit Asbest abgedichtete Türen aufzubrechen – mit dem Ergebnis, dass „krümeliges“ (leicht zu zerreibendes) Material über ein Gebiet von 460 Quadratmeter verstreut war.

Die WHO schätzt, dass Asbest die Ursache für weltweit ein Drittel der Todesfälle durch beruflich bedingte Krebserkrankungen ist. 12 In früheren Jahren haben japanische Angestellte des Stützpunkts darum gekämpft, von Tokio Abfindungen für Krankheiten zu bekommen, die auf ihre Arbeit in asbestverseuchter Umgebung zurückzuführen sind. Vielen war vorgeschrieben, ohne angemessene Sicherheitsausrüstung zu arbeiten. 2014 stimmte die japanische Regierung schließlich zu, Abfindungen an 28 Opfer zu zahlen, aber die Unterstützergruppen und die Gewerkschaften des Stützpunkts gehen davon aus, dass die Zahl der Kranken wahrscheinlich viel höher ist. 13

Der ehemalige Mitarbeiter der Base Tamura Susumu erfuhr aus erster Hand die Gefahren des Asbests. Da er 43 Jahre lang bis in die 1990er Jahre auf US-Stützpunkten beschäftigt war, half seine Zeugenaussage, eine Abfindung für die Familie eines Kollegen zu erhalten, der an einer asbestbedingten Lungenerkrankung gestorben war.

In einem kürzlichen Interview rief Tamura das Dilemma ins Gedächtnis, vor dem viele Okinawer standen, die beim US-Militär beschäftigt waren: „Selbst wenn wir dachten, dass das, was uns zu tun befohlen wurde, falsch sei, weigerten wir uns nicht. Wir hatten Angst, gefeuert zu werden.“

In seiner Zeit auf den Stützpunkten erlebte Tamura regelmäßig laxe Umweltauflagen – einschließlich der illegalen Entsorgung von Müll und schlechter Aufräumungsarbeiten.

„Heute mögen die Arbeitsbedingungen besser sein, aber in der Vergangenheit konnte man sie nur als yaritai hodai bezeichnen – das US-Militär tat, was es wollte.“

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Der frühere Basis-Mitarbeiter Susumu Tamura zeigt seine Auszeichnung für 40-jährige Arbeit in US-Einrichtungen; viele okinawische Mitarbeiter der Stützpunkte hatten nicht so viel Glück.

Die Fahrlässigkeit der Vergangenheit kommt auf die heutigen Mitglieder der Streitkräfte zurück

Vor Okinawas Rückkehr unter japanische Herrschaft im Jahr 1972 beherbergten Kadena Air Base und das angrenzende Munitionslager in Chibana eins der größten Lager für Massenvernichtungswaffen auf dem Planeten: 800 nukleare Sprengköpfe und ein Vorrat an Herbiziden, von dem befürchtet wird, dass es sich um Agent Orange und Tausende Tonnen Senf-, VX- und Saringas handelt. In den späten 1960ern und frühen ’70ern brachten zwei Leckagen von chemischen Kampfstoffen 27 Amerikaner ins Krankenhaus, während so viel Kerosin in die örtlichen Wasserbrunnen sickerte, dass sie tatsächlich in Brand gerieten. 14

In den 1970ern kontaminierte die Beseitigung von überschüssigen Chemikalien aus dem Vietnamkrieg auch Camp Kinser (damals als Machinato Service Area bekannt) mit PCB, Schwermetallen, Pestiziden und Agent Orange-Dioxin. 15

Die jetzigen Verwalter von Okinawas Militärbasen wissen sehr wenig über deren gefährliche Geschichte – insbesondere was die Beseitigung von toxischen Substanzen betrifft.

In Kadena Air Base berichten Schriftstücke von den 1990ern bis 2015 wiederholt davon, dass Angehörige der Streitkräfte auf Verunreinigungen stießen, die ihre Vorgänger verursacht, aber nicht gemeldet hatten. Unterirdische Funde beinhalten POL(Petroleum/Öl/Schmierstoffe)-Kontamination, weißen Phosphor und zurückgelassene Lagertanks; aus einem von diesen liefen annähernd 450 Liter Diesel aus und gefährdeten im März 2012 das benachbarte Ackerland. Im Juli 2014 hatte die Entdeckung einer vergrabenen Tonne mit Chemikalien innerhalb der Einrichtung E-Mails zur Folge, die ihre Empfänger dringend baten, sich „bitte bedeckt“ zu halten. „Ich will diese Version (sic) nicht in der Presse haben.“

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Ein zurückgelassener Lagertank gefährdete Ackerland, als im März 2012 450 Liter Treibstoff ausliefen.

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Dieser Kampf um die Kontrolle der Informationen über frühere Kontaminierungen wirft ein Schlaglicht auf die fortwährenden Probleme der Air Base mit PCB. 16 Fast das gesamte 20. Jahrhundert war PCB ein normaler Bestandteil elektrischer Transformatoren, aber von den Vereinigten Staaten wurde es 1979 verboten, als es mit Krebserkrankungen und Störungen des Nerven-, des Fortpflanzungs- und des Immunsystems in Verbindung gebracht wurde. 17

In den 1970ern lagerten Mitglieder der Streitkräfte in Kadena Air Base PCB-belastetes Öl in einem 21 Meter tiefen Teich im Freien, von wo es „später für die Verwendung außerhalb des Stützpunkts verkauft oder mit Benzin vermischt und auf dem Gelände des Stützpunkts verbrannt wurde“.

Der Teich wurde auf der Spitze eines Hügels bei Kadena Marina, einem beliebten Erholungsort lokalisiert; frühere Tests, die PCB im Meer feststellten, lassen vermuten, dass die Vergiftung sich von der Air Base über das Grundwasser oder über Regenwassereinläufe ausbreitete. Die Existenz des Teiches kam erst 1998 ans Tageslicht, als ein Whistleblower davon berichtete, wodurch eine offizielle Untersuchung eingeleitet wurde.

Umweltberaterin Ikeda hat solche Entsorgungstechniken kritisiert. Kontaminiertes Öl zu verbrennen, so erklärte sie, kann zur Einatmung von Toxinen führen und die entstehende Asche kann den Erdboden vergiften. Ikeda äußerte auch Sorge um die lokalen Fließgewässer. „PCB kann sich im Flussbett anlagern und dann von Schalentieren, Krebsen, Fischen und dem gesamten Ökosystem am Gewässerufer aufgenommen werden. Da PCB schwer abbaubar ist und sich in der Nahrungskette anreichert, erhöht sich der Spiegel im Körper der Menschen, wenn sie den Fisch über einen längeren Zeitraum konsumieren.“

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Ansicht des Lagerplatzes für Bauzuschlagstoffe bei der mutmaßlichen PCB-Abladestelle und dem heutigen Brandschutzübungsgelände (1985)

In den 1990ern sammelte Kadena Air Base PCB-belastetes Öl von „verschiedenen Örtlichkeiten der Insel“ und Lecks führten zu einer Anzahl von Hotspots innerhalb der Einrichtung. In einem Apparateraum erreichten die Werte einen Höchststand von 17.000 mg/100cm2. Die EPA-Dekontaminierungsvorschriften für Innenbereiche verlangen – selbst dort, wo der Zutritt begrenzt ist – Werte von 10 mg/100cm2.

1993 waren die Ermittler in Sorge, dass die PCB-Kontaminierung sich ausgebreitet haben könnte, und empfahlen deshalb Proben aus dem Hija-Fluss zu entnehmen, der die Basis und die umliegenden Gemeinden mit Trinkwasser beliefert. Anscheinend wurde solche Tests nie durchgeführt.

Ab 1999 untersuchte die Air Base ihr Trinkwasser nur einmal jährlich aus einem einzigen Hahn auf Belastungen mit „PCB und anderen Bestandteilen“. Das Wasser, das die Einrichtung verließ, wurde nur viermal jährlich kontrolliert. Heute gibt die Einrichtung an, ihren Wasservorrat zweimal jährlich auf PCB und in bestimmten Abständen auf andere Substanzen zu überprüfen, zum Beispiel vierteljährlich auf Arsen und jährlich auf Blei. Jedoch hat die Entdeckung hoher Bleiwerte in Wasserfontänen in einer Bildungseinrichtung und das kürzliche Scheitern der Warnung des Personals auf dem Stützpunkt vor erhöhten PFOS-Ständen die Verlässlichkeit solcher Tests in Frage gestellt. 18

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Untersuchungen auf PCB-Belastung deckten Werte auf, die 1700mal höher als die Grenzwerte lagen, aber die Base überprüft ihr Trinkwasser nur einmal jährlich aus einem einzigen Wasserhahn.

Berichte aus den 1990ern behaupteten, die PCB-Hotspots auf dem Stützpunkt wären saniert worden – aber diese Versicherungen scheinen falsch zu sein. 2011 putzten interne Ermittler die Richtlinien der Air Base in Bezug auf PCB als „gravierenden Mangel“ herunter. Sie stellten das Nichtvorhandensein eines sicheren Lagerbereichs für kontaminierte Transformatoren und Versäumnisse beim Etikettieren von als gefährlich eingeschätzten Geräten heraus. Demselben Bericht zufolge besaß die Einrichtung annähernd 500 Transformatoren, aber Überprüfungen auf PCB wurden bei weniger als der Hälfte davon durchgeführt.

Berichte aus letzter Zeit decken Fälle auf, in denen die Transformatoren leckten und explodierten. Eine E-Mail vom August 2014 zeigt die Frustration der Notfallteams, nachdem sie mit dem dritten Trafo-Leck innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen zu tun hatten.

108 Fässer mit hochgiftigem Abfall und der Fußballplatz in Okinawa City

Einer von Okinawas schlimmsten Umweltskandalen der letzten Zeit ist die Entdeckung von 108 Fässern mit giftigem Abfall zwischen 2013 und 2015 auf Land, das früher einmal zur Kadena Air Base gehörte. 19 Die unter dem FOIA herausgegebenen Dokumente werfen ein neues Licht auf die Rolle des Militärs in dieser Angelegenheit und auf die Versuche der US Air Force, gegenüber den Eltern der Kinder, die die benachbarte Bob Hope-Grundschule und die Amelia Earhart-Mittelschule besuchen, ihre Schwere herunterzuspielen.

Stellt man anhand der Berichte eine Zeitleiste des Vorfalls zusammen, so scheint es, dass um 1964 das Militär Fässer mit Gemischen gefährlicher Abfälle in Schluchten in den Randgebieten von Kadena Air Base kippte. Um 1980 wurden die beiden Schulen in der Nachbarschaft gebaut und dann ging 1987 einiges umliegendes Land zurück in private Hände. 1996 bauten die örtlichen Behörden einen Fußballplatz an diesem Standort.

Im Juni 2013 sanierten Arbeitskräfte den Platz und holten Dutzende der vergrabenen Fässer aus dem Boden; einige von ihnen enthielten hohe Konzentrationen von Dioxinen. Obwohl der Fund nur Meter von den Spielfeldern der Schule entfernt war, informierten die Beamten der US Air Force weder die Lehrer noch die Eltern. Es wurden keine Staubkontrollfilter aufgestellt, um die mögliche Ausbreitung der Vergiftung zu verhindern, und als die Erdarbeiten in der Nähe weitergingen, wurde amerikanischen Schülern das Spielen im Freien weiterhin erlaubt.

Als die Militärfamilien sechs Monate später von den giftigen Abfällen erfuhren, waren sie wütend. Als Reaktion darauf führten Vertreter der Air Base ihre ersten Untersuchungen auf dem Schulgelände am 31. Dezember 2013 durch. Allerdings untersuchten sie nur den Oberboden und führten keine magnetischen Tests durch um festzustellen, ob irgendwelche Fässer unter dem Schulbereich vergraben lagen. Im Februar 2014 erklärten USAF-Beamte das Schulgelände für sicher, aber die Labortestergebnisse – insgesamt 107 Seiten – wurden in den FOIA-Dokumenten komplett geschwärzt.

Der Verdacht einer Vertuschung verschlimmerte sich durch eine Meldung im Februar, die den Mitgliedern der Streitkräfte versicherte, dass Dioxin nur die Hautkrankeit Chlorakne verursachen könne, aber: „Andere Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind nicht nachgewiesen.“ Das widerspricht den EPA-Angaben, dass Dioxin „Krebs, Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen, Schädigungen des Immunsystems verursachen und die Hormone beeinträchtigen kann“.

In den folgenden Monaten wurden weitere Fässer aus dem zurückgegebenen Land zutage gefördert, womit die Gesamtmenge 108 erreichte. Ebenso wie Dioxin enthielten einige der Fässer die Herbizide 2,4,5-T und 2,4-D, Arsen und PCB.

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Fotos vom Tatort: einige der 108 Fässer mit giftigen Abfällen, die auf ehemaligem Land der Kadena Air Base ausgegraben wurden.

Im Wasser in der Nähe erreichten die Dioxinwerte einen Höchststand, der die Grenzwerte um das 21.000fache überstieg.

Am 8. Juli 2015 gaben die Air Base-Verantwortlichen ein Merkblatt von einer Seite heraus, das damit schließt, „geeignete Maßnahmen werden ergriffen“, wenn „sich irgendwelche substantiellen Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Sicherheit herausstellen“. Die Kontaminierungsbefunde waren angehängt – aber wahrscheinlich wurden sie von vielen Eltern nicht gelesen.

Drei Tage später überfluteten schwere Regenfälle die Müllkippe und das schlammige Wasser wurde

von japanischen Baumannschaften in nahe Fließgewässer gepumpt, ohne dass irgendwelche Überprüfungen auf Kontaminierung stattfanden. 20 Strömungskarten legen nahe, dass dieses Wasser in die Air Base eintrat, aber wieder einmal entschied die USAF, ihre Mitglieder nicht zu informieren.

Schadstoffbelastung in Kadena Air Base: der Einfluss auf den Menschen

Okinawas Verschmutzung hat viele Ähnlichkeiten mit Kontaminierungen, die auf Militärbasen in den USA festgestellt wurden. 2014 listete die EPA 141 Pentagon-Einrichtungen als sanierungsbedürftige Superfund Sites auf, und letztes Jahr rangierte das Verteidigungsministerium auf Platz drei der schlimmsten Umweltverschmutzer der US-Wasserstraßen. 21 22

In einem der am häufigsten publizierten Fälle von Umweltverseuchung waren Tausende von Mitgliedern der Streitkräfte jahrzehntelang in Camp Lejeune, North Carolina, kontaminiertem Trinkwasser ausgesetzt.

Das grundlegende Problem ist, dass bislang niemand die volle Auswirkung der militärischen Umweltverschmutzung auf die Menschen kennt, die auf oder bei den 130 US-Stützpunkten in Japan leben. Das Pentagon hat wiederholt versucht, die Gefahren für die Mitglieder der Streitkräfte herunterzuspielen, und das Department of Veterans Affairs (US-Ministerium für Veteranenangelegenheiten) hat keine Umfragen durchgeführt. 23 Es gibt auch kein zentralisiertes System zur Seuchenbekämpfung, das Spitzen in der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen bei Zivilpersonen, die nahe bei militärischen Einrichtungen leben, bestimmen könnte.

Jedoch sind einige Amerikaner überzeugt davon, dass die Schadstoffbelastung von Kadena Air Base die Gesundheit ihrer Familien ruiniert hat.

„Die Kadena-Verantwortlichen haben die ganze Zeit über von dieser Verseuchung gewusst, aber sie werden alles in ihren Kräften Stehende tun, um sie streng geheim zu halten,“ sagt Telisha Simmons.

Simmons und ihre Familie waren zwischen 2011 und 2012 in Kadena Air Base stationiert. Ehe sie nach Okinawa kamen, hatte keiner von ihnen irgendwelche ernsten medizinischen Probleme, aber während der Zeit, die sie auf der Insel verbrachten, entwickelte einer ihrer Söhne eine Hirnzyste und ihre Tochter Knochentumore; bei Simmons selbst wurde ein Hypophysen-Tumor diagnostiziert sowie andere ernstliche Krankheiten, die zur Entfernung der Gebärmutter im Alter von 35 Jahren führten. Ihre Kinder besuchten die Bob Hope Primary School und spielten regelmäßig auf deren Spielfeldern. „In Bezug auf dieses Problem bin ich nie von Kadena angesprochen worden,“ sagt Simmons.

Mehr als ein Dutzend Eltern, die aus Angst um die Karriere ihrer Familienmitglieder, die derzeit in der US Air Force dienen, ungenannt bleiben wollten, beschrieben schwere Krankheiten bei den Kindern, die zwischen 1999 und 2013 die beiden Schulen besuchten oder auf ihrem Gelände spielten. Krankheiten einschließlich Krebs-, Autoimmun- und Atemwegserkrankungen und neurologischen Problemen.

Die USAF-Funktionäre haben nie untersucht, ob diese Erkrankungen mit Schadstoffbelastungen in der Einrichtung zu tun haben.

Gemäß Ikeda, der Sachverständigen für Kontamination, sind Kinder besonders empfänglich für toxische Chemikalien.

„Ein Erwachsener und ein Kind können dasselbe Glas Wasser trinken – aber unterschiedlich betroffen sein wegen dem geringeren Körpergewicht. Alle diese Stoffe, die in Kadena Air Base gefunden wurden, – PCB, Blei, Dioxin, PFOS – häufen sich in den Organen der Kinder an und schädigen ihre Körper auf vielerlei Arten.“

Aufgrund der unzureichenden Kontrollen der Trinkwasservorräte auf der Basis kann die Zahl derer, die ihnen ausgesetzt waren, sich möglicherweise viele Jahre zurück in die Vergangenheit erstrecken.

Paula Davidson und ihre Familie lebten in den 1980ern auf Kadena Air Base. In dieser Zeit entwickelten ihre beiden Kinder Krankheiten, die später als Krebs diagnostiziert wurden. Ein drittes Kind, das auf Okinawa gezeugt und in den USA geboren wurde, erkrankte an Gehirntumor. „Ich glaube ohne den geringsten Zweifel, dass der Kontakt mit giftigen Chemikalien auf Okinawa seine Krankheit verursacht hat.“

Zwei ihrer Kinder starben in ihren Dreißigern. „Jetzt, wo sie fortgegangen sind, sind sie vermutlich zu einer weiteren statistischen Angabe geworden,“ sagt Davidson.

In Anbetracht der Schwere der Verseuchung auf Kadena Air Base mögen diese Fälle die Spitze des Eisbergs der Auswirkungen auf die Gesundheit sowohl der US-Mitglieder der Streitkräfte und ihrer Angehörigen wie auch der Okinawer sein, die auf oder bei der Basis leben und arbeiten. Die unter dem FOIA veröffentlichten Dokumente decken Jahrzehnte der gefährlichen Belastung auf, einschließlich der Okinawa-Bauern, die sich um ihre von verbrannter Munition verschmutzten Felder kümmern, der Mitglieder der Streitkräfte und der auf der Basis Beschäftigten, die angewiesen wurden, inmitten von zerkrümelndem Asbest zu arbeiten, der Zivilisten, denen ohne Warnung PCB-kontaminiertes Öl verkauft wurde und der Bewohner des Stützpunkts wie den Okinawern, die Wasser tranken, das PFOS, Treibstoff und Abwässer enthielt.

Wenn Kadena Air Base sich in den USA befände, könnten die Betroffenen eine Untersuchung der EPA fordern. Aber wegen der derzeitigen Bestimmungen bleiben die Okinawer wie die Amerikaner, die in Okinawa leben, ohne Informationen, ohne Schutz und ohne Rückgriffsmöglichkeit auf die Justiz.

„Während ich meinen Mann bei seiner militärischen Karriere unterstützt habe, wurden meine Kinder vergiftet,“ sagte Simmons. „Dies ist nicht das erste Mal, dass die US-Regierung Verseuchungen in militärischen Einrichtungen gedeckt hat. Nun müssen alle Einzelheiten aufgedeckt werden, so dass wir genau herausfinden können, womit wir zu tun haben.“

Die Antwort der Militärs

Am 10. April führte eine frühere Version dieses Artikel in The Japan Times die Belastungen auf Kadena Air Base durch Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Blei und Asbest im Einzelnen auf.

In Erwiderung gaben die Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Japan (USFJ) die folgenden Kommentare ab.

Auf die Frage, ob die Untersuchungen auf PFOS-Kontamination, die derzeit auf 664 Militärbasen in den USA durchgeführt werden, auch auf Japan ausgedehnt würden, antwortete die USFJ: „Die dienstweite Studie … gilt nur für Stützpunkte in den Staaten.“ Sie fügte hinzu, dass Untersuchungen wiederholt feststellten, dass der PFOS-Gehalt im Trinkwasser von Kadena deutlich unter den von der EPA empfohlenen Grenzen liegt“. Sie gab aber keinen Kommentar zu Stichproben, die Kontaminierungen aufdeckten, die zwischen 2014 und 2015 in einem nahe gelegenen Fluss und 2008 bei einem Brunnen auf dem Stützpunkt die Grenzwerte überschritten.

Als Reaktion auf Enthüllungen, dass eine Verbrennungsanlage die Felder von Bauern mit gefährlichen Konzentrationen von Blei verseucht hatte, antwortete die USFJ: „Wir machen keine Aufzeichnungen über Meldungen, die an örtliche Bauern gegeben werden.“ Sie bestritt, dass dort Munition mit abgereicherten Uran verbrannt worden war, denn die Verbrennungsanlage „wurde gebraucht, um Munition für Kleinwaffen unschädlich zu machen“. Die USFJ schien allerdings nicht den Originalbericht von 1994 gelesen zu haben, der auch die Verbrennung von Leuchtgeschossen, Anlassern und anderer „ exotischer Pyrotechnik“ nannte.

Die USFJ scheint auch nicht die Dokumentation zu besitzen, die ausführlich den Kontakt von Mitgliedern der Streitkräfte bei Kriegsspielen in der Base mit Asbest beschreibt. „Gern werden wir jede Dokumentation prüfen, die Sie mit uns teilen möchten,“ schrieben sie. Um die Benachrichtigung von Mitgliedern der Streitkräfte, die mit Asbest konfrontiert waren, zu erleichtern, wurden die Berichte der USFJ übersandt. 24

Am 15. April wurden die folgenden Fragen an die USFJ gemailt.

◅ 2011 bezeichneten die Prüfer die PCB-Lagerung auf Kadena Air Base als einen „gravierenden Mangel“. Welche Schritte hat die Einrichtng seither unternommen, um die Lagerung zu verbessern?

◅ Wird die USFJ zu der Spitze bei Erkrankungen unter Kindern, die die Bob Hope Primary School und die Amelia Earhart Intermediate School besucht haben, Nachforschungen anstellen?

◅ Hat die USFJ in Anbetracht der sechsmonatigen Verzögerung, mit der Familien auf der Air Base über die Entdeckung toxischer Abfälle in der Umgebung dieser Schulen informiert wurden, ihre Richtlinien für die Benachrichtigung revidiert?

◅ Welche Hilfsmittel stehen den Mitgliedern der Streitkräfte und ihren Familien zu, die glauben, dass Schadstoffbelastungen (Blei, PCB, Dioxin, Asbest, Arsen) sie oder ihre Familien krank gemacht haben?

◅ Welche Zusicherungen können Sie lokalen Anwohnern geben, dass die USFJ ihre Sorgen in puncto Kontamination erst nimmt?

Ab dem 1. Mai war die einzige erhaltene Antwort diese:

„Bislang gab es keine Hinweise darauf, dass für Kinder, die zur Bob Hope Primary School und zur Amelia Earhart Intermediate School gehen, ein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht. Das 18. Geschwader hat sich für ein pro-aktives Vorgehen entschieden, um die potentiellen umweltbedingten Gesundheitsgefährdungen zu bewerten und die Gesundheit des Personals der US-Streitkräfte, ihrer Familien und der lokalen Gemeinde zu schützen.“

Dies ist eine überarbeitete und erweiterte Version von zwei Artikeln, die zuerst in The Japan Times am 10. und 17. April 2016 erschienen.

 

Anmerkungen:

1 Angaben durch die Präfektur Okinawa, verfügbar auf Japanisch hier and hier.

2 Angaben des japanischen Verteidigungsministeriums, verfügbar auf Japanisch [hier].

3 Masaaki Kameda, “U.S.-Japan environmental agreement on U.S. bases flawed, experts say,” The Japan Times, September 29, 2015. Verfügbar hier.

4 Zum Beispiel siehe: Jon Mitchell, “Vietnam: Okinawa’s Forgotten War”, The Asia-Pacific Journal, Vol. 13, Issue 15, No. 1, April 20, 2015. Verfügbar hier.

5 Ryukyu Asahi Housou, “Karehazai o abita shima”, May 15, 2012.

6 Zum Beispiel siehe hier.

7 Verteidigungsministerium, “Japan Environmental Governing Standards,” December 2012. Verfügbar hier.

8 Jon Mitchell, “FOIA Documents: Drunk US Marine’s 2015 dump of toxic foam among accidents polluting Okinawa water supply”, The Asia-Pacific Journal, Vol. 14, Issue 7, No. 3, April 1, 2016. Verfügbar hier.

9 Ebd.

10 Jennifer McDermott, “Military to check for water contamination at 664 sites,” Associated Press, March 10, 2016. Verfügbar hier.

11 Mehr zu den Gefahren der Bleivergiftung siehe WHO-Bericht, verfügbar hier.

12 Mehr Informationen über Asbest findet man im WHO-Bericht hier.

13 “28 Japanese confirmed with asbestos injuries from working at U.S. bases”, Kyodo, January 8 2014. Verfügbar hier.

14 Zum Beispiel siehe Jon Mitchell, “Okinawa – The Pentagon’s Toxic Junk Heap of the Pacific,” The Asia-Pacific Journal, Vol. 11, Issue 47, No. 6, November 25, 2013. Verfügbar hier.

15 Jon Mitchell, “FOIA Documents Reveal Agent Orange Dioxin, Toxic Dumps, Fish Kills on Okinawa Base. Two Veterans Win Compensation, Many More Denied”, The Asia-Pacific Journal, Vol. 13, Issue 39, No. 1, October 5, 2015. Verfügbar hier.

16 Siehe auch: Jon Mitchell, “Military Contamination on Okinawa: PCBs and Agent Orange at Kadena Air Base”, The Asia-Pacific Journal, Vol. 12, Issue 12, No. 1, March 24, 2014. Verfügbar hier.

17 Zur EPA-Übersicht zu den Gefahren von PCB siehe hier.

18 Erik Slavin, “Elevated lead levels found in some school, day care drinking fountains”, Stars and Stripes, August 22, 2014.

19 Zum Beispiel siehe Jon Mitchell, “Kadena moms demand truth”, The Japan Times, January 21, 2014. Verfügbar hier.

20 Jon Mitchell, “What Lessons Can Vietnam teach Okinawa about U.S. Military Dioxin?”, The Asia-Pacific Journal, Vol. 14, Issue 3, No. 2, February 1, 2016. Verfügbar hier.

21 Alexander Nazaryan, “Camp Lejeune and the U.S. military’s polluted legacy”, Newsweek, July 16, 2014.

22 Emerson Urry, “The Department of Defense Is the Third Largest Polluter of US Waterways”, Truthout, February 15, 2016. Verfügbar hier.

23 Jon Mitchell, “Agent Orange and Okinawa: the story so far”, The Japan Times, April 28, 2016. Verfügbar hier.

24 Der vollständige Bericht steht hier zum Download verfügbar.

 

Quelle: http://www.globalresearch.ca/contamination-at-largest-us-air-force-base-in-asia-kadena-okinawa/5522899, 2. Mai 2016

Die ursprüngliche Quelle dieses Artikels ist: The Asia-Pacific Journal, 1. Mai 2016

Copyright © Jon Mitchell, The Asia-Pacific Journal, 2016

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