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Ausland, Nordamerika

Washington marschiert im Gleichschritt in den Wahnsinn

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von Robert Parry – http://www.luftpost-kl.de

Der US-Journalist Robert Parry befürchtet, dass die Kriegsfalken unter den Demokraten und Republikanern nach dem Sieg Hillary Clintons gemeinsam einen Atomkrieg gegen Russland inszenieren werden.

Auf einen Sieg Hillary Clintons setzend, schmiede die außenpolitische Elite Washingtons bereits Pläne für eine Eskalation des Krieges in Syrien, also für eine noch schärfere Konfrontation mit der Atommacht Russland; damit setze eine parteiübergreifende Gruppierung von Kriegsfalken das Leben auf unserem Planeten aufs Spiel, befürchtet Robert Parry.

Weil sich in Umfragen ein Sieg Hillary Clintons abzeichnet, reiben sich die neokonservativen und liberalen Kriegsfalken im außenpolitischen Establishment Washingtons schon die Hände; sie hoffen auf noch mehr von den USA angezettelte Kriege und Konflikte vor allem auf eine militärische Eskalation in Syrien, auf Strafmaßnahmen gegen den Iran und auf einen Entscheidungskampf mit der Atommacht Russland.

Am alarmierendsten an dieser „kollektiven Fehleinschätzung“ ist das Fehlen jedes wirksamen Auflehnens gegen die Absicht der neokonservativen und liberalen Kriegstreiber, mit einer Präsidentin Hillary Clinton all das umzusetzen, was Präsident Obama ihnen noch verweigert hat.

Da mittlerweile auch die Führung der Republikanischen Partei mit einer Niederlage Donald Trumps rechnet, wird sie ganz sicher Hillary Clinton unterstützen, wenn diese an die aggressive Außenpolitik George W. Bushs anknüpft. Auch die meisten Demokraten werden ihrer neugewählten Präsidentin nicht in den Rücken fallen wollen.

Hillary Clinton könnte nur dann noch vom Kriegspfad abgebracht werden, wenn sich der ohnehin schwache „Friedensflügel“ der Demokratischen Partei mit den republikanischen lnterventionsgegnern vereinigen würde. Diese Möglichkeit wird aber kaum eintreten, weil beide Lager auf anderen Politikfeldern viel zu viele Differenzen haben.

Es gibt auch keine Führungsperson, die „Friedensfreude“ aus beiden Parteien zusammenführen könnte. Senator Bernie Sanders, der seine Konkurrentin Clinton wegen ihrer im Vorwahlkampf vertretenen Forderung nach weiteren „Regimewechseln“ nur schwach kritisiert hat, ist 75 Jahre alt und nicht für seine außenpolitische Standhaftigkeit bekannt. Wenn Trump verliert, wird sich der großsprecherische Immobilien-Mogul vermutlich wieder aus der Politik zurückziehen und allenfalls fortfahren, paranoide Ungereimtheiten zu verbreiten. Er hat sich zwar gegen eine direkte Konfrontation mit Russland ausgesprochen, aber auch sehr undifferenziert über Folter, Terrorismus und Atomwaffen palavert. Als einzige potenzielle Anführerin einer Friedensfraktion käme die demokratische Abgeordnete Tulsi Gabbard (s. https:/lde.wikipedia.org/wiki/Tulsi_Gabbard ) aus Hawaii in Frage, eine 35-jährige ehemalige Soldatin, die zu den wenigen Kongress-Mitgliedern gehört, die schon bisher fundierte und mutige Kritik an der interventionistischen US-Außenpolitik geübt haben. Frau Gabbard würde aber ihre vielversprechende politische Karriere gefährden, wenn sie einer Präsidentin Clinton gleich zu Beginn ihrer Amtszeit im Weißen Haus in die Parade führe.

Dem demokratischen Abgeordneten Eugene McCarthy (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Eugene McCarthy ), einem engagierten Gegner des Vietnam-Krieges, der 1968 sogar gegen den späteren Präsidenten Lyndon Johnson kandidierte, war es gelungen, auch aus der Demokratischen Partei heraus eine Bewegung gegen den Vietnam-Krieg zu organisieren; ohne jemand wie ihn wird es aber kaum gelingen, genügend politischen Druck auf eine Präsidentin Hillary Clinton auszuüben. Praktisch alle Mainstream-Medien und viele andere, immer noch als progressiv geltende US-Medien treten für einen von den USA durchgesetzten „Regimewechsel“ in Syrien und damit für eine Konfrontation mit Russland und seinem Präsidenten Wladimir Putin ein.

Nicht zu Ende gedacht

Auch in der „kollektiven Fehleinschätzung“ des Bündnisses zwischen Syrien und Russland wird wie in den vorausgegangen Fehleinschätzungen der Situation im Irak oder in Libyen die angestrebte Planung nicht zu Ende gedacht, sondern von emotionalen Beweggründen beeinflusst von Fotos verwundeter syrischer Kinder und von Animositäten gegenüber Putin, weil der sich mit nacktem Oberkörper fotografieren lässt und die globale Überlegenheit der USA nicht einfach hinnimmt. Wie im Irak im Jahr 2003 und in Libyen im Jahr 2011 wird wieder nicht einkalkuliert, dass auch „gelungene Regimewechsel“ in Syrien oder Russland schlimme Folgen haben könnten.

Zur Durchsetzung einer „Flugverbotszone“ über Syrien müssten die Luftwaffe und die Flugabwehr Syriens (und die in Syrien befindlichen russischen Flugzeuge und Flugabwehrsysteme) zerstört werden; damit würde aber nur der Weg für einen Sieg der Al-QaidaAbleger Al-Nusra-Front oder islamischer Staat geebnet. Welche Folgen die Herrschaft von Terroristen über Damaskus für das syrische Volk oder für die USA hätte, wird nicht überlegt.

Die vage Hoffnung, dass sich am Ende irgendwelche „gemäßigten Rebellen“ durchsetzen könnten, die so selten wie „Einhörner“ zu seien scheinen, dürfte vergeblich sein, denn die ihnen gelieferten Waffen sind bisher immer bei Al-Qaida und deren Verbündeten gelandet und zum Töten syrischer (Zivilisten und) Soldaten benutzt worden.

Noch gefährlicher ist die bereits gestartete Kampagne zur Destabilisierung der Atommacht Russland, die vor allem damit begründet wird, dass wir Wladimir Putin hassen müssen. Selbst wenn dieser gefährlichste aller beabsichtigten „Regimewechsel“ Erfolg hätte, käme im Kreml sicher kein den USA genehmer „Liberaler“ an die Macht, der wie in den 1990er Jahren noch einmal die Ausplünderung Russlands zuließe.

Viel wahrscheinlicher ist, dass eine wütende russische Bevölkerung dann eine ausgeprägt nationalistische und noch viel härtere Gangart, als die von Putin eingeschlagene, fordern und erwarten würde, dass eine neuer Mann Mütterchen Russland notfalls mit Atomwaffen vor einer erneuten Ausplünderung durch den Westen schützt. Die US-Amerikaner sollten keine Angst vor einem von Vernunft geleiteten Putin, sondern eher vor einem hitzköpfigen Nachfolger haben.

Über diese dunklen Kehrseiten denkt die außenpolitische Elite Washingtons aber nicht nach noch nicht einmal über einen möglichen atomaren Weltuntergang. Wie Muammar al-Gaddafi aus Libyen will sie auch Baschar al-Assad aus Syrien „entfernen“, den Iran maßregeln selbst auf die Gefahr hin, dass sich dessen Führung dann nicht mehr an das Atomabkommen gebunden fühlt und Russland provozieren durch Muskelspiele der NATO an seiner Grenze und die Schwächung der russischen Wirtschaft durch Sanktionen. Und diese fatale Politik wird von einigen der erfahrensten Propagandisten der Welt betrieben. Sie manipulieren die US-Medien und mit ihrer Hilfe auch die US-Bevölkerung. lm Gleichschritt, marsch!

Die Propagandakampagne zu Gunsten Hillary Clintons wird von allen führenden Thinktanks in Washingtons betrieben nicht weil Frau Clinton besonders beliebt ist, sondern weil sie signalisiert hat, dass sie die Strategie der neokonservativen und liberalen Kriegsfalken unterstützen wird.

Am Freitag schrieb Greg Jaffe in der neokonservativen Washington Post [s. unter https://www.washingtonpostcom/politics/washington-foreiggpolicy-elites-not-sorry-to-seeobama-go/2016/10/20/bd2334a2-9228-1le6-9052-Ob10449e33c4_story.html ]: „ln den exklusiven Kreisen des außenpolitischen Establishments in Washington werden Obamas Abgang aus dem Weißen Haus und der en/vartete Einzug der couragierten Hillary Clinton mit großer Erleichterung gesehen.

Republikaner und Demokraten aus der außenpolitischen Elite Washingtons, die mit Frau Clinton ins Weiße Haus einziehen wollen, legen mit einen Fülle kämpferischer Artikel den Grundstein für einen härteren Kurs in der US-Außenpolitik.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn das Washingtoner Establishment in den letzten Monaten einer scheidenden Regierung Studien über Fehler vorlegt, die der amtierende Präsident gemacht hat, um seinen Nachfolger zu beeinflussen. Obwohl die USA derzeit so gespalten sind, wie nie zuvor, widerspiegeln die aus beiden Parteien kommenden Änderungswünsche eine bemerkenswerte Einigkeit der außenpolitischen Eliten (beider Parteien).

Diese Einigkeit ist durch den breiten Widerstand gegen die Politik eines Präsidenten entstanden, der wiederholt gebremst und besonders im Mittleren Osten zur Zurückhaltung gemahnt hat. Alle vorgelegten Studien fordern deshalb eine aggressivere US-Außenpolitik, die den Iran stärker unter Druck setzen, das Chaos im Mittleren Osten beseitigen und die Russen in Europa in die Schranken weißen soll.“ (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP13216_300916.pdf ). Einer der führenden Thinktanks, die von der kommenden 45. Präsidentin Hillary Clinton die Bereitschaft zu militärischen Abenteuern und die Erhöhung der Militärausgaben fordern, ist der Atlantic Council (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantic_CounciI ); er will die NATO zu einer Konfrontation mit der Atommacht Russland treiben. Jaffe zitiert auch, was die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, die den überparteilichen Arbeitskreis des Atlantic Council zum Mittleren Osten leitet, zu Syrien meint: „Wir müssen sofort etwas tun, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern. Wir meinen, dass die USA aktiver werden müssen, nicht mit Bodentruppen, aber durch andere militärische Optionen.“ Das ist die gleiche ach so „humanitär“ eingestellte Frau Albright, die auf die Feststellung in einem UN-Bericht, die in den 1990er Jahren gegen den Irak verhängten US-Wirtschaftssanktionen hätten den Tod von einer halben Million irakischer Kinder verursacht, mit der kaltschnäuzigen Antwort reagierte: „Wir denken, dass es diesen Preis wert war.“

Stephen Hadley (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hadley ), der letzte Sicherheitsberater George W. Bushs, der mit Frau Albright den zitierten Bericht des Atlantic Council verfasst hat, will die Bombenangriffe der syrischen Luftwaffe mit US-Marschflugkörpern stoppen.

Man möchte eine „Flugverbotszone“ durchsetzen, in der die syrischen „Rebellen“ von US-Kampfjets unterstützt die syrischen Regierungstruppen angreifen, aber selbst nicht von der syrischen Luftwaffe angegriffen werden können. Dabei wird nicht bedacht, dass die so genannten „gemäßigten“ Rebellen eine klare Trennung von den Al-Qaida-Kämpfern, die den Widerstand in Osten Aleppos und anderen städtischen Gebieten anführen, bisher immer verweigert haben.

Der Journalist und Historiker Gareth Porter hat dazu Folgendes geschrieben [s. unter @ ps://consortiumnews.com/2016/O2/16/obamas-moderate-svrian-deception/ ]: „lnformationen aus vielen Quellen auch aus den USA belegen, dass alle Gruppierungen, die in den Provinzen Idlib und Aleppo den Truppen Assads bewaffneten Widerstand leisten, unter dem Kommando eines Al-Qaida-Ablegers, der Al-Nusra-Front, stehen.

Mindestens seit 2014 hat die Obama-Regierung mehrere syrische Rebellen-Gruppen bewaffnet, von denen sie wusste, dass sie mit der Al-Nusra-Front zusammenarbeiten, die ihrerseits von der Türkei und Katar mit Waffen beliefert wird.“

Die US-Bevölkerung wird einfach ignoriert

Es scheint diese Eliten auch nicht zu interessieren, dass immer mehr US-Bürger diese kostspieligen, blutigen „Regimewechsel“ einfach satt haben. Hadley hat auf Jaffes Artikel in der Washington Post folgendermaßen reagiert: „Die US-Bevölkerung mag den Mittleren Osten schon aufgegeben haben, weil wir uns bereits seit 15 Jahren dort engagieren. Deshalb denken viele US-Amerikaner, wir hätten keine Aussicht auf Erfolg. Wir denken das nicht.“

Aber es sind nicht nur die neokonservativen Republikaner und die altbekannten Falken unter den Demokraten, welche die US-Amerikaner in neue Kriege treiben wollen. Es stimmt, was Jaffe geschrieben hat: „Auch in einem Report des eher linken Center’s for American Progress (s. https://de.wikipedia_org/wiki/Center_for_American_Progress ), wird gefordert, den Iran militärisch zu maßregeln, den Dialog mit den arabischen Verbündeten der USA zu verstärken und im Mittleren Osten mehr für Reformen in der Wirtschaft und für die Menschenrechte zu tun.“

Diese „liberalen Falken“ sind begeistert darüber, dass jetzt fast die komplette außenpolitische Elite im offiziellen Washington kriegerische Weisen anstimmt. Die Dissonanzen, die es unter Bush in den letzten Jahren des Irak-Krieges gab, sind völlig verstummt. Brian Katulís, ein führender Analyst für den Mittleren Osten am Center for American Progress, meinte dazu: „Die Dynamik ist heute völlig anders als noch vor zehn Jahren,“ und ergänzte, gegenwärtig sei der Fokus wieder stärker auf Muskelspiele und den Anspruch auf Vorherrschaft ausgerichtet.

Mit anderen Worten, das „kriegerische Gruppendenken“, welches das offizielle Washington vor dem Irak-Krieg prägte, ist trotz dieser Katastrophe wieder zurückgekehrt. Jetzt drängen die außenpolitischen US-Eliten im Zusammenspiel mit den Mainstream-Medien die US-Bevölkerung aber in ein noch größeres Desaster.

Abweichende Meinungen sind nicht erwünscht, wer in andere Richtungen und über mögliche Folgen nachdenkt, wird als „Assad-Verteidiger“ oder „Putin-Versteher“ niedergemacht. Und es zeichnet sich auch keine Möglichkeit ab, diesen kollektiven Marsch in den Wahnsinn noch zu stoppen.

Der investigative Journalist Robert Parry hat in den 1980er Jahren die Iran-Contra-Affäre (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re ) für The Associated Press und Newsweek recherchiert. Sein jüngstes Buch „America’s Stolen Narrative“ (Die gestohlene Geschichte der USA) ist über Amazon zu beziehen.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Unter httpsıllde.wikipedia.org/wikilRobert_Parry_(Journalist) sind zusätzliche Infos über ihn nachzulesen. )

https://consortiumnews.coml2016/10l22lwashingtons-new-lock-step-march-of-follfl Exklusiv:

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14716_281016.pdf

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Washington marschiert im Gleichschritt in den Wahnsinn

  1. @BSD: d’accord!!!
    Der US-Schurkenstaat muss untergehen!
    Das Dumme ist nur, dass es dabei Kolateralschäden geben wird!
    Aber die nehmen wir in Kauf, denn es wäre eine Erlösung für die Menschheit!

    Gefällt mir

    Verfasst von Turbo | 2. November 2016, 9:50
  2. Scheint so als ob das Kriegs-geile Imperium mit seinen Zionisten unbedingt untergehen will.
    Wie sagt man so schön, Russland beginnt keine Kriege, es beendet sie.

    Gefällt mir

    Verfasst von bsd | 28. Oktober 2016, 16:45

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