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Geschichte, Kultur

Gehört der Islam zu Europa?

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Dies ist der zweite Teil einer Serie zum Thema Religion und Politik, aktuell insbesondere zum Islam. Wir dokumentieren unterschiedliche Positionen, von radikalen Exmuslims bis hin zu Reformmuslimen. Unsere Frage lautet hierbei, welche Rolle die Religion und aktuell insbesondere der Islam im Klassenkampf spielt und wie die Linke sich hierzu positionieren sollte. Nachdem Hamed Abdel-Samad im ersten Teil unserer Serie die Entstehungsgeschichte von Koran und Islam thematisiert , befaßt sich Norbert Nelte heute mit der kulturell überlegenen Stellung der islamischen Staaten gegenüber den christlichen im Mittelalter.

1. Teil: Interview Hamed Abdel-Samad: „Der Koran fiel nicht vom Himmel“

von Norbert Nelte

Normal sollte es nicht die Aufgabe der Marxisten sein, Partei für einen Überbau des Kapitalismus zu ergreifen. Hier geht es aber um ein Volk, welches mit der Veneinung dieser Frage als nicht zu uns gehörig eingestuft wird

Für einen neutralen Historiker wäre das eine komische Frage. Natürlich gab es den Islam in Europa. Im Jahre 1453 eroberten die Osmanen die europäische Osthauptstadt Konstantinopel und bauten christliche Kirchen in Moscheen um. Auch vor der Eroberung gab es schon zwei arabische Moscheen.

„Nach der erfolglosen Zweiten Belagerung von Konstantinopel (717–718) hatten sich der arabische Heerführer Maslama und der byzantinische Kaiser Leo III. auf die Errichtung einer Moschee für die arabischen Kriegsgefangenen bzw. für die in der Stadt aktiven muslimischen Händler geeinigt“ (wikipedia)

Also wir sehen, unter vernünftigen Menschen findet man immer einen Weg, womit beide Seiten leben können. Es geht doch. Nur die Kreuzfahrer duldeten keine anderen Religionen und brannten 1203 die Moscheen nieder und ermordeten in der Folge viele orthodoxe Christen.

Ob soviel barbarischen Hasses durch die überheblichen Westeuropäischen Christen kommt die endgültige Einnahme von Konstantinopel 1455 schon wie ein zivilisierter logischer Schritt vor.

In der Folge eroberten die Muslime den ganzen Balkan. Die Islamisierung vom Kosovo, von Albanien und Bosnien-Herzegowina bestehen noch heute freiwillig und wieder wurden sie wieder 1992 von Christen überfallen, dieses Mal von den orthodoxen.

Also, das ist schon sehr anmaßend, angesichts von drei bestehendem islamischen Staaten, fünf  islamischer Republiken im europäischen Kaukasus von Russland und dem europäischen Teil der Türkei mit der ehemaligen Hauptstadt Ostroms davon zu sprechen, dass der Islam nicht zu Europa gehöre. Noch dazu gibt es in allen westlichen Staaten Anteile von muslemischer Bevölkerungen.

Jetzt kann man darüber streiten, da diese Länder bis jetzt noch nicht zur EU gehören, aber letztlich ist das moderne Europa ein Produkt des Islams und deshalb gehört der Islam zu Europa. Der Islam war praktisch unser Geburtshelfer. Oder kann man sagen, der Islam war der Schöpfer, aber gehört nicht dazu? Nein, wirklich nicht. Als Geburtshelfer gehört er ja dazu.

Als das römische Reich unterging, gab es nicht einfach die Stafette weiter an das römische Reich deutscher Nationen, sondern ging richtig unter. Es zog sich aus allen Ländern zurück und ließ überall ein Chaos zurück. (Vgl. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? 3a, Die Slavenhaltergesellschaften)

Gleichzeitig setzte die Völkerwanderung ein, so, dass man überall keinen stetigen Aufbau hatte. In Deutschland gab es unzählige kleine Staaten, die auch ständig wechselten. Überall schüttelte die Völkerwanderung alle Orte kräftig durch.

In Köln gab es um 500 den König Sigibert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sigibert_von_K%C3%B6ln „Nach dem Geschichtswerk Decem libri historiarum des Gregor von Tours stiftete Chlodwig I. Sigiberts Sohn Chloderich dazu an, seinen Vater zu ermorden (Greg. Tur. II. 40). Dieser ließ seinen Vater daraufhin tatsächlich umbringen und wurde für kurze Zeit sein Nachfolger. Wenig später bezichtigte Chlodwig ihn deshalb, ein Mörder zu sein, und ließ ihn umbringen, obwohl Chloderich ihn vorher in einer Schlacht gegen die Westgoten unterstützt hatte. Daraufhin wurde Chlodwig auch zum König der rheinischen Franken erhoben.“ (Wiki)

König Chlodwig von Franken in Frankreich und Benelux des Merowinger-Geschlechtes war der erste König der Franken und ließ sich gleich als Christ taufen. Die Merowinger wurden von ihren Hausmeiern, ihren Burgverwaltern, dem Karolinger-Geschlecht abgelöst. Die Meuchelmorde eines Chlodwigs war etwas ganz Normales in dem frühen finsteren Mittelalter.

Auch Kaiser Karl der Große herrschte ziemlich blutig auch bei der Christianisierung unter den Sachen wie heute die ISIS. Dem König von Bayern ließ er Arme, Beine und die Zunge abschneiden, dass er nie wieder König sein konnte

Das Thema der Selbstjustiz wird ja auch in dem Nibelungenlied beschrieben. Der historischer Kern oder Anknüpfungspunkt der Sage ist die Zerschlagung des Burgunderreiches im Raum von Worms in der Spätantike (um 436) durch den römischen Heermeister Aëtius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen. Hier hat der Adel zum Schluss in der Sage bei der Hochzeit von Kriemhild mit Etzel (Attila) sich auch gegenseitig umgebracht. Mord und Totschlag waren in dieser Zeit normal, so dass erst 1190 – 1210 das Lied als Klage gegen die Selbstjustiz und Blutrache von einem Mönch im Auftrag des Bischofs von Passau Wolger von Erla verfasst wurde.

i-7Per Gesetz wurde die Selbstjustiz des Adels erst verboten mit dem Sachsenspiegel von 1220 – 1235, Es gilt als das bedeutendste und, gemeinsam mit dem Mühlhäuser Reichsrechtsbuch, älteste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters. Und auch dann noch hatten die Freien (Ritter bzw. Adel) besondere Fehderechte bis 1495 zum Reichstag zu Worms

Also vor 1235 herrschte die gesetzlose Zeit. Das frühe Mittelalter war recht düster und blutig. Statt zum Arzt ging der brave Christ zum Exorzisten, weil Krankheit sei eine Strafe Gottes.

Die Gesellschaft ist durch und durch für den Krieg organisiert. Die adligen Ritter stellen im Mittelalter die wichtigste Kampftruppe für die Kriege des Königs der. Dafür erhalten sie vom König ein Lehen und die Bauern in diesem Lehen müssen ihrem Lehnsherr 30% Abgaben bezahlen, der ihm dann Schutz verspricht. Dem Bauer bleibt nur soviel, dass er wie seine Schweine zu fressen hat. Es gab viele Hungersnöte in dieser Zeit. Dazu kam noch ein schlechtes Klima im frühen Mittelalalter.

Am besten lässt sich der Niedergang eines Landes an der Kunst ausdrücken.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fayum-02.jpg

Oben haben wir ein römisches Mumienporträt. Die Malerei ist schon ziemlich ausgereift.  Darunter ist ein Fresko aus dem 8. Jahrhundert einer Südtiroler Kirche. Das mutet dagegen an wie Kinderkritzeleien. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Naturns-7437-Bearbeitet-2.jpg

i-8Die Menschen haben in Zentraleuropa sich ganz schön zurück entwickelt.

Zwischen 711 und 1492 besetzten aber die Muslime glücklicherweise Spanien, Sizilien und Süditalien. In Spanien bauten sie eine viel weiter entwickelte Welt in Al Andalus auf. Damit hatte Europa Glück im Unglück gehabt.

Cordoba wurde ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Die Straßen waren teils beleuchtet, die Häuser und Burgen waren lichtdurchflutet, mit Gärten und Brunnen. Die Wassermühlen von Bagdad, wo sie schon ab dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bekannt waren, wurden weiter entwickelt und waren viel größer als die in Zentraleuropa. Sie bauten damit schon eine große Kanalisation aus.

Allgemein ist bekannt, dass wir das Zehnersystem von den Arabern haben. Für die Kirche aber war die 0 die Zahl des Teufels. Wenn man an  einer Zahl 3 Nullen dranhängt war sie plötzlich das Tausendfache. Nein, das war Hexerei und deshalb hielt die Kirche noch 200 Jahre länger an dem römischen Zwölfersystem fest.

So gibt es muslemische Mathematiker wie den bekannten Vater der Algebra Harizimi

Harizmîs Reise in die Algebra

Algebra ist ein Mathematikzweig, der sich der Struktur, Relation und der Menge widmet. Unbekannte Größen werden mit Zeichen und Buchstaben symbolisiert und mit Hilfe von Gleichungen gelöst. Algebra ist eine Theorie, die rationale, irrationale Zahlen und geometrische Größen miteinander verbindet und sie als algebraische Objekte verwendet. Mit Algebra erreichte die Mathematik eine neue Dimension und wurde zu einem weiten Begriff.

Harizmî hielt fest, dass in Indien, wo er sich eine Zeit lang aufhielt, ein anderes Zahlensystem verwendet wurde als Buchstaben. Harizmîs Buch zu diesem Thema wurde ins Lateinische übersetzt und machte auf diese Weise den Westen im 12. Jahrhundert mit den Dezimalzahlen und der Ziffer Null bekannt. Sein Werk „Al-Kitâb al-muhtasar fi hisab al-dschabr wa-l-mukabala“ ist das erste in der Geschichte der Mathematik, in dem Gleichungen ersten und zweiten Grades auftauchen. Die Bezeichnung Algebra (arab.: Ergänzen) ist zurückzuführen auf einen Lösungsweg in Harizmîs Werk, bei dem Gleichungen durch Ergänzungen gelöst werden.“ Aus „Muslimische Entdeckungen und Erfindungen, Meister der Mathematik, aus Islamic IQ“

Die Muslime waren auch in der Geometrie, in der Medizin, in der Astronomie, als Historiker, in der Musik, in der  Bautechnik, in allen Wissenschaften den Europäern bis in das 14. Jahrhundert weit voraus und dieses Wissen gelangte auch nach Al Andalus, wo es dort an den Schulen auch den Nichtmuslimischen Europäern vermittelt wurde.

Avicenna, persisch Ibn Sina (989 – 1037) war ein persischer Arzt, Physiker, Philosoph, Dichter, Jurist, Mathematiker, Astronom, Alchemist und Musiktheoretiker aus nahe Buchara, heute Usbekistan. Er zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit und lehrte in Efesus. Sein Medizinbuch (unten), der Koran war an den europäischen Universitäten das Standardwerk bis in das 16. Jahrhundert und darüber hinaus noch. Avicenna hatte die Leichen seziert, obwohl das im Islam verboten war, und zeigt auch in seinem Buch die Zusammensetzung des Körpers mit dem Verlauf der Venen.

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Es gab in Cordoba schon 810 Flugversuche. Abbas Ibn Firnas, der Hofdichter, flog 200 Meter weit, hat aber die Räder für die Landung vergessen und brach sich beide Beine. Nach ihm ist heute ein Flugplatz in Bagdad benannt, eine Brücke in Cordoba und ein Mondkrater.

i-2Bei den Arabern gibt es in Bagdad 795 die Papierherstellung. Das Verfahren kam von China über die Seidenstraße. Die Araber entwickelten es aber noch weiter. Sie führten Stärke hinzu, damit konnte die Leimung verbessert werden. Und sie normten das Papierformat.

Ab dem 12. Jahrhundert gelangte es nach Spanien nach Valencia, wo noch heute das Zentrum der Spanischen Papierindustrie liegt, da hier viel Flachs angebaut wird. Das handgeschriebene Buch „Missale von Silos“ ist das erste christliche Buch von 1151 und ist in der Bibliothek des Klosters Santo Domingo de Silos in der Provinz Burgos (Spanien) aufbewahrt.

Die Toleranz war in friedlichen Zeiten unter den Religionen sehr groß, was man alleine daran sah, dass Juden und Anhänger christlicher Sekten vor der Intoleranz bei den Christen im Norden sich dorthin flüchteten. Die Juden stellten große Heeresgruppen in der muslemischen Armee und wichtige Offiziere, sogar einen selbstständigen Stadtkommandeur.

Die Nichtmuslime zahlten lediglich eine Schutzsteuer, die oft geringer war als im Norden bei christlichen Fürsten. Der Bischof von Damaskus zahlte auch bei den Muslimen weniger Steuern als an die christlichen Steuereintreiber von Byzanz.

Die muslemischen, christlichen und jüdischen Wissenschaftler übersetzten gemeinsam die Bücher der Antike. Sie wurden schon in Bagdad vom griechischen oder römischen in das arabische übersetzt und diese wurden mit ganzen Kamelkarawanen nach Spanien geschafft.

„die Bibliotheken und Universitäten von al-Andalus waren in Europa und in der islamischen Welt berühmt und renommiert. So kamen nach der Eroberung von Toledo im Jahr 1085 Gelehrte aus anderen Ländern dorthin, um Übersetzungen wissenschaftlicher Literatur aus dem Arabischen ins Lateinische anzufertigen. Der bekannteste von ihnen war Michael Scotus (um 1175 – um 1235), der die Werke von Averroes und Avicenna später nach Italien brachte. Dieser Wissenstransfer hatte starken Einfluss auf die Entstehung der Scholastik im christlichen Europa…

Aristoteles ist in Bagdad auf arabisch übersetzt worden und gelangte durch Gerhard von Cremona (1114 – 1187), der in Toledo wirkte, zu den christlichen Gelehrten nach Europa.

„Im Laufe von mehr als vierzig Jahren übersetzte Gerhard mindestens 70 philosophische und naturwissenschaftliche Werke aus dem Arabischen ins Lateinische, wobei die Zuschreibung nicht in allen Fällen als gesichert gelten kann. Zu diesen Werken zählen unter anderem:

Michael Scotus (* um 1175 in Schottland; † um 1235) war ein mittelalterlicher scholastischer Philosoph, Mediziner, Alchemist und Astrologe, den Dante Alighieri als Magier beschrieb. Bekannt wurde er durch seine Übersetzungen von Averroës-Kommentaren aristotelischer Werke aus dem Arabischen.

Durch seine immer noch währende Nähe zum Islam war Toledo eine der wichtigsten Städte der Bildung. Hier waren schon verschiedene bekannte Übersetzer tätig, wie zum Beispiel Johannes von Sevilla, Hermann von Carinthia, Adelard von Bath, der als erster Student aus Britannien kam, und Gerhard von Cremona,

Sein Ruhm als Übersetzer gründet sich aber hauptsächlich auf die Übersetzungen der Averroës-Kommentare der Aristoteles-Schriften wie De anima, De sensu et sensato, De celo et mundo, Physica und Metaphysica. Insgesamt sind 14 Übersetzungen von Averroës-Kommentaren erhalten geblieben, wovon er wahrscheinlich einige am Hofe Friedrichs II. vollendete. Diese Übersetzungen aus dem Arabischen setzen aber nicht nur sehr gute Sprachkenntnisse, sondern auch detaillierte Kenntnisse des Inhaltes voraus, da die arabische Schrift unvokalisiert ist und dies zu schwerwiegenden inhaltlichen Verständnisfehlern führen kann. Dies legt auch die Vermutung nahe, dass sich Michael Scotus’ dabei auch arabischer Hilfskräfte bediente. Seine sehr guten Sprachkenntnisse, und dass er nicht direkt aus dem Griechischen übersetzte, bezeugt auch Papst Gregor IX., der sich in höchsten Tönen über Michael Scotus’ Arabisch-, Hebräisch- und Lateinkenntnisse äußerte, aber nicht das Griechische erwähnt…

Übersetzerschule von Toledo ist ein verwendeter Begriff, unter dem verschiedene Aktivitäten der Übersetzung aus dem Arabischen zusammengefasst werden, die seit dem 12. Jahrhundert in Toledo nachweisbar sind. Es handelte sich dabei nicht um eine Schule im Sinne einer Institution, sondern um verschiedenartige Aktivitäten der Übersetzung, die durch den Kontakt zwischen arabischkundigen Mozarabern [arabisierte Christen] und Juden mit Romanen bzw. lateinischen Autoren ermöglicht und zum Teil durch bischöfliche oder königliche Initiative gefördert wurden.“ Alles aus Wikipeia

,Naja, das geht jetzt ellenlang so weiter. Die griechischen Bücher waren oft nicht mehr auffindbar, aber sie wurden in Bagdad ins Arabische übersetzt und in Spanien in das Lateinische. Alle Klöster in Europa, und das waren im frühen Mittelalter die Universitäten des Adels, füllten ihre Bibliotheken auf mit den Abschriften der Übersetzungen der griechischen und arabischen Gelehrten. Dadurch konnten die Mönche aus dem dunklen frühen Mittelalter direkt in eine Welt voller Gelehrsamkeit springen.

i-6So ging es dann sehr schell, dass wir bei Kolumbus und der Renaissance sind. Dann war es nur noch ein kleiner Schritt zur Aufklärung Mitte des 18. Jahrhundert und in die Neuzeit. Ohme die Moslems würden wir heute vielleicht gerade romanische Kirchen bauen und wüssten nichts von Aristoteles, Pythagoras, Harazimi und Amerika und in 100 Jahren würden die Azteken ins entdecken und uns zum großen Quetzalcoatl-Gottestum bekehren, dem wir zu Weihnachten immer 100 Jungmänner und 400 Jungfrauen opfern müssten.

Wann und warum sind die Musleme hinter die Christen wirtschaftlich zurück gefallen?

Der Grund, warum die Musleme zurück gefallen sind, liegt einmal daran, dass der Enkel von Dschingis Khan, Hülegü Khan, 1258 Bagdad überfallen hat. Die Hunnen ermordeten 100.000 bis 1.000.000 Bewohner, verbrannten alle Bibliotheken, verwüsteten die Kanalisation und besetzten Bagdad über 100 Jahre. die Einnahme der Stadt wurde als der Endpunkt der Blütezeit des Islam angesehen.

Bagdad war nicht mehr die Hauptstadt der westlichen Welt, das wurde jetzt Venedig. In Venedig suchte man Kapitalgeber für die Schiffsausrüstungen. Diese Suche war nur erfolgreich, wenn man dem Kapitalgeber für die Geldleihe einen Ausgleich, einen Zins gab. Also hoben die Bankhäuser das Zinsverbot der Kirche auf.

Die Zinseinführung hat in Europa die Geschäftstätigkeiten der Manufakturen und Bergwerksgesellschafen so zum erblühen gebracht, dass Europa locker die arabische Welt überrunden konnte, die ihr Zinsverbot nicht aufgehoben hatte.

(Vgl. Wo kommen wir her  wo gehen wir hin: Der Feudalimus)

Nun hat die zugleich glorreiche und traurige Geschichte ihr Ende gefunden. Was können wir daraus lernen?

  1. In dem Moment, wo alle Menschen, egal, welcher Religion und welcher Nationalität, zusammen arbeiten, kommen alle viel weiter. Als die Römer im 5. Jahrhundert keine Ausländer mehr haben wollten, ging es mit dem Imperium sehr schnell zu Ende.
  2. Es sind nicht die Religionen, die zu bestimmten Verhaltensweisen führen und uns trennen, sondern der sozialen Entwicklungstand führt zu nationalen gegensätzlichen Traditionen. Das bedeutet, dass es das Ziel sein muss, dass alle Länder der ganzen Welt gleichmäßig entwickelt sein müssen und überall gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt werden muss, für Frau und Mann.

Hoch die internationale Solidarität

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Gehört der Islam zu Europa?

  1. Der Islam gehört mindestens genau so wie das Christentum zum kapitalistischen Europa

    Dass der Islam grundsätzlich immer eine konservative Auslegung findet, wäre eine falsche Schlussfolgerung von einzelnen rückständigen Verlautbarungen. Z.B. der europäische Islam, dessen Lehrzentrum in Marseille sitzt und dem sich der Islamwissenschaftler Professor Bassam Tibi zugehörig erklärt, hat Frauen als Imaminnen in seinen Reihen. Da sind sie beispielsweise fortschrittlicher als die katholische Kirche.
    Das Problem in Deutschland ist, dass 1. viele Moscheen von der Türkei oder sogar von Saudi-Arabien und dem Waabismus kontrolliert werden, aber auch 2. dass wir Deutsche selber immer noch verkrampft und misstrauisch mit ihnen umgehen, was natürlich zu einer Abwehrhaltung führt und konservativen Schutzhaltungen. Da ist z. B. das Kopftuch ein Bespiel. Als die Türkinnen Ende der 60er kamen, war das selten. Je mehr Rassismus sich zeigte, umso mehr Kopftücher sah man. Eine Studentin erklärte im TV, sie hätte früher kein Kopftuch getragen. Aber als immer lauter die Vorwürfe dagegen wurden, hat sie nur aus Solidarität jetzt auch eins an.In den USA und Britannien geht man viel unverkrampfter mit Ihnen um (vgl. Interview mit Tibi.)
    In jedem Land zeigt sich der Islam anders. Z. B. bei den Tuaregs haben sie wie selbstverständlich Sex vor der Ehe, oder in Indonesien bei den Minangkabau ist die Frau das Familienoberhaupt und sie heiraten erst nach der alten matrilinearen Tradition und dann nach dem Islam. Was konservativ ist, ist nicht der Islam, sondern die Tradition einen Landes, und die wiederum hängt sehr stark von ihrem Entwicklungsstand ab.
    Dass der Nahe Osten heute so zurück geblieben ist, trägt der Westen mit seiner Kolonialpolitik eine hohe Mitschuld. Auf Grund der Kolonialpolitik haben die Moslems eine Parallelgesellschaft als Schutz aufgebaut. Bagdad war vor 1258 die Hauptstadt der westlichen Welt und die fortschrittlichste Stadt.

    Jede Religion ist so, wie das Land ist. In San Salvador erhielt eine Frau mit einer Fehlgeburt 40 Jahre Gefängnis. In Deutschland bekam 1946 noch eine Frau in Mainz wegen Abtreibung noch die Todesstrafe. Ist das fortschrittlich? Also wir müssen immer die soziokulturellen Bedingungen sehen. Und das erwähne ich ja auch
    1. Es sind nicht die Religionen, die zu bestimmten Verhaltensweisen führen und uns trennen, sondern der soziale Entwicklungstand führt zu nationalen gegensätzlichen Traditionen. Das bedeutet, dass es das Ziel sein muss, dass alle Länder der ganzen Welt gleichmäßig entwickelt sein müssen und überall gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt werden muss, für Frau und Mann.
    Der Islam ist mal so fortschrittlich wie vor 1258 in Bagdad oder wie in Toledo im 13. Jhdt. Oder wie die Tuaregs oder wie der Euroislam eines Bassam Tibi und mal so rückschrittlich wie der Iran oder Syrien.
    Die Dschihadisten, Salafisten, ISIS oder Al Kaida haben so was von Nichts mit dem Islam zu tun, Null, sondern mit dem Waabismus, sagt auch Prof. Tibi.
    Dass Europa durch Bagdad und die Mauren, also durch die moslemischen Araber, früh zur Renaissance gekommen sind, ist nicht nur meine Haltung, sondern ist eine oft gehörte Meinung unter Historikern.
    Übrigens, ich sage mit keinem Satz, dass der Islam zu Europa gehört, weil er so fortschrittlich wäre, sondern einfach nur, er gehört zu Europa, wenn er doch hier in 9 Ländern vorkommt. Es ist falsch, wenn man sagt, er wäre grundsätzlich reaktionär. Religion ist der Überbau des kapitalistischen Staates ist jeweils so entwickelt, was dieser Staat aus ihr macht. Er formt die Religion schon so, wie er sie braucht.
    Der Aufruf „Der Islam gehört auch zu Euopa“ ist natürlich nur im kapitalistischen Europa zu verstehen, was ja schon in der Einleitung gesagt wird, wie das Christentum zum kapitalistischen Europa, gehört der Islam mindestens genau so. Also als Gegenposition zur CDU Position halte ich das Schon für wichtig zu betonen. Dass jede Religion im Kommunismus wieder absterben wird, ist nicht Gegenstand dieser Frage gegen die CDU-Position.
    Warum der Islam im frühen Mittelalter so fortschrittlich war, wäre eine interessante Untersuchung. Ich denke über die Seidenstraße gab es starken kulturellen Austausch mit China und Indien aber nicht zu vergessen, Babylon war seit 5000 Jahren die Hauptstadt, und ab 2500 Jahren dann Bagdad, unterbrochen von Rom von 200 vor – 500 nach. In Bagdad schreiben sie schon seit 5000 Jahren und betreiben Wissenschaften. Da hatten schon die Sumerer Kontakt mit den Griechen und die Ideen eines Aristoteles erreichen mit seinem Schüler Alexander dem Großen spätestens den Nahen Osten, der ja Bagdad zu seiner Hauptstadt gemacht hat und da auch gestorben ist

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    Verfasst von Norbert Nelte | 20. Oktober 2016, 17:55
  2. Was die historische Darstellung und Beurteilung angeht, ist dir zuzustimmen, wenn auch die politökonomische Analyse für die Überlegenheit der islamischen Länder im Mittelalter fehlt.
    Tatsächlich ist die Praxis der islamischen Staaten im Mittelalter vergleichsweise tolerant und umgekehrt diejenige der mittelalterlichen christlichen Staaten barbarisch. So weit so gut und richtig.

    Du setzt die dokumentierte Liberalität der muslimischen Staaten des Mittelalters gleich mit dem Islam und suggerierst damit, der Islam als solcher und seine heutige praktische politische Erscheinung sei liberal und zu tolerieren.
    Tatsächlich ist der Islam als solcher ideologisch weit rückständiger als das Christentum. Der Koran ist eine Botschaft des Religionschauvinismus und der Barbarei während die Botschaft des neuen Testamentes eine solche der Toleranz und Friedfertigkeit ist. Wohlgemerkt, dies gilt allein für die ideologische Seite und keineswegs für diejenigen Kräfte und Staaten, die sich in einer konkreten historischen Situation auf ihn berufen haben.
    Nachdem die römischen Kaiser ab Constantin die Nützlichkeit des Christentums als ideologisch das Reich verbindende Klammer erkannt hatten, degenerierte das Christentum zu einem barbarischen Todeskult. Im Namen der Bergpredigt wurde es instrumentalisiert zu Chauvinismus und Zwangschristianisierung möglichst aller Völker. So ist die Praxis der christlichen Staaten im Mittelalter mit derjenigen des islamischen Staates heute sehr zu vergleichen – in völligem grotesken Gegensatz zur Botschaft des neuen Testamentes.
    Umgekehrt ignorierten die muslimischen Staaten des Mittelalters die Hassbotschaft Muhammads und betrieben eine liberale Politik, auch wenn auch sie mit Feuer und Schwert die Welt versuchten zu erobern. Das ist es, was mir in deinem Artikel so gar nicht gefällt, daß du diesen Aspekt geradezu im Sinne heutiger humanitärer Kriege hochleben läßt. Auch wenn die muslimische Kultur damals hochstehend war und es den Menschen unter ihrer Herrschaft in vielfacher Hinsicht besser ging, geht es doch um Eroberungen und mehr oder weniger gewaltsam betriebene Zwangsmuslimisierung. Die Eroberung fremder Länder sollten Linke unter keinen Umständen gutheißen. Die Verteidigung Wiens gegen den ottomanischen Angriff und der in den nachfolgenden Jahrhunderten geführte Kampf gegen die türkische Herrschaft auf dem Balkan kann man nur als als nationalen Befreiungskampf beurteilen.
    Insofern gehört der Islam allein historisch zu Europa so wie auch das Hunnentum. Aber selbst das kulturell gegenüber dem Mittelalter Europas überlegene muslimische Regime in Spanien kann man ideologisch wirklich nicht mit der Aufklärung vergleichen, die eine Emanzipation von der Religion als solcher bedeutete.
    Das heutige Europa hat als Basis was seine ideologischen Grundlagen anbetrifft den Humanismus und die Aufklärung. Aus eben dieser Tradition hat sich der Marxismus als konsequente Fortschreibung der fortschrittlichen Grundlagen von Humanismus und Aufklärung entwickelt.
    Insofern gehören weder Christentum noch Islam zum heutigen Europa und insofern ist das z.B. von Pegida formulierte Ziel eines „christlichen Europas“ reaktionär. Allenfals gehört das Reformchristentum zu einem solchermaßen ideologisch definierten Europa, das sich praktisch nur auf die humanistischen und liberalen Teile des eh weitgehend hassfreien neues Testamentes beruft. Aber das was sie Christentum nennen ist eigentlich nur eine Form des Humanismus.

    Auf gar keinen Fall gehört aber der Islam als ideologische Botschaft und vor allem nicht was sein heutiges politisch-gesellschaftliches Auftreten angeht zu Europa. Eine solche Parole ist durch und durch reaktionär. Es gibt zwar eine – extrem kleine und völlig unbedeutende – Bewegung von Reformmuslimen, die sich auf die liberalen und humanen Teile der Botschaft des Islam berufen, doch der heute weltweit in Erscheinung tretende Islam, sei es als Moslembruderschaft/Türkei oder Wahabismus/Saudi-Arabien oder sei es als Politik eines beliebigen muslimischen Landes, ist der mittelalterlichen Praxis des Christentums vergleichbar und zutiefst reaktionär.

    „Der Islam gehört zu Europa“ ist darum eine politisch falsche Parole, auch wenn du es allein mit seiner Fortschrittlichkeit im Mittelalter begründest. Der heutige Islam hat nichts mit demjenigen im Mittelalter zu tun, ist reaktionär und hat jede Fortschrittlichkeit verloren.

    Ich werde diese und weitere Gedanken in einem eigenen Artikel im Rahmen der Islamserie veröffentlichen.

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    Verfasst von egester | 20. Oktober 2016, 10:01
    • Ich möchte aus Zeitgründen nur zu einem Punkt Stellung beziehen. Du schreibst: „Du setzt die dokumentierte Liberalität der muslimischen Staaten des Mittelalters gleich mit dem Islam und suggerierst damit, der Islam als solcher und seine heutige praktische politische Erscheinung sei liberal und zu tolerieren.
      Tatsächlich ist der Islam als solcher ideologisch weit rückständiger als das Christentum. Der Koran ist eine Botschaft des Religionschauvinismus und der Barbarei während die Botschaft des neuen Testamentes eine solche der Toleranz und Friedfertigkeit ist. Wohlgemerkt, dies gilt allein für die ideologische Seite und keineswegs für diejenigen Kräfte und Staaten, die sich in einer konkreten historischen Situation auf ihn berufen haben.“ Während der erste Satz richtig ist, gilt das keineswegs für das Folgende. „Der Koran“ ist keineswegs insgesamt eine Botschaft des Religionschauvinismus und der Barbarei. Es ist zu unterscheiden zwischen den Suren, die dem Propheten Muhammad während seiner Zeit in Mekka „offenbart“ wurden, und denen aus seiner darauf folgenden Zeit in Yathrib (Medina). In Mekka befand er sich in einer ähnlichen Lage we Jesus (zu beachten ist, dass wir von Jesus nur das „wissen“, was seine Anhänger rund 100 Jahre nach ihm von ihm und seiner Lehre zu wissen glaubte. Es ist nicht einmal sicher, wenngleich durchaus wahrscheinlich, , dass er wirklich gelebt hat), nämlich in der eines von der Mehrheit der Bevölkerung ignorierten oder gar aktiv abgelehnten religiösen Reformators oder gar Rebells. In Medina aber war er Führer einer religiöse Gemeinschaft, die schließlich gegen den Widerstand z.B. der lokalen jüdischen Gemeinde auch die politische Herrschaft erlangte. Daraus ergaben sich für ihn ganz andere Aufgaben als für Jesus. Diese Aufgaben standen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Struktur der polytheistischen Stammesgesellschaft im damaligen Hejaz. Ein Vergleich zur Praxis und Theorie des Christentums kann sich deshalb sinnvoller Weise nicht auf die Zeit beziehen, da die Christen eine verfolgte Minderheit waren, sondern muss sich auf die Zeit beziehe, da das Christentum Staatsregion wurde. Ebenso wie in der Bibel, die ja von den Christen (jedenfalls den katholischen, evangelischen und orthodoxen) als ganze, also einschließlich des jüdischen „Alte Testaments“ als „Gottes Wort“ gesehen wird, finden sich im Koran durchaus (zumindest auf den ersten Blick) widersprüchliche Aussagen. Was die Interpretation des Korans durch Fundamentalisten oder gar takfiristische (das sind diejenige, die Muslime, die nicht ihrer Interpretation folgen, als „Ungläubige“ – „kufar“ – bzw. „Abtrünnige“ – „murtaddun“ – bezeichnen, die des Todes seien) Jihadisten anbelangt, eineInterpretation, die auch von nicht-muslimischen „Kritikern“ à la PEGIDA & Co. geteilt wird, sei darauf hingewiesen, dass sich imKoran z.B. der Vers „keine Gewalt in Sachen des Glaubens“ („la ‚amr fi din“) (Sure 2, Vers 256) befindet und dass andere Verse, die von Gewalt gegen „Ungläubige“ sprechen, ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese nur die Antwort auf deren Gewalt gegen die Muslime zu sein habe (s. 6:105, 17:7, 18:29, 76:3). Was nun die Praxis „des“ Islams – oder richtiger: die Praxis von Muslimen mit verschiedenem gesellschaftlichem und historische Hintergrund angeht, so war diese naturgemäß oft sehr unterschiedlich. Generell kann man sagen: je stabiler islamische Staaten auf Grund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihrer militärischen Kraft gegenüber konkurrierenden christlichen Staaten waren, umso größer war ihre Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Wäre er Islam in erster Linie gegenüber den „Leute des Buches“ (d.h. den Juden und den Christen) mit dem Schwert verreitet worden, ließe sich nicht erklären, wieso z.B.die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Balkans nach hunderten Jahren osmanischer Herrschaft immer noch Christen waren und sind. Auch die Tatsache, dass nach der Rückeroberung Spaniens durch die Christen nicht nur die Muslime das Land in Richtung auf die islamische Welt – fluchtartig – verließen, sondern auch die Juden weist darauf hin. Die überaus friedfertige Botschaft Christi, so wie sie von den machtlosen frühen Christen verstanden und in die Bibel geschrieben wurde, hat dementsprechend nicht verhindert, dass „die“ Christen, nun nicht mehr machtlos, nicht nur Muslime und Juden blutig verfolgten, sondern auch ihre eigenen „Ketzer“ wie die Katharer und Waldenser – um nur die bekanntesten zu erwähnen.
      Ich glaube, dass die Weltreligionen samt und sonders verschiedene Eigenschaften bzw. Aufgaben haben. Sie – und das gilt auch für die polytheistischen Religionen – liefern denMenschen in Zeiten mangelnder wissenschaftlicher Durchdringung der Welt Erklärungen für alle mögliche Natur- und sonstige Phänomene. Darüberhinaus sind sie, wie Marx sagte, die phantastische Verwirklichung des menschlichenWesens, weil die reale diesseitige Verwirklichung nicht gelingt. Sie ist der Geist geistloser Zustände und deshalb nur durch die Abschaffung dieser Zustände „abzuschaffen“. Das aber ist m.E. nur die eine Seite, die natürlich von Marx, der an der Entwicklung der gesellschaftlichen Beziehungen interessiert war, tendenziell verabsolutiert wurde. Religion antwortet aber auch auf gesellschaftlich nicht vermittelte individuelle Probleme, wie Leid durch Krankheit, Tod, Liebesentzug etc. Sie ermöglicht individuelles und gemeinschaftliches Handeln (z.B. durch Beten) auch oder gerade dann, wenn man an und für sich nichts tun kann, und erleichtert so die Seelen. In dieser Hinsicht haben alle Religionen die gleiche vermutlich zwar illusorische aber wohltuende Wirkung. Daher deutet nichts darauf hin, dass Religion (das Antworten des Menschen auf die Erfahrung des Numinosen, wie es z.B. der Religionswissenschaftler Mensching nannte) an und für sich jemals aussterben wird. Auf gesellschaftlicher Ebene formulieren sie Regeln, die dem jeweiligen Stand der Gesellschaft mehr oder weniger entsprechen. Wenn sie dem Stand der Gesellschaft nicht mehr entsprechen, verlieren sie an Bedeutung und Anhang. Natürlich entsprechen auch die reaktionärsten Formen von (politischer) Ideologie und/oder Religion der jeweiligen Gesellschaft, wenn auch nur als irrealistische Antwort in Zeiten der Abwesenheit gesellschaftlich mächtiger progressiver Lösungen. Wenn uns also heute „der“ Islam in besonders militant-reaktionärer Form gegenübertritt (wobei nicht vergesse werden darf, dass der Stellenwert, der Halsabschneidern und Autobombenbastlern von den Medien eingeräumt wird, durchaus im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Zahl im Vergleich zu den übrigen Muslimen steht., darunter z.B. auch den Anhängern verschiedenster „Sufi“-Gemeinschaften), dann, weil die islamische Welt sich seit langem in einer sozio-ökonomischen und folglich auch ideologischen Krise befindet, sich einem verstärkten blutigen Angriff des „christlichen“ Imperialismus ausgesetzt sieht und weil „das“ Christentum demgegenüber in den entwickeltsten und folglich mächtigsten imperialistischen Gesellschaften vergleichsweise schwach – und somit notgedrungen toleranter – geworden ist.

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      Verfasst von Anton Holberg | 20. Oktober 2016, 15:50

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