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Kultur, Religion

Tod und Teufel – Präsident der Internationalen Vereinigung der Exorzisten gestorben

exorzist

von Horst Herrmann – http://hpd.de/

Roms berühmtester Exorzist starb am Freitag im Alter von 91 Jahren. Pater Gabriele Amorth hat 70.000 kirchenoffizielle Teufelsaustreibungen vorgenommen. Offenbar gab es Bedarf. Er rede täglich mit dem Satan, sagte dieser Priester einmal.

Amorth wurde 1986 von Papst Johannes Paul II. zum amtlichen Exorzisten berufen. Weltweit bekannt wurde er durch zahlreiche Bücher und Interviews. Er brachte darin etwa Yoga und „Harry Potter“ mit dem Teufel in Verbindung. 1990 gründete er die internationale Vereinigung der Exorzisten, die der Vatikan offiziell anerkannte.

Heute will es mal wieder keiner gewesen sein. Doch innerhalb der katholischen Kirche ist allenfalls die Praxis der Teufelsaustreibungen, nicht aber die Existenz des Teufels selbst umstritten. Dabei wird eine Teufelsaustreibung streng genommen auch in einfacher Form bei normalen Taufzeremonien nach katholischem Ritus vorgenommen. Ich selbst bin 1963 zum Exorzisten „geweiht“ worden, nichts Besonderes, es handelte sich um eine sogenannte niedere Weihe, die Vorbereitung auf die Priesterweihe.

Den Großen Exorzismus dürfen geeignete Priester aber nur nach Genehmigung des zuständigen Bischofs vornehmen. Seit 1999 gelten dazu neue Richtlinien des Vatikans, die den Exorzisten dazu anhalten, eine mögliche Besessenheit genau zu überprüfen und sich gegebenenfalls mit Medizinern und Psychiatern zu beraten.

Padre Amorth erklärt, wie teuflich Rockmusik ist
Padre Amorth erklärt, wie teuflich Rockmusik ist (Screenshot)

Pater Gabriele Amorth hielt von der Neufassung nicht viel. „Das ist, als ob sie den Teufel mit einer ungeladenen Waffe bekämpfen wollen“, urteilte er. Im Übrigen finden sich Hunderte praktizierende Exorzisten in katholisch geprägten Ländern. In Polen gehört Exorzismus immer mehr zum katholischen Alltag. Das hat auch politische Konsequenzen.

Die Existenz des Satan anzuzweifeln, sah Amorth stets als Gefahr an: „Dem Teufel ist es ganz recht, wenn Sie nicht an ihn glauben. Dann kann er ungestört wirken.“ Die Konsequenzen: Den Vertretern einer abweichenden Auffassung werden nicht so sehr sachliche Argumente bescheinigt. Vielmehr wird hinter ihrem Standpunkt noch immer oder schon wieder das Wirken böser Mächte gesehen. Bis heute gilt intensive Abwehr und Ablehnung des Christentums oder der Kirche als ein Beweis für Besessenheit. Und eben diese muß einem politisch missliebigen Menschen ausgetrieben werden.

Die Verbindung von Andersdenken und -glauben mit dem Wirken des Teufels hat eine sehr lange und sehr verhängnisvolle kirchliche Tradition. Auch die Verbindung der Juden mit dem Teufel zieht sich kontinuierlich durch die Geschichte der christlichen Völker. Der Nationalsozialismus brauchte beispielsweise die jahrhundertealte Gleichsetzung von Teufel und Juden nur aufzugreifen und für seine Zwecke zu nutzen. 1938 forderte ein Pogrom vierhundert Tote und tausend zerstörte Synagogen. Der Protest katholischer Bischöfe darf als sehr zurückhaltend charakterisiert werden.

Verbale Herabsetzungen und nicht zuletzt Dämonisierungen haben immer wieder tatsächliche Aggressionen gegen Andersdenkende und Minderheiten vorbereitet. Nur zu oft verschaffte der Teufelsglaube das gute Gewissen für Diskriminierung, Folter und Exekution. Umfassende sadistische Exzesse wie Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung hatten ihre Stütze.

Auch Teufel haben ihre Geschichten. Es ist wie immer: Wie sich ein Glaube entwickeln kann, der einem beigebracht wurde, habe ich am eigenen Leib verspürt. Ich bin noch als Theologiestudent Jahre lang durch die Straßen gelaufen und habe Nein vor mich hingesagt. Nein zum Teufel, vor dessen Einfluss ich immer gewarnt worden war. Und meine erste Probepredigt befasste sich mit dem Glauben an den Teufel, der eine Grundlage in der Bibel haben soll. Erst Jahre später habe ich mit diesem Unsinn Schluss machen können. Für immer. Doch noch vor wenigen Jahren habe ich unter der Moderation von Gerhard Delling mit einem Piusbruder über so was streiten müssen.

Jedenfalls sehen wir, was der biblische Jesus anrichten kann, wenn er den Aberglauben seiner Zeit wiedergibt. Jesus bezieht sich in diversen Gleichnissen auf den Teufel. Viele Teufelsvorstellungen gehen in der Tat auf das sogenannte Neue Testament zurück. Dort wird der Teufel als der große Drache sowie die uralte Schlange, die Widerwirker und Satan heißt und als Fürst des Vollmachtsgebiets der Luft bezeichnet. Der Satan wird mit einem Engel des Lichts verglichen und als personifiziertes Geistwesen vorgestellt. Ein paulinischer Autor bezeichnet den Teufel als den Gott dieser Welt, und in den Evangelien tritt der Teufel in der Rolle des Versuchers auf, der Jesus zu einem Missbrauch seiner göttlichen Macht verleiten will.

Im Christentum ist der Teufel der Inbegriff des Bösen. Ein eigenständiges Geistwesen soll mit seinem freien Willen nicht unter der Herrschaft und Befehlsgewalt Gottes stehen. Ein gefallener Engel, der gegen Gott rebellierte und seitdem die Welt heimsucht. So wird der Teufel als Urheber der Lügen und des Bösen in der Welt angesehen.

Zudem hat sich die Vorstellung entwickelt, dass der Teufel die Schlange im Paradies war, welche die Menschen verführte und das Opfer des Jesus von Nazaret als einzig mögliche Erlösung erforderlich machte. So wird die historische Katastrophe eines Menschen am Kreuz umzudeuten versucht.

Freilich haben die am meisten verbreiteten Annahmen über den Teufel weder im Judentum ihren Ursprung noch wurden sie zu Lebzeiten des Jesus von Nazaret gelehrt. Vielmehr entstammen sie volkstümlichen Vorstellungen des Mittelalters. Die bildliche Darstellung des Teufels, dessen angeblicher Wohnort die Hölle ist, geht oft auf heidnische Götter wie Pan zurück, die zu Teufeln abgewertet wurden. Sie wurden meist schwarz und behaart, mit einem oder zwei Bocksfüßen, Widderhörnern, einem Schwanz, hässlichem Gesicht und Habichtsnase dargestellt.

Heute wird der Teufel so gut wie nicht mehr thematisiert. Selbst wenn im Katechismus der katholischen Kirche noch an der Existenz des Teufels festgehalten wird, findet sich keine dogmatische Definition. Das ist gut so. Der Abschied vom klassischen Trio infernal, von Teufel, Hölle, Jüngstem Gericht, ist überfällig. Das Böse ist in der Welt. Das ist nicht zu leugnen. Aber um es zu erklären, brauchen wir keinen Teufel einzubringen. Die klassische Exorzisten-Zunft mag das anders sehen. Sie benötigt nun mal eine Existenzberechtigung.

http://hpd.de/artikel/tod-und-teufel-13526

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