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Inland, Medien

Keine Widerrede

tagespropaganda

von http://vineyardsaker.de

Es steht schlimm um den Journalismus in Deutschland; das ist inzwischen selbst bei der Berichterstattung über Europa nicht mehr zu übersehen, besonders schmerzhaft wahrzunehmen allerdings, wenn es um die Ukraine und Russland geht.

Die Propagandaschau arbeitet sich täglich daran ab. Auch wir haben gelegentlich den manipulativen Umgang mit Informationen dargelegt; in ‘der freundliche Herr Steinmeier’ beispielsweise.

Eine etwas weniger sichtbare Ebene ist der spürbare Verfall jeder Wertvorstellung, die den Umgang von Journalisten miteinander einmal prägte. Es gab eine Zeit, als jeder Angriff auf jeden Journalisten weltweit ein Anlass zu Solidarisierungen war; aus dem schlichten Grund, weil jeder davon ausging, selbst einmal in eine Lage geraten zu können, in der man der einen oder anderen Obrigkeit unbequem sein könnte. Wenn Journalisten irgendwo festgesetzt wurden, war das Anlass zur Kritik. Wenn sie unter Beschuss gerieten, wurde das verurteilt, gleich, von wem dieser Beschuss ausging. Es wurde akzeptiert, dass völlig unterschiedliche Positionen vertreten wurden; das gemeinsame Interesse an einer Schutzwürdigkeit der Tätigkeit war stärker.

Inzwischen ist das vorbei. Schon im Sommer 2014 reagierte die deutsche Presse auf Angriffe auf russische Journalisten im Donbass so: „Viele russische Reporter in der Ostukraine schlagen sich eindeutig auf die Seite der Separatisten. Deshalb werden sie von ukrainischen Sicherheitskräften wie feindliche Kämpfer behandelt – einige sind bereits gefallen.“ Das war die Reaktion des SPIEGEL auf den gezielten Beschuss, der die beiden russischen Reporter Korneljuk und Woloschin das Leben kostete. „Die Kreml-nahen Medien sehen sich als Kämpfer für die russische Sache. Mitarbeiter von “Lifenews” führten sich “faktisch auf wie Presse-Sekretäre der Separatisten”, so Ilja Barabanow von der Tageszeitung “Kommersant”. Wohl deshalb behandeln ukrainische Sicherheitskräfte Journalisten aus dem großen Nachbarland wie feindliche Kämpfer.“ Das Video von diesem Beschuss zeigt, dass es sich keinesfalls um einen Irrtum handelte. Der SPIEGEL findet das verständlich. Obwohl es im Umkehrschluss bedeuten müsste, dass westliche Reporter auf ukrainischer Seite ein ebenso legitimes Ziel wären. Schließlich berichten sie unverkennbar aus dem Blickwinkel der ukrainischen Regierung.

Eine Steigerung erfuhr dieser Verfall der Sitten dann im Fall Ruslan Kozaba. Als dieser in der Ukraine wegen eines Videos, das sich gegen die Mobilisierung wendet, verhaftet wurde, war sich der ARD-Reporter Grossheim nicht zu schade, ihn im Gleichklang mit Kiewer Propaganda gleich zum russischen Agenten zu stilisieren. Eintreten für die Pressefreiheit, Solidarität mit dem Kollegen, selbst wenn er eine andere Sicht vertritt? Pustekuchen. Er, Grossheim, hat ja nichts zu fürchten.

Als auch Journalisten westlicher Medien auf der berüchtigten ukrainischen ‘Friedensstifter’-Liste auftauchten, gab es ein kurzes Gemaule; schließlich war diese Liste Stichwortgeber für mehrere Morde, etwa am ukrainischen Journalisten Oles Busina, und man empfand es als unfair, trotz kiewtreuer Berichterstattung auf dieser Liste zu landen. Sie verschwand kurz aus dem Netz, tauchte wenige Wochen später mit zusätzlichen Namen wieder auf, aber das alles ist kein Problem.

Abweichende Informationen sind immer russische Propaganda, geschrieben von Putintrollen und Kremlagenten. Die subtile Drohung, die in dieser Kennzeichnung enthalten ist, ist durchaus so beabsichtigt.

Früher war es einmal das Berufsideal von Journalisten, die Lügen der eigenen Regierung aufzudecken. Die Enthüller von Watergate waren die großen Vorbilder. Es gab eine Fernsehserie, Lou Grant, die den investigativen Journalismus pries und aus Journalisten Helden der Wahrheit gegen die Mächtigen machte. Auch die Geschichte des deutschen Journalismus lieferte Vorbilder: Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky. Journalisten, die sich nie der Kriegspropaganda ihrer Regierung verdingt hätten.

Nun, die Zeiten ändern sich, und es ist nicht dabei geblieben, russische oder ukrainische Journalisten herabzusetzen und ihnen die Legitimität abzusprechen. Der MDR lieferte in den letzten Tagen ein überzeugendes Beispiel, dass auch jene Wenigen, die hierzulande von der NATO-Linie abweichen, nicht mit Respekt rechnen können.

Ziel war dieses Mal Mark Bartalmai und sein Film „Ukrainian Agony“. Er wurde interviewt, und heraus kam eine mediale Denunziation. „Einseitige Parteinahme“, „Propaganda im Sinne Russlands“… Die Filmproduktion hat sich auf ihrer Webseite scharf gegen diese Darstellung verwahrt. Ich möchte dieses üble Filmchen nicht verlinken; wer es sich unbedingt antun will, findet es im Netz. Der Tonfall jedenfalls ist exakt jener, der zuerst gegenüber russischen Journalisten angeschlagen wurde. Wer annahm, es gäbe zumindest innerhalb des eigenen Landes noch einen gewissen kollegialen Respekt oder Aufrichtigkeit, stellt fest, dass dies längst den Bedürfnissen der Linientreue zum Opfer gefallen ist. Jene von uns, die alt genug sind, sich noch an die Berichterstattung in der BRD zu Zeiten des Vietnamkriegs zu erinnern, bemerken, wie schmal der Grat inzwischen ist, auf dem man noch als Journalist akzeptiert wird, und wie tief der Abgrund wurde, in den jede abweichende Meinung versenkt werden soll.

Dabei wirkt das Interview selbst völlig normal. Mark hat eine komplette Aufnahme des Interviews ins Netz gestellt. Wenn man diese Bilder sieht, könnte man einen vernünftigen Beitrag erwarten:

Und das ist der Kommentar von Mark zu dieser Geschichte:

Was der sogenannte ‘Kremlpropagandist’ wirklich gesagt hat


Wie gefährlich kann eigentlich ein einzelner Mann sein, der doch “nichts kann” und nichts anderes tut, als seine Meinung zu äußern? So gefährlich, dass man ihn versucht, medial hinzurichten? In mehrteiligen Reportagen (demnächst) unter Aufbietung der “preisgekrönten” Alpha-“Journalisten”?

Der Sender wirft mir in seinem Beitrag „einseitige Parteinahme“ vor – weil ich in der Ostukraine nur auf den Panzern der angeblich „pro-russischen Separatisten“ mitgefahren bin.
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Erwarten die Damen und Herren MDR-Redakteure, dass ich im laufenden Gefecht, bei gezieltem Beschuss auf meine Person, einfach mal kurz abspringe, um eben zu den schießenden Panzern der Gegenseite rüber zu hüpfen?
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Im Übrigen kann eine Golineh Atai von ukrainischer Seite und für die ukrainische Seite “berichten” und bekommt trotzdem eine Drehgenehmigung in der Donezker Volksrepublik (seltsam oder?). Auf mich waren bereits im September 2014 Kopfgelder der “Freiwilligenbataillone” ausgesetzt, weil ich eine andere Sicht vertreten habe. Mein erster ukrainischer Blockpostenbesuch wäre gleichzeitig mein letzter gewesen und ich war mehr als einmal unter gezieltem Beschuss. So ist das im wirklichen Kriegsgebiet (für alle, die das noch nicht wussten). Hotels sind da eher selten, auf deren Balkone man für eine Reportage gehen kann.
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Ich wusste nicht, dass man in Journalistenschulen überhaupt erst Augen, Ohren und Hirn erwirbt. (Was macht Claus Kleber dann beim ZDF?).

Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass meine natürlichen Organe reichen.

Ich wusste nicht, dass ein Film aus einem persönlichen Blickwinkel so falsch ist.

Ich wusste nicht, dass der Blick von der anderen Seite, auf den bewusst am Anfang des sauber produzierten Films hingewiesen wird, nicht erlaubt ist.

Ich wusste nicht, dass man ihn nicht zeigen und darüber diskutieren muss, statt den Autor und den Film einfach für ein paar Tausend EURO Beitragsgage zu diskreditieren, ohne jemals selbst vor Ort gewesen zu sein und mit mir Argumente austauschen zu können.

Ich wusste nicht, dass es falsch ist, eigene Fehler einzugestehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen (siehe komplettes Interview – ok, DAS hätte ich wissen müssen, weil der Mainstream sowas NICHT tut).
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Ehrlich gesagt, war es mir klar, dass das passieren würde. Und noch ehrlicher gesagt, war es mir egal. Ich bin da halt etwas “schwierig”. 4 Monate hat mich der “Journalist”, der diesen Beitrag “kreiert” hat, bekniet für dieses Interview. Eine Stunde habe ich ihm Rede und Antwort auf seine (durchschaubaren) Fragen gestanden. Wenige Sekunden haben es in den Beitrag geschafft – nämlich die, die “passen”.
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Den “Propagandavorwurf” haben wir ausführlich besprochen, seltsamerweise findet sich das nicht im Beitrag. War wohl “unpassend”. Aber seht selbst.
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Da der Kreml nicht mal daran denkt, mir Geld anzubieten, der Mainstream mir andererseits aber beharrlich jegliche Existenzgrundlage in diesem Land vernichtet, bleibt mir nur, meinen eigenen Rundfunkbeitrag zu erbitten. Ich würde gern noch den nächsten Film, der die “unglaublich aggressiven und demokratiefeindlichen Umtriebe der bösen Terroristen” zeigen soll, fertigmachen – bevor man mich fertig gemacht hat.
Auch, wenn ich ja eigentlich überhaupt nichts kann bzw. nach ARD-Meinung nichts können dürfte.

Wer mich nicht unterstützen möchte, weil ich zu ungebildet und gefährlich bin – ich verstehe das. Würde ich auch nicht machen. ;)

Aber die Filme solltet ihr euch trotzdem anschauen. Sind ja kostenlos. Sind echt schlimm. Leni Riefenstahl ist ein Scheißdreck dagegen.
Achso, ja – und ich will mein Land zurück. Das nur nebenbei.

PS: Ich habe sogar einen internationalen Presseausweis. Wer hätte das gedacht.

PayPal:
keepancloseeyeon@gmail.com
Yandex.Money
4100 1192 2699 694
Postbank
Kontoinhaber: Ninel Oystrakh
IBAN: DE45760100850521412856
BIC: PBNKDEFFXXX
Сбербанк (Sberbank):
Ninel Oystrakh
5469 3800 1770 4247

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Klitzekleine Microergänzung für die Sberbank angefügt.
Und: Spenden, Leute! Wir müssen die paar echten Journalisten, die uns mit Wahrheit versorgen, unbedingt unterstützen. Also, nochmal: Geldbörsen zücken und Überweisung an Mark Bartalmai – und bitte: Mindestens soviel wie die gez für Lügen und Dreck abzockt! N Zwanni wäre schön, OK – Russophilus

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