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Asien, Ausland

Südkorea und die Kunst der Kollaboration. Grobe Kriegspropaganda gegen die DVRK

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von Andre Vltchek

Während die Gehirn-Programmierung des Westens glauben lässt, es wäre tatsächlich der Norden, der seine Bürger erfolgreich indoktriniert, wissen diejenigen von uns, die auf beiden Seiten der Grenze (oder auf beiden Seiten der „DMZ“, der Demilitarisierten Zone) gearbeitet haben, es besser. Und wenn sie es nicht erzählen, dann lügen sie!
Von dem „künstlerischen Werk“ auf beiden Seiten der Stacheldrahtzäune bis zu den Institutionen für die Gehirnwäsche von Millionen einfachen Leuten ist Südkorea führend: Seine Regierungspropaganda (und die Propaganda seiner westlichen Anleiter) ist sehr viel erfahrener, entschlossener, aggressiver und dadurch effektiver.

Der Kurator der „DMZ STORY, Berlin East Side Gallery & DMZ Story Exhibition“ klang mehr wie ein Vernehmungsbeamter als ein Künstler.

Als ich dies große deutsch-südkoreanische antikommunistische Propaganda-„Projekt“ in Seoul besuchte, erwähnte ich am Eingang, dass ich gern über die Ausstellung schreiben würde. Daraufhin wurde mir nicht erlaubt, einfach hineinzugehen, ich hatte den Kurator zu treffen.

Und der Kurator klang und benahm sich wie ein asiatischer Apparatschik, der im Dienst des Westens und seiner Ideologie steht (es gibt viele davon in Japan, Indonesien, Thailand und Kambodscha und natürlich in Südkorea). Er eröffnete unser Treffen mit der in Seoul so gängigen Reihe von Fragen:
Woher kommen Sie? Was machen Sie hier?

Dann wurde er ein bisschen arrogant und gönnerhaft:

„Was wissen Sie über Korea? Sind Sie zum ersten Mal hier?“

„Ich kenne beide Seiten ziemlich gut“, antwortete ich noch relativ höflich.

„Beide Seiten? Wie können Sie beide Seiten kennen? Sind Sie in Nordkorea gewesen?“

„Ja“, antwortete ich. „Ich bin von der Regierung der DVRK eingeladen worden. Ich bin als Mitglied der Ramsey Clark Peace Delegation gereist …“

Statt wohlerzogenes Interesse zu zeigen, wurde sein Gesicht rot, er explodierte:
„Also haben Sie alle diese Lügen gehört! Dummes Zeug, Propaganda, Fälschungen wurden Ihnen gezeigt!“

Mittlerweile waren wir in den mehrgeschossigen Ausstellungsräumlichkeiten angelangt. Es war ein wahrhaft monströser Ort: Propagandakitsch auf unterster Stufe. Es gab Gemälde von Breschnew beim Zungenkuss mit Honecker, auch einige sentimentale Ergüsse über Freiheit, Demokratie und Frieden … Antikommunistisches Gebell war eng verwoben mit prowestlicher, proamerikanischer „künstlerischer Darstellung“. Bilder der Berliner Mauer und von Marilyn Monroe waren auf ein und derselben Tafel zu sehen.

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Deutsch-südkoreanische Propagandakunst

schlagdenkommunismus

Schlag den Kommunismus und hol dir etwas Pop

„Haben Sie schon einmal Massenmord an koreanischen Bürgern durch das US-Militär gezeigt?“, wollte ich wissen.

„Amerikaner tun nie jemandem etwas zuleide!“, begann er zu brüllen.
„Sie sind sehr gute Menschen. Vielleicht gab es unglücklicherweise einige Kollateralschäden während des Krieges, aber sie würden nie jemandem absichtlich Schaden zufügen.“

Seine Augen glänzten. Er hasste mich mit seinem ganzen Wesen. Es war offensichtlich. Und es war wunderbar, von jemandem wie ihm gehasst zu werden!

„Ich habe einen guten Freund, einen australischen Künstler“, begann ich die Unterhaltung erneut. Sein Name ist George Burchett … Der Name seines Vaters war Wilfried Burchett … Wissen Sie, vielleicht der größte englischsprachige Journalist aller Zeiten, ein Kriegsberichterstatter … er hat während des Krieges in Ihrem Land gearbeitet. Er hat unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgedeckt, die hier verübt wurden, durch den Westen. Er hat nachgewiesen, dass die Amerikaner im Verlauf der bakteriologischen Kriegsführung viele koreanische Zivilisten lebendig in den Tunneln verbrannt haben. Und dass viele Gefangene aus dem Westen von den eigenen Militärs um die Ecke gebracht wurden, wenn sie nach dem Austausch darauf bestanden, die Wahrheit zu erzählen: wie gut und menschlich sie von ihren nordkoreanischen und chinesischen Wächtern behandelt worden waren.“

Ich gab ihm meine Karte. Er rannte in sein Büro, um mich zu googeln und wahrscheinlich mich anzuzeigen. Er dampfte. Ein paar Minuten später kam er in die Galerie zurückgerannt und schrie: „Sie existieren nicht!“

Offensichtlich buchstabierte er meinen Namen falsch. Ich half ihm, ich stellte meine Existenz wieder her und dann verließ ich den Ort.

*

Das Kriegsmuseum von Korea, auch als The War Memorial of Korea bekannt, ist vielleicht die allergrößte Propagandaeinrichtung der ganzen Welt. Sie ist so ungeheuerlich, so grotesk, so widerwärtig, so gewaltig, dass nur diejenigen, die es gesehen haben, glauben können, dass so etwas wirklich existiert und unsere Erde entstellt.

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Das Kriegsmuseum

US-amerikanische strategische B-52-Kampfflugzeuge „dekorieren“ seine Leihgaben, auch Panzer, Hubschrauber und Kampfjets, sogar ein paar Kanonenboote. Überall zeigen Skulpturen geisteskrank aussehende Soldaten, die ihre unsichtbaren Feinde angreifen, zweifellos ihre koreanischen und asiatischen Landsleute. Südkorea, Nordamerika und der Westen werden schamlos glorifiziert. Auf alles Nordkoreanische, Kommunistische und Asiatische wird anscheinend gespuckt.

Die Ereignisse und die Ausrüstung werden durch endlos viele Schilder wie zum Beispiel eins vor einem tödlichen US-Kampfflugzeug „F-5A ‚Freedom Fighter‘ (U.S.A.)“ beschrieben.

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Es gibt Gedenktafeln für die Länder, die an der Seite Südkoreas am Koreakrieg teilgenommen haben, darunter Südafrika (noch immer Apartheid), Äthiopien (noch immer faschistisch), Kolumbien, Thailand und die Philippinen (faschistisch und strikt prowestlich), die Türkei, aber natürlich auch die USA, Großbritannien, Kanada und Australien.

Es gibt einen Museums-Hochzeitssaal für den Fall, dass jemand umgeben von diesen kriegerischen Relikten, Geräten und „Kunstwerken“ heiraten möchte. Hier wird in der Tat häufig geheiratet, erzählt man mir; eine wahrhaft patriotische Pflicht, vermute ich.

*

In Südkorea sind alle kommunistischen Parteien verboten, deshalb müssen die Kommunisten illegal arbeiten.

Nach den Angaben von The Review of Korean Studies:
„Die südkoreanische Regierung hat 1948 Gesetze gegen ‚antinationale‘ Aktivitäten erlassen und mit dem National Security Act eine antikommunistische Ideologie begründet. Das Gesetz ächtete jede abweichende Meinung oder Kritik an der herrschenden südkoreanischen Regierung und machte praktisch den Kommunismus rechtswidrig. Das schloss die Medien, die Kunst, Literatur und Musik ein …“

Wahrhaft demokratisch … Aber solange Wähler ihre Papiere in einige Kästen stecken dürfen …

Südkorea, eins der reichsten Länder Asiens, ist auf dem Fundament offener, kompromissloser Zusammenarbeit mit dem Westen im Allgemeinen und den Vereinigten Staaten im Besonderen groß geworden. In der Vergangenheit ruhte es sich auf den faschistischen Konzepten aus, die der Westen und sein eigenes Militär sowie die Geschäftsoligarchen sich ausgedacht hatten. Südkorea folterte, mordete und ließ seine Dissidenten verschwinden. In vielerlei Hinsicht war es Pinochets Chile oder Suhartos Indonesien nicht unähnlich.

Bis heute bleibt es eine der wichtigsten Drehscheiben des Kapitalismus, des Konsumdenkens und der Popkultur. „K-Pop“ verbreitet in der Tat Nihilismus, Idiotie, Egoismus und Ignoranz über ganz Asien und ist ein wichtiges Werkzeug des westlichen Kulturimperialismus.

Reichtum kommt nicht immer durch Produktion (ein Teil allerdings schon). Seoul wurde für seine Anstrengungen von seinen westlichen Anleitern immer gut belohnt.

Als ich in New York City studierte, lernte ich mehrere junge südkoreanische Frauen kennen, die von ihren Familien geschickt worden waren, um Diplome von US-Spitzenuniversitäten zu erlangen, während sie gleichzeitig im Auftrag ihres korrupten Militärs und ihrer Familienverbände agierten und erstklassige, viele Millionen Dollar teure Immobilien erwarben, hauptsächlich Eigentumswohnungen in Manhattan.

*

Seoul ist schlimm, aber die Indoktrination wird noch intensiver, wenn man an die „Grenze“ kommt.

Zu Beginn des Jahres 2016 nahmen die südkoreanischen Desinformations-Gurus wieder die Bombardierung der DVRK mit der übelsten Propaganda auf, die man sich vorstellen kann, unter Einsatz von riesigen Lautsprechern. Der Blödsinn, der wieder und wieder von ihnen herausgebrüllt wurde, sollte die DVRK und ihre Führung erniedrigen und die Überlegenheit der kapitalistischen und westlichen Dogmen zeigen.

Die DVRK wurde durch diese großen Lautsprecherboxen für ihr Raketenprogramm „bestraft“. Südkoreas Logik ist ganz einfach: „Es ist wunderbar, die aggressivste Streitmacht der Erde (die US-Armee) auf unserem Staatsgebiet zu Gast zu haben. Wenn jedoch die DVRK beschließt, sich zu verteidigen, dann muss sie bestraft werden.“

Vor einiger Zeit habe ich über einen meiner Besuche in dieser Gegend – in der Demilitarisierten Zone (DMZ) – geschrieben. Hier folgen einige aktualisierte Auszüge. Bis jetzt hat sich nichts zum Besseren verändert:

„Jeder Ausflug an die Grenze ist eine Offenbarung, wenn man bereit ist, die Augen offen zu halten und für eine Weile die Klischees und Slogans zu vergessen, die uns Jahrzehnte lang von der westlichen Propaganda eingetrichtert wurden: „Südkorea: Freiheit und Demokratie. Nordkorea: böser Staat“ …

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Die am stärksten befestigte Grenze der Welt – zwischen Nord- und Südkorea

Wenn man ein Kenner ist, organisiert die „Korean Veterans Association“ [Vereinigung der Koreanischen Veteranen] in Verbindung mit Chung-Ang Express Tour die „amüsantesten“ Besuche. Die Führer sind keine Geringeren als ehemalige südkoreanische Soldaten und Geheimdienstoffiziere – genau das, was die ewigen Freunde des Ausprobierens all der köstlichen Nuancen und Geschmacksrichtungen der marktorientierten prowestlichen Gehirnwäscheprozedur wahrhaft schätzen!

Jeder weiß sehr gut, was er oder sie über das Land oberhalb des 38. Breitengrads denken soll; aber es gibt sehr wenige Kenntnisse, zumindest im Westen, über die Brutalität des früheren südkoreanischen Regimes: seine betrügerischen Wahlen, die aggressive antilinke Propaganda, Terror- und Einschüchterungskampagnen, Folter und politische Morde. Viel ist nicht in Erinnerung geblieben von der Brutalität der US-Streitkräfte im Koreakrieg einschließlich mehrerer Massaker an der Zivilbevölkerung. Der Vietnamkrieg und die Völkermorde, die durch den Westen in Vietnam, Kambodscha und Laos ausgelöst wurden, haben das ebenso schreckliche Kapitel des Kalten Krieges überschattet, der auf der koreanischen Halbinsel stattfand.

Aber zurück zum Besuch der DMZ und der „Joint Security Area“ [Gemeinsame Sicherheitszone] in Panmunjeom, mit dem Fahrzeug der „Korean Veterans Association“ und Mr. Kim als meinem Führer:

Einen Tag vor meiner Abfahrt erhielt ich die übliche Kurzmitteilung und Warnung:
„BITTE BEACHTEN SIE“ vermerkte das Faltblatt: „Legere Kleidung wie Blue Jeans (eine Art Hose) und Sandalen (Slippers) sind in diesem Bereich nicht erlaubt. Struppiges oder ungekämmtes Haar sind auch nicht erlaubt. Jede Ausstattung, Mikrofone oder Flaggen, die zur kommunistischen Seite in dem MAC-Konferenzraum gehören, DÜRFEN NICHT ANGEFASST WERDEN! Richten Sie keine Worte, keine Gesten oder irgendwelche Annäherungsversuche oder Reaktionen an das Personal von der anderen Seite.“

Vor und während der Tour war kein Alkoholkonsum erlaubt.

Morgens zog ich geschniegelt wirkende schwarze Hosen an, stutzte meinen Bart und lud meine Kamera auf. Nachdem ich mein Bild im Spiegel überprüft hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich trotz einiger nicht kontrollierbarer Mängel in meiner Erscheinung geeignet aussah, die wohlhabende Welt von „Demokratie, Freiheit und Wirtschaftschancen“ zu repräsentieren. Meine inneren Gedanken blieben gut verborgen und wenn mich nicht jemand zu einem Test mit dem Lügen-Detektor zwang, bestünde keine Gefahr, dass meine Anwesenheit an der am stärksten militarisierten Grenze der Welt für meine südkoreanischen Gastgeber Störungen oder Peinlichkeiten verursachen würde. Mit Notizbüchern, Kamera und US-Pass bewaffnet verließ ich das Hotel in der Erwartung eines weiteren surrealen Unternehmens.

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Nordkoreanische Kinder auf der Straße

Langsam und majestätisch fuhr der große Bus vom Zentrum Seouls ab. Unser Führer Mr. Kim übertraf alle meine Erwartungen. Er fasste das Böse des nordkoreanischen Regimes zusammen, unterstrich die große wirtschaftliche, moralische und demokratische Macht der Republik Korea und warnte uns dann alle, vorsichtig zu sein, „sehr vorsichtig“, wenn wir „diese Nordkoreaner“ an der Grenze träfen:

„… Und machen Sie keine unerwarteten, heftigen Bewegungen. Weichen Sie nicht vom Fußweg ab: Die Grenze ist ein Minenfeld. Machen Sie nur dann Fotos, wenn ich es Ihnen empfehle. Sprechen Sie nicht mit den koreanischen Wachen! Genießen Sie Ihren Ausflug!“

An der Rückenlehne meines Sitzes fand ich eine Broschüre, die von der Korean Veterans Association veröffentlicht worden war. Auf der Vorderseite grinste ein westliches Paar im mittleren Alter (und zeigte perfekte und offensichtlich falsche Zähne) in die Richtung Nordkoreas. Ganz gewiss zeigten solche Leute nicht mit den Fingern auf irgendwelche Dinge. Die Frau zeigte mit ihrer Designer-Sonnenbrille, die sie in den manikürierten Fingern hielt, ein Mann – der aussah, als hätte er gerade einen nagelneuen Jaguar im Lotto gewonnen – zeigte mit seiner kleinen Kamera auf das Staatsgebiet des stolzen Mitglieds der „Achse des Bösen“.

„… Und unser vertrauter und verlässlicher Verbündeter – die Vereinigten Staaten von Amerika – ist allzeit bereit, unsere Freiheit und Demokratie zu verteidigen,“ tönte aus den Lautsprechern, die an der Decke des Busses angebracht waren. Mr. Kim gab offensichtlich sein Bestes, um uns zu bilden.

„Unter anderem werden Sie das Dorf der Wiedervereinigung sehen – von seinen Bewohnern werden keine Steuern bezahlt. Sie bauen dort einen der besten Ginsengs der Welt an. Die Brücke der Wiedervereinigung … Sie werden einen Teil der 700.000 südkoreanischen und amerikanischen Soldaten sehen, die an der Grenze stationiert sind: 90 Prozent sind Koreaner, zehn Prozent Amerikaner … Sehr privilegiert sind Sie alle: Koreanische Staatsbürger müssen diesen Besuch sechs Monate bis ein Jahr im Voraus beantragen und die meisten von ihnen bekommen keine Erlaubnis … Sie werden auch Ballinger Camp sehen …“

Eine ausgezeichnete mehrspurige Autobahn verlief am Ufer des Han-gang-Flussses. Auf keiner Seite hatte sie Meilensteine. Kurz nachdem wir Seoul verlassen hatten, entdeckten wir eine kleine Fläche zwischen der Autostraße und dem Fluss, die in einen gewaltigen, mit Wachtürmen und anderen Militäreinrichtungen „dekorierten“ Stacheldraht-Befestigungsbau umgewandelt war. All dies wahrscheinlich für den Fall, dass ein paar nordkoreanische Militärtaucher beschließen würden, in dieses „kapitalistische Paradies“ einzufallen.

Enorme Beton-Apartmentblocks wurden durch das Fenster auf der rechten Seite des Busses sichtbar. Ganze Städte, ganze Großstädte aus denselben vielgeschossigen Wohnsiedlungen. Ich konnte kaum mit den Nummern Schritt halten: Block 23, Block 78 und so weiter. Majestätisch der Han-gang-Fluss, Soldaten und endloser Stacheldraht auf einer Seite; Beton und identisch aussehende Wohnghettos auf der anderen.

Der Bus fuhr auf die „Freedom Road“ und hielt nach ein paar Meilen auf dem Parkplatz bei der „Freedom Bridge“. Dort war der letzte südkoreanische Bahnhof, hinter ihm liefen die Gleise nach Norden und zur Brücke selbst, die mit herzzerreißenden Papierbotschaften, von normalen koreanischen Bürgern geschrieben und am Metallgeländer befestigt, geschmückt war: meist Wünsche, ihre Familien jenseits der Grenze wenigstens noch einmal zu sehen.

Der Bus kam wieder in Fahrt, diesmal in Richtung der Tongil-Brücke und der Grenzkontrollstelle. Wir bewegten uns in die „No-go-area“ [Sperrgebiet], den am stärksten militarisierten Fleck der Welt, die „Demilitarisierte Zone“.

Mr. Kims Ausbrüche nahmen an Intensität zu. Aufgeregt war er im vorderen Teil des Busses am Hüpfen, klar ersichtlich „auf Mission“. Er begann, Angriffe gegen den nordkoreanischen Staat mit seinem billigen Militärhumor zu vermischen:

„Warum also haben wir so viele amerikanische Soldaten hier? Was glauben Sie? Hallo? Weil sie uns schützen! Und weil wir nicht noch mehr Geld für unsere eigene Verteidigung ausgeben wollen!“ Er lachte über seine eigenen Witze, aber niemand sonst. Die ausländischen Besucher im Bus schwiegen. Die Aussicht durch das Fenster war offensichtlich überwältigend für sie – besonders für diejenigen, die zum ersten Mal dorthin kamen.

Überall war Stacheldraht und überall fuhren Militärlastwagen die Straße hoch und runter. Alles sah unwirklich und verstörend aus, auch das Ginseng anbauende „Freedom Village“, eine kleine Ortschaft abseits vom Rest der Welt, das in der Mitte der Minenfelder und gut versteckten High-Tech-Waffen aushielt.

Die Gegend sah friedlich aus, fast heiter. Keine schweren Waffen waren zu sehen: alles unter der Erde versteckt. Zehntausende von Panzern müssen hier konzentriert gewesen sein, getarnte Bunker, Artillerie und Raketensilos genauso wie Nervengas und biologische Waffen, aber von unserem Blickwinkel aus gab es dort nur ein paar majestätische Wandervögel, die über die sanft geschwungenen Hügel flogen und auf all diesen Quatsch aus riesigen Höhen herunterschissen.

Die koreanische Demilitarisierte Zone (DMZ) ist bloß ein Streifen Land – annähernd 248 Kilometer / 155 Meilen lang und 4 Kilometer / 2,5 Meile breit –, der die Korea-Halbinsel durchschneidet und als Pufferzone zwischen dem Norden und Süden dient.

Der Bus fuhr durch das Armeelager Camp Bonifas und beendete seine Reise auf dem Parkplatz von Ballinger Camp. Wieder wurden unsere Pässe kontrolliert und dann mussten wir an einer Einweisung teilnehmen. Eine weitere Reihe von Vorschriften, ein weiterer endloser Erguss von Propaganda, der in unsere Hälse gestopft wurde. Amerikanische und koreanische Soldaten patrouillierten Seite an Seite im Besprechungsraum und auf der Straße.

„Die amerikanische Armee hat hier einen Golfplatz“, erklärte Mr. Kim, nachdem wir in einen anderen, diesmal zum Militär gehörigen Bus mit zwei Soldaten darin eingestiegen waren. „Das Komische daran ist, dass er nur ein Loch hat und vom Minenfeld umgeben ist.“ Er lachte laut, aber wieder reagierte niemand darauf.

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Südkoreanischer Soldat in Panmunjeom

Und dann erschien es vor uns: das „Waffenstillstandsdorf“ – Panmunjeom –, der einzige Ort, wo der Norden und der Süden miteinander in Verbindung stehen. Es wird JSA genannt (Joint Security Area) und hat mehrere Gebäude auf beiden Seiten und einige direkt auf die MDL (The Military Demarcation Line) gebaut. Hier wurden seit 1953 Verhandlungen zwischen beiden Seiten geführt.

Wir waren zum Besuch von „Freedom House“, einer monströsen, aus Glas und Stahl gebauten Propagandaeinrichtung, verpflichtet. Von hier ist das nordkoreanische Informationszentrum (Panmun-gak Pavillon) weniger als einhundert Meter entfernt. Theoretisch hätte ich die Freiheit gehabt, die Strecke zur DVRK-Seite hinüberzugehen und ihr Zentrum zu besuchen. Ich hätte die Freiheit gehabt, herumzuwandern, solange ich die JSA nicht verließ.

Ich wurde nicht von den Nordkoreanern am Eintreten gehindert: Ich wurde von der forschen, militärischen Stimme Mr. Kims, meines Führers oder was zum Teufel er wirklich war, am Hinübergehen gehindert. Und natürlich von Mr. Kims Agentenführern …

Statt nach Norden zu gehen, wurde ich wieder bombardiert mit Geschichten über den bizarren „Axtmord-Zwischenfall“ von 1976, über die Schießerei, die dem Überlaufen eines sowjetischen Diplomaten nach Süden während des Kalten Krieges folgte, über lange Tunnel, die vom nordkoreanischen Militär gegraben wurden (keine glatten Lügen, bloß manipulierte Halbwahrheiten).

Irgendwann merkte ich, dass ich Mr. Kim nicht länger ertragen konnte. Ich trat auf der Aussichtsterrasse, nur wenige Meter von der DVRK entfernt, zu ihm hin und fragte ihn öffentlich vor den Soldaten und Besuchern:
„Mr. Kim, könnten Sie uns bitte über den Zwischenfall erzählen, bei dem ein US-Soldat 1983 von hier in den Norden übergelaufen ist?“

Mr. Kim starrte mich ungläubig an und ich kann nur raten, was mit mir passiert wäre, wenn ich es gewagt hätte, ihn zu Zeiten der voll entwickelten südkoreanischen Militärdiktatur herauszufordern.

„Sie müssen verrückt sein, junger Mann,“ antwortete er in herablassendem Ton. „Warum sollte ein Amerikaner in den kommunistischen Norden überlaufen? So etwas ist nie geschehen.“

Aber es ist geschehen, und es war nicht der einzige „Zwischenfall“ dieser Art.

Schließlich durfte ich die Baracke betreten, wo die Verhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden stattfinden. Die Demarkationslinie – die Grenze – verläuft in der Mitte des Tisches. Ich ging um den Tisch herum und betrat im Prinzip die DVRK. Es fühlte sich gut an …

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Südkoreanische Soldaten hielten in den Baracken und draußen Wache. Die für den Dienst in diesem Gebiet Ausgesuchten waren riesig – vermutlich zwei Meter groß.

Ihre „Gegner“ aus dem Norden waren von durchschnittlicher Größe.

Die südkoreanischen Soldaten waren, obwohl sie wahrscheinlich aus Fleisch und Blut bestanden, darin geschult, ohne die geringste Bewegung stehenzubleiben, und machten den Eindruck, als wären sie aus Wachs. Kein Muskel bewegte sich. Ihre ausdruckslosen Gesichter waren mit breitrandigen Sonnenbrillen geschmückt, die sie wie die Mafia oder wie Türsteher in manchen exklusiven Bordellen aussehen ließen. Außerhalb der Baracken standen die Soldaten mit unnatürlich gespreizten Beinen; nur mit dem halben Gesicht schauten sie den Feind an, mit der anderen Hälfte die Mauerecke.

Grotesk, kafkaesk, all dies … Dann dachte ich: „Das ist das wahre Gesicht von Faschismus, Militarismus und Imperialismus.“

Auf der anderen Seite sahen einsam wirkende nordkoreanische Soldaten im Vergleich dazu anspruchslos und sehr menschlich aus in ihren Uniformen im sowjetischen Stil, die ganz und gar nicht ausgefallen waren. Sie schauten ihre Gegner, nicht die Barackenwand, direkt an – direkt wie echte und stolze menschliche Wesen!

Während ich eine Weile auf dem nordkoreanischen Terrain stand, dachte ich darüber nach, wie wenig die Menschen über dieses Land wissen dürfen! Nur das, was in zahllosen bösartigen Berichten in den Mainstream-Medien maßgeschneidert vermittelt wird.

Nach dem Krieg allerdings behauptete der Norden sich erfolgreich gegen den Süden. Eine Zeit lang war er reicher, wohlhabender, in besserem sozialen Gleichgewicht und zuversichtlicher. Dann wurde der „Ostblock“ durch den westlichen Imperialismus zerstört und der Norden zynischerweise aufgegeben, nur noch von seinem großen Nachbarn China unterstützt. Isoliert und versteinert (nicht unangemessen, wie die Geschichte zeigt), ist es zur Zielscheibe geworden, zur Boxbirne siegreicher westlicher Propaganda: „Kommunismus? Wollen Sie den Kommunismus? Dann schauen Sie sich Nordkorea an, das ist eine Alternative zu unserer freien Gesellschaft.“

Die DVRK hat unzählige Provokationen durch den Süden ertragen, die meisten aber durch den Westen. US-Militärstützpunkte auf dem Staatsgebiet Südkoreas … tödliche US-Luftwaffenbasen auf Okinawa … Marineübungen dicht an ihren Ufern … Sanktionen und Dämonisierung … schlimme Beleidigungen … All dies nur, weil die DVRK ihren eigenen Weg gehen will! Nur weil sie sich weigert, ein Leibeigener zu werden, ein Sklave!

Und die Vergangenheit … selbst BBC Timewatch zufolge:
„Mehr als eine Million Zivilisten starben 1950 im Koreakrieg, aber niemand weiß, wie viele von ihnen von den amerikanischen Streitkräften getötet wurden. Wenige zweifeln daran, dass US-Soldaten in Korea Gräueltaten begangen haben, obwohl das Pentagon die offizielle Verantwortung für eins der schlimmsten Ereignisse des Krieges abstreitet: das wahnsinnige Abschlachten von Zivilisten bei den No Gun Ri Eisenbahntunneln.“

Ich fragte Mr. Kim nach dem No Gun Ri-Tunnel, aber zu diesem Zeitpunkt stand ich fest auf seiner Scheißliste und er hörte auf, meine Fragen zu beantworten.

Der Bus hielt kurz an der „Bridge of No Return“ [Brücke ohne Wiederkehr], einem stillgelegten Grenzübergang. Wieder war die DVRK nur einige Schritte weit weg.

„Schauen Sie das Propagandadorf auf der anderen Seite an“, rief Mr. Kim geifernd. „Sie können dort Häuser sehen, aber es lebt niemand darin. Das ist nur Propaganda. Pro-pa-gan-da! Und diese Fahnenstange mit der nordkoreanischen Fahne, das ist die höchste Fahnenstange der Welt, 157,5 Meter hoch. In den 1980ern haben wir unsere Fahnenstangen 98,4 Meter hoch errichtet und sie fanden, sie müssten die höchste auf der Welt haben.“ Er produzierte ein trockenes, hässliches und sarkastisches Lachen.

Wieder erschien das Niemandsland zwischen den beiden Koreas heiter und ruhig. Grüne Felder und leichter Nebel erfreuten die Augen. Vögel waren am Fliegen und Kacken, während die Flüsschen sangen.

„Zum Teufel mit der Fahnenstange,“ dachte ich. „Was habt ihr in den 1970ern gemacht, zur Zeit von Parks Diktatur, Mr. Kim? Habt ihr Breaking Balls verschossen, vergewaltigt, Studenten gefoltert?“

„Und jetzt“, sagte Mr. Kim und grinste glücklich, “lassen Sie uns großen Beifall für unsere heldenhaften Soldaten klatschen, für die koreanischen und die amerikanischen!“ Wir näherten uns Camp Ballinger. „Hier dürfen Sie nicht fotografieren, aber Sie können Souvenirs kaufen und endlich? Endlich können Sie sich einen Drink genehmigen.“

Nach mehreren Kontrollstellen und wenigen Meilen auf Militärstraßen war auf dem ganzen Weg nach Seoul Verkehrsstau. Verkehr und Stacheldraht, nur diesmal auf meiner rechten Seite. Und das endlose Meer von Beton-Apartmentblocks auf meiner Linken …

„Kommen Sie wieder zu uns“, sagte Mr. Kim zum Abschied. Von der anderen Straßenseite dröhnten Demonstranten ohrenbetäubend die „Internationale“ auf Koreanisch herüber, aus enormen schwarzen Lautsprechern, die unmittelbar auf dem Bürgersteig vor einer Art Regierungsgebäude standen.

*

In der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) waren die Dinge angenehmer. 2013 war ich dort. Pjöngjang, zur Feier des sechzigsten Geburtstags des Sieges – es war festlich, voller Kulturereignisse, großartige Musikaufführungen und Konzerte.

Damals schrieb ich:
„Vor 60 Jahren gewann Nordkorea den Krieg. Aber etwa vier Millionen Menschen, darunter viele Zivilisten, starben. Vielleicht waren es mehr als vier Millionen, niemand weiß es genau. Die Hauptstadt Pjöngjang war völlig dem Erdboden gleichgemacht. Ich wollte nicht laute Musik und lange Reden hören. Ich wollte denen Achtung erweisen, die ihr Leben verloren hatten, indem ich friedlich im Nebel am Fluss saß und dem hohen Grass zuhörte. Aber in diesen acht Tagen in Nordkorea gab es nur wenige Augenblicke der Stille, fast keine Gelegenheit zum Nachdenken.

Was habe ich in jenen acht Tagen in der DVRK – in Nordkorea – gesehen? Ich sah eine enorm große futuristische Stadt, Pjöngjang, die Hauptstadt, die aus der Asche gebaut worden war. Ich sah riesengroße Theater und Stadien, ein U-Bahn-System tief unter der Erde (für den öffentlichen Nahverkehr und den Atomschutz, falls die Stadt angegriffen würde). Ich sah Trolley- und Doppeldecker-Busse, breite Alleen, unglaublich großzügige Bürgersteige, Rollschuhbahnen und Spielplätze für Kinder.

Überall sah ich Statuen und Denkmäler. Das Format mancher Boulevards und Gebäude war einfach überwältigend. Mehr als zehn Jahre lang habe ich in Manhattan gewohnt, aber dies war eine andere Art von Größe. New York wuchs in den Himmel, während Pjöngjang enorm viele Freiflächen umfasst und massive ungewöhnliche Bauwerke.

Außerhalb der Hauptstadt sah ich grüne Felder und Bauern, die inmitten der Landschaft auf dem Heimweg waren. Offensichtlich waren die Kinder nicht unterernährt und trotz Embargo war jeder anständig gekleidet.“

Die jungen Leute, die mit mir zusammenarbeiteten – mein Dolmetscher, die Fahrer und Reiseführer – hatten einen wunderbaren Humor. Sie waren auch sehr freundlich.

Meine Dolmetscherin war besessen von Kartoffelchips. Und sie holte sich Ratschläge von mir, wie sie mit ihrem „bösen“ Freund umgehen sollte, der nicht in Gang kommen und die Heirat vorschlagen wollte. Als wir kreuz und quer durch das Land fuhren, zeigten sie mir ihr Mutterland, während ich mit ihnen meine Fotos von allen Ecken der Welt ansah, die auf meinen IPhones gespeichert waren.

Einmal kamen wir an dieselbe Stelle, die ich von der anderen Seite her kannte, zu demselben Panmunjeom und demselben DVRK-Informationszentrum (Panmun-gak Pavillon), welches ich ein paar Jahre vorher von der Seite der Republik Korea aus nicht besuchen durfte.

Auf dieser Seite der Grenze gab es umfassende Fotoausstellungen und Gemälde. Da wurden schreckliche Ereignisse illustriert und bittere Erinnerungen wachgerufen. Aber alles war so gelassen, menschlich und unendlich traurig.

Ramsey Clark sprach über die Schrecken der Vergangenheit und über die Brutalität des Vorgehens der USA. Einer der Überlebenden der Massenmorde von Zivilisten in den Tunneln, ein alter Mann, sprach über die Unmenschlichkeit, die er als Kind erlebt hatte. Die künstlerischen Darstellungen in dem örtlichen Museum stellten die grausame Folter und Vergewaltigung koreanischer Frauen durch US-Soldaten dar – ihre Körper verstümmelt, die Brustwarzen mit Metallhaken durchbohrt.

Am 26. Juli 2013 traf ich zusammen mit Ramsey Clark und einigen anderen Delegierten Mr. Yang Hyong Sob, den Vizepräsident des Ständigen Ausschusses des Obersten Volkskomitees.

„Sehen heißt glauben“, erklärte er. „Bitte erzählen Sie der Welt, was Sie hier beobachtet haben.“

Ich antwortete:
„Es ist ihre allgemeine Taktik. Der Westen porträtiert Menschen der DVRK, aus China, Kuba, Venezuela, Russland, Irak, Afghanistan, Syrien, Serbien als herzlos, als wären sie eine Art Roboter aus Plastik. Unbewusst verschwindet dann das Mitgefühl für die Menschen dieser Nationen aus den Herzen der westlichen Öffentlichkeit. Plötzlich ist es ausgezeichnet, Tausende, vielleicht Millionen dieser Roboter auszuhungern, zu bombardieren, zu ermorden. Wenn aber die Gesichter gezeigt werden, reagiert die westliche Öffentlichkeit verstört; viele verweigern die Unterstützung von Massenmord. Deshalb werden die Gesichter kaum gezeigt.“

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Niemand weiß, wieviele koreanische Menschen im Krieg gestorben sind. Mit Sicherheit Millionen … Manche sagen vier Millionen … oder mehr. Weitere Millionen von Menschenleben wurden durch die Sanktionen, vom Westen ausgelöste Einschüchterungen der DVRK, und durch das Wettrüsten zugrunde gerichtet.

Dennoch fliegen Hass, Beleidigungen und professionelle Propaganda meist aus Süden!

*

Seoul 2016 … Zart bedeckt das erste Eis die Oberfläche des Han-gang-Flusses.

Mein Hotel „W“ auf der Höhe des Walker Hill ist übermäßig „cool“, unpersönlich, überteuert und metallisch kalt. Technoklänge verfolgen mich überall, von den Fahrstühlen bis zur geräumigen Empfangshalle.

„Woher kommen Sie?“ Der Fahrer auf dem Weg vom Incheon Flughafen fragt mich aus. Er hat beim US-Militär gedient. Fast alle Fahrer dieser orangefarbenen Taxis, die von den Ausländern benutzt werden sollen, sind Agenten der Regierung. Sie stellen immer nur Fragen und antworten fast nie.

„Was halten Sie von Nordkorea? Oh, Sie waren dort? Sie wissen Bescheid?“

Auf meine Antwort, mit der ich erzähle, was ich miterlebt habe, folgt tiefe Stille. Dann ein Schwall von scharfen Fragen. Ich ignoriere diesen alten Spitzel.

Auf der Suche nach abweichenden Meinungen wandere ich in Seoul umher. Über die Schrecken der Südkorea-Diktatur werden keine großen neuen Filme gedreht. Noch immer wird in einigen DVD-Läden „Peppermint Candy“ verkauft, bislang der großartigste Film, aber er wurde schon vor so vielen Jahren gedreht …

Es gibt einige Bücher, die südkoreanischen Rassismus beschreiben, Fremdenfeindlichkeit und Polizei-, Armee- und Kapitalistenbrutalität. Es gibt Geschichten über die Einwanderer aus der DVRK, Doktoren und Professoren, die gezwungen wurden, als Putzkräfte in den härtesten Bordellen von Seoul zu arbeiten. Nicht nur die Ausländer werden Zielscheibe von Chauvinismus, sondern auch die Einwanderer aus dem Norden.

Was ich in Seoul sehe und fühle, gefällt mir nicht. Es ist kalt, brutal, verwirrt. Ich fühle mich völlig allein hier. Ich spreche mit mehreren Ausländern: Sie empfinden alle dasselbe, vom Diplomaten bis zu den Englischlehrern. Es fühlt sich hier nicht wie in Asien an. Ich bin nicht ganz sicher, wie es sich anfühlt. Wie eine riesengroße Militärbasis eines relativ reichen Landes vielleicht?

Jeder, der hier etwas bedeutet, wurde in den USA ausgebildet. Ich sehe gewaltige, kolossale Kirchen der Pfingstgemeinde überall in der Stadt. Überall sehe ich offene und versteckte prowestliche Propaganda. Ich sehe die Militarisierung. Und Weihnachtsbäume …

Niemand möchte ein Gespräch führen, wenn du „anders“ bist. Im Unterschied zu Japan sprechen viele hier Englisch, aus verständlichen Gründen. Aber niemand redet außer über Klischees. Man muss sich einfügen. Man muss ein Christ sein, zum rechten Flügel gehören, Antikommunist sein, verdammt nochmal!

Zwei meiner Bücher wurden ins Koreanische übersetzt und in Seoul veröffentlicht. Ich versuche, meine Verleger zu treffen, aber sie antworten in extrem rüdem Ton, weisen mich ab. Sie haben kein Interesse. Meine Arbeit ist bloß eine Ware für sie. Auf mich als Person scheißen sie.

Einige Tage lang arbeite ich hier. Schließlich haue ich ab, emotional erschöpft.

Auf meinem TG-Flug von Seoul nach Bangkok sehe ich das letzte Stück dieser wahnsinnigen Propaganda – einen südkoreanischen Film über die DVRK-Invasion, er heißt „Nördliche Grenzlinie“. Wieder sind die Nordkoreaner Roboter, wilde Tiere, Mörder, während die Südkoreaner gute Söhne, gute Bürger und wahre Helden sind. Wie im K-Pop benutzt selbst die Propaganda nun selbstgerechte egoistische Formen.

Ich war gekommen, um über südkoreanische Propaganda zu schreiben, und ich bekam, wonach ich suchte. Ich kann mich nicht beklagen. Aber eigentlich überfraß ich mich. Das kostenlose „Buffet“ war einfach zu üppig. Es wird ein Weilchen dauern, bis ich es verdaut habe und für noch mehr wiederkomme.

Andre Vltchek ist Philosoph, Romanautor, Filmproduzent und investigativer Journalist. Er hat über Kriege und Konflikte in Dutzenden von Ländern berichtet. Seine jüngsten Bücher sind: „Exposing Lies Of The Empire“ und „Fighting Against Western Imperialism“; eine Diskussion mit Noam Chomsky: „On Western Terrorism“; „Point of No Return“ sein von der Kritik gefeierter politischer Roman; „Oceania“ – ein Buch über den Imperialismus des Westens im Südpazifik; sein provokatives Buch über Indonesien: „Indonesia – The Archipelago of Fear“. Andre Vltchek dreht Filme für teleSur und Press TV. Nach langjährigen Aufenthalten in Lateinamerika und Ozeanien lebt und arbeitet Vltchek zur Zeit in Ostasien und dem Nahen Osten. Er ist über seine Website oder seinen Twitter-Account erreichbar.

Übersetzung: Sabine
Fotos: Andre Vltchek

engl. Originalquelle: Global Research
http://www.globalresearch.ca/south-korea-and-the-art-of-collaboration-raw-war-propaganda-against-the-dprk/5512043

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