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Ausland, Naher Osten

BAATH, DIE (BEINAHE) GESCHEITERTE ANTWORT AUF DEN RADIKALEN ISLAM

proasaddemo

von Raffael Klarwasser – http://vineyardsaker.de

Dieser Artikel wurde uns vom Autor zugeschickt; ich fand ihn interessant, weil wenige über den Hintergrund der Baath-Bewegung Bescheid wissen, die die säkularen Regierungen in Syrien und früher auch im Irak hervorgebracht hat. Man muss seine Meinung zum Islam nicht teilen, aber es ist auffällig, dass es die säkularen Regierungen mit einer auf nationale Souveränität zielenden Ideologie sind, die vom Westen ins Visir genommen werden. Raffael Klarwasser betreibt einen eigenen Blog.

Im nachfolgenden Artikel erklärt sich eine wahre Geschichte, die (zumindest inhaltlich) auch als Vorlage eines epochalen Krimis dienen könnte. Eine Serie wohlmöglich, die sind ja grad so in Mode a la House of Cards & Co. In ihr würde es um Leben und Tod gehen, sowieso, um die Existenzen ganzer Völker, um Schuld und Sühne, Träume und Genesis. Auch für uns, das Publikum. Einschalten, ein kaltes Bier, ab und an zum Kühlschrank … ist hier aber nicht. Denn die Geschichte haben wir mit verursacht, sie ist nun zu uns gekommen, passiert mitten unter uns; wir sind Teil der Handlung. Ausschalten, nicht möglich …

Baath. Ein langes A, das th wie im englischen think gesprochen. Baath. Arabisches Synonym für Renaissance, Neugeburt. Metaphysisches Gebilde. Irrationaler Traum. Versuch einer Staatsdoktrin. In der Baath liegt das verstiegene Ideal einer vereinten arabischen Nation begründet. Vom Jemen im Süden bis zur türkischen Grenze, von der persischen im Osten, bis zum Atlantik ganz im marokkanischen Westen, einschließlich der gesamten südlichen Levante, Mauretanien und dem Sudan. Für den westlichen Beobachter verblüffend, nahm dieser mit der aktuellen Zerstörung Syriens seinem Ende nähernde national-arabische Weg die Freiheit in Anspruch, laizistisch zu verlaufen. Trennung zwischen Staat und Religion. Und damit eine klare Abkehr vom islamischen Kalifat. In der Baath-Bewegung spielte der Islam stets eine untergeordnete (wenn auch inspirativ korrespondierende) Rolle; Primat war der Nationalstaat. National. Arabisch. Sogar sozialistisch. Nicht wenige meinten, der Grat zum Faschismus sei schmal … Somit erhellt sich auch, obgleich das Thema dunkler nicht sein könnte, weshalb die radikalen, das Kalifat als Ideal verheißenden Islamisten von IS über Al-Nusra bis hin zu diversen anderen Dschihadisten-Truppen, die erklärten Todfeinde der verbliebenen Baath-Gallionsfigur Assad sind.

Hier die Baath, da der Islam. Ist es tatsächlich so einfach? Schwarz und Weiß? Sicher nicht. Doch allen um Objektivität Bemühten von uns, liebe Leser, sollten die Unterschiede, Zusammenhänge und Relevanzen in Bezug auf diese Pole bewusst gemacht werden. Denn so entwirrt sich viel und Vorurteile werden ad absurdum geführt. Zugegeben, es könnte sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen: Was interessiert uns der Araber, der Moslem? Nun, wenn wir nicht wollen, dass er uns dereinst tatsächlich seine Lebensart aufzwingt, bewusst oder nicht, sollten wir ihn kennen … Und in diesem Kontext auch unsere absurde Außenpolitik, unsere dumme Verallgemeinerung, die naiv-gefährliche Willkommenskultur vieler hierzulande.
Der syrische Präsident Assad ist Produkt wie Vertreter eines den radikalen Islam verhindernden, multi-ethnischen, multireligiösen, brutal pragmatischen Weltbildes. Sicher hat er nicht den Friedensnobelpreis verdient, was ihn in den Augen nicht gerade Weniger mit Obama in eine Riege einreiht. Aber tatsächlich ist der studierte Augenarzt Assad Bollwerk wider den radikalen Islam. Ob es uns nun gefällt oder nicht …
Wenn wir heute angesichts dramatischer Flüchtlingslawinen, jawohl, Lawinen (ob naiv bis dämlich willkommen geheißen oder strikt bis verhasst abgelehnt), beurteilen, sollte jedem klar sein, dass es eine westliche, insbesondere von US-Kreisen lancierte, „Fünfte-Kolonne-Politik“ war, die die drohende deutsche Zukunftsapokalypse erst befeuerte. Ohne die grundfalsche europäische Außenpolitik gegenüber Assad, die sich hypokritisch auf der Bombardierung des eigenen Staatsvolkes begründet, existierten keine syrischen Flüchtlinge, ohne den US-Krieg im Irak keine babylonischen.

Unbestritten hatte sich vor etwa vier Jahren im Zuge der Arabellion, deren Scheitern übrigens aus 1001 Gründen absehbar war, eine auch zivilgesellschaftlich getragene Protestbewegung gegen Assad herausgebildet. Wir sahen die fälschlich als demokratisch motivierten Demonstrationszüge Hunderttausender, die nach Veränderung islamischer Färbung riefen. Was wir nicht zu sehen bekamen, da bewusst und auf irreführende Weise von unseren fremdgelenkten Politikern und Fäkalaisisten vorenthalten, waren die Millionenzüge der Unterstützer des Nationalarabismus, die drei Entwicklungen ganz sicher nicht wollten: Assads Sturz, die Machtübernahme durch sunnitisch-islamische Kräfte gleich welcher Dosis, und einen lenkenden westlichen Einfluss.
Gegen diese für Assad Partei ergreifenden Menschen, die uns zivilisatorisch näher standen und stehen, als jeder islamisch/islamistisch motivierte Gegendemonstrant, haben wir zwar mittelbar, aber dafür umso verhängnisvoller gewirkt. Wir, der Westen, haben Assads Feinde gestärkt, mit Waffen, Geld und Propaganda, und griffen somit in diesen Konflikt ein. Wir stellten uns, ohne es zu begreifen, auf die Seite der Islamisten, weil wir glauben wollten, sie seien demokratisch und nicht glauben konnten, was sich immer und immer wieder aufs Neue zeigt, aber durch eine mediale Perpetuierung abgestumpft hat: eine aggressive, staatsegozentrische US-Außenpolitik, die den Einsatz militärischer Mittel beinhaltet.
Dass Assad in seiner Verzweiflung, angesichts eines drohenden Abschlachtens der Alawiten, Christen und säkularen Sunniten, verhängnisvolle Fehler machte, gärte im Westen als willkommenes Argument. Aber dies war nicht weit gedacht, denn von da an kamen sie, die Leidenden, in Massen. Eine Million letztes Jahr, eine weitere dieses?
Es ist sehr genau nachzuvollziehen, wer aus Syrien – und warum – flüchtete und noch immer, trotz inzwischen geschlossener Balkanroute, flüchtet. Schlicht alle, die ihr Heim durch „Assads Bombenterror“ verloren haben? Nein. Diesen Unfug verbreiten unsere Fäkalaisisten (sprich Massenmedien) aus Gründen der Staatsräson oder weil es kein Zurück mehr gibt. Denn dies hieße Eingestehen. Schuld auf sich laden. Zweihundertfünzigtausend Tote. Und nochmals Nein. Die syrischen Flüchtlinge sind unterschiedlichster Herkunft, ihre Motive – vielschichtig.

Man betrachte zunächst das Land in seiner ethnischen und religiösen Zusammensetzung. Eine bedeutsame Perspektive, da wir in Deutschland „die da unten“ verallgemeinernd als Moslems bezeichnen. Die Mehrzahl der einundzwanzig Millionen Syrer, etwa achtzig Prozent, sind dann tatsächlich sunnitische Araber, dazu zähle ich auch zwei Millionen Palästinenser (die einst vor den Kriegen mit Israel flüchteten), und deshalb mit Fug und Recht pauschal als Moslems zu bezeichnen. Für diesen muslimischen Bevölkerungsteil ist jedoch signifikant, dass er bis zum Kriegsausbruch überwiegend als religiös gemäßigt galt, da durch die Baath und eine über sechzig Jahre währende säkulare Lebensform erzogen. Immerhin rund vier Millionen Menschen setzen sich allerdings aus anderen Ethnien und Religionen zusammen. Da finden sich an Reinkarnation glaubende Drusen, armenische orthodoxe Christen, völlig eigenreligiöse Yesiden, sunnitische oder alawitisch-schiitische Kurden, sunnitische Turkmenen, christliche Assyrer aramäischen Ursprungs (Jesus sprach aramäisch), sunnitische Tscherkessen. Auch schiitische Libanesen und schließlich die die politische und militärische Macht verkörpernden Alawiten, die Vorreiter eines Islam „light“ schiitischer Richtung, sind Teil des potentiell explosiven Potpourris. Syrien war und bleibt eine indigene levantinische Herausforderung an jede Staatsform. Weshalb das Baath-Element eine übergeordnete, allgemein verbindende Lehre hätte sein sollen und können.
Liebe Leser, so unterschiedlich die ethnischen und religiösen Merkmale des Vielvölkerstaates sind, so divergent ist auch das Fluchtverhalten seiner Menschen. Nach Deutschland flüchten kaum die modernen, privilegierten Alawiten oder weltlichen Christen; wenn überhaupt, dann weil sie tatsächlich ausgebombt sind, von wem auch immer, oder von den Rebellen vertrieben. Deutschland ist dann zumeist nicht ihr Ziel. Sie suchen Verwandte in anderen Städten auf, oder gehen nach Jordanien, in den Libanon; oft kämpfen sie gegen die irren Dunkelbärte, aus denen alle Rebellengruppen bestehen, nicht nur der IS.
Und auch das vormals gut situierte sunnitische Bürgertum macht nicht den Hauptteil der Flüchtlingslawine aus. Nicht von ungefähr hat sich Damaskus‘ Bevölkerung seit Kriegsbeginn vor vier Jahren von dreieinhalb auf rund sieben Millionen Einwohner verdoppelt. Diese Menschen übrigens stehen in auffälliger Mehrheit zu Assad, ebenso wie die meisten am Mittelmeer lebenden Syrer, wie etwa die in den Küstenstädten Tartus oder Latakia. Einem mir vorliegenden Stimmungsbild zufolge erhielte Assad, ja, der in unseren Medien so genannte „Schlächter“, bei einer aktuellen Wahl, die auch alsbald stattfinden soll, die relative Mehrheit, mindestens. Eine Überzahl im Land lastet nicht ihm die Zerstörung ihrer Heimat an, sondern den Rebellen. Ganz im Gegenteil glauben sie zu wissen, wem sie ihr Leben verdanken: Assad. Dies widerspräche natürlich dem medial gezeichneten Bild, welches uns in Deutschland suggeriert wird. Bashar al Assad der sein Volk bombardiert und vergast, ein Massenmörder. Eigenartig, dass er dennoch über so großen Rückhalt in der Bevölkerung verfügt … Allein in diesem Widerspruch entlarvt sich die geheuchelte Scheinobjektivität des Westens.
Doch zurück zum syrischen Flüchtling. Aus Syrien kommen bzw. flüchten die, die schon zu Friedenszeiten nichts hatten, diejenigen, die nicht auf die schlimme Entwicklung im Land alternativ reagieren konnten und können; es kommen die einfachen Menschen für die der Glaube bedeutsam ist, da sie nichts anderes haben; auch die vom IS verfolgten Yesiden kommen, und die Turkmenen, die syrischen Kurden und Sunniten aus dem zerstörten Aleppo. Letztlich alles Leid erfahrene Menschen, aber nicht unbedingt solche, die Syriens weltlichen Weg der letzten vier Generationen verkörpern.

Wenn uns also der Flüchtlingsstrom traf und weiter trifft, sollten wir genau hinschauen. Unsere Medien legen falsches Zeugnis ab, verteufeln einen Putin anstatt ihm dankbar zu sein; die Politik ist einen Irrweg gegangen, oder blind, unabhängig von der einen Konstante, dass nämlich alle Flüchtlinge bedauernswert sind. Aber für uns sind es eben die „Falschen“, die kommen. Tacitus, der römische Geschichtsschreiber, schrieb einmal sinngemäß, dass dem Gönner, dem Hilfeleistenden, vom Hilfe Empfangenden nur solange Dankbarkeit geschuldet wird, solange dieser das Gefühl hat, seine Schuld vergelten zu können. Ist er aber über diese Grenze hinaus, wird statt des Dankes Hass erwidert. Wenn also unsere Laola-Willkommens-Gutmenschen meinen, dass sie von Flüchtlingen Dankbarkeit erwarten dürfen, liegen sie wohl nicht immer richtig. Nach Tacitus wäre es sogar möglich, dass ihnen der blanke Hass entgegenschlägt. Was dieses Gefühl bei emotional ausgereizten Moslems bewirken kann, mussten wir bei Jihadi-John und Co. leider schon oft zur Kenntnis nehmen. Und nicht zuletzt sind die Geschehnisse von Köln ein dramatischer Beleg.
Moslem ist also tatsächlich nicht gleich Moslem.
Der säkularisierte, von der Baath geprägte Syrer, dessen Bildung übrigens auch auf dem Lehrsystem der DDR beruht, da von dort durch die Baath adaptiert, ist der polare Gegensatz zum salafistischen oder wahabitischen Moslem, der in den Golfstaaten beheimatet ist, oder in Ägypten in der Moslembruderschaft existiert, nicht selten als Terrorist in Syrien/Irak sein Unwesen treibt. Der assad’sche Syrer ist nationalarabisch eingestellt. Seine Frau trägt zumeist kein Kopftuch, geschweige denn die einer Burka gleichende arabische Niqab und sonstige Verschleierungen. Er isst auch mal – meinethalben heimlich – Schwein, und Alkohol verträgt er zwar nicht wie die Iren, Russen oder die Deutschen, aber wenigstens wie ein durchschnittlicher Koreaner. Er, der weltliche Syrer, ist es in aller Regel nicht, der flüchtet und sich bei uns durch Hilferufe und Annahme eines gesponserten Lebens erniedrigen muss.

Sehen wir uns die Hintergründe an.

Mit der Baath-Partei wurde 1940 eine Organisation geschaffen, die ausgerechnet während Hitlers Zenit frisch ins Bewusstsein der politischen Akteure rückte. Ob sich Michel Aflaq und Salah Bitar, die Gründer aus Damaskus, von Großdeutschland, dem Epizentrum des Nationalen, inspirieren ließen? Aflaq, ein griechisch-orthodoxer Christ, bildete mit seinem Geistesbruder Bitar eine avantgardistische Allianz, denn dieser war muslimischer Sunnit. Frankreich, in Europa von Hitler besiegt, vermochte seine Macht als Kolonialherr kaum noch aufrecht zu erhalten, und die radikal-islamischen (sunnitischen) Moslembrüder hatten es bis dato nicht zuwege gebracht, die Ungläubigen aus dem künstlichen Staatsgebilde zu vertreiben. Die Zeit war also reif für etwas Neues. Etwas für orientalische Verhältnisse Ungeheuerliches, das sich auf drei Grundprinzipien verdichten ließe: Wahda, Hurrija, Ishtirakija (Einheit, Freiheit, Sozialismus). Wer jetzt an den französischen Revolutionsruf Liberté, Egalité, Fraternité denkt, mag gar nicht einmal so falsch liegen, denn Leitsprüche benötigt jeder Idealismus, will er in die Massen fruchtverheißend einsickern – und nicht gepeitscht werden. Die Idee von der einzigen arabischen Nation als den zentralen Gedanken, musste also beflügelt werden. Und nicht durch ein inflationäres „Allah Uakbar“ sondern mit Botschaften, die für alle gelten konnten, egal ob sunnitische Moslems, Christen, Drusen, Yesiden oder Alawiten.
Und so schufen die Gründer der Baath basierend auf dem Einheitswillen einer arabischen Nation, befeuert eines tiefverwurzelten, transzendentalen wie historisch-kulturellen Bewusstseins, getragen auf den Träumen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts von libanesischen Christen ins Leben gerufenen panarabischen Nationalbewegung, eine völkische Ideologie. Die Macht im Staate beanspruchende Religionen wären da nur hinderlich gewesen. Ganz besonders der Islam (in der Idee als Religionsstaat). An seiner statt trat die Intention, die arabische Gesellschaft ideell zu einen und zu modernisieren. Wie ein Fundament wirkte dabei der Betrug der Entente nach dem Ersten Weltkrieg, als jedes Versprechen nach Unabhängigkeit gebrochen, aber die von Theodor Herzl propagierten Alija, die jüdischen Einwanderungswellen, hingenommen wurden. Nie akzeptierte die Baath zudem jene von den Kolonialmächten gezogenen künstlichen Grenzen respektive geschaffenen arabischen Staaten. Eine Nation, weltlich, religiös tolerant: Grundgedanken der Baath, die sie per se ins Fadenkreuz der Islamisten verschiedenster Radikalität rückten. Koranwächtern, so die Gerüchteküche, soll jedes Mal der Schaum vorm Mund gestanden haben angesichts nationalarabischer Schriften. Für diese Leute war es Gotteslästerung, dass Aflaq der Person Mohamed eher die Rolle des nationalen Urhebers, des Vereiners, zuschrieb, als die des von Allah Gesandten. In der Baath aber sollte die Religion keine dominierende Rolle spielen. Diese kam der Freiheit zu, alle Gegensätze, die Kasten, Stämme und Religionen betreffend, zu überwinden.

Aus heutiger Sicht muten diese Ideale geradezu verklärt an, aber grundsätzlich schien deren Realisierung durchaus eine Chance zu besitzen, denn die Baath wurde Staatsideologie in Syrien und Irak, fand Unterstützer in der gesamten arabischen Welt, oft im Untergrund. Diese wurden von den islamischen despotischen Staaten der Region (z.Bsp. Saudi-Arabien, Marokko, Tunesien, Jordanien) als gefährliche Metastasen betrachtet. Argwöhnisch beäugten sie die Idee eines arabischen Nationalismus sozialistischer Couleur.
Es gab nur diverse Pferdefüße, die den Siegeszug des weltlichen Panarabismus schließlich verhindern würden (was durch den heutigen Status Quo auch bewiesen ist): Die Baath gab dem sozialistischen Block den Vorzug, weil sie den Kapitalismus ablehnte. Syrien war Freund der DDR, der Sowjetunion, war deren Verbündeter. Ein Bündnis übrigens, das heute Millionen Alawiten und Christen davor bewahrt, von islamistischen Rebellen getötet zu werden. Es ist Putins Verdienst, dem Schrecken in Syrien ein – wenn auch gewaltsames – Ende zu bereiten. Der russische Präsident hat mit seiner einzig richtigen Strategie so viel Erfolg, dass dem Westen kaum Zeit bleibt, seine verleumderischen Kampagnen wirksam zu platzieren. Ja, der mediale Tenor ist eindeutig, aber die geschaffenen militärischen Fakten führen zu einer Befriedung Syriens, während die Aktionen des Westens, der Türken und der Golfstaaten im Gegenteil resultierten.
Doch zurück zum Panarabismus. Die Eitelkeit der herrschenden Protagonisten fungierte wie ein Bremsklotz; einer der Hauptgründe, weshalb sich die aus Ägypten und Syrien bestehende Vereinigte Arabische Republik (VAR) nach nur drei Jahren 1961 auseinanderdividierte.
Ein weiterer Pferdefuß, ähnlich wie in allen sozialistisch-diktatorischen oder einer Diktatur ähnelnden Ländern (wie die DDR es beispielsweise war), sollte als Faktor die Herrschenden korrumpieren und von den Idealen entfernen: Macht. Besitzt der Mensch Macht, tritt das Wir in den Hintergrund. Überall auf der Welt. Auch bei uns heute, wie der Fall Merkel beweist. Eine Machtbesessene, die Nichtwähler-bereinigt vielleicht noch magere fünfzehn Prozent der Bevölkerung hinter sich weiß, und dennoch ihren Deutschland radikal verändernden Stiefel durchzieht – ohne die Bevölkerung zu fragen.

Die Baath indes machte nie einen Hehl daraus, dass jene parlamentarischen Demokratien des Westens keine Option für ein Panarabien sein würden. Weil sie als Teil eines dem Mammon verfallenden Gebildes Regulativ für ein zu lenkendes Bürgertum sind. Erstaunlich, wie recht doch ausgerechnet die Baath hatte. In Deutschland beispielsweise scheint das Bürgertum tatsächlich paralysiert von Überfluss, Massenfraß und Medienbrei; es sieht zwar das Offensichtliche, unternimmt aber nichts dagegen. Es überlässt dem rechten Rand, was es selbst tun sollte, aber aus Trägheit nicht schafft: Nein sagen.

Jedenfalls würde die Baath als Partei führen. Mit einem starken Führer. Hoppla. Derer zwei, denn die Geschichte der Baath war geprägt von den syrischen und irakischen Flügeln. Brüderliebe, Brüderhass. Schnell dividierten sich die Geschwister auseinander. Ein Thema für sich, ebenso wie Ägyptens Rolle. Und mit Saddam Husseins Sturz und späterem Tod, starb auch die Baath im Irak. Noch hält sie sich in Syrien, wenn auch ihre Macht als Partei seit dem Krieg beschnitten ist und Teile als Opposition im Ausland agieren und agitieren. Und doch ist sie heute ein Rückhalt für die Menschen im mörderischen Alles-oder-Nichts-Überlebenskampf, dem, verlören ihn die assad’schen Syrer, ein Genozid folgte. Denn die wahren Schlächter sind nicht in den Reihen Assads oder in seiner Person selbst zu finden, sondern in den Todfeinden der Baath, den islamistischen Rebellen. Die von den USA, vielen westlichen Ländern und den Golfstaaten unterstützt werden. Widerrechtlich. Verbrecherisch.

Bedeutsam ist, dass wir in Deutschland verstehen sollten, ja, müssen, was mit der Unterstützung (allein durch Assads Bild, das unsere Medien zeichnen) so genannter, aber nie existenter, “demokratischer” oppositioneller Kräfte angerichtet wurde. Nicht Assad hat zweihundertfünfzigtausend Tote verursacht, wie die Bildzeitung unlängst schrieb; dies ist eine propagandistische Lüge, die wir in Deutschland glauben müssen, damit wir den Kurs unserer USA-hörigen Regierung stützen oder nicht verhindern. Und die weiß genau, was sie will: Russland und den Iran isolieren.
Erst mit dem 13. November in Paris hat sich die Sach- bzw. Stimmungslage geändert. Endlich könnte eine korrektive Politik das Unrecht apokalyptischen Ausmaßes gegenüber dem baath’schen Syrien wieder gut gemacht werden. Doch nicht Einsicht ist es, die den Westen einlenken lässt. Es ist die blanke Furcht vor einem anhaltenden Flüchtlingsstrom, der ursächlich die Regierungen Europas hinwegspülen würde wie Treibgut. Das Schließen der Balkanroute, die Abschottung der Osteuropäer, das Schweigen der Franzosen in der aktuellen Flüchtlingsverteilungsmalaise, sind unmissverständliche Fakten. Und es ist die Furcht, dass durch den radikalen Islam (egal, ob von europäischen Banlieu-Natives, Konvertiten oder Irren aus dem Orient verübt) noch mehr Terror geschieht und wir unsere Kultur aufgeben müssen, ein Polizeistaat werden, unsere Freiheit verlieren, uns unterwerfen.

Nun haben wir also mehr als tausend deutsche Soldaten nach Syrien geschickt. Den Brand löschen, den wir selbst mit befeuert haben. Wir nennen die Löschaktion Kampf gegen den Terror. Das riecht nach selbsterfüllender Prophezeiung.
Wenn ich heute den Islam in seiner Ganzheit, in seiner friedlichsten Auslegung von mir aus, als archaische, uns in Deutschland bedrohende Religion betrachte, davor warne, dass er durch die zu uns kommenden Menschen muslimischen Glaubens immer dominanter werden könnte (und wenn wir nicht Einhalt gebieten, sicher wird), ist dies der Sorge geschuldet, dass sich potentiell das syrische Horrorspektakel dereinst bei uns abspielen könnte. Wir importieren Probleme, die wir gar nicht lösen können. Wir stecken uns mit dem Erreger des ewigen Kampfes zwischen Religion und Säkularismus an, transportiert von Inkubatoren, die nicht wissen, dass sie welche sind. Es kommen nicht die nationalen Araber zu uns, die Baath-Anhänger. Es kommen (hauptsächlich) die Sunniten, als Araber, als Kurden. Alle mögen den Frieden suchen, den Wohlstand, ihre Religion friedlich ausüben wollen. Doch zumeist tragen sie diesen Erreger in sich, der zum Ausbruch kommen wird, wenn eine große Krise hereinbräche. Denn dann zögen sich die Menschen auf das zurück, was sie verbindet. Bei den Moslems ist es der Islam. Bei den Russen ihr gesunder, beneidenswerter Stolz. Was wird es bei uns sein?
Wir müssen unterscheiden lernen. „Die da unten“ sind nicht alle gleich. Wenn die Baath in Syrien unterliegt, droht das Kalifat. Vermummungszwang für Frauen, Frauenrechte adé, das Abschlachten von Homosexuellen, keine westliche Kleidung mehr, ein Genozid an Alawiten und Christen … all dies wäre zu erwarten, denn es existieren keine „demokratischen“ Rebellen. Es gibt nur Assad, seine islamistischen Feinde. Und im Norden die eigenwilligen Kurden.
Jener dramatische, beinahe gescheiterte Versuch als Baath dem Kalifat entgegenzutreten, kann noch gelingen. Doch dazu müssen wir Assad unterstützen. So wie Putin es praktiziert. Mit Erfolg. Spassibo balschoi.

http://vineyardsaker.de/analyse/baath-die-beinahe-gescheiterte-antwort-auf-den-radikalen-islam/#more-4586

Diskussionen

4 Gedanken zu “BAATH, DIE (BEINAHE) GESCHEITERTE ANTWORT AUF DEN RADIKALEN ISLAM

  1. Bitte den richtigen Ansatz wählen

    Wahhabismus, kein Islam und schon gar kein radikaler, sondern eine seit dem 18. Jahrhundert vom westlichen Kolonialismus zusammen mit den Saudis aufgebrachte terroristische Sekte, die arabisierte Version des Faschismus zur Aufrechterhaltung der Kapitaldiktatur, vgl. „Lawrence von Arabien“.

    „Sie kämpfen für Geld und ihr Gott heißt Nato“ – aus Syrien.

    Als Einblick der 5. Teil einer aufschlussreichen Erklärung der Sachlage aus islamischer Sicht: http://www.dailymotion.com/video/xxrwxf_fitnat-ul-wahhabiyya-pt-5_tech

    Wer den heute hauptsächlich durch Washingtons Lakaien der Saudi/Erdogan-Allianz mit Milliarden US-Dollar und überall verbreiteten Hasspredigern und sogenannten „Schulen“ weltweit verbreiteten faschistischen Wahhabismus für eine radikale Form des Islam hält, geht damit genau der vom angloamerikanischen Imperialismus gewünschten Linie eines erfundenen „Zusammenpralls der Kulturen“ auf den Leim. Das ist die erkennbar selbst fabrizierte Story mit der seit fünfzehn Jahren alle imperialistischen Aggressionskriege gerechtfertigt werden.

    In Wahrheit geht es nach wie vor darum, die US-Konzernherrschaft ablehnende Völker und deren Staaten mit islamischem Bevölkerungsanteil, zu denen nicht nur China und Russland, sondern – am Beispiel der Bundesrepublik Jugoslawien zu sehen – möglicherweise auch europäischen Staaten gehören, ins Wahhabi-faschistische Chaos zu stürzen und so ihrer Widerstandsfähigkeit zu berauben. Der vom US-geführten Großkapital als Werkzeug zur Kriegsführung aufgebrachte Wahhabi/Al Qaida-Terrorismus unter dem Siegel des Propheten ist so islamisch wie der Nazi-Terrorismus unter der Swastika buddhistisch war. Terrorismus hat keine Religion.

    Die Methoden sind immer dieselben. Zuerst wird in einem Land durch Krisenverschärfung entstandene Unzufriedenheit benutzt, um friedliche Proteste von bewaffneten faschistischen Terroristen übernehmen zu lassen, um nach erfolgter Eskalation zu behaupten, ein ziviler Aufstand müsse wegen der Menschenrechte mit der Nato-Luftwaffe unterstützt werden. Ist der imperialistische Plan A durchschaut und im UNO-Sicherheitsrat geblockt worden, wird zusätzlich Plan B aktiviert und die Luftunterstützung für die eigenen faschistischen Bodentruppen der Wahhabi/Al Qaida-Terroristen wird zur Terrorbekämpfung erklärt, bekannt als „War on Terror“. Das Ganze begleitet von den üblichen akzeptanzbeschaffenden Ereignissen in den entsprechenden Provinzen des US-Imperiums, aus denen das Imperium Hilfstruppen anzufordern gedenkt.

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    Verfasst von tag heute | 12. März 2016, 19:03
    • Wie kommt der Autor dazu, den richtigerweise im 18.Jh. angesiedelten Wahhabitismus, d.h. eine sich auf die mittelalterliche sunnitische Rechtsschule des Hanbalisms stützende „Reform“bewegung als kolonialistisch-imperialistische Verschwörung zu „enttarnen“, wo doch damals der Irak, von wo der Prediger Ibn Wahhab seine Lehre mitgebracht hat, das osmanische Reich herrschte und die arabische Halbinsel für den Imperialismus kaum mehr als eine ökonomisch uninteressante Sandbüchse war – von irgendwelchen Erdölfunden, die überdies damals noch gar nicht wirtschaftlich nützlich hätten verwendet werden, war noch lange keine Rede? Wenn der Wahhabismus damals etwas war, dann eine frühe „arabische“ Reaktion auf das niedergehende Osmanische Reich. Im 18.Jh. entstanden ist der Wahhabitismus nicht einmal eine Antwort auf Napoleons Besetzung Ägyptens, die i.A. als „die“ Erfahrung der islamische Welt mit dem europäischen Imperialismus gilt (abgesehen von den Kreuzzügen natürlich, die aber nun wirklich nicht in die imperialistishe Epoche des Kapitalismus gehören). Heute ist er natürlich – auch – ein imperialistischer Aktivposten. Und ob der Wahhabitismus Islam ist oder nicht, darüber sollten schon gar nicht die „Ungläubigen“ befinden. Sicher ist er nicht „der“ Islam, den es unter historischen und soziologischem Gesichtspunk ebensowenig gibt wie „das“ Christentum.Und der Wahhabitismusi st auch nicht m 18. Jh. vom westlichen Kolonialsmus zusammen mit den Saudis „aufgebracht“ worden. vielmehr haben die Al-Saud die Lehre Ibn Wahhabs benutzt um sich eine ideologische Legitimation zu verschaffen, ihre Herrschaft von der Region Nejd auf die übrige arabische Halbinsel und insbesondere auf den Hejaz mit den heiligen Städten Mekka und Medina durch den Sturz der dortigen Hashemiten-Dynastie (die dann nach dem 1.Weltkrieg von den Imperialisten mit Jordanien, dem Irak und Syrien“ entschädigt“ wurden) auszuweiten und die Osmanen zu vertreiben. Antiimperialismus ist gut, Unwissenheit schon deutlich weniger.

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      Verfasst von Anton Holberg | 13. März 2016, 11:41
  2. Der Autor hat – vermutlich- recht, dass zur Verhinderung des generellen Zusammenbruchs staatlicher Ordnung in Syrien und damit der unbegrenzten wechselseitigen Abschlachtung auf der Basis religions-sektiererischer, tribaler oder ethnischer Identitäten der zunächst militärische Sieg des Assad-Regimes von Nöten ist. Das bedeutet aber nicht, dass man ihm und der „Partei der Arabisch- Sozialistischen Wiedergeburt“ (der Ba’ath-Partei, ASBP) Ehren andichten müsste, die sie leider nicht verdient. Ich kann hier nicht auf Einzelheiten der Entwicklung der Partei eingehen. Ein paar Hinweise könnten aber zu neuen Überlegungen führen: Die panarabische ASBP ist (nur) in Syrien und im Irak an die Macht gekommen. In Syrien, wo sie als in der Tat sekuläre Partei wesentlich von dem Christen Michael Aflaq und dem Sunniten Saleh al-Bitar gegründet wurde, geriet sie spätestens unter die Herrschaft alawitischer Clans als der damalige Verteidigungsminister Hafiz al-Assad den „linken“ Flügel der Baath-Partei in einer sogenannten „Korrekturbewegung“ stürzte. Während der Parteigründer Aflaq in den von der dortigen regionalen Sektion der ASBP beherrschten Irak ging, setze sich Al-Bitar, der in den 80er Jahren in einem seiner letzten Interviews den Mangel an Demokratie für einen der größten historischen Fehler der Partei bezeichnete, nach Paris ab. Die Beziehungen zwischen de beiden regionalen Sektionen der ASBP jedenfalls waren (und sind) seit Jahrzehnten derart gestört, dass sie gegenseitig die jeweiligen Feinde unterstützten, die syrische Sektion etwa die irakischen Kurden und die irakische Sektion, die wesentlich von Sunniten geführt wurde, syrische Islamisten, die sich z.B. Anfang der 80er Jahre gegen Hafez al-Assad erhoben, was dieser damit beantwortete, das historische Stadtzentrum von Hama durch die Artillerie in Schutt und Asche zu legen. Heute agieren sunnitisch-irakische Baathisten alsnTeil des IS gegen die syrischen „Parteigenossen“. Noch eine Bemerkung zur unterschiedlichen konfessionellen Basis beider Sektionen: Das Vorherrschen des alawitischen Einflusses in der syrischen ASBP ist der Tatsache geschuldet, dass das hier herrschende Militär seit der Zeit des französischen Protektorats besonders viele Mitglieder er alawitischen Gemeinschaft anzog, die zu Zeiten des sunnitischen osmanischen Kalifats zu den ärmsten und rechtlosesten Gruppen der syrischen Gesellschaft gehörten, während im Irak das Militär schon zu osmanischen Zeiten, aber auch zur Zeit des darauf folgenden britischen Protektorats, mit dem zu kooperieren sich gerade die schiitische(damalige) Minderheit weigerte, Ziel für aufstrebende junge Sunniten war. In beiden Ländern war die ASBP letztlich über die Armee an die Macht gelangt. Richtig ist zu betonen, dass die ASBP hier und dort nicht nach religiös-sektiererischen Maßstäben agiert, auch wenn sie sich bei Bedarf durchaus religiöser Demagogie bedient (das gilt insbesondere für das irakische Saddam Hussein-Regime im Krieg gegen die „Islamische Republik Iran“. Saddam hat damals nicht nur das „Arabertum“ gegen „die Perser“ bemüht, sondern auch die Worte „Allahu Akbar“ der irakische Flagge hinzugefügt). Der Panarabismus (oft in Form arabischen Chauvinismus) hat aber in beiden Fällen z.B. nicht arabische Minderheiten wie die Kurden mehr oder weniger entrechtet. Auf Grund ihrer größeren Zahl und militärischen Kampfkraft hat die irakische ASBP unter Saddam allerdings den Kurden speziell kulturelle Rechte eingeräumt, die sie damals etwa in der Türkei nicht genossen. Der einzige reale Beitrag zur arabischen Einheit allerdings war der Zusammenschluss Syriens mit Nassers Ägypten, der nicht zuletzt wegen des anmaßenden Agierens ägyptischer Bürokraten bald scheiterte. Beide baathistische Regime waren mal mehr mal weniger blutige Diktaturen, womit sie sich natürlich nicht wesentlich von den nicht-baathistischen Regimes der Region unterschieden. Die Frage, ob sie das waren, weil die relevanten Oppositionskräfte von gleicher Art waren und sind, oder ob diese so sind, weil die Baath-Regimes so waren/sind, möchte ich hier nicht zu beantworten versuchen.

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    Verfasst von Anton Holberg | 12. März 2016, 11:17

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