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Inland, Veranstaltungen

Die Macht, der Krieg und der Tod – Rückblick auf die SiKo 2016 in München

siko16

von Walter Listl – http://www.kritisches-netzwerk.de

Die 600 „hochrangigen Führungspersönlichkeiten der internationalen Politik“ bei der sog. Münchner Sicherheitskonferenz verstanden sich nach eigenem Bekunden als „zentrale Bühne für die wichtigsten sicherheitspolitischen Entscheidungsträger“.

Das Stück, das auf dieser Bühne gespielt wurde trug den Titel: Die Macht, der Krieg und der Tod.

In den Hauptrollen: Kriegsstrategen, Waffenhändler und Berufsheuchler.

Das Bühnenspektakel hatte vor allem die Funktion, Menschen an die irrige Vorstellung zu gewöhnen, dass Kriege nicht das Problem, sondern Teil der Problemlösung sind. Und man ist im Regieraum hinter der Bühne besorgt über ein Publikum, das diese Kriege zunehmend skeptisch sieht: Zur Vorbereitung hat die Sicherheitskonferenz einen Sicherheitsreport zur aktuellen Lage herausgegeben. In einer Pressemitteilung dazu heißt es: „Eine eigens für den MSR erhobene Umfrage von TNS Infratest zeigt, dass die Deutschen eine aktivere Rolle deutscher Außenpolitik in internationalen Krisen weiterhin skeptisch beurteilen. Nur 34% (2014: 37%) befürworten ein stärkeres Engagement, 62% lehnen es ab (2014: 60%).“

Da bedurfte es schon der medialen Inszenierung von funktionsuntüchtigem Kriegsgerät der Bundeswehr im vergangenen Jahr, damit die Verteidigungsministerin ein 130 Milliarden Programm zur Kriegsertüchtigung der Bundeswehr auflegen konnte.
► Die politische Kulisse der „Siko-Bühne“ könnte dramatischer nicht sein.

Eine „Ära der Instabilität“ sei angebrochen, in der alte politische Ordnungen unter dem Druck von kalten wie heißen Kriegen, Flüchtlingsströmen und wachsendem Terror zu wanken beginnen. Im Nahen und Mittleren Osten, einer Region, unter deren Boden sich nahezu die Hälfte der Weltöl- und Gasreserven befinden, finden derzeit fünf Kriege statt:

  • In Syrien führen Welt- und Atommächte Krieg um geostrategische Positionen.
  • Die türkische Regierung führt Krieg gegen die kurdische Bevölkerung,
  • Saudi-Arabien führt Krieg gegen den Jemen,
  • Israel führt Krieg gegen die Palästinenser,
  • kurdische bewaffnete Gruppen führen Krieg gegen den IS und werden dabei von USA und Russland unterstützt, während der NATO-Komplize Türkei offen den IS unterstützt.

In Syrien herrscht seit fünf Jahren Krieg. Die Schreckensbilanz: 470.000 Tote, zwei Millionen Verletzte, nahezu die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht.

Die FAZ schreibt am 19.2.2016:

„13,5 Millionen humanitär Bedürftige, 54 Prozent Arbeitslosigkeit, ein Viertel Bevölkerungsschwund und eine in fünf Jahren um zwei Jahrzehnte gesunkene Lebenserwartung – das ist der Preis, den die Syrer zu zahlen haben …… statt in einem Ring stabiler Staaten sieht sich Europa inmitten eines Trümmergürtels: Ukraine, Türkei, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten, Libyen, Tunesien und Algerien. Rund um Europa finden sich bis auf Marokko nur noch Staaten, die fragiler werden – oder schlimmer noch, infolge von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten völlig danieder liegen. Das hat Folgen, die Europa seit Monaten zuvorderst in Form Abertausender Flüchtlinge und ständiger Gefahr vor Anschlägen radikaler Islamisten zu spüren bekommt…“

Der ehemalige US-Verteidigungsminister William Perry schätzt die Gefahr einer nuklearen Konfrontation so hoch ein wie noch nie seit dem Zerbrechen der Sowjetunion. Und Wolfgang Ischinger sagt in der „Welt“ vom 21.1.2016: „Wir haben zu Beginn des Jahres 2016 die gefährlichste Weltlage seit dem Ende des Kalten Kriegs.“ Da – so möchte man meinen – ist es doch gut, wenn auf einer „Sicherheitskonferenz“ miteinander geredet wird. Aber hinter den Kulissen wurde kräftig an der Eskalationsschraube gedreht.

  

    

Die Türkei und Saudi-Arabien drohen offen mit dem Einsatz von Bodentruppen, wenn durch russische Luftangriffe an der Grenze zur Türkei der IS zurückgeschlagen werde (und der Nachschub für den IS aus der Türkei unterbrochen wird). Angela Merkel spricht sich wie auch der Siko-Chef Ischinger für eine Flugverbotszone aus, auch Ischinger will den Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht ausschließen. Türkische Kampfflugzeuge greifen im Norden Syriens kurdische Verbände an, die erfolgreich den IS bekämpfen und türkische Panzerhaubitzen beschießen syrische Regierungstruppen im Norden Syriens. Vor allem die Türkei und Saudi-Arabien setzen auf Eskalation des Kriegsgeschehens.

  

      

Bombenanschläge in der Türkei nutzt die türkische Regierung als Vorwand, die Bevölkerung in den kurdischen Gebieten massenhaft zu ermorden. Diese Situation veranlasste den russischen Ministerpräsidenten Medwedew zu der Warnung: “Die USA und unsere arabischen Partner müssen sich genau überlegen, wollen sie einen permanenten Krieg … alle Seiten müssen gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen Weltkrieg auszulösen…“ Während auf der „Bühne“ der Sicherheitskonferenz geredet wurde, wurde hinter den Kulissen weiter Öl ins Feuer eines weiteren Krieges gegossen, indem an der Grenze zu Russland kräftig aufgerüstet wird. Schon am 3. Februar 2016 berichtet die SZ unter der Überschrift „Militärisches Gerät für 3,1 Milliarden Euro soll Putin abschrecken“ über die weitere Aufrüstung der NATO an der Grenze zu Russland. ( Artikel).

Entwicklung der NATO – konsequente Osterweiterung in Richtung Russland

NATO-Generalsekretär Stoltenberg auf der „Siko“: „Wir haben uns darauf geeinigt, unsere Vorwärtsverteidigung im östlichen Teil des Bündnisgebietes auszubauen … das ist ein Zeichen unserer Entschlossenheit, Russland abzuschrecken und unsere Partnerschaft mit Ukraine, Moldawien und Georgien zu stärken…“ Die Stationierung „ultraschneller Eingreiftruppen“ und die Errichtung neuer Militärbasen in Osteuropa soll intensiviert und beschleunigt werden. SPIEGEL ONLINE berichtet am 10.2.2016: „Die NATO plant die größte Aufrüstung Osteuropas seit Ende des kalten Krieges … als Standorte sind neben den baltischen Staaten auch Polen, Rumänien und Bulgarien vorgesehen…“ ( Artikel).

Das, was da auf der „Bühne“ der Siko vorgeführt wurde, war ein imperiales Kriegsmonster, das alles zu vernichten droht. „Führungspersönlichkeiten“ der kapitalistischen Länder, die das Feindbild Russland aufpolieren, um ihre imperialen Ziele durchzusetzen, gaben den Ton an auf dieser Konferenz. Dass sie dabei auch vor Krieg nicht zurückschrecken, das hat an diesem „Siko-Wochenende“ mehrere tausend Menschen auf die Straße getrieben, die mit einer beeindruckenden Demonstration und Protestkette gegen diese Tagung der Kriegsstrategen demonstrierten. Auf der gleichzeitig stattgefundenen internationalen Münchner Friedenskonferenz berieten die „Friedensstrategen“ über Möglichkeiten gewaltfreier Konfliktlösungen. Das „Siko-Wochenende“ hat gezeigt: Die Friedensbewegung ist nicht tot – und dennoch: Die Zahl der Demonstrierenden steht in keinem Verhältnis zur Größe einer weltweiten Kriegsgefahr.

Walter Listl
Aktiv im Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus


► Quelle: Erstveröffentlich am 24.01.2016 bei isw-München > Artikel.

www.isw-muenchen.de  /  https://www.facebook.com/iswmuenchen


► Bild- und Grafikquellen:

1. State Dinner hosted by Horst Seehofer (Minister-President of the Free State of Bavaria) – Munich Security Conference 2016, 13. Februar 2016, 23:10. Foto: © Munich Security Conference 2016 (MSC) / Kuhlmann. Quelle: Webseite der Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz (gemeinnützige) GmbH. Verbreitung: Fotos der Konferenz, die zum Download angeboten werden, können entsprechend den Angaben im Impressum honorarfrei genutzt werden, soweit der Name des Fotografen genannt wird. Die Fotos sind unter der Creative Commons Attribution 3.0 Germany License lizensiert.

2. Ursula von der Leyen – Federal Minister of Defence, Federal Republic of Germany – Munich Security Conference 2016, 13. Februar 2016, 23:10. Foto: © Munich Security Conference 2016 (MSC) / Simon. Quelle: Webseite der Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz (gemeinnützige) GmbH. Verbreitung: Fotos der Konferenz, die zum Download angeboten werden, können entsprechend den Angaben im Impressum honorarfrei genutzt werden, soweit der Name des Fotografen genannt wird. Die Fotos sind unter der Creative Commons Attribution 3.0 Germany License lizensiert.

3. Texttafel „NO TO NATO – STOPPT DEUTSCHE WAFFENEXPORTE“. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

4. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – EADS. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

5. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – MAN. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

6. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – SIEMENS. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

7. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – DIEHL. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

8. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – HECKLER & KOCH. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

9. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – KRAUSS MAFFEI-WEGMANN. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

10. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – RHEINMETALL. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

11. Texttafel HÄNDLERS DES TODES – THYSSEN KRUPP. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

12. Entwicklung der NATO – konsequente Osterweiterung in Richtung Russland. Karte erstellt: User: Patrick Neil, based off of Image:EU1976-1995.svg by glentamara. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

13. Texttafel „HÄNDE WEG VON DER UKRAINE“. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.

14. RAUS AUS DER NATO – Deutschland sollte endlich die Akte NATO schließen und aus dieser kriminellen Vereinigung austreten! Grafik: Username THE NATO. Quelle: DEVIANT ART > NATO GESCHLOSSEN. DEVIANT ART the largest online social network for artists and art enthusiasts, and a platform for emerging and established artists to exhibit, promote, and share their works with an enthusiastic, art-centric community.

15. Buchcover „Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet“, von Michael Lüders, Verlag C.H.Beck, 14. Auflage 2015. 175 S. mit 1 Karte. Klappenbroschur, ISBN 978-3-406-67749-6.

16. Buchcover „Exposing Lies of the Empire“ von Andre Vltchek; Publisher: BADAK MERAH; ISBN: 978-6027005860; Number of pages: 822; Published Date: March 8, 2015; List Price: US$ 35.-

Product Description: ANDRE VLTCHEK is one of this world’s greatest contemporary thinkers. A true internationalist, he does not belong to any single culture; he belongs to the entire world, a world battered by Western imperialism and capitalist fundamentalism. That is why he works relentlessly and courageously at the front lines and battlefields, as well as in the most forgotten corners of the globe; wherever he is needed and wherever our humanity is suffering, struggling and is rising to its feet.

This book is 822 pages long, divided into 69 chapters. It is perhaps the most complete, and the most comprehensive account of the last several years, during which our planet has risen up and began its struggle against the Empire and its oppression.

Vltchek takes us to all the continents, to slums and palaces, to the villages bombed into the ground, and to the front lines of the revolution. It alerts and provokes, clarifies and leads forward. It is a book of philosophy, a collection of exceptional investigative journalist reports, and a manifesto. It will inspire millions. It will be quoted for centuries to come.

Anhang Größe
Munich Security Report 2016 – Boundless Crises, Reckless Spoilers, Helpless Guardians – Published on the Occasion of the MSC 2016 – 80 pages.pdf 7.74 MB
Munich Security Report 2015 – Collapsing Order, Reluctant Guardians – Published on the Occasion of the MSC 2015 – 72 pages.pdf 7.52 MB
Neue Macht – Neue Verantwortung – Elemente einer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik für eine Welt im Umbruch – Ein Papier der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP und des German Marshall Fund of the United States.pdf 258.55 KB
Rüstungsexportbericht 2015 – Zwischenbericht erstes Halbjahr der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter – BMWI – Stand Oktober 2015.pdf 271.72 KB
Rüstungsexportbericht 2014 – Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter – BMWI – Stand Mai 2015.pdf 890.3 KB
GKKE_Rüstungsexportbericht_2015.pdf 1008.84 KB
GKKE_Rüstungsexportbericht_2014.pdf 980.86 KB

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