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Energie, Wirtschaft

Gigantische Vertuschung – geht es EXXON endlich an die Gurgel?

exxon

von Einar Schlereth

Beim Wort EXXON muss doch bei allen die Alarmglocke klingeln oder etwa nicht?
ExxonMobil ist nicht nur die größte Erdölgesellschaft der Welt neben BP, Chevron, und Royal Dutch Shell, sondern auch das Unternehmen, das mit die allergrößten Umweltkatastrophen auf dem Gewissen hat. Na, das mit dem Gewissen streichen wir, das haben sie nicht. Sagen wir auf dem Debetkonto, das wächst und wächst, was die Bosse aber nicht stört, Obama nicht stört und die Justiz auch nicht besonders. Aber jetzt passiert etwas: eine Klage, nicht seitens der Opfer der Exxon Valdez-Katastrophe in Alaska oder vor der Küste Nigerias oder Kaliforniens, sondern nun kommt eine Klage mit richtiger Feuerkraft dahinter: die 8-größte und die 16-größte Wirtschaft der Welt (Kalifornien und New York) fordern das US-Justizministerium auf, sich ihrer Klage anzuschließen. Und das könnte sich zum größte Unternehmens-Skandal der US-Geschichte auswachsen, wie Bill McKibben schreibt.

Dabei soll es allerdings nicht in erster Linie um die endlose Kette von ‚Unfällen‘, Desastern und Katastrophen gehen, die einfach kein Ende nehmen. Ihr braucht nur einmal diese Suchseite aufrufen oder diese Seite mit großen Exxon-Öllecks, um Dutzende von Seiten mit jeweils 10 bis 12 Artikeln über Exxon-Verbrechen zu finden, wobei das Schlimmste ist, dass man es regelmäßig vertuschen will, Journalisten, die recherchieren wollen, mit Verboten und Strafen belegt, Schreib- und Drehverbote erteilt werden und die Gebiete auch immer weitläufig abgesperrt werden.

Aber diesmal handelt es sich um eine gigantische Cover-up Story. Die Pulitzer-Preis gekrönte ‚Inside Climate News‘ enthüllte im Detail, dass die EXXON Bosse schon in den 1980-er Jahren und noch früher alles über den Klimawandel wussten. 1977 sagte ihnen ein Wissenschaftler der Firma: „Es gibt ein allgemeines wissenschaftliches Einverständnis, dass die wahrscheinlichste Art und Weise, wie die Menschheit das globale Klima beeinflusst, das Verbrennen von fossilen Treibstoffen ist.“ Daraufhin stellte Exxon groß angelegte Versuche an und finanzierte raffinierte Komputer-Modelle, die vorhersagten, was steigende Temperaturen anrichten würden.

Als erstes wurden alle einschlägigen Dokumente von Exxon geheimgehalten. Und Exxon machte sich umgehend daran, ihre eigene Zukunft zu planen. Es wurden große Gebiete in der Arktik geleast, die bei erhöhten Temperaturen leichter und profitabel für Bohrungen werden würden. Von der Nordsee bis zur kanadischen Arktik wurden die Plattformen der Öl-Rigs vor den Küsten erhöht und die Pipelines besser vor der Küstenerosion geschützt und es wurden geeignete Hubschrauber-Landeplätze, Pipelines und Straßen entworfen.

Gleichzeitig wurde in den 1990-ern eine Menge Geld und Druck investiert, um die Wissenschaft der Klimaforschung in Frage zu stellen und zu verdunkeln. Es wurden Think-tanks gegründet und Klima-Leugnung betrieben und Experten von Tabak-Industrie angeheuert, die Erfahrung im Leugnen von Schäden hatten. Und natürlich wurden Politiker gekauft.

Ein hoher Exxon-Boss, Lee Raymond, machte sich die Mühe, nach China zu reisen, um die Chinesen davon zu überzeugen, dass das mit dem Klimawandel der reine Unsinn sei. „Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich die Temperaturen bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts wesentlich verändern.“

Dieser Betrug der Exxon, 20 Jahe lang zu verhindern, dass Regulierungen vorgenommen werden, kann sich für die Geschichte des Planeten als entscheidend herausstellen, da im 21. Jahrhundert die Treibhausgase in die Höhe geschossen sind und ‚das heißeste, jemals verzeichnete Jahr‘ eingetreten ist.

Aber Exxon sagte nicht die Wahrheit. Die National Academy of Sciences fand heraus, dass Geld von Exxon und den Koch-Brüdern eine entscheidende Rolle spielte, die Klima-Debatte in diesem Lande zu polarisieren. Einige Punkte der Exxon-Politik könnten sich als direkt kriminell herausstellen. Exxon hat nicht nur das Publikum belogen – was ja im Grunde nicht so schlimm ist – und, viel schlimmer hat man auch Investoren belogen, was nun wirklich in den USA ein Kapitalverbrechen ist. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob das Bundes-Justizministeriu wirklich eingreifen wird, da es sich ja auch weigerte, gegen die großen Banken vorzugehen.

Zwar ist Exxon in jüngster Zeit vorsichtiger geworden und leugnet nicht mehr alles ab, doch sie haut nach wie vor in die Tasten der ‚Ungewissheit‘. Außerdem wird euch auch aufgefallen sein, dass die Ölgesellschaften seit einiger Zeit in ihrer Reklame alle grün geworden sind. Teilweise werden schon die Tank-LKWs grün angestrichen.

Wenn ihr mehr über die politischen Machenschaften von Exxon und ihren ‚Schwestern‘ wissen wollt, lest diesen aufschlussreichen Artikel von Bill McKibben. Dort steht auch, wie praktisch jede Maßnahme, die nur ‚angedacht‘ wurde oder zögernd in Angriff genommen wurde, mit Sperrfeuer belegt wurde. Dass alle Ölgesellschaften nach wie vor wie besessen und mit enormen Geldsummen nach neuen Ölquellen suchen und – lasst uns das nicht vergessen – dass eine Reihe von Kriegen um Öl im Gange sind: Lybien, Irak, Syrien, Jemen, Somalia, Nigeria und sicher noch einige, wovon wir bloß noch nichts wissen.

Obendrein, hat Exxon und viele andere auch enorm in das Fracking – Gewinnung von ’sauberem Naturgas‘ – investiert, was sich als gigantischer Flop herausstellte und als noch schädlicher für Mensch, Tier, Ackerböden und die ganze Umwelt. Aber das wird alles verniedlicht und schön geredet.

Und McKibben spricht noch einen wichtigen Punkt an: Parallell zum Klima-Spektakel in Paris fand ein Forum von Jura-Professoren statt, die verschiedene rechtliche Theorien diskutierten, wie man das betrügerische Manövrieren von Exxon strafrechtlich in den Griff bekommen könnte. Obendrein hat ‚Inside Climate News‘ inzwischen noch mehr Material enthüllt über die Rolle von Texaco, Shell und anderen Größen im Geschäft, die wahrscheinlich nicht so viel anders gewesen ist.

Einen Punkt greift McKibben allerdings nicht auf. Hören wir nicht immer wieder – genau wie von den Atomenergie-Betreibern – den Spruch von der Sicherheit? Es ist alles absolut sicher, hundertprozentig, Risiko liegt bei 1 zu einer Million (so etwas wurde vor 50 Jahren tatsächlich behauptet), Atomenergie sei sogar gesund für uns und die Umwelt. Und wenn wirklich etwas passiert, dann hört man Sprüche von phänomenaler Blödheit. Und passiert ein Fukushima, da sagt man am besten gar nichts und kehrt das wahre Ausmaß der Katastrophe komplett unter den Teppich.

Nun, in Anbetracht der finanziellen und wirtschaftlichen Macht von Kalifornien und New York sollte man annehmen können, dass diese Superverbrecher einer gerechten Strafe zugeführt werden. Damit wäre ein Anfang gemacht und danach könnte man sich vielleicht ein paar Banken vornehmen.

Quelle – källa – source

http://einarschlereth.blogspot.de/2016/02/gigantische-vertuschung-geht-es-exxon.html#more

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