«Freiwillige Retter in Syrien: ‹Wir unterstützen das Leben, nicht den Tod›», steht als Titel am 3. Februar 2016 über einem Interview, welches die Journalistin Lea Frehse für die deutsche Zeitschrift ‹Spiegel› geführt hat. Ihr Gesprächspartner war Raed al-Saleh, Leiter der ‹syrischen Weisshelme›. Das ‹syrische Komitee für zivile Verteidigung› wird allgemein «Weisse Helme» oder «Weisshelme» genannt, da die «Freiwilligen» bei Rettungsarbeiten einen unverwechselbaren, weissen Helm tragen. «Sie klettern über Trümmer, riskieren ihr Leben, um andere zu retten: Die syrischen Weisshelme bergen nach Bombenangriffen Verletzte und Tote – freiwillig.» Mit diesen Worten beschreibt Frehse in der Einleitung die Organisation.

Reiseleitung und Syrien-Journalismus

Frehse, Mitte Zwanzig, war Schülerin der Hamburger ‹Henri-Nannen-Journalistenschule› und lebt und arbeitet heute als freie Journalistin und Reiseleiterin in Jerusalem. Sie schreibt auf Deutsch für das Orientalistik-Magazin ‹Zenith› und für ‹Alsharq›, einem Blog zur Region Nah- und Mittelost. Auf dem Internettauftritt ‹reise.alsharq.de› wird ihre Arbeit als Reiseleiterin beschrieben: «Sie begleitet interessierte Reisegruppen durch Israel und Palästina, ob auf Bildungsreise, Wandertour oder Filmdreh.» Die Betreiber des Blogs scheinen sich also auch als Reiseveranstalter zu betätigen. Lea Frehse ist eine von sechs Nominierten für den Journalistenpreis ‹Humanitäre Hilfe›. Im September 2015 wurde sie als Teilnehmerin des Wettbewerbs für eine zweite Phase nominiert, in der sich die Nominierten auf Recherchereisen in Krisengebiete begeben, um «neue digitale Wege der Berichterstattung über Humanitäre Hilfe» zu finden. Frehse recherchierte für den Wettbewerb in Jordanien und begleitete private Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen. Damit und mit ihrem Wohnort Israel ist Frehse einerseits natürlich nicht uninformiert zur Region – andererseits darf man vielleicht auch fragen, ob ihre Biografie auch einen erfahrenen, kritischen und vor allem unparteiischen Journalismus zum ernsten Thema des Syrien-Kriegs garantiert.

Verstörendes und Manipulation

Das seltsame bei den Weisshelmen: In einem Krieg wo dauernd irgend jemand auch in den dramatischsten Situationen verwackelte Handyaufnahmen macht, gibt es kaum Amateurbilder der Retter bei ihrer Arbeit. Dafür gibt es beeindruckende Profibilder. Gleich zu Beginn ihres Online-Artikels verlinkt Frehse auf ‹@SyriaCivilDef› dem Auftritt der Retter auf dem Mikroblogging-Dienst ‹Twitter› mit einer Warnung, dass die dort präsentierten Fotos «zum Teil verstörend» seien. Das Titelbild zum Artikel ist eine erstaunlich perfekt getroffene Momentaufnahme während einer Rettungsaktion. Als Bild-Quelle wird die Nachrichtenagentur ‹Reuters› angegeben – der Fotograf ist der junge Syrer Hosam Katan, der seit 2013 für Reuters arbeitet. Seine Arbeit machte ihn 2014 zum Gewinner eines ‹Ian Parry Stipendiums› für Fotografen unter 24. Wer den Internetauftritt der Weisshelme gesehen hat, wird zugeben müssen, dass dramatische Pressefotos offensichtlich eine Schlüsselrolle zur Verbreitung der «Botschaft» spielen. Wie man am 25. März 2014 auf dem auf Fotojournalismus spezialisierten Portal ‹bagnews.com› lesen konnte, gibt es allerdings auch dramatische Bilder aus Syrien, welche gestellt oder inszeniert wurden und damit von einem journalistischen Gesichtspunkt her grundsätzlich als Fälschungen gelten müssen. Unter dem Titel «Buben-Rebelle macht Waffen», publizierte demnach Reuters am 9. September 2013 Fotos vom damals 23-jährigen Hamid Khatib – einem weiteren syrischen Fotografen. Der zehnjährige Waffenschmied in Aleppo wurde in der Bildunterschrift «Issa» genannt. Journalisten haben ihn jedoch nie finden können. Statt dessen wurde ihnen vor Ort erklärt, dass die Bilder ganz einfach mit einem Schauspieler inszeniert wurden. Diese Fotos wurden jedoch von der Elite der westlichen Medienwelt herumgereicht, ausgezeichnet und für auf Tränendrüsen drückenden Artikel über die Grausamkeit des «Diktators» instrumentalisiert. «Der Raketen-Junge aus der Waffen-Fabrik», schrieb auch die deutsche Zeitung ‹Bild› am 9. September 2013 und verknüpfte die Fälschung mit einem Bericht über die Verlautbarung des US-amerikanischen Präsidenten zu seinem «Giftgas-Ultimatum».

Sektierer und trendige Bärte
Innerhalb ihres Artikels bettet Frehse drei Twitter-Nachrichten von ‹@AEJKhalil› ein. Der Bezug dieses Kontos zu den Weisshelmen wird von ihr nicht erklärt. Für Frehse und die Zeitschrift Spielgel muss es sich jedoch wegen der direkten Verlinkung um eine seriöse Quelle zu Syrien handeln. In zwei Fällen verbreitet die Zeitschrift damit die auf Englisch gemachten Beschuldigungen gegen Russland rein zivile Einrichtungen in Syrien bombardiert zu haben. Das Profilbild zeigt einen jüngeren Mann mit langen Haaren und einem kurz gehalten Bart – ohne Oberlippenbart. «Lasst eure Bärte wachsen und kürzt eure Schnurrbärte», lautet eine religiöse Überlieferung, der viele Islamisten folgen. In diesem Fall ist der Look wohl etwas zu trendig – der Bart zu kurz, um Schlussfolgerungen ziehen zu dürfen. Dass der Mann trotzdem ein Sektierer ist, zeigt sich in dem, was er schreibt. Es findet sich zum Beispiel am 8. November 2015 eine Serie von Twitter-Nachrichten, wo er sich über die syrische Minderheiten-Sekte der Shiiten und ihre «verrückten, sinnlosen Rituale» lustig macht. Ansonsten bestehen seine auf Syrien bezogenen Nachrichten meistens aus dem üblichen Massaker-Marketing mit Gräuel-Fotos; aus Schimpfen über den «Kreuzzug» der Russen; aus Überlegungen zu den «üblen Plänen» des Iran und der Falschgläubigen; und schliesslich aus endlosen Beschuldigungen zum angeblichen Einsatz «verbotener Waffen» durch Syrien oder Russland. Der Spiegel-Leser wird also auf ein Twitter-Konto verwiesen, welches mit Gerüchten, Verschwörungstheorien und Bildern aus dubiosen Quellen sektiererische Propaganda für die eine Seite im syrischen Krieg macht.

Alte Fotos und neue Interviews

Der 33-jährige Saleh wird allgemein als Gründer der Zivilschützer gehandelt. Mit kurzem Haar und beruhigend säkular wirkenden Dreitagebart, ist Saleh extrem präsentabel im Westen. Das wird offensichtlich genutzt. Fast jeden Tag wird er irgendwo im Abendland der Werte von zumindest einem Lohnschreiber zum Thema Syrien zitiert. Wenn man seine öffentlichen Auftritte und seine Interviews über die Jahre zurückverfolgt, fragt man sich, wie oft der Mann eigentlich noch in Syrien verweilt. Als Chef der Weisshelme wurde es ihm am 26 Juni 2015 sogar ermöglicht vor einem unter der sogenannten «Arria-Formel» abgehaltenem Treffen des UNO-Sicherheitsrats eine Rede zu schwingen. Wann genau und in welchem Land Frehse ihr Gespräch mit Saleh führte, ist im Artikel nicht ersichtlich – wird also nicht journalistisch korrekt belegt. Das im Artikel gezeigte Foto von Raed al-Saleh jedoch ist alt. Der Fotograf Bernd von Jutrczenka hatte es am 22. März 2015 in Berlin aufgenommen. Das Urheberrecht liegt bei der deutschen Nachrichtenagentur ‹DPA› und jeder kann die Benutzungsrechte zum Bild erwerben. Warum aber gibt es kein aktuelles Foto von einem Gespräch, dass Frehse angeblich Anfang 2016 geführt haben soll? Wie aktuell ist ihr Interview wirklich?

Millionen von Dollars und Zehntausende Leben

Nur wenige Tage vor Frehses Interview erschien in der US-amerikanischen Zeitschrift ‹Newsweek› am 29. Januar ein Artikel von Janine di Giovanni mit dramatischen Fotos von Nicole Tung, welche teilweise dramatische Szenen der Ausbildung in einem Lager der Weisshelme in der Türkei wiedergeben. Hier erfahren wir auch den aktuellen Stand, wie die Organisation verstanden werden möchte. Es gäbe mehr als 2’800 Retter – darunter 80 Frauen. Als «Basisorganisation» wurden die Zivilschützer gemäss Newsweek von den Regierungen von Grossbritannien, Dänemark und Japan gegründet. Sie sollen über ein Budget von über 30 Millionen US-Dollar verfügen, welches grösstenteils für Gerät ausgegeben würde. Der monatliche Sold soll sich auf 150 US-Dollar belaufen. (Gemäss ‹Weltbank› betrug in 2010 das syrische Durchschnittseinkommen 229 US-Dollar pro Monat.) «Regime Blogger» und «russische Internet-Trolle» würden die Weisshelme mit dem syrischen Ableger der Terrororganisation ‹Al-Kaida› in Verbindung bringen. Newsweek bietet Erklärungen, die dagegen halten. Dass «ein» Weisshelm mit einer Waffe fotografiert wurde, wird zugegeben, aber er sei deswegen sofort entlassen worden. Die Helfer sollen nach eigenen Angaben über 40’000 Leben gerettet haben. Schliesslich erlaubt der Artikel noch einem der Retter über einen russischen Angriff auf Aleppo mit «40 Streubomben» – na ja – zu «berichten». Als Frehse ein paar Tage später ihre Einleitung schreibt, ist die Zahl der Geretteten durch die Weisshelme schon auf 47’000 Menschen geklettert.

Unbewaffnet und ehrenamtlich
War sich Frehse der Negativ-Propaganda gegen die Weisshelme bewusst? Jedenfalls packt sie das Wort «unbewaffnet» gleich in ihre erste Frage. Saleh antwortet: «Wir kämpfen nicht für eine Seite, aber ich erlebe, dass sich ständig mehr junge Männer unseren Teams anschliessen, die vorher gekämpft haben. Dabei würden sie als Kämpfer Geld verdienen; als Weisshelm arbeiten sie ehrenamtlich. Andersherum weiss ich von keinem einzigen Weisshelm, der Kämpfer geworden ist.» Die von Newsweek erwähnten 150 US-Dollar sind also fünf Tage später im Spiegel «ehrenamtlich»? Saleh vergisst zwar über russische Streubomben zu schimpfen, erwähnt aber die inzwischen schon standardisierte Negativ-Propaganda der syrischen Regierungsgegner: «Fassbomben des Regimes». Weiter erklärt er, dass «Geld und Trainer» unter anderem aus «den USA, der Türkei und zeitweise aus Deutschland» kommen würden. Saleh meint, dass «besonders seit die russische Armee an der Seite des Regimes Ziele in Syrien bombardiert» sich die Lage «drastisch verschlechtert» habe. Die «Propaganda des Assad-Regimes und seinen Unterstützern in Russland» würde die Weisshelme «gerade im Internet» diskreditieren. «Wir unterstützen das Leben, nicht den Tod», erklärt er seine Arbeit und serviert damit Frehse die Artikelüberschrift.

Schwarze Fahnen und weisse Helme

Das Imageproblem, welches die Weisshelme bei einem (weit kleineren) Teil der Öffentlichkeit haben, gründet sich schon mal auf die Tatsache, dass sich ihre Arbeit auf Gebiete von Aleppo und Idlib konzentriert, wo derzeit Islamisten bis hin zur gefürchteten Terrormiliz ‹Islamischer Staat› regieren. Die in Salehs Antworten implizierte Unparteilichkeit kann man ohne weiteres als Lüge abtun. Schlimmer noch – die Gruppe hat belegbare Sympathien für extremen Islamisten. Es gibt Fotos und Videos aus Syrien mit Mitgliedern dieser Zivilschützer, welche Frehse im Interview vermieden hat anzusprechen: Weisshelme, die den Tod ziviler Regierungsangestellter feiern; Weisshelme, die einen Sieg der Al-Kaida bejubeln und die schwarze Glaubensbekenntnis-Fahne auf dem Hauptplatz der Stadt Idlib schwingen; Weisshelme, die Hassparolen auf Andersgläubige rufen; Weisshelme, die bei einer Hinrichtung helfen; Weisshelme, die das Siegeszeichen winken als sie im Kleinlaster tote Regierungssoldaten transportieren; Weisshelme, die zu ihrer Zivilschutz-Uniform Waffen tragen; und – vielleicht besonders pikant – Weisshelme, die sich auf Sozialen Netzwerken offen als Bewaffnete im Kampfanzug präsentieren.

Fassbomben und andere Lügen

Für den Staat Syrien ist es auch nicht so lustig, wenn Terroristen-Sympathisanten als im Westen gefeierte Zivlischützer «Beweise» sammeln. Zum Beispiel zeigt ein Video mit dem Logo der Al-Kaida einen Weisshelm, der im Ort Sarmin eine angebliche Fassbombe inspiziert – also diese mysteriöse Waffe, mit der die syrische Regierung seit Jahren medial dämonisiert wird. Zur gekonnten Augenauswischerei gesellen sich auch belegbare Lügen. Im August 2015 zeigten zum Beispiel die Weisshelme auf Twitter eine Aufnahme, worüber ein angeblich direkt involvierter Helfer schrieb: «Bin gerade am Ort der Explosion angekommen … etwa ein Dutzend Fassbomben haben einen ganzen Wohnblock auseinander gerissen.» Das Bild stammt aber vom April 2013 – ist also ganze zwei Jahre älter. Am 30. September zeigten die Zivilschützer auf Twitter eines der für sie so typischen Profi-Fotos, welches einen Retter zeigt, der in dramatischer Pose auf seinen Armen anscheinend gerade ein Kind aus einem zerstörten Gebäude rettet. «Russischer Angriff heute auf Homs. 33 Zivilisten getötet, einschliesslich 3 Kinder und 1 @SyriaCivilDef-Freiwilliger», stand dazu als Erklärung. Das gleiche Bild wurde jedoch fünf Tage vorher schon einmal von einem anderen, zur syrischen Opposition zählenden Twitter-Nutzer verbreitet und kann daher mit Russland nichts zu tun haben.

Unparteilichkeit und Herr Soros

Trotz eindeutiger Lügen und schwarzen Fahnen, bleiben Helme und Westen weiss, denn die Öffentlichkeitsarbeit läuft dank US-amerikanischer Profis wie geschmiert. Ausserdem ist für voreingenommene oder korrupte Journalisten und westliche Politiker das Märchen von selbstlosen Helfern und unparteiischen Beobachtern ganz einfach viel zu nützlich um es wegen ein paar Al-Kaida-Fehltritten fallen zu lassen. Die früher weniger werbewirksam benannte ‹Syria Civil Defense› (Syrischer Zivilschutz – kurz SCD) wurde unter dem Namen Weisshelme zum erfolgreichen Markenzeichen. Dies ist jedoch eine Marke, die in vieler Hinsicht mehr transatlantisch als levantinisch ist. Die Domain ‹whitehelmets.org› und die ebenfalls auf Propaganda für die Syrien-Opposition ausgerichtete Domain ‹withsyria.com› sind registriert auf Alison (Ali) Weiner, welche derzeit in New York als «Strategin» für die Öffentlichkeitsarbeit-Agentur ‹Purpose› arbeitet. Vor sie sich auf Syrien eingeschossen hatte, war sie übrigens für ‹Clinton Global Initiative› (eine Stiftung des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton) tätig. Purpose kümmert sich fürsorglich um die Werbung für die Weisshelme und steht in vielfältiger (vor allem auch personeller) Weise mit der Hilfsorganisation ‹Avaaz› in Verbindung, welche ihrerseits in Syrien ausschliesslich auf Seite der Opposition aktiv ist. Avaaz wird durch ‹Open Society Foundations› (Offene Gesellschaft Stiftungen) finanziert – eine Stiftung des hyperaktiven US-Milliardärs Soros. «Menschlichkeit, Solidarität, Unparteilichkeit» steht als Leitmotiv der Zivilschützer auf ihrem exquisit gestalteten Internetauftritt – bebildert mit dramatischen Pressefotos von Rettungsaktionen, die kein Filmteam besser inszenieren und ausleuchten könnte. Offensichtlich werden nicht nur Rettungswagen, Logo-bedruckte Uniformen und Helme in Weiss mit dem üppigen Budget von über 30 Millionen US-Dollar beglichen.

Das Geld und die Aussenministerien

Die Weisshelme gibt es in ihrer jetzigen Form seit 2013 und sie erhalten nachweislich Gelder sowohl von der US-Entwicklungszusammenarbeit-Behörde ‹USAID› (und damit indirekt dem US-Aussenministerium), als auch direkt vom britischen Aussenministerium. Woher die 300’000 US-Dollar Gründungskapital kamen, ist nebulös. Allerdings scheinen britische und US-amerikanische Steuergelder von Anfang an involviert gewesen zu sein. Gemäss Mark Ward, einem Beamten den US-Aussenministeriums, hatten die USA in 2014 bis dahin bereits 13 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert. Praktische Unterstützung wurde von der türkischen Naturkatastrophenhilfe ‹AKUT› geboten und die Ausbildung der Helfer fand im türkischen Adana statt. Obwohl immer wieder der US-Milliardär George Soros als Finanzier genannt wird, kann man davon ausgehen, dass das meiste Geld von USAID stammt, denn inzwischen liegt ein USAID-Bericht von 2015 vor, welcher offen 16 Millionen US-Dollar als Beitrag angibt. Andererseits behauptet ein Artikel in der britischen Zeitung ‹Telegraph›, dass es die Regierung Ihrer Majestät ist, welche die Weisshelme «mehrheitlich» finanzieren würde. Offiziell gesteht die Cameron-Regierung 3.5 Millionen britische Pfund ein, welche «für Gerät» gespendet wurden. Zusätzliche 10 Millionen britische Pfund haben wohl über einen speziellen Fonds der britischen Regierung ihren Weg zu Le Mesuriers Projekt gefunden. Warum der Name Soros immer wieder fällt, lässt sich damit beantworten, dass Purpose und Avaaz mit Werbung und Kampagnen involviert sind und nicht unberechtigt der Eindruck entsteht, dass Öffentlichkeitsarbeit im Zentrum steht. Auf Weiners Internetauftritt können übrigens gute (oder eventuell auch naive) Menschen zur Hilfe für verletzte Zivilschützer und die Versorgung der Familien verstobener Rettern in einen ‹Helden-Fonds› Geld einzahlen. Bald 320’000 US-Dollar wurden so bereits gesammelt. Das sind schon mal 320’000 US-Dollar, welche westliche Aussenministerien nicht mehr zahlen müssen.

Hilfsorganisationen und Söldnerfirmen

Diese angeblich reine Hilfsorganisation gilt als Projekt des Briten James Le Mesurier. Der frühere Offizier im militärischen Nachrichtendienst Grossbritanniens wird als «Sicherheits-Spezialist» gehandelt. Er bekleidete militärische Posten in Bosnien und innerhalb des Militärbündnisses ‹NATO› im Kosovo. Später arbeitete er für die Vereinten Nationen und dem britischen Aussenministerium. Er ist Gründer von ‹Mayday Rescue›, einer Hilfsorganisation mit Büros in der Türkei, Jordanien und Dubai und erhält dafür offiziell Geld von der britischen Regierung. Le Mesurier arbeitete für ‹Olive Group›, eine private Sicherheitsfirma, die sich mit der Firma ‹Constellis› verbunden hat, welche ihrerseits bei der Söldnerfirma ‹Academi› beteiligt ist, die unter dem Namen ‹Blackwater› speziell im Irak für ihre Verbindung zu Kriegsverbrechen berüchtigt wurde und als Fassade des US-Auslandgeheimdienstes ‹CIA› gilt. Ebenfalls arbeitet Le Mesurier für die Sicherheitsfirma ‹Good Harbour›, welche mit der Firma ‹Site› verbunden ist, die wiederum sowohl Verbindungen zum US-amerikanischen ‹Ministerium für Innere Sicherheit› als auch zum israelischen Geheimdienst ‹Mossad› haben soll. Le Mesuriers Organisation Mayday Rescue listet als Angestellten ein Gründungsmitglied des ‹Homser Revolutionsrats› – einer Dachorganisation der bewaffneten Opposition in Syrien. Diese Revolutionsräte von Syrien geniessen mit hoher Sicherheit alle die Unterstützung der CIA. Mindestens drei hochrangige Angestellte von Le Mesurier, gelten als «Aktivisten» auf Seite der bewaffneten Regierungsgegner. Angestellte von Mayday Rescue arbeiten teilweise auch für die Weisshelme. Gemäss der markigen Worte des alten Soldaten Le Mesurier zu den ersten etwa 700 von ihm ausgebildeten Nothelfer, sind sie «absolut verdammte Helden». Diese «Helden» werden auch vom ‹US Institute of Peace› (US-Institut für Frieden – kurz USIP) unterstützt werden. «USIP hat für die syrische Revolution von allem Anfang an gearbeitet», offenbarte ein Offizieller am 30. September 2014 bei einer Präsentation zu einer öffentlichen Diskussionsrunde mit Saleh als Gastredner. USIP ist eine vollständig von der US-Regierung finanzierte Organisation.

Der Spiegel und Gewohntes

Lea Frehse, Mitte Zwanzig, Reiseleiterin in Israel und freie Journalistin am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Nahost-Expertin für das einflussreiche Spiegel-Magazin – was hätte sie nicht alles diesen Weisshelm-Chef fragen können! Wie mir scheint entschied sich auch diese Journalistin – wie praktisch alle ihre Kollegen – für weit weniger Kontroverses. «Welcher Einsatz ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben», ist im «Interview» so eine typische Einladung an Saleh sich mit Propaganda auszutoben. Ihre letze Frage lautet: «Wie soll es mit den Weisshelmen weitergehen?» Tja, Frau Frehse, was die Medien angeht, denke ich – wie gewohnt unkritisch.

Links:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-zivile-freiwillige-helfer-und-ihre-lebensgefaehrlichen-einsaetze-a-1075066.html