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Ausland, Naher Osten

Angst und Hass im Hause Saud

salman

von Pepe Escobar – http://einarschlereth.blogspot.de

Verzweiflung ist gar kein Ausdruck, um die gegenwärtige Notlage des Hauses Saud zu beschreiben. Riad war sich völlig im klaren, dass die Köpfung des verehrten saudischen shiitischen Klerikers Nimr al-Nimr eine bewusste Provokation war, die eine unüberlegte iranisch Reaktion hervorrufen sollte.

Die Saudis kalkulierten, dass es gelingen würde; schließlich haben sie die beste US-Reklame-Maschine angestellt, die Petrodollars kaufen können, und sie werden instinktiv von dem üblichen Gebabbel der üblen US-Neocons verteidigt.

In einer nach-Orwellschen Welt“ordnung“, wo Krieg Frieden ist und „moderate“ Dschihadisten straffrei ausgehen, ist die Haus Saudische Öl- und Enthauptungs-Hazienda – bar aller zivilisierten Normen von politischer Verhandlung und Bürger-Teilnahme – Vorsitzender der UN-Kommission für Menschenrechte und macht den US-industriellen Komplex fett mit unzähligen Milliarden Dollars, während es vergnügt den Wahhabi/Salafi-Dschihadismus aus MENA (Naher Osten und Nord-Afrika) nach Europa und vom Kaukasus nach Ostasien exportiert.

Und trotzdem lauert ein großes Problem. Die Entscheidung des launischen Königs Salman seinen Sohn, den äußerßt arroganten und äußerst ignoranten Prinz Mohammad bin Salman zur Nummer zwei der Erbfolge zu machen, ist sogar unter Wahhabi-Hardlinern angefochten worden.

Aber rechnet nicht darauf, dass die petro-Dollar-kontrolliert Medien die Geschichte erzählen.

Das englisch-sprachige Fernseh-Netzwerk Al-Arabiyya z. B. in den Emiraten, das seit langem von Mitgliedern des Hauses Saud finanziert wird und im Besitz des MBC-(arabisches) Konglomerats ist, wurde von niemand anderem als Prinz Mohammad persönlich gekauft, der auch MBC kaufen will.

Da Öl weniger als 40 $ kostet, Dank vor allem wegen des saudi-arabischen Ölkrieges gegen sowohl Iran als auch Russland, reißen obendrein Riads konventionelle Kriege ein Riesenloch in den Staatssäckel. Das Budget kollabierte und die Saudis waren gezwungen, Steuern einzuführen.

Der illegale Krieg im Jemen, der mit voller Billigung der USA geführt wird, geleitet – von wem wohl? – von Prinz Mohammed und ausgefochten vor allem von einer sprichwörtlichen Bande von Söldnern, hat vor allem al Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) gedient, so wie der Krieg gegen Syrien vor allem der Jabhat al-Nusrah oder auch al Qaida in Syrien diente.

Vor drei Monaten riefen saudische Ulemas zum Dschihad nicht nur gegen Damaskus, sondern auch gegen Teheran und Moskau auf, ohne dass der „zivilisierte“ Westen mit der Wimper zuckte; schließlich waren die Ulemas clever genug, die Leier von der „russischen Aggression“ zu drehen und die russische Intervention in Syrien, der mit Damaskus abgesprochen wurde, mit der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1979 zu vergleichen.

Das US-Think Tankland schwelgt im Märchenspinnen, dass die Enthauptungs-Provokation ein „Signal“ für Teheran sei, dass Riad den iranischen Einfluss unter Shiiten, die in überwiegend Sunni-Staaten leben, nicht dulden wird. Und im Beltway [die nicht ganz upgedateten Politikaster rund um Washington. D. Ü.] wurde gegackert, dass Riad die „heimischen shiitischen Spannungen“ durch die Enthauptung von al-Nimr entschärfen wollte, was nicht mal als lausiges Propaganda-Flugblatt taugt. Um einzusehen, dass dies Nonsense ist, lasst uns einen kurzen Blick auf Saudiarabiens östliche Provinz werfen.

Alle Augen auf Al Sharqiyya gerichtet

Die Provinz Ash Scharqiyyah

Saudiarabien ist im wesentlichen eine riesige Wüsteninsel. Obwohl die Öl-Hazienda vom Roten Meer und dem Persischen Golg begrenzt wird, kontrollieren die Saudis nicht das Wichtigste: die Schlüsselwege der Kommunikation und des Energieexports – die Flaschenhälse Bab el-Mandeb und die Straße von Hormuz, vom Suezkanal ganz zu schweigen.

Und da tritt der US-“Schutz“ in Aktion, nach Mafia-Art ein „Angebot, das man nicht ablehnen kann“; wir garantieren sichere Passage für den Öl-Export-Fluss durch unsere Flotten-Patrouillen und ihr kauft von uns nonstop die gesamte Waffenpalette und beherbergt unsere Marinebasen und die in den Golfstaaten. Der „Schutz“ wurde früher vom Britischen Imperium geliefert. Daher sind Saudiarabien und die Golfstaaten im Grund anglo-amerikanische Satrapen.

Ash Scharqiyyah – die östliche Provinz von Saudiarabien – hat nur 4 Millionen Einwohner, die überwiegend Schiiten sind. Gleichwohl produziert sie 80 % des saudischen Öls. Die Herz ist die Provinzhauptstadt Al Qatif [hier irrt Pepe – die Hauptstadt der Provinz ist Damman. D. Ü.], wo Nimr al -Nimr geboren wurde. Hier ist die Rede von dem größten Öl-Umschlagplatz der Welt, der aus 12 kreuz und quer liegenden Pipelines besteht, die Verbindung zu den großen Golf-Terminals wie Dhahran und Ras Tanura herstellen.

Hinzu kommt jetzt die Bedeutung des benachbarten Bahrain hinzu. Historisch ist das ganze Land von Basra im Südirak bis zur Halbinsel Musandam in Oman [genauere Karta siehe hier. D. Ü.] – die traditionellen Handelsposten zwischen Europa und Indien – bekannt als Bahrain („zwischen den Meeren“).

Teheran könnte liecht das benachbarte Bahrain nutzen, um Ash Scharqiyyah zu infiltrieren und von der Kontrolle Riads loslösen und ein „Groß-Bahrain“ in Allianz mit Iran bilden. Das ist der Kern der Geschichte, die von den petro-Dollar-Medien gehandelt wird, den sprichwörtlichen westlichen „Experten“, die unaufhörlich vom Beltway nachgeplappert wird.

Es ist keine Frage, dass iranischen Hardlinern diese Möglichkeit eines ständigen Dorns im Fleisch von Riad gefällt. Das würde die Bewaffnung einer Volksrevolution in Ash Scharqiyyah bedeuten. Aber Tatsache ist, dass nicht einmal Nimr al-Nimr für eine Sezession von Ash Scharqiyyah eintrat.

Und das ist auch die Ansicht der Rouhani-Verwaltung in Teheran. Ob unzufriedene Jugendliche in Ash Scharqiyyah am Ende genug haben durch die Enthauptung von al-Nimr, ist eine andere Frage; das würde eine Büchse der Pandora öffnen, die der Revolutionsgarde in Teheran nicht direkt missfallen würde.

Aber der Kern der Sache ist, dass das Rouhani-Team genau das sich entwickelnde Kapitel Südwestasien im Neuen Großen Spiel versteht, gekennzeichnet von der Wieder-Auferstehung eines Iran als regionale Supermacht, und alle Aktionen des Hauses Saud, von den hoffnungslos untauglichen bis zu den großen strategischen Fehlern nur die äußerste Verzweiflung über das Ende der alten Ordnung zeigen.

Das umfasst alles, von dem nicht zu gewinnenden Krieg (Jemen) bis zur offenen Provokation (der Enthauptung von al-Nimr) und der folgenlosen neuen Islamischen 34-Länder anti-Terror Koalition, von der die meisten Mitglieder nicht einmal wissen, dass sie dazugehören.

Vorherrschend ist die Zwangsvorstellung des Hauses Saud, getränkt in Angst und Hass: die iranische „Bedrohung“.

Riad, das keine Ahnung hat, wie geopolitisches Schach gespielt wird – oder Backgammon – wird an dem Ölkrieg festhalten, da es an eine militärische Konfrontation mit Iran nicht einmal denken kann. Und alles wird zum Stillstand kommen, in Erwartung des nächsten Amtsinhabers in der Pennsylvania Avenue 1600; wird er/sie geneigt sein, eine Rück-Ausrichtung nach Südwestasien vorzunehmen und an der alten Ordnung festzuhalten (unwahrscheinlich, da sich Washington darauf verlässt, unabhängig vom saudischen Öl zu werden)? Oder wird das Haus Saud mit seinen – kläglichen – Mitteln allein gelassen inmitten der mit Haien verseuchten Gewässer der hart-gekochten Geopolitiker?

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

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