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Ausland, Naher Osten, Nordamerika

Zu Hershs Artikel “Military to Military”

hershvon https://nocheinparteibuch.wordpress.com

Wer es noch nicht gemacht hat und des Englischen mächtig ist, dem sei an dieser Stelle empfohlen, den neuen unglaublichen Artikel des preisgekrönten US-Journalisten aus jüdischem Elternhaus, Seymour Hersh, “Military to military” zu lesen.

Wer des Englischen nicht mächtig ist, findet beim russischen Sputnik, beim Schweizer Tagi und in der Jungen Welt kurze Zusammenfassungen des langen Artikels in deutscher Sprache.

Der Inhalt in Kürze: In seinem beim “London Review of Books” veröffentlichten Artikel behauptet Seymour Hersh gestützt auf eine ungenannte hochrangige Quelle beim US-Militärkommando “Joint Chiefs of Staff”, dass das US-Militärkommando unter General Dempsey beginnend ab dem Sommer 2013 eigenmächtig handelnd, hinter dem Rücken von US-Oberbefehlshaber Obama, Obamas Politik des Regime Changes in Syrien gezielt hintertrieben hat. Dies soll geschehen sein, indem das US-Militärkommando geheime Informationen und Analysen an Militärs dritter Staaten, namentlich Russland, Deutschland und Israel, weitergegeben hat, in der Erwartung, diese Staaten würden die Informationen weiter an Syrien geben, und der syrischen Armee würde damit entscheidend dabei geholfen werden, die gegen sie kämpfenden Terror-Milizen zu bezwingen. Der Grund für dieses Verhalten des US-Militärkommandos sei gewesen, dass sämtliche Analysen des US-Militärgeheimdienstes DIA zu dem Schluss gekommen sind, der Sturz Assads würde zur Folge haben, dass Syrien anschließend von Al Kaida und ähnlichen von der Türkei, Saudi Arabien, Katar, Britanien und der CIA unterstützten salafistischen Terrorbanden beherrscht würde. Das hielt die politische Führung der USA und die CIA nicht davon ab, ihre Politik des Regime Changes in Syrien weiter zu verfolgen, das US-Militärkommando wollte das jedoch verhindern, weil es Al Kaida, ISIS und ähnliche Terrorbanden als Feinde betrachtet, die nicht gestärkt, sondern besiegt werden müssen. Mit der planmäßigen Pensionierung von General Dempsey vor einigen Wochen und der anschließenden Berufung von General Dunford zum Leiter des US-Militärkommandos arbeite das US-Militärkommando nun jedoch wieder so, wie es der politischen Linie von Barack Obama entspreche. Bezüglich der Einschätzung des Artikels möchte das Parteibuch betonen, dass Seymour Hersh in dem Artikel mit der Wahrheit und dem Spin drumherum offensichtlich ausgesprochen “kreativ” umgegangen ist, und dass sein neuer Artikel nicht losgelöst davon gesehen werden sollte, dass die USA sich in der entscheidenden Phase des Vorwahlkampfes befinden, wo zwei Lager von Kandidaten zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von den zukünftigen Kriegsanstrengungen der USA in Syrien propagieren.

Zunächst mal zu dem, was in Hershs Artikel offensichtlich falsch ist. Hersh porträtiert in seinem Artikel Israel als Verbündeten des syrischen Präsidenten Assad im Kampf gegen islamischen Extremismus, weil Israel ein Interesse an einer von Assad gewährleisteten sicheren Grenze habe, und führt weiter aus, deshalb habe das US-Militär geheime Informationen an Israel gegeben, in der Erwartung, dass Israel diese Informationen an Syrien weiterreicht, um damit der syrischen Armee im Kampf gegen islamische Extremisten zu helfen. Die öffentlich bestens bekannte Wahrheit ist jedoch, dass Israel sich zwar offiziell neutral gibt, aber tatsächlich unbedingt den Sturz von Präsident Assad will, um so die Herrschaft über den israelisch besetzten Teil der Golanhöhen zu festigen und den mit Syrien unter Assad verbündeten Iran zu schwächen, auch wenn das bedeutet, dass anstelle von der Regierung Assad in Syrien wahhabitische Extremisten wie die Terrorgruppe Al Kaida und ihre Partner an die Macht kommen. Hochrangige israelische Ex-Funktionsträger, die nicht an die offizielle israelische Sprachregelung bezüglich einer angeblichen Neutralität gebunden sind, wie etwa Ex-Mossad-Direktor Halevy und Ex-Botschafter Oren haben da nie ein Geheimnis draus gemacht, und auch das tatsächliche Handeln und Wirken der israelischen Streitkräfte sowie der Israel-Lobby in den USA und sonstwo lassen keinen Zweifel daran. Die israelische Luftwaffe ist seit dem Beginn des Krieges in – oder genauer gegen – Syrien eine ganze Reihe von Angriffen gegen die syrische Armee und ihre Verbündeten geflogen, darunter auch solche Angriffe, die keinem anderen Zweck dienen konnten als den Regime Change in Syrien voranzutreiben, wie es etwa beim israelischen Luftangriff gegen die syrische Küstenverteidigung Ende 2013 in der weit von Israel entfernten syrischen Provinz Latakia der Fall war. Weiterhin hat Israel im Golan Unterstützungsleistungen für syrische Anti-Regierungskämpfer erbracht, wie unter anderem UN-Beobachter berichteten, wobei Israel nicht abstreitet, medizinische Dienstleistungen auch für Terroristen von Al Kaida erbracht zu haben, die anschließend zurück nach Syrien in den Kampf gegen die syrische Regierung geschickt wurden. Weiterhin versuchte die israelische Regierung, die USA mit von ihrem Militärgeheimdienst gefälschten Beweisen, mit denen der syrischen Regierung der Einsatz von Chemiewaffen im August 2013 nahe Damaskus untergeschoben werden sollte, zu schweren Luftangriffen gegen die syrische Regierung und ihr Militär zu bewegen. Weiterhin ist schon seit dem Beginn des Krieges gegen Syrien im Jahr 2011 zu beobachten, dass die Handlanger der Israel-Lobby in Politik, Medien und Meinungsmache der USA und anderer westlicher Staaten, einschließlich Deutschlands, von Anfang an besonders intensiv auf einen gewaltsamen Regime Change in Syrien drängten, einschließlich dessen, dass sich AIPAC, der offizielle Dachverband der Israel-Lobby in den USA, im September 2013 offen für die Bombardierung der syrischen Regierung und ihres Militärs durch die USA einsetzte, und sie wollen immer noch mehr Krieg gegen Syrien.

Es ist schlechterdings unverstellbar, dass Seymour Hersh nicht bemerkt hat, dass Israel und die Israel Lobby treibende Kräfte beim Versuch des Regime Changes in Syrien sind. Seymour Hersh muss sich der Macht der Israel Lobby auch sehr bewusst sein, denn früher hatte er schon einige Male durchaus kritisch über Israel geschrieben und sich damit den Zorn der Israel Lobby zugezogen. Weiterhin dürfte es nun schließlich nicht zuletzt Druck der Israel-Lobby sein, der jetzt dafür sorgt, dass er, obgleich er ein preisgekrönter US-Journalist ist, in den USA niemanden mehr findet, der ihn veröffentlicht, sodass er mit seinen Artikeln nun, genau wie es vor ihm schon die Professoren Mearsheimer und Walt mit ihrem bei der Israel-Lobby regelrecht verhassten bahnbrechenden Werk “The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy” taten, zum britischen “London Review of Book” geht. Auch ist es nicht sehr plausibel, dass es Seymour Hersh entgangen sein soll, dass ein wesentliches gefälschtes Beweisstück zur Anschuldigung Syriens für den Chemiewaffeneinsatz nahe Damaskus im August 2013, nämlich die vorgeblich von der “Unit 8200” abgehörten Gespräche syrischer Militärs dazu, von Israel kam und dieser gefälschte Beweis anschließend von der Israel-Lobby nahestehenden Propagandisten promotet wurde, denn schließlich hat Seymour Hersh selbst vor einigen Monaten noch in aller Ausführlichkeit und unter Würdigung vieler Beweise begründet, dass dieser Chemiewaffeneinsatz eine False-Flag-Attacke von Terroristen war, der mit dem Ziel durchgeführt wurde, die USA zu Luftangriffen gegen die syrische Regierung und ihr Militär zu bewegen. Und natürlich ist es genauso absurd, zu glauben, dass Seymour Hersh oder dem US-Militär die sonstige umfangreiche Unterstützung von Israel und der Israel-Lobby für den Regime Change in Syrien entgangen ist, von der praktischen Schwierigkeit, dass Israel keine diplomatischen Kontakte mit dem Feindstaat Israel pflegt, ganz zu schweigen. Seymour Hershs Behauptung, das US-Militär habe geheime US-Informationen an Israel weitergegeben, in der Erwartung, dass Israel diese an Syrien weitergibt, damit Syrien den unter anderem von den USA gegen den Willen Israels vorangetriebenen Regime Change abwehren kann, darf demnach als eine für jeden aufmerksamen Beobachter des politischen Weltgeschehens leicht erkennbare Lüge betrachtet werden. Die auf bekannten Tatsachen basierenden Beweise dafür sind überwältigend.

Sollte das US-Militär tatsächlich, wie von Seymour Hersh behauptet, Syrien geheime Informationen zum Zweck der Abwehr des Regime Changes zukommen lassen haben, dann wäre Israel der allerletzte Weg, den das US-Militär dazu genommen haben könnte. Israel engagiert sich defintiv nicht gegen den Regime Change in Syrien, sondern arbeitet mit großer Anstrengung am Regime Change in Syrien, und hat dabei auch den syrischen Al-Kaida-Zweig Nusra Front, ISIS und andere Terroristen unterstützt, und das zumindest bis zum Herbst 2015, wo schließlich auch Israel diese Terrorbanden offiziell zu Terroristen erklärt hat. Sollte das US-Militär Israel geheime Informationen bezüglich Syrien gegeben haben, so ist deshalb vielmehr damit zu rechnen, dass Israel diese Informationen nicht an Syrien, sondern an andere Staaten, die den Regime Change in Syrien unterstützen, etwa die Türkei, Saudi Arabien und Katar, weitergegeben hat, und wohl auch die in Syrien aktiven Terrorgruppen letztlich an diese Informationen herangekommen sind. Israel wäre also der denkbar schlechteste Weg für das US-Militärkommando, um an Syrien geheime Informationen durchzustechen, die Syrien hilfreich bei der Abwehr der terroristischen Regime Changes sind.

Das gleiche gilt im Grunde auch für Deutschland, wenngleich in etwas abgeschwächter Form. In Deutschland ist die Unterstützung Israels, nach Ansicht von Bundeskanzlerin Merkel Staatsräson, und die deutschen Nachrichtendienste und Militärs sind deshalb besonders eng mit Israel verzahnt. Davon zeugt nicht zuletzt die Tatsache, dass die zum Chemiewaffenangriff nahe Damaskus gefälschten israelischen Beweise in Kollaboration mit Deutschland, genauer gesagt, dem Bundesnachrichtendienst und dem vor Syrien kreuzenden deutschen Spionageschiff Oker, entstanden sein sollen. Eine ähnliche Rolle hatte als Lieferant gefälschter Beweise hatte Deutschland bereits vor dem von Israel und der Israel-Lobby vorangetriebenen Krieg gegen den Irak gespielt, als Deutschland mit “Curveball” den wesentlichen lügenden Zeugen für die kriegsbegründende Falschbehauptung, der Irak habe Massenvernichtungswaffen, bereitstellte. Hinzu kommt, dass, wenngleich der Boss des Bundesnachrichtendienstes seit einiger Zeit angeblich ab und an nach Syrien zu Gesprächen reisen soll, Deutschland Mitglied der als “Freunde Syriens” bekannten Staatengruppe der Feinde Syriens ist und Deutschland 2012 die diplomitischen Beziehungen zu Syrien abgebrochen hat. Sollte das US-Militärkommando geheime Informationen über Syrien an Deutschland geben, so kann deshalb getrost davon ausgegangen werden, dass diese Informationen von Deutschland aus zunächst nicht an Syrien durchsickern, sondern erstmal an Israel und damit alle anderen Feinde Syriens weitergegeben würden. Als informeller Bote für geheime Informationen des US-Militärkommandos an Syrien wäre Deutschland damit jedenfalls ausgesprochen ungeeignet, fast so ungeeignet wie Israel selbst. Viel zuverlässiger wäre es für das US-Militärkommando, geheime Informationen zum Zweck des Durchstechens an Syrien an russische Militärs zu übergeben, was von Seymour Hersh auch als dritter Botenstaat genannt wurde, denn Russland arbeitet eng mit Syrien zusammen. Das Gleiche gilt für den Irak, der sowohl mit den USA als auch mit Syrien und insbesondere mit Iran eng zusammenarbeitet, der außer zu den USA keine engen Beziehungen zu den Feinden Syriens pflegt, und der sich schon durch seine hartnäckige Weigerung, den äußerst wichtigen Luftraum über dem Irak für iranischen Nachschub nach Syrien zu sperren, als unerlässlicher Verbündeter Syriens erwiesen hat.

Eine möglicherweise noch geschicktere Variante als Botenstaat wäre für das US-Militärkommando vermutlich jedoch die tschechische Republik, die in demonstrativer Missbilligung der zionistisch-wahhabitischen Regime-Change-Agenda weiterhin gute Kontakte zu Syrien unterhält, deren Botschaft in Damaskus nach wie vor arbeitet und die auch einen Spiegel der Webseite der syrischen Nachrichtenagentur SANA hostet. Sollte das US-Militärkommando etwa dem Militärattaché der tschechischen Botschaft Berichte des US-Militärgeheimdienstes zur Lage in Syrien zukommen lassen oder lassen haben, so wäre das leicht mit einer vorgeblichen oder echten Sorge um die Sicherheit des Botschaftspersonals des tschechischen NATO-Verbündeten zu begründen. Das wäre dann wohl kein Geheimnisverrat, sondern ein legaler und legitimer Informationsaustausch mit einem NATO-Verbündeten, insbesondere wenn von den Tschechen dann auch Berichte von vor Ort in die andere Richtung fließen. Durchaus denkbar wäre es dann weiter, dass der tschechische Militärattaché oder einer seiner Mitarbeiter diese Berichte, etwa im Rahmen regelmäßiger Besprechungen zur Sicherheit des tschechischen Botschaftspersonals mit syrischen Militärs diese Berichte mit diesen erörtert und auf diese Weise etwa Kopien der Gesprächsgrundlage, also der vertraulichen US-Berichte, das syrische Militär erreichen. Sollten solche Berichte dann Informationen etwa zu politischen Planungen, zu geplanten Offensiven von Rebellen und Terroristen oder präzise Ortsangaben und Koordinaten zu Verstecken von Waffen und Sprengstoffen und Versammlungsorten von Terroristen und Anführern enthalten, dann könnten solche Berichte natürlich durchaus nützlich für die syrische Armee sein. Sollte das etwa so, über welches Land auch immer, gelaufen sein, oder noch laufen, dann wäre es verständlich dass Seymour Hersh den tatsächlichen Kanal des Durchstechens in seinem Artikel nicht offenbart, denn schließlich gehört Hersh genausowenig wie seine Quelle beim US-Militärkommando offensichtlich nicht gerade zu den Befürwortern eines terroristischen Regime Changes in Syrien.

Des weiteren ist es durchaus möglich und sogar wahrscheinlich, dass das US-Militärkommando auch Berichte zur Lage in Syrien an Israel, Deutschland und weitere Verbündete wie die Türkei gegeben hat. Selbstverständlich findet unter Verbündeten ein Informationsaustausch statt. Wenn das US-Militärkommando mit solchen Informationen den Regime Change in Syrien sabotieren wollte, dann dürfte das US-Militär in diese Kanäle massenhaft Falschinformationen und irreführende Analysen gepumpt haben. Auf diese Weise könnte probiert worden sein, die Terroristen und ihre Unterstützer zu falschen Lageeinschätzungen zu führen, Zwietracht unter den Terroristen und ihren Unterstützern zu sähen und sie zu reihenweise Fehlentscheidungen zu verleiten, die sich auf ihre Pläne zum Regime Change in Syrien nachteilig auswirken. Zu der Möglichkeit, dass die USA Verbündeten wie Deutschland und Israel mit Falschinformationen geflutet haben könnten, würde die Tatsache passen, dass der deutsche BND-Chef Schindler zum Jahreswechsel 2012/2013 über Monate hinweg einen völlig desinformierten Eindruck machte, und in öffentlichen Interviews mehrfach einen baldigen Zusammenbruch der syrischen Armee und einen damit einhergehenden Sturz des Präsidenten Assad voraussagte, obwohl das der militärischen Lage in Syrien überhaupt nicht entsprach.

Ein weiterer stark anzuzweifelnder Punkt von Seymour Hersh beziehungsweise seiner ungenannten Quelle beim US-Militärkommando ist die sensationelle Behauptung, dass die führenden US-Militärs ohne Wissen und Wollen des US-Präsidenten und Oberbefehlshabers Barack Obama Syrien mit geheimen Informationen geholfen hätten. Sofern es diese behauptete Hilfe durch das gezielte Durchstechen nützlicher Informationen an Syrien seitens des US-Militärkommandos überhaupt gegeben hat, so ist es nicht plausibel, dass General Dempsey und das Militärkommando das auf eigene Kappe gemacht haben. Viel plausibler ist da die Annahme, dass es, falls die Geschichte mit dem Durchstechen nützlicher Informationen an Syrien überhaupt stimmt, sehr wohl einen entsprechenden Befehl Obamas dazu gegeben hat, nur dass dieser Befehl eben streng geheim war und immer noch geheim ist. Wie aus einer von Lakaien der Israel-Lobby wie John McCain vorangetriebenen Anhörung im US-Senat Anfang Februar 2013 hervorging, die wie Jeffrey White vom AIPAC-Ableger “Washington Institute” zuwenig Waffenlieferungen an Terroristen durch die USA im Sommer 2012 bemängelten, gehörte General Dempsey im Wahlkampfsommer 2012, wo Barack Obama um seine Wiederwahl kämpfte, zusammen mit Außenministerin Hillary Clinton, Kriegsminister Leon Panetta und CIA-Chef General David Petraeus zu denjenigen, die Barack Obama zu mehr US-Waffenlieferungen an Terroristen in Syrien drängten, während der US-Militärgeheimdienst DIA am 5. August 2012, also etwa zur selben Zeit, in einem Rundschreiben an zahlreiche US-Behörden eindringlich davor warnte, sektierisch motivierte salafistische Extremisten einschließlich Al Kaida seien die Haupttriebkräfte der Rebellion in Syria, und die Unterstützung der Rebellion würde dazu führen, dass Al Kaida gestärkt werde und vermutlich auch ein deklariertes oder undeklariertes salafistisches Fürstentum von Al Kaida im Osten Syriens und im angrenzenden Irak geschaffen werde, wie aus dem im Mai 2015 freigegebenen Dokument des DIA hervorgeht. Obama lehnte die bessere Bewaffnung der Rebellen-Terroristen hingegen ab und setzte sich als Präsident mit der Ablehnung praktisch allein gegen Kriegsministerium, Außenministerium, Militärkommando und CIA durch. Nach seiner erfolgreichen Wiederwahl im November 2012 schieden Clinton, Panetta und Petraeus, drei Hauptbefürworter von mehr Terroristenbewaffnung, aus dem Amt und es war wiederum Präsident Obama, gemeinsam mit Vize-Präsident Biden handelnd, der die Berufung des vor Jahren im Streit mit der Israel-Lobby aus dem Senat geflogenen republikanischen Ex-Senators Chuck Hagel zum Kriegsminister gegen den erbitterten Widerstand der republikanischen Lakaien der Israel-Lobby im US-Senat durchsetzte. Chuck Hagel betrachtete die von der Israel-Lobby und ihren Lakaien geforderte bessere Bewaffnung von islamischen Terroristen-Rebellen in Syrien und den Versuch des Sturzes von Präsident Assad durch die USA als “bekloppt bis zur Verrücktheit,” wie Gwenyth Todd, Ex-Beraterin beim Nationalen Sicherheitsrat der USA, nach Erscheinen des jüngsten Artikels von Seymour Hersh in einem Interview mit Sputnik bekräftigte. Erst nach der Wiederwahl von Obama und der von ihm erfolgreich durchgesetzten Berufung von Hagel änderte sich die Einstellung von Dempsey zur Bewaffnung von Terroristen in Syrien plötzlich: in einem gemeinsamen Auftritt mit Kriegsminister Hagel vor dem Kongress trat General Dempsey im April 2013 plötzlich als Bremser und Bedenkenträger bezüglich eines stärkeren Engagements der USA in Syrien auf. Obama schien mit diesem Sinneswandel von General Dempsey zufrieden zu sein, denn im Juni 2013 nominierte Barack Obama General Dempsey und seinen Stellvertreter Admiral Winnefeld erneut für die Posten zur Leitung des US-Militärkommandos. Auch weitere Entscheidungen, die die Chancen für einen Sturz von Assad deutlich verringert haben, hat Obama getroffen. So zum Beispiel war es Obama, der nach dem False-Flag-Chemiewaffenangriff nahe Damaskus im August 2013 entschieden hat, anstelle wie von der Israel-Lobby gefordert, Syrien zu bombardieren, den US-Kongress um eine Kriegsermächtigung gegen die Verantwortlichen des Chemiewaffenangriffs, wer auch immer das sei, zu ersuchen, und der anschließend mit Russland eine Vereinbarung zur Beseitigung der syrischen Chemiewaffen getroffen hat, wodurch der syrische Präsident Assad, zumindest bei diesem Unterfangen, defacto wieder ein Partner der USA wurde. Es war Obama, der nach dem Fall von Mossul und der Bedrohung der irakischen Jesiden mit Genozid durch ISIS, entschieden hat, in Partnerschaft mit der irakischen Regierung Krieg gegen die islamischen Extremisten von ISIS zu führen, wodurch das US-Militär defacto auf Seiten der irakisch-iranisch-syrischen Allianz in den Krieg gegen islamische Rebellen-Terroristen in Irak und Syrien eingetreten ist. Und natürlich war es auch Obama, der gegen den erbitterten Widerstand von Israel, der Israel-Lobby und ihren Lakaien in den USA den Nukleardeal mit dem Iran durchgeboxt damit den Iran – und damit die Achse Teheran-Damaskus – strategisch gestärkt hat, womit gleichzeitig das israelisch-saudische Kriegsziel in Syrien, den Iran strategisch zu schwächen, völlig konterkariert wurde. Wenn Seymour Hersh also in seinem Artikel behauptet, General Dempsey und das US-Militärkommando hätten durch das gezielte Durchstechen von geheimen Informationen an Syrien Obamas erklärte Politik des Regime Changes in Syrien hintertrieben, so hätte er genausogut behaupten können, General Dempsey und das US-Militärkommando hätten damit Obamas unerklärte Politik strategischer Entscheidungen zugunsten der Achse des Widerstandes im Krieg gegen den Terror von Al Kaida und Kumpanen unterstützt. Das wäre dann alles andere als sensationell, und selbst wenn dazu behauptet würde, das US-Militärkommando hätte das auf eigene Kappe ohne Wissen und Wollen von Obama gemacht, so würde sich der Eindruck eines geheimen Befehls oder wenigstens eines unerklärten Einverständnisses von US-Oberbefehlshaber Barack Obama mit diesem Vorgehen des US-Militärkommandos zum Zweck einer plausiblen Abstreitbarkeit geradezu aufdrängen. Man kann deshalb den Part von Semour Hershs Artikel, das US-Militärkommando hätte das ohne das explizite Wissen von Obama gemacht, getrost als offensichtlich irreführend bezeichnen, und was das Wollen angeht, als sehr wahrscheinlich schlicht falsch.

Zieht man von Hershs Artikel die beiden falschen und irreführenden Behauptungen ab, das US-Militärkommando habe erstens geheime Informationen wider das Wissen und Wollen von US-Präsident Obama an Syrien zur Unterstützung von Assad durchgestochen, und dies zweitens unter anderem durch Mittelsmänner in Israel und Deutschland bewerkstelligt, so bleibt von Hershs Artikel in seiner sensationellen Substanz nicht mehr viel übrig. Hersh hätte zu dieser Substanz anstelle eines 7000-Wort-Artikels auch folgende Kurzmitteilung veröffentlichen können:

“Eine von mir geheimgehaltene Quelle beim US-Militärkommando behauptet, das US-Militärkommando habe dafür gesorgt, dass geheime Informationen und nützliche Analysen des US-Militärgeheimdienstes durch geeignete indirekte Militärkanäle die syrische Armee erreicht haben, wodurch sowohl die syrische Armee gestärkt als auch Obamas unerklärte Politik der strategischen Stärkung der Achse des Widerstandes in der Auseinandersetzung mit dem wahhabitischen Terrorismus und seinen Förderern unterstützt wurde.”

Das wäre nicht mehr sonderlich sensationell, gleich, ob man dieses Gerücht nun für wahr hält oder nicht.

Doch Hershs Artikel hat trotzdem einen nicht zu unterschätzenden Wert im Beiwerk der Begründung für die angebliche Unterminierung von Obamas Regime-Change-Politik in Syrien durch das US-Militärkommando. Herausragend dabei sind die Aussagen des namentlich zitierten Ex-Chefs des US-Militärgeheimdienstes DIA Michael Flynn. Hersh erklärt seiner ungenannten Quelle beim US-Militärkommando zufolge hätten der US-Militärgeheimdienst DIA und das US-Militärkommando im Sommer 2013 einen streng geheimen Bericht gefertigt, der basierend auf unterschiedlichen geheimdienstlichen Quellen wie Informanten, Satellitenaufklärung und Kommunikationsüberwachung zu dem eindeutigen Schluss gekommen ist, dass es keine nennenswerte “moderate” Opposition gegen Assad gibt und die USA Extremisten bewaffnen würden. Ein Sturz von Assad in Syrien würde dazu führen, dass in syrien Chaos wie in Libyen ausbricht, und, wahrscheinlich, Jihadi-Extremisten die Macht in Syrien übernehmen würden. Weiter berichtet Seymour Hersh dazu:

Generalleutnants Michael Flynn, der von 2012 bis 2014 Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA war, bestätigte, dass sein Dienst einen konstanten Strom geheimer Warnungen über die schrecklichen Folgen des Stürzens von Assad an die zivile Führung gesendet habe. Die Jihadisten, sagte er, hätten die Kontrolle über die Opposition. Die Türkei würde nicht genug tun, um den Schmuggel von ausländischen Kämpfern und Waffen über die Grenze zu stoppen. “Wenn die amerikanische Öffentlichkeit die Geheimdienstberichte sehen würde, die wir täglich produzierten, auf dem sensibelsten Niveau, dann würden sie ausrasten,” sagte Flynn mir. “Wir verstanden ISISs langfristige Strategie und seine Kampagnenpläne, und wir haben auch den Fakt diskutiert, dass die Türkei weggeschaut hat, was das Wachstum des Islamischen Staates in Syrien betrifft.” Die Berichterstattung des DIA, sagte er, “erfuhr enormen Gegenwind” von der Obama-Regierung. “Ich fühlte, dass sie die Wahrheit nicht hören wollten.”

Das, was Seymour Hersh hier im einleitenden Beiwerk zu seinem langen Sensationsartikel eingebettet hat, ist im Unterschied zu den auf anonymen Quellen basierenden Behauptungen kein Gerücht, sondern eine harte und im Kern auch verifizierbare Nachricht. Die US-Regierung wusste aufgrund der Berichte des DIA genau, dass ihre eigenen und die Bemühungen ihre internationalen Partner zum Regierungssturz in Syrien dazu führen würden, dass Extremisten wie die von ISIS und Al Kaida in weiten Teilen Syriens und des Iraks die Macht übernehmen würden. Diese Behauptung des Ex-DIA-Chefs wird unterstützt von dem bereits oben angeführten Dokument des DIA vom 5. August 2012, das, wie aus dem Kopf des Dokuments hervorgeht, einem weiten Verteilerkreis in den Sicherheitsorganen und Ministerien der USA zugestellt wurde, und im Mai 2015 deklassifiziert wurde. Weiterhin hat Michael Flynn in einem TV-Interview im August 2015 erklärt, dass die US-Regierung es nicht übersehen habe, dass die Fortführung ihrer Politik zum Sturz der syrischen Regierung zur Machtergreifung der salafistischen Extremisten von Al Kaida, ISIS und ihrer Kumpane führen würde, sondern ihr das genau bekannt war und sie eine bewusste Entscheidung diesbezüglich getroffen habe. Und nun hat Michael Flynn im Gespräch mit Seymour Hersh nachgelegt, und eben erklärt, sein Dienst habe den politischen Führern der USA “einen konstanten Strom geheimer Warnungen über die schrecklichen Folgen des Stürzens von Assad” gesendet, sodass nun vermutlich niemand von den Entscheidungsträgern in der Politik sagen kann, er oder sie habe nichts von den schrecklichen Folgen ihrer anti-syrischen Politik gewusst. Immer wieder sind sie vom DIA mit diesen Informationen überschüttet worden, und anstatt die zu den schrecklichen Folgen führende Politik zu ändern, habe das weiße Haus die Wahrheit verdrängen wollen und enormen Gegenwind gegen die, wie inzwischen durch Zeitablauf allgemein bekannt ist, im Großen und Ganzen sehr exakt zutreffenden Berichte des DIA gemacht. Das nächste Zitat von Michael Flynn ist vermutlich der Schlüssel, um den langen Artikel von Hersh, seine Form und seine Intention zu verstehen: “‘Wenn die amerikanische Öffentlichkeit die Geheimdienstberichte sehen würde, die wir täglich produzierten, auf dem sensibelsten Niveau, dann würden sie ausrasten,’ sagte Flynn.”

Darum geht’s in dem Artikel: der amerikanischen Öffentlichkeit begreiflich zu machen, dass die US-Regierung zum Zweck des Sturzes des säkularen syrischen Machthabers Assad, der noch nie eine Bedrohung für die USA oder ihre Verbündeten darstellte, willentlich und wissentlich Terroristen von Al Kaida, ISIS und ihre extremistischen Kumpane gestärkt hat. Nach mehr als einem Jahrzehnt des US-geführeten internationalen Krieges gegen den Terror von Al Kaida und Kumpanen, in dem Hunderttausende Menschen ihr Leben verloren, darunter mehrere Tausend US-Soldaten, in dem Billionen an Dollar Steuergeldern versenkt wurden, die in den USA dringend für andere Aufgaben gebraucht würden, wo US-Massenmedien die Bevölkerung unununterbrochen in Angst vor Terrorismus, Al Kaida und dem Islam hielten und Panik schürten, wo die Freiheitsrechte der Bürger massiv eingeschränkt wurden, haben führende US-Politiker und internationale Allierte der USA zum Zweck sinnloser geopolitischer Machtspielchen mit voller Rückendeckung der meisten US-Massenmedien die bewusste Entscheidung getroffen, Al Kaida und ähnliche Terroristen zu hofieren, zu unterstützen und zu bewaffnen, wodurch Al Kaida und Kumpane stärker als je zuvor wurden, wobei Hunderttausende Menschen getötet wurden, weitere Millionen vertrieben wurden und Christen in den von ISIS und Al Kaida beherrschten Regionen nahe der Ausrottung sind – und sie tun es noch, obwohl die USA gleichzeitig nach wie vor Krieg gegen Al Kaida, ISIS und ihre Kumpane führen. Das ist der große Skandal, der das Potential hat, dass die amerikanische Öffentlichkeit so wütend auf ihre Politiker wird, dass sie, wie Ex-DIA-Chef Flynn es ausdrückt, die Wände hochgeht, wenn ihr das bewusst wird. Und genau darauf scheint der Artikel von Hersh es anzulegen. Gegenwärtig befinden sich die USA in der entscheidenden meinungsbildenden Zeit der Vorwahlkämpfe. Jetzt ist es genau die richtige Zeit für die US-Bevölkerung, die Wände hochzugehen, und dann in ein paar Wochen die ganze Bande von US-Politikern, die Al Kaida unterstützt, mit dem Stimmzettel zum Teufel zu jagen. Bei den Demokraten handelt es sich dabei insbesondere um Hillary Clinton, wie die Internetplattform Democracy Now!, die wie Hersh dem “Obama-Sanders-Flügel” der Demokraten nahezustehen scheint, anlässlich eines Interviews mit Seymour Hersh zu seinem Artikel durch einen Vergleich ihrer Positionen zu Syrien mit der von Sanders gut herausgearbeitet hat, während es sich bei den Republikanern natürlich um die vom “Establishment” unterstützten Neocon-Kandidaten Rubio, Bush, Christie, Kasich und Fiorina handelt.

Da es in der Wahlkampfzeit nicht einfach ist, überhaupt öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen, ist es durchaus verständlich, dass Seymour Hersh in dieser schwierigen seinen Artikel zur Unterstützung von Al Kaida und Co durch führende US-Politiker mit sensationell erscheinenden Behauptungen zum Hintergehen von Obamas angeblichem Regime-Change-Wunsch in Syrien durch seine Generäle und eine behauptete israelische Unterstützung dabei etwas aufgepeppt hat. Durch das “Aufpeppen” seiner Geschichte mit sensationellen Behauptungen macht er eine weite Verbreitung wahrscheinlicher. Man könnte auch sagen, Hersh hat Köder ausgelegt, die darauf warten, dass Politiker oder Medien des Establishments die Geschichte aufgreifen, etwa wenn Republikaner Obama und den Demokraten vorwerfen wollen, sie hätten das Militär nicht unter Kontrolle, und dabei en passant die wichtige Information weitertragen, dass führende Politiker der USA zum Zweck des Regime Changes in syrien Al Kaida und Kumpane unterstützen. Wer der Meinung ist, dass die Rolle des Gschichten mit sensationellen Halbwahrheiten aufbauschenden Sensationsjournalisten zu Hersh nicht sonderlich passt, dem mag das Parteibuch beipflichten, und die Meinung hinzufügen, dass Hersh sich in dieser Rolle anders als Trump auch nicht sonderlich wohlzufühlen scheint. Im Interview mit RT zu seinem Artikel unterlief Hersh sogar der Freudsche Versprecher, zu sagen, die US-Militärs hätten mit ihrer Unterstützung für Syrien gegen die Parteilinie gehandelt, um sich dann zu korrigieren, und zu sagen, gegen die Präsidentenlinie. Weiterhin erklärt Seymour Hersh da, dass es schwierig für Michael Flynn ist, etwas substantielles zu sagen, ohne gegen Geheimhaltungsvorschriften zu verstoßen, was man durchaus so verstehen kann, dass seine ungenannte Quelle beim US-Militärkommando und Michael Flynn identisch sind.

Abzuwarten bleibt nun, ob der Artikel von Hersh es wirklich schafft, der US-Bevölkerung die Unterstützung von Al Kaida durch führende US-Politiker ins Bewusstsein zu bringen und zu entsprechenden Änderungen ihres Wahlverhaltens zu bewegen. Bernie Sanders scheint es mit seiner zurücknehmenden Art schwer zu fallen, aus der Enthüllung politisches Kapital zu schlagen. Wenn Donald Trump mit seiner großen Klappe die Geschichte aufgreifen sollte, könnte das aber schon ganz anders aussehen, und Flynns Wunsch, dass die US-Bevölkerung die Wände hochgeht, Wirklichkeit werden.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2015/12/25/zu-hershs-artikel-military-to-military/#more-16341

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